Kolumbien: November 2009

Auf der gegenüberliegenden, kolumbianischen Seite der Grenzbrücke fließt der Verkehr genauso chaotisch weiter, an einem Häuschen mit hochgeklapptem Schlagbaum stehen Herrschaften in verschiedenen Uniformen und winken einfach jeden und alles durch.

 

Wir sind leicht irritiert, denn wir benötigen doch Einreisestempel und Einfuhrdokumente. Erst auf mehrfaches Nachfragen sieht man sich genötigt uns den Weg zur Immigration zu weisen, wo wir anstandslos unser 90-tägiges Visum erhalten.

 

Der nächste Weg sollte eigentlich zum Zoll führen, denn auch Monster benötigt seine Einreisedokumente, doch dieses Mal scheitern wir endgültig an einem der Aduanabeamten. Vehement bestreitet er, dass wir ein Dokument zur temporären Einfuhr eines Fahrzeuges benötigen und wie zum Beweis fahren auch sämtliche venezolanischen Autos einfach von hüben nach drüben.

 

Wir zweifeln zwar, aber der Grenzer sollte es wohl wissen und vielleicht haben sich aufgrund der angespannten Lage die Regeln ja geändert. Wir setzen also unseren Weg fort, steuern in Cucuta kurz einen ATM Automaten an, um uns mit Bargeld zu versorgen bevor wir einen Nachtplatz außerhalb der Stadt suchen. Wir werden an einer verlassenen Tankstelle fündig, an der neben einer Militärkontrolle auch noch ein Polizist seinen Dienst versieht. Dieser kontrolliert sogleich nochmals unsere Pässe und Führerscheine, hält uns anscheinend für harmlos und gestattet uns sodann die Übernachtung auf dem Gelände.

 

Während der Weiterfahrt am nächsten Morgen erfolgen zahlreiche weitere Kontrollen, alle immer ausgesprochen höflich und nett und an einer begehrt man Einlass in Monsters Inneres. Eigentlich sträuben wir uns zu solchen Gelegenheiten, doch dieses Mal handelt es sich nicht um eine Inspektion, sondern um die Bitte, einige Fotos machen zu dürfen.

 

O.K. wenn es so ist, machen wir doch mal eine Ausnahme. Ein mulmiges Gefühl überfällt uns erst, als wir wenige Kilometer später von einem Polizeiauto mit eingeschaltetem Blaulicht und Martinshorn verfolgt und eingeholt werden. Haben wir vielleicht doch einen Fehler gemacht? Mitnichten, wie wir sogleich sehen als der Polizist beim Aussteigen bereits mit seiner Kamera herumwedelt. Der Arme hat lediglich seine Kamerahülle in Monster liegen lassen, puh…

 

Wir benötigen 3 Tage bis wir auf der Hacienda Bambusa bei der Familie Montoya eintreffen und freuen uns alles wie gehabt vorzufinden. Lediglich der Preis ist ums doppelte gestiegen, mit nun mehr 40 COP also kein sehr günstiges Vergnügen. Aber sei’s drum, dafür läuft die Klimaanlage und die hauseigene Waschmaschine wird nach Herzenslust ausgenutzt. Der Montag steht ganz im Zeichen von Hausputz, Reparatur- und Wartungsarbeiten und am Abend sieht Monster aus wie neu. Anscheinend haben diese Tätigkeiten meinem Körper nicht so gut gefallen, denn in der Nacht plagen mich Bauchkrämpfe und heftige Anfälle von Durchlauf (wie unsere holländischen Freunde zu sagen pflegen) und den eigentlich zur Entspannung gedachten folgenden Tag verbringe ich im Bett.

 

Gerne hätten wir noch einige Tage auf der Bananenplantage verbracht, doch der neue Verschiffungstermin am 27.11. steht an und es wird Zeit für die Fahrt nach Cartagena.

2 nervige Fahrtage durch die Berge, nur unterbrochen durch die Übernachtungen auf Lkw-Raststätten bringen uns bis auf wenige Kilometer zu unserem Ziel.

 

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit wollen wir eine weitere Übernachtung einlegen und erst am Morgen in die Stadt hineinfahren. Leider ist es mal wieder so wie schon so oft, wir finden keinen geeigneten Platz bzw. fühlen uns in der Gegend einfach nicht wohl und fahren ständig weiter hinein in die Dunkelheit. Jedenfalls solange Monster uns lässt, denn bei der Bezwingung einer kleinen Anhöhe und mitten in einer Kurve stirbt der Motor ab und nichts tut sich mehr.

 

Ist ja klasse, einen besseren Platz und Zeitpunkt hätten wir uns nicht aussuchen können. Aber was hilft es, zunächst müssen wir erst einmal herausfinden was los ist. Ein Blick in den Tank bringt Klarheit, denn dieser ist völlig leer. Wenigstens steht unser Reservekanister gefüllt auf dem Dachträger und die darin befindlichen 20 Liter sollten uns zur nächsten Tankstelle bringen. Dummheit muss bestraft werden und so fängt es 1. zu allem Überfluss an zu regnen und 2. bekommen wir prompt Besuch von 2 jungen Männern. Die beiden beginnen sofort uns zu belabern, weit und breit wäre keine Tankstelle, aber was sie eigentlich von uns wollen bleibt uns irgendwie verborgen, denn sie rühren keinen Finger zur Hilfestellung.

 

Ganz interessiert schauen sie bei unseren hektischen Tätigkeiten zu und stehen auch noch da, als wir schon fast abfahren. Mir kommt das alles ziemlich spanisch vor und siehe da, als ich nochmals einen Blick zurückwerfe, sehe ich doch tatsächlich unseren Reservekanister zwischen den beiden Gestalten stehen. Das haben sie sich ja wunderbar ausgedacht, harmlos dastehen und nichts sagen! Aber nicht mit uns! Flugs springen wir nochmals aus dem Auto, werfen den beiden einen giftigen Blick und böse Worte zu, schnappen unseren Kanister und brausen davon. Diese kleine Episode und das baldige Erreichen einer Tankstelle haben unsere Lebensgeister wieder geweckt und wir fahren mitten durch das Freitagnachts-Geschehen von Cartagena zu einem uns bekannten Busparkplatz in Bocagrande.

 

Samstagmorgen sitzen wir voller Zuversicht um 8.00 Uhr bei der Firma Naves, Agent für die Schifffahrtslinie Wallenius Wilhelmsen, vor der Türe und warten auf die Ankunft unserer Ansprechpartnerin Stephanie, die uns kurze Zeit später freundlich begrüßt und die bevorstehende Prozedur erläutert.

 

Schon bald sind wir ziemlich ernüchtert, denn wie schon befürchtet, benötigen wir das Dokument zur temporären Einfuhr eines Fahrzeuges um Monster überhaupt wieder ausführen zu können und wo wir dieses jetzt herbekommen sollen, ist uns allen schleierhaft. Aus der Traum von einer schnellen Verschiffung und so tun wir am Abend das, was wir in einer desolaten Situation eigentlich immer tun, denn wir gehen in eine Kneipe. Nein, nein…nicht etwa um unseren Frust zu ertränken!!

 

Wir gehen ganz zielbewusst in eine deutsche Kneipe und klagen bei einem phantastischen Paulaner Weißbier dem Wirt Stefan vom Leon de Bavaria unser Leid. Stefan entpuppt sich als total netter Kerl, der ganz nebenbei auch noch einen Bekannten zur Hand hat, der früher beim Zoll gearbeitet hat und nun eine Zollagentur betreibt. Glück braucht der Mensch und so kutschiert uns Stefan am Montagmorgen zu seinem Freund Carlos, der mit uns zum Zoll marschiert. Man glaubt es kaum, wir bekommen tatsächlich das fehlende Dokument ausgestellt, wenn auch gegen eine Aufmunterungsgebühr in Höhe von 200 USD. Erst später stellt sich heraus, dass die Gebühr nicht alleine für die Zollbeamten ist, sondern Carlos kommandiert seinen Mitarbeiter Jamid ab, der uns 4 Tage lang auf allen Wegen begleitet und etliche sprachlichen Hürden aus dem Weg räumt. Im Endeffekt also eine sehr gute Investition.

 

Stolz wie Oskar marschieren wir mit unserem Einfuhrdokument zu Stephanie, die darüber aus dem Staunen gar nicht mehr heraus kommt. Aber die nächste Hiobsbotschaft lässt nicht lange auf sich warten, denn wie sich herausstellt, fährt das von Paola angebotene Schiff am 27.11. zwar auf unserer Route, aber leider genau in umgekehrter Richtung. Wie blöd muss man denn sein um so etwas erst nach Tagen zu bemerken?

 

Wir sind stinksauer und beruhigen uns erst ein wenig als wir eine neue Bestätigung für den 02.12. auf der „Dresden“ erhalten. Puh, das geht ja noch. Von nun an geht alles seinen Gang, wenn auch sehr, sehr langsam, aber am Freitagnachmittag ist es dann soweit, der vorübergehende Abschied von Monster steht bevor. Zumindest für mich, denn zur Zollinspektion und Drogenkontrolle im Hafengelände darf ich nicht mit. Wir versuchen es mit allen möglichen Tricks, Jupp spricht plötzlich nicht nur kein Spanisch, er ist auch noch der Taubheit anheim gefallen. Bühnenreif liest er mir von den Lippen ab während ich ziemlich laut übersetze, aber sämtliches Theater prallt sozusagen auf taube Ohren und ich muss draußen bleiben.

 

An sich ja kein größeres Ding, wenn nur die Drogenkontrolle nicht wäre, bei der man laut Aussage anderer Reisender das ganze Auto leer räumen muss. Aber zunächst bleiben wir davon verschont, Jupp parkt Monster zwar im Hafengelände, aber die Zollinspektion findet bei uns irgendwie ohne Beamte und ohne Inspektion statt und die Drogenkontrolle darf nun plötzlich erst 24 Stunden vor Auslaufen des Schiffes erfolgen. Hm, uns soll es recht sein, Hauptsache wir erhalten die unterschriebene Ausfuhrerklärung, denn unsere Flüge nach Panama haben wir eh noch nicht gebucht. Wir ziehen also ins Hotel San Piedro, ganz wie vor 15 Monaten, verbringen einen weiteren vergnüglichen Abend bei Stefan und finden uns am Montagmorgen um 7.30 Uhr nochmals am Hafen ein. Abermals muss ich draußen warten während Jupp die Bekanntschaft einer älteren Hundedame macht, die Monster auf der Suche nach Drogen genauestens beschnüffelt.

Die ganze Aktion wird in keiner Weise so schlimm wie erwartet, lediglich alle Staukisten muss Jupp nach draußen befördern und die meiste Zeit der insgesamt 2 Stunden vergeht mit dem Warten auf irgendwelche Beamten.

 

Schließlich ist auch das vollbracht, unser Haus verriegelt und verrammelt während die Fahrerkabine unverschlossen bleibt, damit Monster morgen auf das Schiff gefahren werden kann. Der restliche Tage vergeht wie er begonnen hat, mit Warten… dieses Mal auf unseren Abflug, denn die Maschine der Copa Airlines landet bereits mit Verspätung auf dem Flughafen von Cartagena und baut diese durch weiteres Warten auf dem Rollfeld noch weiter aus. Statt wie geplant um 17.00 Uhr erhebt sich der Vogel mit uns als Gepäck erst um 18.00 Uhr in die Lüfte in Richtung Panama City.