die Planung

Wann der eigentliche Traum erwacht, kann keiner von uns mehr sagen. Er ist wohl im Laufe der Zeit immer mehr gewachsen, vielleicht auf einer der Reisen nach Australien.

Jedenfalls stoßen wir eines Tages beim Surfen im Internet auf einige Reiseberichte von Weltreisenden u.a. von 2 jungen Männern, die mit ihrem Magirus Deutz auf dem Weg nach Australien waren. Die beiden schreiben derart anschaulich und lustig, dass wir immer mehr auf den Geschmack kommen.

Den ganzen Winter 2003/04 forschen wir nach immer neuen Berichten

www.katonworldtour.com
www.landcruisingadventure.com
www.outdoor-production.com
www.weltreise-forum.info

und schließlich steht der Entschluss fest:

es geht auf große Fahrt!!

Die Suche nach einem passenden Fahrzeug beginnt und relativ schnell fällt die Wahl auf einen MB 911 oder einen Unimog. Das Auto soll über eine große Bodenfreiheit und keine Elektronik verfügen, nebenbei natürlich auch noch robust sein. Die Suche zieht sich eine Zeitlang hin, doch schließlich wird Jupp bei einer Versteigerung von landeseigenen Fahrzeugen fündig. Er ersteigert dort gleich 2 MB 911, jedoch mit unterschiedlichen Radständen. 1 x 4.20 m, 1 x 3.60 m Radstand.

Damit ist der erste Schritt getan und nun heißt es, sich zu entscheiden. Wir fertigen kleine Modelle von möglichen Innenausbauten und schieben diese in fiktiven Fahrzeugbauten herum. Schlussendlich finden wir die uns optimal erscheinende Aufteilung und die Wahl fällt auf den 360er Radstand. Was dann alles mit dem Fahrzeug geschieht, könnt Ihr unter dem Menüpunkt „Monster“ nachlesen.

Zeitgleich laufen natürlich auch alle logistischen Überlegungen. Fragen tauchen auf.

Was geschieht mit unserem Haus, wollen wir es verkaufen oder welche anderen Möglichkeiten haben wir?
Was ist mit unserer Krankenversicherung? Benötigen wir eine zusätzlichen für’s Ausland? Welche Impfungen brauchen wir zu welchem Zeitpunkt?
Wie und wo versichern wir Monster? Benötigen wir überhaupt noch zusätzliche Versicherungen?
Welche Route fahren wir und wie halten wir Kontakt zur Außenwelt?
Wann müssen wir welche Visaanträge stellen und wo?
Termine müssen festgelegt werden, welche Sachen müssen zu welchem Zeitpunkt gekündigt werden?

Fragen über Fragen tun sich auf, für die meisten können wir in der Zeit von September 2004 bis Januar 2005 Antworten im Internet finden. Im Januar 2005 geht es dann langsam ans Eingemachte. Nachdem wir erfolglos versucht haben unser Haus zu verkaufen, bieten sich spontan unsere Freunde Anni und Carolus an, in selbiges einzuziehen. Damit sind wir schon eine große Sorge los, denn der Gedanke, das Haus für mindestens zwei Jahre leer stehen zu lassen, behagt uns gar nicht. Wir einigen uns mit den Beiden recht schnell über die Formalitäten und alle Beteiligten scheinen recht froh.

die Gesundheit

Wir legen eine grobe Route fest und schreiben an das Tropeninstitut Hamburg (www.gesundes-reisen.de) in welchem Land wir uns zu welcher Zeit voraussichtlich aufhalten werden. Dementsprechend entscheiden wir uns für folgende Impfungen:

- Auffrischung Tetanus + Diphtherie
- Auffrischung Polio
- Auffrischung Hepatitis A + B
- Tollwut
- Japanische Enzephalitis

Die Malariafrage bereitet uns einiges Kopfzerbrechen. Bis auf weiteres ziehen wir eine Standby- Medikation mit Riamet für die weniger gefährdeten Gebiete vor. Eine mögliche Prophylaxe mit Lariam und/oder Doxycyclin (in Deutschland nicht zur Malariavorbeugung zugelassen) werden wir spontan je nach Land und Jahreszeit entscheiden. Lariam ist zwar bei Tauchern nicht so beliebt, wir haben jedoch vor einigen Jahren schon gute Erfahrungen damit gemacht und es ist nur 1 Tablette pro Woche einzunehmen.
Den Impfplan und die dazugehörigen Impftermine besprechen wir mit unserer Ärztin und lassen uns von den Zähnen bis zu den Zehen noch mal gründlich durchchecken.

Wir nehmen Kontakt mit dem ADAC auf und holen dort Informationen zu dem benötigten „Carnet de Passage“ und zur Auslandskrankenversicherung ein. Das Carnet erlaubt die zollfreie Einfuhr eines Fahrzeuges in bestimmte Länder. Dafür benötigt man eine Bankbürgschaft oder es muss eine Kaution in bar hinterlegt werden, wir entscheiden uns für die Bankbürgschaft. Man sollte noch wissen, dass die Ausstellung des Carnets für ADAC-Mitglieder günstiger ist (150,00 Euro).

Nachdem wir mehrere Anbieter einer Auslandskrankenversicherung miteinander verglichen haben, entscheiden wir uns im Endeffekt für den ADAC. Der angebotene Rückholdienst und die Möglichkeit des Informationsaustausches zwischen einem deutschen und einem ausländischen Arzt, reizt uns dabei am meisten. Die Kündigung der Krankenversicherung bei der KVB (Krankenversorgung der Beamten; zur Erinnerung: Jupp ist ja ein solches Exemplar), ist leider nicht möglich. Wir sind jetzt quasi doppelt versichert, sparen aber die Selbstbeteiligung beim ADAC, wenn wir Arztrechnungen zuvor bei der KVB einreichen. Unsere Zusatzversicherung hingegen legen wir vorerst für 2 Jahre auf Eis, sprich auf Anwartschaft mit der Option auf Verlängerung.

dies und das

Ebenfalls im Januar beantragen wir einen zweiten Reisepass, der auch ohne größere Probleme genehmigt wird (Der Hinweis auf eingestempelte USA-Visa im alten Pass hilft dabei enorm).

Mit diebischer Freude erfüllt mich die Kündigung der GEZ. Man glaubt es kaum, auch für Fernsehgeräte, die im Keller abgestellt werden, soll man Gebühren zahlen, denn es könnte ja dort jemand heimlich Fernsehschauen. Erst die Aussage wir hätten alle Geräte verkauft, verschenkt, verschrottet führt endlich zum Erfolg. Die lustige Kündigung der Zeitungsabos, der Handyverträge, des Buchclubs, eben des ganzen unnützen Zeugs zieht sich noch eine ganze Weile hin, aber schließlich ist auch das erledigt.

Zwischendurch klappern wir verschiedene Autoversicherer ab, mit der Erkenntnis, dass wir Monster nirgendwo Vollkasko versichern können. Schock …, bleibt nur zu hoffen, dass er niemals Feuer fängt. Selbst die Haftpflichtversicherung gewährleisten nur wenige Versicherer inklusive des asiatischen Teils der Türkei. Wir vergleichen die verschiedenen Tarife, bleiben jedoch bei unserem alten Wohnmobilversicherer, der wenigstens die Türkei komplett versichert.

GPS

So wie wohl jeder Weltreisende mittlerweile, möchten auch wir über ein GPS verfügen. Jupp macht sich mal wieder in allen möglichen Foren schlau, uns erscheint das 60 CS von der Firma Garmin als das Beste. www.garmin.de Leider sind die Teile in Deutschland noch sehr teuer, im Gegensatz zu USA. Der Unterschied liegt in den verschiedenen Basiskarten, die im Gerät integriert sind. Da wir aber sowieso nicht damit durch Europa fahren wollen, spielt es für uns keine Rolle, dass wir über eine amerikanische Basiskarte verfügen. Im Gegenteil, sollten wir mal in die USA reisen, ist diese Karte sehr viel praktischer. Anni wird verdonnert ihren in Puerto Rico lebenden Bruder auf so ein Gerät anzusetzen und siehe da, eines Tages klappt es tatsächlich und wir bekommen das GPS für 300,00$. Vielen Dank an Ernesto.

unser Haus

Mittlerweile ist es März geworden und unsere Hütte steht immer noch voll. Alles was sich im Laufe der Jahre als Wohnmobilhändler an Dingen angesammelt hat, steht in unserem Keller oder liegt auf dem Dachboden. Was soll man damit machen? Zum Wegwerfen sind die Sachen zu schade, aber liegenlassen kann man sie auch nicht. Also ebay muss her. Gesagt, getan und das Chaos geht los.

Zuerst räumen wir den Keller aus, sortieren nach verkaufen, einlagern, verschenken und verschrotten, dann müssen die Dinge für ebay fotografiert und beschrieben werden. Am Ende verbringe ich Tage und Wochen mit dem Inserieren, der Beantwortung von Fragen möglicher Bieter, der Versteigerung, der Überprüfung des Zahlungseingangs und schlussendlich dem Versand. Es artet dermaßen in Arbeit aus, dass mir der Kopf raucht, aber irgendwann ist auch das vollbracht und der Keller ist leer. Jetzt können wir uns daran machen, ihn langsam wieder mit unseren Kisten und Kartons zu füllen, die natürlich zuvor noch mit unserem Hausrat gepackt werden müssen.

die Routenplanung

Die Routenplanung liegt uns nach wie vor im Magen, immer wieder bleiben wir in Indien hängen. Wie kommen wir letztendlich nach Asien? Wir nehmen Kontakt auf mit verschiedenen chinesischen Reisebüros, die aber entweder gar nicht antworten oder nur sehr schleppend. Die einzige Firma, die uns kompetent erscheint, ist eine holländische: www.dim-sum.nl.

Die Leute sind sehr freundlich und unterbreiten mehrere Angebote, am Ende ziehen wir den Seeweg ab Indien oder Bangladesh jedoch vor. Wenn man mit dem eigenen Fahrzeug durch China fahren möchte, ist das eine sehr teure Angelegenheit (für 4 Wochen ca. 5000 €) und zusätzlich bekommt man einen Führer gestellt. Dieser Führer würde uns in Monster begleiten, in Hotels übernachten und für seine Verpflegung müssten wir auch aufkommen. Zu einem erschien uns der Preis sehr hoch und zum anderen würden wir uns wohl ständig über diesen Führer ärgern, da diese in der Regel keine Lust zu dieser Reise haben. Im Geiste sehe ich diesen Führer nach drei Tagen am höchsten Baum baumeln.

Wir durchforsten also weiterhin das Internet auf der Suche nach einer Transportmöglichkeit für Monster von Indien aus, werden aber nicht so recht fündig und beschließen diese Frage an Ort und Stelle zu klären. Vielleicht treffen wir ja auch den einen oder anderen Reisenden mit Erfahrung auf diesem Gebiet.

Visa und kein Ende

Nachdem die grobe Route steht, befassen wir uns mit der Visafrage. Bis einschließlich Türkei benötigen wir nichts, ab Iran geht es los. Wir kontaktieren die Firma Orient-Express: www.orientexpressonline.de und schildern Herrn Niemann unsere Problematik. Zuerst benötigen wir eine Referenznummer, die in Teheran beantragt wird und nach Erteilung kann man mit dieser das Visum beantragen. Das Visum ist ab Ausstellung 3 Monate gültig, innerhalb dieser Zeit muss man einreisen und kann dann für die ausgestellte Zeit (max. 30 Tage) bleiben.

Da wir Deutschland bereits Anfang Juli verlassen, voraussichtlich aber erst im Oktober in Iran einreisen wollen, können wir das Visum nicht persönlich beantragen. Herr Niemann erklärt, das sei alles kein Problem, wir sollen unsere kompletten Unterlagen an ihn schicken. Er wird für uns sowohl die Referenznummer als auch anschließend das Visum beantragen und dann unsere Pässe an unsere Freunde Anni und Carel schicken. Diese beiden treffen wir im August noch in Kroatien und so können sie dann die Pässe mitbringen. Das klappt ja schon mal wunderbar. Jetzt benötigen wir noch Pakistan und Indien.

Das für uns zuständige pakistanische Konsulat in Frankfurt kann das Visum, das ebenfalls 3 Monate ab Ausstellung gültig ist, nur für einen Monat vordatieren. Somit haben wir hier das gleiche Problem, bis zur unserer Einreise sind die 3 Monate bereits um. Wir beschließen das Visum in Istanbul beim pakistanischen Konsulat zu beantragen, sollte es nicht gelingen, haben wir immer noch Ankara und Erzurum in der Türkei.

Das Indienvisum ist ab Ausstellung 6 Monate gültig und ist nur schwierig verlängerbar. Also auch das nicht in Deutschland, sondern ebenfalls irgendwo unterwegs. Je nach Zeit wird es wohl auf Istanbul oder Teheran hinauslaufen.
Die Visafragen sind somit für’s Erste geklärt, denn alle anderen werden wir irgendwo unterwegs beantragen müssen.

Telefon

Zum Schluss befassen wir uns mit dem Telefon. Wie können wir uns im Notfall am besten bemerkbar machen? Es läuft auf ein Satellitentelefon hinaus, da wir damit weltweit erreichbar sind bzw. telefonieren können.
Der Markt ist noch relativ klein, keine Vielzahl von Anbietern und so fällt unsere Wahl auf das Iridium System, da dieses die größte Abdeckung erzielt (weltweit, mit Ausnahme Polens). France-Telecom ist ein Anbieter für Iridium. www.francetelecom-mobilesat.com.

Zufällig treffen wir beim Daerr-Treffen www.daerr.info bei München einen Vertreter und dieser macht uns auf den „Crew-calling“ Tarif aufmerksam. Bei diesem ist die Grundgebühr (19,95 $) wesentlicher günstiger, der einzige Unterschied besteht darin, dass man vor dem Wählen der eigentlichen Telefonnummer einen Code vorwählen muss. Kann man doch gut machen, wenn man ca. 11,00$ pro Monat spart, oder? Gleichzeitig gibt es eine Emailadresse und es ist möglich via Internet kostenlos SMS an uns zu versenden. Das finden wir alles sehr praktisch, die Entscheidung ist gefallen.

Packen

Die Zeit ist inzwischen sehr ins Land gegangen, es ist bereits Juni und wird langsam eng. Monster muss noch bepackt werden, unzählige Stunden vergehen mit Überlegungen über den Stauraum und ständigem Ein- und dann wieder Auspacken. Letztendlich bekommt Jupp alle Staukisten draußen und auf dem Dach, der Innenraum bleibt mir überlassen. Aber was braucht man und was nicht? Klamotten braucht man sicherlich nicht so viele, was verschlissen ist, wird eben neu gekauft, aber Lebensmittel und Hygieneartikel? Aber wollen wir nicht unser Leben sowieso umstellen? Es läuft darauf hinaus, dass ich einige Pfund Kaffee, Schwarzbrot in Dosen und Sanitärartikel für mich bunkere und darüber hinaus nur die Schränke im Haus plündere. Dabei kommt schon genug Zeug zusammen.

Abschiedsparty

Eigentlich sollte es das jetzt gewesen sein, übrig bleibt noch die Räumung unseres Hauses und die Frage der Abschiedsparty. Jupp fällt das Abschiednehmen immer sehr schwer und so möchte er natürlich keine Party haben. Ich dagegen würde unsere Freunde gerne noch alle zusammen sehen und entscheide spontan, dann wird es eben eine Überraschungsparty. In einer Nacht und Nebelaktion lade ich alle Mittäter ein und verdonnere sie zu absolutem Stillschweigen. Man glaubt es kaum, niemand verquatscht sich und so kommt der bewusste Sonntagnachmittag.

Ab 16.00 Uhr trudeln so langsam die Gäste ein und Jupp wundert sich nur. „Doro, haben wir denn genug Bier im Keller?“ Nachdem mittlerweile schon ca 20 Leute unsere Terrasse bevölkern und mein Göttergatte immer verwirrter dreinschaut, muss ich meine Schandtat gestehen, dass es wohl noch mehr Leute werden könnten. Dank der tatkräftigen Hilfe meines Kartenclubs und deren Anhang (ein besonderes „Danke schön“ hier noch einmal für Werner) wird es aber ein vergnüglicher Tag und alle Beteiligten machen einen zufriedenen Eindruck.

und Tschüss

7 Tage vor Abreise kommt die Woche der K’s ; Kartons, Kisten und Koffer müssen von morgens bis abends gepackt werden. Die letzten 2 Tage heißt es dann noch Möbelschleppen und mit der Unterstützung von Dennis, Anni, Carolus und Herrn Brüggemann sitzen wir beide am Samstagabend ein wenig traurig und total erschöpft auf 2 Gartenstühlen vor dem kalten Kamin.

Die letzte Nacht verbringen wir im Gästebett, bevor es dann endgültig Abschiednehmen heißt und wir uns aufmachen die Welt zu erobern.

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