Uruguay: September 2009

The same procedure as every year, denn wie schon in den Jahren zuvor fahren wir auch dieses Mal mit einigen Kilos mehr auf dem Buckel und einem weinenden und einem lachenden Auge zu Monster zurück.

 

Von Düsseldorf geht es zunächst nach Frankfurt, wo wir beim Einsteigen in den Flieger eine unschöne Geschichte miterleben mussten. Eine Reihe vor uns lässt sich ein sehr stark schwitzender Mann nieder, der dann prompt von einem Steward nach seinem Befinden befragt wird. Nach etlichen Diskussionen führt das ganze zu einem Fieberschnelltest und am Ende muss der Arme den Flieger verlassen, er wird doch hoffentlich nicht an der Schweinegrippe erkrankt sein?

 

Besonders tragisch finde ich, dass dieser Mensch weder Deutsch noch Englisch spricht und auch ansonsten einen recht hilflosen Eindruck macht. Hoffentlich gibt es für solche Fälle am Frankfurter Flughafen einen Seelsorger-Service oder ähnliches. Der 13-stündige Flug vergeht heute leider nicht wie im Fluge, aber immerhin haben wir mal nette Sitznachbarn und auch der Service lässt nicht zu wünschen übrig.

 

Buenos Aires erwartet uns mit strömendem Regen und kühlen Temperaturen, aber immerhin mit keinerlei Problemen bei der Zollabfertigung. Zwar haben wir die Taschen voller Ersatzteile für Monster und auch das eine oder andere Leckerchen fehlt natürlich nicht, doch das Glück ist uns hold oder die Zöllner zu lustlos und somit sind wir flugs draußen.

 

Auch dort klappt alles wie am Schnürchen, Ernesto, der uns vor knapp 3 Monaten hier abgeliefert hat, erwartet uns bereits und ca. 40 Minuten später sehen wir unser Monsterchen. Die Freude scheint auf beiden Seiten riesig, denn kaum hat Jupp den Zündschlüssel gedreht und den Startknopf gedrückt, erfüllt ein sonores Brummen die Luft. Wunderbar!!!

 

Bereits am Freitag wechseln wir die Stellung und nach einem Großeinkauf beziehen wir unseren alten Platz am Buquebus. Fast schon fühlen wir uns als seien wir nie weg gewesen. Kurz nach uns treffen Elisabeth und Horst ein, die mit ihrem Igelhaut-Mercedes ganz frisch von dem Grimaldi-Schiff aus Deutschland gerollt sind. Wir verstehen uns auf Anhieb prima und verbringen einen netten Abend beim gemeinsamen Essen. Übrigens auch eine neue Erfahrung, nicht nur, dass wir alle 1 Glas Champagner auf Kosten des Hauses bekommen, nein, zum Abschied gibt es für jedes Paar gleich eine ganze Flasche Rotwein.

 

Bis zum Sonntagmorgen erkunden wir die uns noch unbekannten Stadtteile, u.a. Recoletta mit seinem berühmten Friedhof und den noch berühmteren Bewohnern wie z.B. Evita Peron. Die verehrte Nationalheldin Argentiniens liegt in einer Art Schublade hinter einer blumengeschmückten Tür eines Mausoleums aus dunklem Marmor und zieht zweifelsohne die meisten Besucher des Friedhofes an.

Morgens um 8.30 Uhr finden wir uns im Terminal der Buquebus-Fähre ein, die uns samt Monster über den Rio de la Plata schippern soll. Bis es soweit ist, müssen wir jedoch als erstes den üblichen Papierkrieg erledigen. Praktischerweise finden die Ausreise aus Argentinien und die Einreise nach Uruguay direkt an einem Schalter statt, lediglich die Einfuhr von Monster ist später noch zu erledigen.

 

Als nächstes folgt dann die Zollkontrolle, die es heute mal ganz besonders ernst nehmen will, denn es steht sogar ein Drogenhund bereit. Dieser freut sich sehr uns zu sehen, schnüffelt auch Schwanz wedelnd an unserer ausgeklappten Leiter, aber als er diese dann besteigen soll, geht nix mehr. Der tapfere Held stemmt beide Vorderläufe fest auf den Boden und ist auch durch kräftiges Ziehen an der Leine nicht herauf zu bewegen. Zum guten Schluss bleibt dem armen Zöllner, inzwischen mit hochrotem Kopf, keine andere Chance als den Arbeitsverweigerer auf den Arm zu nehmen und ins Auto zu hieven.

 

Wir können die Fähre befahren und haben ein Erlebnis der dritten Art, denn als die Crew Monster von hinten sieht, bleibt natürlich auch Maschine nicht unentdeckt und nun sollen wir für sie doch tatsächlich auch noch eine Überfahrt bezahlen. Wir können es nicht fassen, Maschine nimmt doch gar keinen eigenen Platz ein, wofür also ein Ticket. Alles palavern und auch die Schützenhilfe von einem der Offiziere hilft nichts, wir kommen nicht umhin eine weitere Passage zu buchen. Der einzige Trost ist, dass wir bei der 1. Buchung bei Monsters Länge ein wenig geschummelt haben, was nicht bemerkt wurde und somit sind wir nun sozusagen quitt!! Dem Offizier ist die ganze Geschichte so unangenehm, dass er uns während der Überfahrt zu einer Tasse Kaffee in die Lounge der 1. Klasse einlädt und uns mit einigen Tipps für Montevideo versorgt.

 

Im Großen und Ganzen scheint heute aber nicht einer unserer Glückstage zu sein, denn auch in Uruguay steht der Zoll schon wartend parat. Zwei Herren nehmen Monsters Innenleben genauestens unter die Lupe, jeder Schrank wird geöffnet, selbst die Sitzbänke hochgeklappt und die Wassertanks inspiziert und zum guten Schluss folgt der Kühlschrank. Nun erlebe ich mein persönliches Waterloo, denn leider war ich nicht darüber informiert, dass die Einfuhr von Lebensmitteln tierischen oder pflanzlichen Ursprungs verboten ist. Den Tränen nahe sehe ich ein ganzes argentinisches Rinderfilet, diverse Käse und Würste in den Klauen der Inspekteure verschwinden, lediglich 3 kleine Käse kann ich durch dreistes Stehlen in meine Jackentaschen retten. Ich bin untröstlich und Jupp kann mich nur mit Mühe davon abhalten, die Herren, die ja eigentlich nur ihre Arbeit tun, wüst zu beschimpfen. Aber ratet mal, was es beim Zoll heute zum Abendessen geben wird!!!

 

Ganz der Stimmung entsprechend hat es unterdessen zu regnen begonnen und somit übt Colonia keinerlei Reiz auf uns aus. Auf direktem Weg steuern wir Montevideo an und erfahren erst später per Email eine lustige Geschichte. Hanne und Werner, die beiden vom Schnuckelchenexpress, sitzen gerade in einem Buquebus-Bus, der sie von Montevideo nach Colonia befördert, als sie an einer Mautstation unser Monster sichten. Hanne bringt die gesamte Busladung dazu sich umzudrehen (alle Köppe drehen sich nach hinten) als sie dem Werner sagt: schau mal, da ist das Monster! Wir ahnen leider gar nichts davon, amüsieren uns aber später köstlich darüber.

 

Die Schönheit von Montevideo bleibt uns im weiterhin strömenden Regen irgendwie verborgen, es treibt uns also weiter und weiter. Die nächste Nacht verbringen wir in Piriapolis, das ebenfalls wie ausgestorben wirkt, aber immerhin können wir, in einem trockenen Moment, vom Cerro San Antonio, einem kleinen Berg, die Aussicht auf die Küste genießen. Morgens schüttet es wieder wie aus Eimern, was bleibt also außer zu fahren? Bereits kurz vor der brasilianischen Grenze versuchen wir es in Punta del Diablo, einem netten kleinen Örtchen, das mit seinen bunten Häusern anmutet wie frisch aus Skandinavien verpflanzt, mal wieder mit einem Strandplatz, aber auch der verliert seinen Reiz im Regen.

Ehe wir uns also versehen, befinden wir uns, bereits nach nur 4 Tagen, in Chui, einem durch die Grenze zweigeteilten Ort. Flugs kaufen wir noch zollfrei ein und schon steht einer Einreise nach Brasilien nichts mehr im Wege.