Paraguay / Brasilien: Mai 2009

Montag in den Mittagstunden erreichen wir San Matias und die, direkt am Ortseingang liegende Zollabfertigung. Leider befinden sich die zuständigen Herren der Aduana, sprich der Zollabfertigung, alle noch in der wohlverdienten Mittagspause, aber zumindest können wir mit einem Wachposten abklären, dass wir die Nacht hier auf dem Gelände verbringen dürfen. So weit, so gut, also weiter zur Migration, der Einreisebehörde, wo aufgrund unwesentlich anderer Arbeitszeiten bereits eine Beamtin anwesend ist.

 

Recht forsch betrete ich den unterkühlten Büroraum und strahle heute anscheinend eine gewisse Kampfeslust aus, denn die Zöllnerin scheint zu wittern, dass ich mich moralisch bereits auf eine längere Schlacht eingestellt habe. Im Gegensatz zu der Dame, die vor mir bearbeitet wird, muss ich weder eine Ausreise- noch eine sonstige, windige Gebühr bezahlen und lande bereits nach 1 Minute, fertig abgewickelt, wieder auf der Straße. Hm, dann eben kein Wortgefecht und zurück geht es zum Zoll und der Monsterabfertigung. Dort läuft alles ebenso reibungslos und somit ist der Rest des Nachmittages zur freien Verfügung.

 

Die Einreise nach Brasilien gestaltet sich etwas merkwürdiger, an der eigentlichen Grenze empfängt uns lediglich ein freundlicher Herr, der sich zwar auch für unsere Pässe, aber eben nur für unsere Impfpässe interessiert, in denen die erforderliche Gelbfieberimpfung bestätigt wird. So wirklich wichtig nimmt er die ganze Geschichte aber nicht, momentan scheint die Schweinegrippe die Behörden deutlich mehr zu beschäftigen, denn wir erhalten eine umfassende Broschüre mit Verhaltensmassregeln. Wenn’s denn hilft?!

 

Wir erreichen Caceres, die erste Stadt auf brasilianischer Seite und sind mal wieder sehr dankbar für die GPS-Koordinaten, die wir von Gudrun und Tobias (www.pinguino-tour.de) erhalten haben. Zwar befindet sich die Einreisebehörde in einem noch recht gut zu erreichendem Gebäude bei der Polizei, aber dafür ist die Einfuhr von Monster an einer völlig anderen Stelle, gut getarnt mitten in der Stadt, zu erledigen. Wie üblich, andere Länder, andere Sitten. Heute bereitet die Einfuhr von Maschine leichte Probleme, denn dass ein Halter gleich 2 Fahrzeuge einführt, scheint nicht vorgesehen. Gottlob sind wir da mittlerweile recht einfallsreich und flexibel, schwuppdiwupp geht Maschine in meinen Besitz über und schon wird alles gut, grins…

 

Es wird mal wieder Zeit für einige Skype-Anrufe in der Heimat und da wir uns mit Junior Mertens festquatschen, bleiben wir für die Nacht gleich auf einem großen Truckstop stehen und genießen bei einem kalten Bier die Eindrücke der brasilianischen Nacht. So richtig ruhig wird es eigentlich gar nicht und wir sind froh, dass wir Monster in der hintersten Ecke geparkt haben. Hier steht er nun, umgeben von benutzten Kondomen (die Brasilianer scheinen recht umtriebig), aber wir sind wenigstens sicher und halbwegs ruhig.

 

Am nächsten Morgen steuern wir das Pantanal, eines der größten Überschwemmungsgebiete der Welt, an. Auf dem Weg dorthin landen wir an einem Kontrollposten, an dem die komplette Fahrspur durch rot-weiß gestreifte Hütchen gesperrt ist. Etwas irritiert folgen wir der einzig möglichen Spur und konzentrieren unsere Sinne fataler Weise auf die schwarz gekleideten Herren, die uns erwarten und leider nicht auf die Stahlkonstruktion über deren Köpfen. Es macht einen gewaltigen Rums, das Dachgebilde gerät heftig ins Schwanken und die Polizisten springen entsetzt von ihren Stühlen, die Hände an den Pistolenkoppeln.

 

Nachdem sich das allgemeine Getöse wieder etwas gelegt hat, betrachten wir die diversen Schäden. Unsere Waschtrommel hat es komplett zerlegt und sowohl der Reservekanister als auch die Stahlstreben des polizeilichen Unterstandes haben eine gewaltige Beule davongetragen. Erst jetzt erkennen wir leider viel zu spät, dass diese Umleitung nur für Pkw’s gilt, die Lkw-Fahrer setzen einfach die Hütchen zur Seite und bleiben auf der Straße. Hm, dumm gelaufen, aber wenigstens schert es die Polizisten recht wenig, dass ihr Sonnendach nun ein wenig schräg steht und lassen uns unserer Wege ziehen.

 

Wir erreichen den kleinen Ort Pocone´, den Ausgangspunkt für die Transpantaneira, das ehemals ehrgeizige Projekt der brasilianischen Regierung eine Straße durch das riesige Feuchtgebiet zu bauen. Zum Glück von Tier- und Umwelt ist dieses fragwürdige Unterfangen nur teilweise gelungen, der Bau von 125 Brücken auf nur 145 km Länge wurde in Porto Jofre gestoppt. Zunächst biegen wir jedoch in östliche Richtung ab, denn bereits kurz hinter dem Ende des Asphalts befindet sich die sogenannte Kaimanbrücke und dort sollen sich, wie der Name bereits vermuten lässt, hunderte von Kaimanen tummeln. Und tatsächlich, wir bekommen nicht nur etliche spitzbezahnten Kreaturen, sondern auch unser erstes Wasserschwein, einen frei lebenden Tukan und zahlreiche andere Vögel zu Gesicht.

Die Atmosphäre ist unbeschreiblich und somit beschließen wir die Nacht hier zu verbringen. Beim Einbruch der Dunkelheit lernen wir die andere Seite der Idylle kennen, Mückenschwärme in Bataillonsstärke fallen über uns her und wir müssen unsere stärkste Abwehrwaffe einsetzen. Das australische Bushman- eine Creme, die 80% DEET enthält und alles auflöst, was Plastik beinhaltet, auf Dauer also auch keine Lösung, doch für heute wird unsere Haut es wohl aushalten müssen. Dermaßen gerüstet, stinken wir zwar wie die Otter, aber so können wir unser Abendessen im Freien zubereiten, angesichts der glühenden Kaimanaugen, die uns aus der Dunkelheit heraus, anstarren, auch ein etwas mulmiges Unterfangen. War dieses Augenpaar nicht gerade noch weiter entfernt?? Schluck, zum eigentlich Essen ziehen wir uns dann doch lieber in Monsters sicheren Innenraum zurück.

 

Morgens nehmen wir die Transpantaneira unter die Räder, zumindest einen Teil davon, denn die Lehmstraße ist in einem desolaten Zustand. Wellblech vom Feinsten schüttelt Monster samt Insassen mal wieder kräftig durch und das teils verdächtige Krachen der Holzbrücken trägt auch nicht zu unserer Zufriedenheit bei.

Etwas entnervt treten wir den Rückzug an und lassen uns stattdessen auf dem Campingplatz einer Fazenda nieder. Direkt neben einer Küche, WC, Dusche und Swimmingpool fühlen wir uns so sauwohl, dass wir gleich 4 Tage hier verweilen und die Gelegenheit nutzen, Monsters defektem Heizungskühler den Garaus zu machen. Wie sich herausstellt ein ziemlich aufwändiges Unternehmen, denn dieses Teil ist einfach unmöglich verbaut und bringt uns schier zur Verzweiflung. Schlussendlich gelingt es aber doch und wir können den Kühler, dem Fazendabesitzer sei Dank, ins Dorf zum Löten geben.

 

Bereits am nächsten Vormittag kehrt das Teil wunderbar gereinigt und auch gelötet zu uns zurück, nur leider scheint ein echter Experte am Werk gewesen zu sein. Der Deckel wurde falsch herum aufgesetzt, so dass sich der Einlass- und Auslasshahn nun auf der gleichen Seite befinden. Jupp kann es nicht fassen, sind denn hier nur Idioten am Werk und muss man jeden Handgriff persönlich überwachen? Gottlob ist mein Göttergatte nicht mit zwei linken Händen ausgestattet und auch sein Einfallsreichtum ist nicht so schlecht, so dass wir den Kühler am Ende wieder einbauen und zum Arbeiten bringen können.

 

Nach einem weiteren Zwischenstopp in Bonito, im südlichen Pantanal, beschließen wir ganz spontan nicht auf der brasilianischen Seite bis zum Foz do Iguacu zu fahren, sondern einen Abstecher über Paraguay einzulegen. Zu diesem Zweck steuern wir die Grenzstadt Ponta Pora an und hoffen auf eine Zollabwicklung am heutigen Sonntag. Die Migration ist schnell gefunden und wie nicht anders zu erwarten, geschlossen, was uns aber nicht hindert mal kurz den Klingelknopf zu betätigen und zu schauen, ob sich vielleicht doch etwas tut.

 

Siehe da, nach wenigen Minuten öffnet sich die Pforte und ein freundlicher Herr fragt nach meinem Begehren. Ich erkläre, dass wir gerne ausreisen möchten und ehe ich mich versehe, werde ich herein gebeten, die Pässe abgestempelt und wieder hinausgeleitet. Das ging ja wie die Feuerwehr, jetzt fehlt uns nur noch die Aduana um auch Monster ordnungsgemäß auszuführen.

 

Wie nicht anders zu erwarten, ist diese am Sonntag tatsächlich geschlossen und so schauen wir mal, wie es auf der paraguayischen Seite ausschaut. Zumindest die Einreisebehörde öffnet von 19.00 bis 21.00 Uhr ihre Türen, was uns heftig ins Grübeln bringt. Sollten wir den brasilianischen Behörden nicht einige Arbeit ersparen und Monster gar nicht erst ausführen, da wir ja in der nächsten Woche definitiv wieder einreisen werden?! Lange Rede, kurzer Sinn, nachdem uns am Abend die Dame im paraguayischen Einreisebüro versichert, wir bräuchten Monster nicht einzuführen, beschließen wir ihn aus Brasilien gar nicht erst ausreisen zu lassen. Was sollen wir den Menschen so viele Scherereien bereiten, gell?

 

Da wir uns bisher nur in der brasilianischen Einsamkeit bewegt haben, werden wir bei Einbruch der Dunkelheit zum 1. Mal mit der Mentalität der Bewohner konfrontiert und bekommen den Mund gar nicht mehr zu. Haben wir uns in der Jahreszeit geirrt und wird gerade Karneval gefeiert? Zumindest gewinnen wir diesen Eindruck angesichts der Menschenmassen, die sich auf der Straße hin und her bewegen. Auf einem Straßenzug beweisen einige Jugendliche ihre Motorrad-Fahrkünste, begleitet von ohrenbetäubender Musik und dem Gejohle der Zuschauer und uns kommen gehörige Zweifel angesichts unseres Standortes. Alles Andere erscheint uns besser als dieser Lärm und da die Zollgeschichte bereits erledigt ist, treten wir die Flucht nach vorn an und fahren bis zum Cerro Cora Nationalpark, in dem bzw. vor dem wir eine ruhige Nacht verbringen.

 

Das Glück scheint uns in punkto Nationalparks gerade verlassen zu haben, denn nach dem, bereits seit 1 Jahr geschlossenen P.N. do Chapada, ist der Cerro Cora bereits der 2. geschlossene und so geht es wohl oder übel direkt in die Hauptstadt Asuncion, wo wir einen schönen Platz im botanischen Garten finden. Zu unserem Leidwesen beginnt es in der Nacht wie aus Eimern zu regnen und wir müssen einen erneuten Wassereinbruch verzeichnen. Die halbe Nacht sind wir mit Planen zugange, um wenigstens das Schlimmste zu vermeiden und noch eine Mütze Schlaf zu erwischen. Der nächste Tag steht infolgedessen ganz unter dem Motto der Schadensbegrenzung, was bedeutet, dass wir den nächsten Baumarkt entern, denn wir benötigen Terpentin, Silikon und sämtliche anderen Dichtmaterialien, die der Laden zu bieten hat.

 

Gut gerüstet erklimmt Juppi Monster’s Dach und die nächsten Stunden schwirren die Geräusche von Flex und Co durch die Luft, um dem Problem der undichten Dachkanten den Garaus zu machen. Der Wettergott scheint uns endlich wohlgesonnen, denn zumindest an diesem Tage bleibt es trocken und der nachfolgende Wolkenbruch in der Nacht bescheinigt uns den Erfolg der Reparatur. Hurra, keine weiteren Wassereinbrüche und wir können uns dem eigentlichen Ziel unseres Besuches widmen, der Erkundung von Asuncion. Viel Interessantes bietet die Innenstadt nicht, aber wir erfreuen uns an den wenigen alten Gebäuden und dem enormen Shoppingangebot.

 

Bereits nach 3 Tagen brechen wir auch hier unsere Zelte ab und düsen in einem Rutsch zum Itaipu-Staudamm, kurz vor Cuidad del Este. Die Führungen für heute sind bereits beendet, aber immerhin erfahren wir, dass es im Rahmen des Nationalparks auch einen kostenlosen Campingplatz gibt. Man muss sich lediglich registrieren lassen und schwupps hat man einen wunderbaren Stellplatz, so glauben wir zumindest nach einem Besuch am Infoschalter.

 

Bereits etwas knapp an Zeit, erreichen wir die Einfahrt in den Nationalpark, prallen auf eine geschlossene Schranke und dem vorläufigen Ende der Stellplatzsuche. Entweder haben meine Spanischkenntnisse eine Pause eingelegt und ich alles missverstanden oder aber die Tante an der Information hat es einfach versäumt mich darauf hinzuweisen, dass wir die Genehmigung für den N.P. zunächst an der Hauptzentrale des Parks einholen müssen.

 

Puh, jetzt ist Holland in Not, denn wir haben noch genau 20 Minuten um dorthin zu gelangen. Im Schweinsgalopp geht es 5 Kilometer zurück bis zur Zentrale, wo zu meinem Leidwesen Monster nicht mit aufs Gelände darf und ich auch noch einen Sprint einlegen muss. Etwas atemlos findet sich das richtige Büro und kurze Zeit später stellt sich ungläubige Enttäuschung ein. Angeblich sind die Wege im Park aufgrund des Regens nicht befahrbar, somit könnten wir nicht zum eigentlichen Campground kommen und somit gibt es erst gar keine Genehmigung. Ich kann es nicht fassen, da jagen die uns von Hüh nach Hott und das ganze nun für lau? Oh nein, nicht mit mir! Da sollen sie uns wenigstens eine Genehmigung erteilen in den Nationalpark zu fahren und dort an der Verwaltung zu parken. Emsiges Telefonieren erfolgt, zahlreiche Formulare müssen ausgefüllt werden, Passkopien werden gemacht, aber dann ist es gelungen, wir dürfen herein. Juchhe, jetzt müssen wir nur noch dahin zurück bevor sie dort ihre Pforten schließen. Lange Rede, kurzer Sinn, die Wachposten weisen uns einen schönen Platz mitten auf dem Rasen zu, versorgen uns mit frischgebackenen Pfannkuchen und bescheren eine super ruhige Nacht. Topfit nehmen wir die Besichtigung des Itaipu-Staudammes in Angriff und sind am Ende ziemlich enttäuscht.

Das Ganze entpuppt sich mehr als Werbefahrt, die englische Version der Diavorführung fällt heute aus und vom Staudamm bekommt man auch herzlich wenig zu sehen, lediglich an einer Stelle dürfen wir den Bus verlassen und die Infos sind mehr als spärlich. Schade, davon hatten wir uns deutlich mehr versprochen.

 

Wir nehmen den Grenzübertritt in Angriff, der sich als einer der lustigen Art präsentiert. Vermutlich hätten wir die paraguayische Seite völlig übersehen, wenn wir nicht zuvor schon über deren Standort informiert gewesen wären. Jedenfalls kann ich Jupp nur noch im letzten Moment ein Stopp zurufen, aber das passiert mitten auf der Straße und kurz vor der Freiheitsbrücke. Parkplätze scheinen gar nicht vorhanden, also springe ich aus dem Auto, rase über die Straße, finde einen Zollbeamten der unsere Pässe ausstempelt und 2 Minuten später sitze ich schon wieder auf dem Beifahrersitz. Wow, was war das denn?

 

Glücklicherweise haben wir Monster erst gar nicht eingeführt, denn wo wir die Aduana zu seiner Ausfuhr gefunden hätten, das weiß der Geier. Die brasilianische Seite gestaltet sich genauso chaotisch, zwar ist alles deutlich größer und eigentlich auch übersichtlich, aber dafür sind sich die Beamten relativ uneins. Zunächst holt uns einer aus der Pkw-Reihe und lotst uns zu den Reisebussen, dann lotst uns einer wieder zurück, dann in eine weitere Reihe und am Schluss mache ich dann alles zu Fuß.

 

Ohne großes Trara erhalten wir das 90tägige Visum, nach Monster fragt erst gar niemand und schon sind wir wieder eingereist. Bei strömendem Regen quartieren wir uns in der Jugendherberge ein und verschieben den Besuch der Wasserfälle in der Hoffnung auf besseres Wetter auf den nächsten Tag. Und wirklich, zwar bleibt es auch heute etwas diesig, aber wenigstens von oben trocken. Das Szenario der Cataratas do Iguacu ist unbeschreiblich, immer wieder tun sich gigantische Ausblicke auf die Fälle auf und die Gischt spritzt uns mitunter bis ins Gesicht.

Ganz gespannt warten wir auf den nächsten Tag und die argentinische Variante der Fälle, doch zuvor steht uns ein etwas härterer Kampf mit der argentinischen Zollbehörde bevor. Haben wir Monster bisher immer ohne nennenswerte Probleme für die Maximaldauer von 240 Tagen einführen können, weigert sich der hiesige Zollbeamte nun strikt weg und will sowohl Monster als auch uns nur für 90 Tage einreisen lassen. Eine mittlere Katastrophe, denn ausgerechnet dieses Mal benötigen wir die Zeit, da wir Monster für ca. 3 Monate in Buenos Aires abstellen wollen, um unseren Heimaturlaub anzutreten. Zu allem Übel erdreistet sich dieser Mensch auch noch, nach unserer Autoversicherungspolice zu fragen, die nun leider seit 3 Tagen abgelaufen ist. Dumm gelaufen könnte man nun sagen, aber Not macht bekanntermaßen erfinderisch und so präsentieren wir dem Guten unsere schöne deutsche grüne Versicherungskarte. Zwar ist dieses Ding genauso wenig gültig wie die inzwischen abgelaufene Mercosur, aber es befindet sich das wunderbare Wörtchen „International“ darauf, dass auch in diesem Fall die Türen öffnet. Nachdem ich dem Beamten dann auch noch beim Ausfüllen der temporären Einfuhrerklärung behilflich bin, scheint er überzeugt, dass alles mit rechten Dingen zugeht und genehmigt uns doch noch die gewünschten 240 Tage Bleiberecht. Puh, das ist ja noch mal gut gegangen und der vorläufig letztmaligen Einreise nach Argentinien steht nichts mehr im Wege.

 

Um es kurz zu machen, auch diese Seite der Wasserfälle gefällt uns sehr gut, doch das Highlight ist sicherlich die Garganta del Diabolo, die Teufelsschlucht, in der das Wasser im Halbkreis in die Tiefe stürzt.

 

Die nächsten Tage bleibt es weiterhin nass und kalt und wir beschließen unsere vorläufig letzte Etappe bereits etwas früher als geplant in Angriff zu nehmen. Dazu müssen wir über die, für ihre korrupten Polizeikontrollen, berüchtigte Ruta 14 im Bundesstaat Entre Rios. Kaum haben wir die Grenze zwischen Missiones und Entre Rios überquert, geraten wir prompt in eine der bereits fest installierten Kontrollstationen. Die ganz in schwarz gekleideten, mit Sonnenbrillen versehenen Polizisten gebärden sich wie in einem schlechten Western, angeblich ist Jupps Führerschein abgelaufen und während Jupp einem der Herrn folgen muss, wedelt dieser doch tatsächlich mit Handschellen vor seiner Nase herum. Leider führt das bei Jupp nicht zu dem gewünschten Erfolg, denn anstatt Angst ruft es lediglich unbändige Wut in ihm hervor.

 

Was denken sich diese Möchtegern-Cowboys denn eigentlich? Jeder ausländische Tourist ist eine goldene Kuh und zahlt ihnen ohne weiteres eine weitaus größere Summe als ihr eigentlicher Verdienst als Schmiergeld? Nicht mit uns, wir bleiben hier stehen bis die Jungs schwarz werden und verstehen wie üblich kein Wort spanisch. Das Theater zieht sich über eine Stunde hin und erst als wir die Frage nach unseren Kindern mit 4 Söhnen, die alle 2 Köpfe größer sind als die Polizisten, beantworten, können wir unbeschadet unserer Wege ziehen. Trotz aller Coolness zittern uns nun doch die Knie und wir sputen uns das Weite zu suchen.

 

Wir erreichen Buenos Aires an einem Freitagnachmittag und wühlen uns durch dichten Verkehr bis zum Puerto Madero, wo wir uns für diese Nacht wohlbehütet zwischen die Lkws aus allen Ländern Südamerikas mischen. Am nächsten Morgen ziehen wir um auf den bewachten Parkplatz des Buquebus-Fähranlegers und stürzen uns hinein ins Stadtleben. Der erste Weg führt zum Büro der Lufthansa, in dem wir unsere Flüge nach Deutschland umbuchen wollen. Leider ist sowohl dieses Office als auch das von American Express an Samstagen geschlossen und wir werden uns bis zum Montag gedulden müssen. Die Zeit bis dahin verbringen wir mit einem Friseurbesuch, diversen Stadtbummeln und einem Besuch des Sonntags-Flohmarktes von San Telmo. Dieser wird in allen Reiseführern als buntester gelobt, haut uns aber nicht wirklich aus den Socken.

Montagmorgen um 9.00 Uhr stehen wir vor den Pforten der Lufthansa und brechen anschließend in hektische Betriebsamkeit aus, denn da der gewünschte Flug am Donnerstag bereits ausgebucht war, haben wir uns für den am Mittwoch entschieden.

 

Ratzfatz brechen wir unsere Zelte ab und steuern die Werkstatt eines Federmachers, Los Portugueses, an, in der Monster hinten mit 2 neuen Blattfedern versehen werden soll. Wider Erwarten kann die Reparatur heute noch ausgeführt werden, da die Jungs dort bis spät in die Nacht arbeiten.

 

Erst gegen 21.00 Uhr treffen wir auf dem Gelände des Club Aleman ein, wo sich bereits zahlreiche verwaiste Overlander-Fahrzeuge befinden, deren Besitzer wohl alle der Heimat einen Besuch abstatten. Die nächsten beiden Tage sind mit emsiger Geschäftigkeit ausgefüllt, denn wir können auf unserem Flug pro Person 46 kg Gepäck mitnehmen und wollen uns nun von allen überflüssigen Dingen trennen. Folglich sichten wir den Inhalt sämtlicher Kisten und Staufächer und ehe wir uns versehen ist der Mittwochabend bereits gekommen. Ein wenig wehmütig lassen wir unser Schätzchen in der Gesellschaft seiner Leidensgenossen zurück und hoffen auf ein gesundes Wiedersehen in ca. 3 Monaten.