Kolumbien: Oktober 2008

Unser erstes Ziel ist Santa Marta bzw. Taganga, ein kleiner Ort an der Karibikküste, der bei Tauchern sehr beliebt ist und dementsprechend haben sich hier etliche Tauchschulen angesiedelt. Unterwegs machen wir einen kurzen Halt am Totumo-Vulkan, eigentlich um ein angeblich gesundes Schlammbad zunehmen, doch als wir dieses Ding dann genauer betrachten, vergeht uns irgendwie die Lust auf eine solche Unternehmung.

Es haben sich einige Restaurants und Verkäufer dort angesammelt, die bei unserem Erscheinen in rege Betriebsamkeit ausbrechen. Jede unserer Bewegungen steht unter strengster Beobachtung und nun sollen wir dort oben hinaufklettern und uns im Schlamm suhlen? Irgendwie werden wir das Gefühl nicht los, dass sich die Einheimischen köstlich darüber amüsieren würden und ziehen von dannen.

 

Der Weg führt vorbei an der Hafenstadt Barranquilla und Erinnerungen werden wach. Es ist ein Verkehrschaos wie in Indien, jeder schlängelt sich laut hupend irgendwo durch, Fahrstreifen spielen keine Rolle und zur Krönung fehlen nur noch die heiligen Kühe.

 

Als wir uns endlich durchgewühlt haben, taucht doch tatsächlich eine Mautstelle auf. Wir glauben an einen Scherz, teilweise ist gar keine Straße vorhanden und dafür sollen wir zahlen? Wohl oder übel müssen wir in den sauren Apfel beißen, aber dann wenigstens nach unseren Spielregeln. Eine herzhafte Diskussion mit den kassierenden Damen bricht los, als wir erklären, wir seien ein Auto und keineswegs ein Lkw. Angesichts unserer Größe klingt das recht unglaubwürdig, aber schließlich haben wir hinten tatsächlich nur 1 Achse. Die Mädels schnattern und schnattern, spähen immer wieder unter Monster und sind unschlüssig. Wir grinsen uns eins, schließlich hatten wir in Thailand genügend Gelegenheiten zum Üben, und freuen uns schon auf die nächste Stufe, die da wäre den Motor zu stoppen und Kaffee zu trinken. Doch soweit kommt es leider nicht. Der oberste Boss taucht angesichts des verursachten Tumultes auf, beugt sich kurz zu Monsters Fahrgestell hinunter und befindet, 1 Achse = Pkw = deutlich geringe Gebühren. Wir haben unser Ziel erreicht, der 1. Beleg ist schließlich der wichtigste, da man diesen bei den nächsten Stellen als Beweis vorlegen kann.

 

In Taganga selbst wird es recht abenteuerlich mit unserem Gefährt, wir sind zwar durch andere Reisende (www.pinguino-tour.de), die vor 1,5 Jahren durch Kolumbien bzw. ganz Südamerika gefahren sind, hervorragend mit GPS-Daten versorgt worden, aber diese helfen uns hier leider nicht weiter. Unser Baby ist einfach zu groß für diesen kleinen Ort, also schlängeln wir uns über die Hauptstraße wieder zurück, während ein schmutziger, kleiner Mann sich auf unsere Trittstufe schwingt und uns einen Platz zeigen will. Der Parkplatz eines größeren Hotels ist dann auch o.k., einzig die Frage, ob wir hier auch übernachten dürfen, gestaltet sich schwierig.

 

Nach langem Hin und Her taucht die Managerin auf und erklärt uns, der Preis für 1 Nacht sei 17.000 Peso, zwar ein Haufen Geld, aber was bleibt uns groß übrig angesichts der einbrechenden Dunkelheit. Als ich schließlich bei der Rezeption bezahlen will, schreibt mir ein Mitarbeiter eine Quittung über 100.000 Peso und ich bin so verwirrt, dass ich zunächst bezahle. Beim Umrechnen bekomme ich immer wieder ca. 40 € heraus und das erscheint mir so utopisch, dass ich glaube, ich würde mich ständig verrechnen. Erst als ich wieder bei Jupp auftauche und er mich recht zweifelnd anschaut, dämmert mir, dass ich sehr wohl richtig gerechnet habe und diese Leute hier uns abzocken wollen.

 

Wir veranstalten ein riesiges Theater, etliche Menschen sind peinlich berührt, aber im Endeffekt bekommen wir unser Geld zurück und verlassen diese gastliche Stätte. Einige Meter weiter befindet sich ein bewachter Parkplatz, für den wir leider auch zu groß sind, aber der Parkwächter erzählt uns, wir könnten gleich nebenan auf dem Gelände einer Tauchschule parken. Das wäre ja alles sehr schön, nur leider ist der Besitzer, ein Belgier, heute nicht anwesend und ungefragt wollen wir nicht einfach dort parken. Lange Rede, kurzer Sinn, schlussendlich finden wir ein Plätzchen vor einer anderen Tauchschule, dessen deutscher Teilhaber, Gerd, anschließend mitsamt Familie mit uns zum Abendessen geht.

 

Das Essen schmeckt einfach wunderbar, auch die Bierchen munden sehr gut und eigentlich sollten wir somit die nötige Bettschwere haben. Doch was dann folgt, ist die schlimmste Nacht unseres Lebens, unter voller Beleuchtung, Gerd hatte die Außenbeleuchtung der Tauchschule eingeschaltet, und trotz zweier Ventilatoren, schwitzend wie niemals zuvor machen wir kein Auge zu und sind froh als die Morgendämmerung hereinbricht und wir aufstehen können. Zu allem Überfluss habe ich anscheinend im Durchzug gelegen, denn mein Kopf ist zu und die Nase trieft, also mit Tauchen ist hier schon mal nix.

 

Bei einem leckeren, kolumbianischen Kaffee erwachen so langsam die Lebensgeister wieder und wir beratschlagen, was zu tun ist. Eine Alternative wäre in den nahe gelegenen „Tayrona“ Nationalpark zu fahren und dort zu warten bis die Erkältung verschwunden ist oder aber die Flucht in die Berge anzutreten. Die Erzählung von Gerd, die Sicht unter Wasser wäre momentan nicht gerade berauschend, und die Aussicht auf weitere heiße Nächte, geben letztendlich den Ausschlag. Wir brechen unsere Zelte ab und fahren gen Süden.

 

Unterwegs passieren wir zahlreiche Polizei- aber auch Militärkontrollen, die aber keineswegs negativ auffallen, sondern ganz im Gegenteil überaus korrekt sind. Wir vertreten die Meinung, je mehr Kontrolle, desto mehr Sicherheit, sind aber nicht immer von der Effektivität überzeugt. Wenn wir es mit einem langsam denkenden Polizisten zu tun haben, werden wir in der Regel angehalten, denn bevor der Gute gemerkt hat, dass er es mit einem Ausländer zutun hat, hat er bereits die Hand gehoben und uns gestoppt.

 

Der Arme weiß nicht durch welch harte Schule wir in Asien gegangen sind und somit auch gar nicht, wie ihm geschieht. Er steht unten, Jupp kurbelt das Fenster herunter, grüßt freundlich und deutet mit jedem Wort, das der Polizist von sich gibt, auf seine Ohren. „Ich nix espanol, du deutsch?“ „No hablas espanol?“ ist die ungläubige Antwort, die durch fröhliches Grinsen auf der Gegenseite beantwortet wird. So geht es eine ganze Zeitlang, die Kollegen werden zu Hilfe gebeten und wenn dann die ganze Mannschaft versammelt ist, lassen wir uns höchstens zu einem „Casa mobil“ hinreißen, dass durch lautes Klopfen auf Monsters Türen und eifriges Nicken bestätigt wird. Spätestens dann bricht allgemeine Heiterkeit aus, wir diskutieren noch kurz über den kommenden Fußball-Weltmeister, selbstverständlich Kolumbien oder Deutschland, und fahren winkend von dannen. Ende gut, alles gut.

 

Bei Bucaramanga wollen wir uns den kleinen Ort Giron, der 1963 zu einem nationalen Monument erklärt wurde, anschauen, um ein wenig von der, im Reiseführer angepriesenen, lässigen Atmosphäre zu schnuppern. Wir versuchen uns an den verschiedenen Einfahrten zum Dorf, streichen aber letztendlich doch die Segel, denn die Stromkabel, die quer über die Straßen gespannt sind, hängen für unseren Geschmack etwas zu niedrig. Also geht es weiter zum nächsten Anlaufpunkt, San Gil, immerhin schon 1110 m hoch und somit deutlich kühler. Der kleine Ort ist vollgepackt mit Abenteuertouren wie z.B. Rafting oder Paragliding, also nichts für ältere Herrschaften, diese suchen stattdessen den El Gallineral Park, eine Art botanischen Garten auf.

 

Von den zum größten Teil sehr alten Bäumen hängen gardinenartige Streifen herunter, die dem Ganzen einen geisterhaften Anblick verleihen.

In Barichara, die Art von Ort von dem die Filmemacher in Hollywood nur träumen können, nämlich so typisch spanische Kolonialstadt mit schneeweißen Häusern und Wegen aus Kopfsteinpflaster, kommen wir auf den Hund. Bereits beim Aussteigen hat er uns ins Auge gefasst und weicht fortan nicht mehr von unserer Seite, selbst auf einen Besuch in der Kirche verzichtet er nicht. Er liegt ganz brav zu unseren Füßen, begleitet uns zum Einkauf, verteidigt uns gegen seine Artgenossen, kurzum, er benimmt sich ganz so als ob er zu uns gehöre. Wir sind jetzt schon ganz traurig, dass wir für eine große Enttäuschung in seinem Leben sorgen werden, aber einen Hund können wir nun wirklich nicht gebrauchen und wer weiß, vielleicht lässt ja der nächste Tourist nicht lange auf sich warten.

 

Villa de Leyva, eigentlich ein kleiner Ort, den man ohne weiteres in wenigen Stunden gesehen hat, stranden wir auf einem perfekten Campingplatz etwas außerhalb. Dort gibt es heiße Duschen, Grillplätze und ganz viel Ruhe, selbstverständlich bis auf die ständig bellenden Hunde, die über ganz Kolumbien verteilt sind. Es muss Millionen von ihnen geben. Sind es nicht die Hunde, die uns um die Nachtruhe bringen, sind es ganz bestimmt krähende Hähne in den frühen Morgenstunden.

 

Nichtsdestotrotz gefällt es uns hier so gut, dass wir gleich 3 Tage bleiben und die Gelegenheit nutzen, Maschine mal wieder einer Generalüberholung zu unterziehen. Den Namen des Mechanikers herauszufinden, ist relativ einfach, nur an dem Laden beißen wir uns fast die Zähne aus. Wir fragen und fragen, werden immer wieder zu der gleichen Stelle geschickt und finden trotzdem nichts. Das gibt es doch gar nicht! Am Ende laufe ich die Strecke ab und siehe da, hinter einer ganz normalen Eingangstür verbirgt sich eine kleine Werkstatt. Also wieder etwas dazugelernt, in Kolumbien kann man es den Häusern nicht ansehen, ob und welches Geschäft sich darin befindet, man muss schon durch die Haustür starren, um es herauszufinden.

In der Nähe von Villa de Leyva wurde ein 120 Millionen Jahre altes Kronosaurus Fossil gefunden und gleich an Ort und Stelle ein kleines Museum darum herum errichtet. Wir staunen nicht schlecht, als wir es uns anschauen. Dieses Babyfossil wäre eigentlich 12 m lang, aber da sein Schwanz nicht überlebt hat, weist es nur noch eine Länge von 7 m auf. Anschließend geht es zu einem Observatorium, das in früheren Zeiten zur Bestimmung der verschiedenen Jahreszeiten genutzt wurde und gerne mit einer Art Stonehenge verglichen wird. Zum Einen stehen sich hier 30 zylindrische Monolithen aufrecht in 2 parallelen Reihen gegenüber, zum Anderen stehen einzelne Säulen auf dem ganzen Gelände verteilt. Um die Menschen davon abzuhalten, diesen rituellen Platz zu besuchen, wurde er von den Spaniern kurzerhand El Infiernito, also kleine Hölle, genannt. Wir bringen hier gar nichts mit dem Teufel in Verbindung, uns erinnern die Säulen eher an ganz andere Dinge.

 

Nach dem Besuch des traditionellen und schön bunten Samstagmarktes, haben wir als heutige Etappe einen See auf dem Weg zur Salzkathedrale in Zapaquira auserkoren. Die Anreise ist ein bisschen mühsam, die Straßen, oder besser gesagt Wege, erinnern ein wenig an Pakistan und so rumpeln wir mehr ans Ziel. Doch die Strapaze hat sich gelohnt, wir werden mit einer wunderschönen Campingarea direkt am See entschädigt. Die ganze Szenerie erinnert an einen Bergsee mitten in Kanada, jedenfalls stellen wir uns das so vor und dementsprechend wird erstmal Holz für das dazugehörige Lagerfeuer gesammelt. Ungeachtet der Tageszeit, es ist früher Nachmittag, entzünden wir das Feuer und genießen die Ruhe und Beschaulichkeit. Leider dauert unsere Freude nicht lange, wir schaffen gerade noch das Abendessen bevor es lange und ausdauernd zu regnen beginnt. Schade, aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

 

Haben wir uns so gedacht, aber nach einer recht frostigen Nacht, beginnt am Morgen schon munteres Treiben, ständig treffen mehr Autos mit Ausflüglern ein und bauen zu unserem Erstaunen ihre Zelte auf. Ja ist denn morgen ein Feiertag oder warum treffen erst alle am Sonntag ein? Diese Frage bleibt ungeklärt, denn angesichts der Massen, die lauthals, selbstverständlich unterschiedliche Musik abspielen, verziehen wir uns lieber und fahren heute bereits zur Salzkathedrale.

 

Inmitten eines Berges wurde in einer Salzmine eine Kathedrale ausgegraben und wir sind ziemlich erstaunt über die Größe. Es wurde nicht nur die eigentliche Kathedrale, die beachtliche 75 m lang und 18 m hoch ist und 8400 Leute beherbergen kann, ausgegraben, sondern gleich ein ganzer Kreuzweg mit allen Stationen.

Die Nacht verbringen wir hinter Schloss und Riegel. Da die Parkwächter an der Salzkathedrale uns nicht auf dem dortigen Parkplatz übernachten lassen wollen, quartieren wir uns im Garten eines nahe gelegenen Restaurants ein. Dort stehen wir sicher wie in Abrahams Schoss, denn der Besitzer verrammelt sein Tor über Nacht mit einer Kette und einem dicken Schloss. Ein etwas merkwürdiges Gefühl, denn so kommt zwar niemand hinein, aber wir auch nicht hinaus.

 

Morgens versuchen wir uns an Bogota, haben aber zuvor beschlossen, die Großstadt für dieses Mal auszulassen und geben uns der Hoffnung hin, großräumig darum herum fahren zu können. Doch weit gefehlt, bereits 30 km vor der eigentlichen Hauptstadt fängt das Gewimmel an, eine Million verrückter Autofahrer und wir mitten drin.

 

Nach 2 Stunden und etlichen Schweißtropfen ist es vollbracht, ohne irgendwelche Blessuren sind wir auf dem Weg in Richtung Medellin. Für die Fahrt benötigen wir mehr Zeit als gedacht, es geht weiter hinauf in die Berge, ungewollt bricht die Dämmerung über uns herein und wie immer in solchen Situationen findet sich kein Stellplatz. Der große Aufmarsch an Militär, die die Straße säumen, lässt nicht unbedingt ein Gefühl für eine sichere Umgebung aufkommen und so finden wir uns schließlich in der Nachbarschaft zweier Panzer wieder, wo wir gut behütet die Nacht verbringen.

 

El Penol, ein 200 m hoher Granit-Monolith, wird unser sportlicher Einsatz des Tages. 649 Stufen sind zu erklimmen, bevor wir mit einer wunderbaren Aussicht über einen künstlichen See und die umliegende Gegend belohnt werden. Die Aussicht und die Gegend gefällt uns so gut, dass wir für die Nacht gleich auf dem Parkplatz stehen bleiben, wo nach Abwehr einiger Kühe und aufdringlicher Verkäufer herrliche Ruhe einkehrt.

 

Wir sind so gut ausgeschlafen, dass wir mitten durch die Innenstadt von Medellin kreuzen, auf der Suche nach einem 24 Stunden Parkplatz. Leider ist unser Versuch nicht von Erfolg gekrönt, die Parkplätze sind alle derart voll, dass Monster einfach keine Chance hat. Wir kurven nochmals um einige Ecken und siehe da, ein wunderbarer Parkplatz mit unendlich viel Platz. Wir erfahren, dass hier nur bis 22.00 Uhr geöffnet ist und erklären der freundlichen Parkwächterin, um diese Stunde würden wir sowieso bereits schlafen, es wäre also kein Problem, wenn sie uns über Nacht einschließen.

 

Uih, ein schwieriges Unterfangen, da muss zunächst der Vorgesetzte, und dann der Vorgesetzte und dann der Vorgesetzte gefragt werden und nach ungefähr 1 Stunde Diskussion, befindet dieser, es sei unmöglich. Sowohl die Angestellten als auch wir schauen recht betrübt drein, aber die Entscheidung ist endgültig, wir müssen gehen. So wie wir manchmal eben sind, verkünden wir noch, dass wir dann eben ganz gehen, wenn man uns in Medellin nicht haben will, was noch betretener Gesichter hervorruft. Auf diese Art und Weise haben wir wenigstens unsere Enttäuschung abgebaut.

Über Santa Fe de Antioquia, die älteste Stadt in West-Kolumbien, wo es aufgrund von Erdrutschen fast nicht mehr weitergeht, gelangen wir in die Kaffeehochburg des Landes. In der Gegend um Armenia wird Kaffee angebaut soweit das Auge reicht und wo landen wir? Genau, auf einer Bananenplantage!

 

Auf der Hacienda Bambusa (www.haciendabambusa.com) gefällt es uns so gut, dass wir gleich 3 Nächte dort verbringen und so manches Schwätzchen mit dem Sohn des Hauses, Santiago Montoya, halten. Dieser sympathische Künstler ist zusammen mit seiner Frau vor 4 Jahren mit einem Unimog 6 Monate lang durch Afrika gefahren und hat diese Eindrücke in verschiedenen Gemälden verarbeitet. Wir sind sehr beeindruckt und müssen versprechen, unsere Reisepläne für Afrika nochmals zu überdenken. Schweren Herzens reißen wir uns am Mittwochmorgen von diesem herrlichen Flecken los und fahren zwischen Armenia und Ibaque über den 3.250 hohen Las Lineas Pass. Wir staunen nicht schlecht, dass die Bauern an den teilweise sehr steilen Hängen der Schwerkraft trotzen und ihre Felder bestellen. Im Laufe der 2-tägigen Fahrt ändert sich die Landschaft drastisch, von den grünen Bergen geht es hinab auf 300 m Höhe, hinein in die Tatacoa Wüste. Diese, zwischen dem Amazonasbasin und den Zentral-Kordilleren, eingezwängte, 300 km² große Wüste ist eine geografische Anomalie und beherbergt einen Mix von Pflanzen und Tieren wie nirgends sonst in Kolumbien.

Die Gegend ist schon sehr beeindruckend, aber die Hitze ist es auch. Bei 45° Grad sind wir froh über den Schatten, den wir unter unserer Markise finden und so reagieren wir auch nicht besonders als ein wenig Wind aufkommt. Ganz im Gegenteil, wir genießen die Brise sogar noch.

 

Leider dauert die Freude nicht lange, der Wind wird ganz plötzlich so tierisch stark und böig, dass wir zu zweit an der Markise hängen, damit diese nicht abreißt. Es dauert eine geraume Zeit bis es uns gelingt das vermaledeite Ding unversehrt hereinzukurbeln. Ziemlich außer Atem, wird uns diese Aktion wohl eine Lehre sein. Zu Krönung des Ganzen beginnt es nun auch noch heftig zu regnen, einfach unglaublich, wir sitzen in der Wüste und es regnet. Das nennt man Glück, oder?

 

Wenigstens beschert uns der Regen angenehmere Temperaturen und wir genießen zuerst den Sternenhimmel und dann unser Bett. Jedenfalls bis 21.30 Uhr, da poltert es massiv an Monster und wir werden mit Suchscheinwerfern bestrahlt. Das Herz klopft uns bis zum Hals, ist das jetzt unser 1. Überfall? Als sich unsere Augen an die Beleuchtung gewöhnt haben, können wir draußen ein Polizeifahrzeug und 5 (fünf!) Polizisten erkennen, die uns erwartungsvoll betrachten. Puh, noch mal Glück gehabt! Schnell sind wir in den Hosen und stürmen nach draußen, wo wir sehr freundlich mit Handschlag begrüßt werden. Es folgt die übliche spanisch-deutsche Konversation, wo kommt ihr her, wo wollt ihr hin und das war es. Warum das Ganze zu nachtschlafender Zeit passieren muss, ist uns ein Rätsel, aber wenn die Herren auf uns aufpassen, wollen wir zufrieden sein, gell?

 

Auf der Rückfahrt am Morgen stoppen wir am Observatorium für einige Photos und treffen doch tatsächlich auf 2 Fahrradfahrer aus Deutschland. Britta und Simon (www.brisienbici.blogspot.com) sind seid 2 Jahren in Südamerika unterwegs und immer noch völlig begeistert. Schade, dass wir uns nicht gestern schon getroffen haben, denn da wir alle heute noch eine weite Strecke vor uns haben, ist die Zeit zum Quatschen wie immer viel zu kurz. Unser Weg führt nach San Augustin, dem archäologischen Ort schlechthin.

 

Schnell ist ein schöner Stellplatz beim San Augustin Campingplatz gefunden, wo wir uns mitten auf einer Wiese häuslich einrichten.

Wir besichtigen 2 Tage lang alte Steine und das schlägt Jupp dermaßen auf den Magen, dass er sich erst mal mit Durchfall und Brechreiz ins Bett legt. Für mich eine willkommene Pause um meine Hausaufgaben zu erledigen. Nach 3 Tagen kehren die Lebensgeister zurück und wir beratschlagen, welche Strecke wir für die Fahrt nach Popayan in Angriff nehmen sollen. Die, mit 120 km, deutlich kürze Strecke soll in einem desolaten Zustand sein und zählte in der Vergangenheit zum Guerillagebiet, also erkundigen wir uns bei der Polizei und etlichen anderen Leuten, ob sie nun sicher zu befahren ist. Wir bekommen überall eine positive Antwort, es sei kein Problem und somit ist die Entscheidung gefallen. So schlecht kann der Weg gar nicht sein, dass wir einen Umweg von 1000 km in Kauf nehmen.

 

Am Donnerstagmorgen soll es in aller Frühe losgehen, von unserer Seite läuft es auch wie geplant, doch leider hat uns niemand gesagt, dass in San Augustin heute ein Radrennen stattfindet und die komplette Stadt gesperrt ist. Wir versuchen auf allen möglichen Wegen den Ort zu verlassen, landen aber immer wieder an einer Straßensperre. Das gibt es doch gar nicht!! Wir schnappen uns einen Polizisten, der zunächst sämtliche Hoffnungen zunichte macht, weil er uns mitteilt, alle Ausfallstraßen seien bis Nachmittag komplett gesperrt, aber zu guter letzt doch noch fragt, wohin wir denn eigentlich wollen. Es stellt sich heraus, dass es eine kleine Straße durch die Berge nach Isnos gibt, die, selbstverständlich auf Nachfrage, auch für unser grünes Biest zu befahren sei. Auch gäbe es eine Tankstelle in Isnos. Das sind ja gute Nachrichten, denken wir jedenfalls solange bis wir in die Berge kommen.

 

Die Strecke ist super-schmal, sau-steil, hyper-desolat, deutlich länger als erwartet und das Ganze mit nur noch 45 Litern Diesel im Tank! Na prima, irgendwann beschließen wir zu stoppen um vorsichtshalber den Reservekanister einzufüllen, denn bei diesen Schräglagen läuft der Restdiesel in unserem großen Tank nach hinten und wir bleiben mangels Masse einfach liegen. Wir stehen also mitten in der Pampas auf einem schmalen Weg und Jupp verstaut den Reservekanister gerade wieder auf dem Dach, als 2 Jeeps hinter uns auftauchen und, typisch kolumbianische Unart, zu hupen beginnen. Ja was glauben diese Ochsen denn? Dass wir uns durch anhaltendes Hupen in Luft auflösen oder was? Juppis Tobsuchtsanfall auf dem Dach scheint zu wirken, denn die Hupen verstummen und die Herren verlassen ihre Autos um uns persönlich zu begrüßen. Ja geht doch, warum dann nicht gleich so? Es folgt eine kurze Unterhaltung bevor die Fahrt weitergeht, selbstverständlich mit den Jeeps hinter uns, sicher ist sicher, gell?

 

Ohne weitere Zwischenfälle erreichen wir Isnos und somit auch die Tankstelle. Da wir wissen, dass die weitere Strecke ebenfalls in einem sehr schlechten Zustand sein soll, wollen wir Monster nicht noch mit einem vollen Tank belasten und nehmen nur 90 Liter Diesel auf, bei einem Verbrauch von 20-21 Litern pro 100 km, sind wir damit für einen Weg von 120 km auf der sicheren Seite.

Der Weg nach Popayan ist wirklich sehr schlecht, es geht bis auf 3050 m hinauf, Schlagloch folgt auf Schlagloch und zu allem Überfluss regnet es auch noch anhaltend, aber nach 6 Stunden ist es vollbracht, wir haben unser Tagesziel, die Thermalquellen von Coconuco, erreicht. Jupp stürzt sich in die ausnahmsweise mal richtig heißen Fluten und genießt die Ruhe, denn gottlob ist heute Donnerstag und wir hoffen von dem bekannten Wochenendtrubel verschont zu bleiben.

 

Als um 22.00 Uhr der Kassenwärter nach Hause geht und die Eingangtüre offen lässt, wundern wir uns zwar ein wenig, denken aber nicht weiter darüber nach. Ein großer Fehler, wie sich herausstellt, denn nachts um 1.30 Uhr werden wir von lauter Musik geweckt, die aus einem Auto schallt, das direkt neben unserem Bett parkt. Das kann doch wohl nicht wahr sein, sind die denn nur wahnsinnig?? Auf unseren lautstarken Protest hin machen die jungen Leute dann wenigstens die Musik aus, das Gegröle aus dem Bad bleibt uns jedoch erhalten. Nach gut 2 Stunden ist der Anfall vorbei und wir versuchen es noch mal mit einer Mütze voll Schlaf.

 

Dieses Mal sind uns 2 Stunden vergönnt, da fährt der Schulbus durch um die Kinder einzusammeln. Eigentlich kein großes Ding, nur leider betätigt der Fahrer dabei sein Schiffshorn und fährt also laut hupend an uns vorüber. O.K. das war es dann also mit Schlaf für heute und so sind wir recht früh wieder unterwegs.

 

In Popayan entdecken wir einen Carrefour-Supermarkt und halten das für eine gute Gelegenheit unsere Vorräte aufzufrischen. Was dann jedoch folgt, kann einfach nur ein Scherz gewesen sein. Die Zufahrten zum Parkplatz sind durch Tore gesichert, die aber für uns nicht hoch genug sind, also fragen wir das Sicherheitspersonal nach einer für uns geeigneten Einfahrt. Das übliche Prozedere, der Chef muss gefragt werden und es dauert und dauert, erst als wir ganz einfach auf der Straße parken, kommt Bewegung ins Ganze, der Sicherheitschef taucht auf und wieder sollen wir warten. Geschlagene 20 Minuten dauert die ganze Aktion, dann steht fest, wir dürfen durch einen separaten Eingang hereinfahren, parken und womöglich sogar einkaufen! Wer hätte das gedacht?! Manchmal ist es unglaublich.

 

Durch den relativ langen Aufenthalt sind wir nun doch später als geplant, hoffen aber auf eine gute Straße und machen uns auf den Weg in Richtung Pasto. Natürlich kommt es wie es immer kommt, der 1. gute Stellplatz ist deutlich zu früh und anschließend, bei Einbruch der Dunkelheit, finden wir nichts passendes mehr. Zu allem Übel schlängelt sich die Straße mal wieder bergauf und bergab, die entgegenkommenden Fahrzeuge fahren teilweise ohne Licht, es regnet vom Himmel hoch und die Lkw- und Busfahrer sind sowieso vom Wahnsinn befallen.

 

Unsere Nerven sind ziemlich angespannt, da erstirbt zu allem Überfluss auch noch Monsters Motor. Ist ja ganz klasse, gerade eben noch können wir an den Straßenrand rollen. Es ist nicht zu glauben, aber anscheinend ist uns der Diesel ausgegangen. Bei strömendem Regen füllen wir den Reservekanister ein, starten und der Motor springt an, aber leider nur kurz. Als ob wir nicht schon nass genug wären, muss nun das Einspritzsystem noch entlüftet werden, aber dann ist alles wieder gut. Unerklärlich bleibt zunächst nur, wieso uns der Diesel ausgegangen ist und wir beginnen zu rechnen. Unser Schätzchen hat doch tatsächlich auf diesen extremen Bergtouren fast 30 l verbraucht! Unglaublich, aber war! Da heißt es für die Zukunft mit anderen Zahlen zu rechnen.

 

Am nächsten Morgen ist alles wieder vergessen, völlig problemlos fahren wir bis Ipiales, dem Grenzort zu Ecuador, und besichtigen in der Nähe die Kirche von Las Lajas.

Die vielen Gläubigen und die Atmosphäre erinnern uns stark an unsere Heimatstadt Kevelaer, einem katholischen Wallfahrtsort und so sehen wir der morgigen Grenzüberschreitung ganz gelassen entgegen.