Kolumbien: September 2008

Bevor es nach turbulenten Wochen in Deutschland, Kroatien und Südfrankreich am 05.09. endgültig wieder losgehen kann, wird die letzte Woche doch noch ein wenig aufregender als geplant. Es ist bereits Montag und unser Carnet de Passage und die Bill of Loading sind immer noch nicht aus Neuseeland eingetroffen. Sollte dort etwas schief gelaufen sein oder warum hören wir nichts? Immerhin können wir im Internet auf der Seite von Hamburg-Süd mittels der Tracking-Funktion verfolgen, dass unser Schätzchen zumindest aufs Schiff geladen worden ist. Auch auf der Seite der New Zealand Post können wir den Gang unserer Dokumente beäugen und diese sind wenigstens schon mal von einem Kurier abgeholt worden. Also heißt es weiter warten, doch dann folgt am Dienstagnachmittag die Entwarnung, die Papiere sind eingetroffen, unserer Abreise steht nichts mehr im Wege.

 

Der Air Berlin Flug ab Düsseldorf zunächst nach Miami/Florida trifft ganz unseren Geschmack, die Maschine ist nicht voll besetzt und wir können jeder eine Mittelreihe mit 4 Sitzen ergattern. In der Horizontalen lässt sich gleich alles viel besser ertragen.

Bereits am Samstag absolvieren wir die restlichen 2,5 Flugstunden bis Cartagena/Kolumbien mit Avianca, wobei uns schon mal ein kleiner Einblick in die kolumbianische Fahrweise gegönnt ist. Der Pilot macht Juan Pablo Montoya alle Ehre und rast Formel 1-mäßig über das Rollfeld, fast so als ob wir auf dem Landweg ans Ziel kommen sollen.

 

Die Einreise erfolgt ratzfatz, ohne jegliches Dazutun unsererseits knallt der Zollbeamte ein 60-tägiges Visum in unsere Pässe und das war’s. Keine Gepäckkontrolle, keine Fragen nach Rückreise- oder Weiterreiseticket, wir sind einfach drin und sitzen 1 Minute später in einem Taxi zum Hotel Charlotte in Bocagrande. Im letzten Moment in Miami im Hotel hat uns doch noch der Mut verlassen,  so haben wir wenigstens für die 1. Nacht in Cartagena dieses Hotel vorbestellt und sind nun recht happy, dass alles so gut geklappt hat.

Nach kurzer Atempause stürzen wir uns erneut in die Hitze, es sind 36° bei 90% Luftfeuchtigkeit, und erkunden Bocagrande und seine Hotels. Mit dem weitaus günstigeren Hotel da Pietro werden wir fündig, obendrein gibt es eine kostenlose WiFi-Verbindung und so steht einem Umzug am nächsten Morgen nichts mehr im Wege.

 

Der Sonntag gehört noch der Stadtbesichtigung und der Gewöhnung an die spanischen Töne, doch Montagmorgen ist Schluss mit lustig, es gilt unser Leben in Kolumbien zu organisieren und dazu gehört nun mal dringend unser Monster.

 

Flugs winken wir ein Taxi herbei, nachdem wir zunächst die ersten beiden vorbeifahren lassen, entscheiden wir uns für einen doch recht betagten Herrn. Was soll ich sagen, eigentlich ist er noch ganz gut beisammen, keine Brille, kein Hörgerät, keine Zähne, nur mit der Orientierung klappt es nicht so recht.

Immer wieder betrachtet er recht zweifelnd den von uns mitgebrachten Adressenzettel, fährt jedoch zumindest schon mal in die richtige Richtung. Ein Licht geht uns auf, als er bei diversen Kollegen nach einem „Edifico Serleinco“ fragt und auch diese mit dem Kopf schütteln. Unser geplagter Fahrer hält bei meinem Geschreibsel das ursprüngliche „G“ für ein „S“ und wundert sich nun, dass niemand dieses Gebäude kennt. Unser Versuch, ihn darauf hinzuweisen, scheitert kläglich und so versuchen wir es über die Straßenbezeichnung.

 

Nach langem Hin und Her, gottlob zahlt man hier die Taxifahrt nicht nach Kilometern und Zeit, sondern nach Stadtteilen = 1 Stadtteil 5.000,00 Peso, 2 Stadtteile 10.000 usw., gelangen wir doch noch ans Ziel und sind froh dem lispelndem Alten entweichen zu können. Nach wenigen Metern fällt uns jedoch ein, dass wir gerne den Zettel mit der Anschrift zurück haben möchten und befragen den Alten nochmals. Energisches Kopfschütteln, wilde Suche im Auto und in den Hosentaschen, der Zettel bleibt verschwunden, Fazit: kolumbianische Taxifahrer essen Zettel!! Das fängt ja schon mal gut an, aber wenigstens sind wir im „Edifico Gerleinco“, wo die kolumbianische Vertretung von Hamburg-Süd ihren Sitz hat.

 

Wir landen in einem Office mit überaus freundlichen Menschen, die auch fleißig auf uns einreden, nur verstehen wir leider kein Wort. Recht hilflos winken wir mit unserer Seaway Bill, faseln etwas von Cap Beatrice, das Schiff mit dem Monster ankommen soll, und können ansonsten nur mit den Achseln zucken. Das Zucken scheint aber ganz gut anzukommen, ein Mitarbeiter entschwindet und kehrt kurze Zeit später mit einem englisch sprechenden Menschen wieder zurück. Dieser Richard Batutista entpuppt sich als Geschenk des Himmels, er erklärt uns den genauen Ablauf der Prozedur, versorgt uns mit seiner Handynummer und ebnet alle Wege. Was soll ich lange reden, im Endeffekt geht heute gar nichts mehr, denn die original Bill of Loading kann nicht ausgestellt werden, da wir entweder die Fracht nicht bezahlt haben oder die Schlafmützen in Bogota die Zahlung nicht bestätigt haben. Aber wir sollen uns nicht aufregen, Bogota wird per Email angeschrieben, bis morgen wäre dann alles perfekt und überhaupt käme das Schiff ja sowieso erst heute Nacht an. Also hasta manana!

 

Aber doch nicht so mit uns Alemannen!! Flugs eilen wir ins Hotel und unserer wunderbaren WiFi-Verbindung zurück und schreiben sowohl Marie von der Fa. AD Customs als auch Hamburg-Süd Neuseeland eine Mail mit der Bitte um Bestätigung des Zahlungseingangs. Diese beiden reagieren auch prompt, nicht nur wir bekommen eine Antwort, sondern auch die kolumbianischen Kollegen von Hamburg-Süd und somit stehen wir gut gewappnet bereits um 8.00 Uhr am Dienstag wieder auf der Matte. Richard freut sich uns zu sehen und alles geht seinen Gang bzw. wir gehen.

 

Zunächst mal zu einer bestimmten Bank, der Bank Occidente, im Zentrum und zahlen dort den Betrag für 2 Rechnungen von Hamburg-Süd bar ein. Wieder zurück, muss eine Kaution, für den Fall dass Monsters Container beim Abladen beschädigt wird, in Höhe von 1.000.000 Peso hinterlegt werden. Als wir aufgrund dieses Betrages dicke Backen machen, wird flugs eine Sonderregelung für Alemanos gefunden und die Kaution halbiert sich auf 500.000 Peso. Wenigstens müssen wir dazu nicht wieder zu einer Bank, sondern können das Geld direkt im Gebäude hinterlegen, tja und dann, dann ist erst einmal Mittagspause. Zwischen 12.00 und 14.00 Uhr läuft in ganz Kolumbien nichts, da geht man Mittagessen essen oder ruht sich aus und somit bleibt auch uns nichts anderes übrig.

 

Wir kehren in den nahe gelegenen Yachthafen ein, halten Siesta und werden ganz aufgeregt, als wir in weiter Ferne ein Containerschiff in den Hafen einbiegen sehen. Sollte das die Cap Beatrice sein, die ursprünglich bereits gestern Nacht kommen sollte? Irgendwann können wir tatsächlich den Schiffsnamen entziffern, aber von unserem Gefährt ist leider nichts zu erkennen. Schade, ganz aufgekratzt kehren wir zu Richard zurück und nach weiterem Warten gibt es tatsächlich irgendwann die Bill of Loading. Richard brieft uns noch eingehend für den nächsten Tag im Hafen und versorgt uns mit der Telefonnummer von Eric, einem Mitarbeiter, der für die Abwicklung im Hafen zuständigen Firma. Unser Tageswerk ist vollbracht, es hat kaum 8 Stunden gedauert.

Nach dem Motto, der frühe Vogel fängt den Wurm, stehen wir bereits um 7.45 Uhr vor den Toren des Hafens und bitten um Einlass

Eric scheint zwar noch nicht anwesend zu sein, aber Angelina, eine Kollegin kümmert sich rührend um uns und schon sitzen wir Kaffee trinkend in einem Büro und warten. Das Warten scheint überhaupt unsere Lieblingsbeschäftigung zu sein, denn irgendwie zieht es sich fortan durch den ganzen Tag. Lange Rede, kurzer Sinn, wir laufen von hüh nach hott, erledigen 1 Tonne Papierkram, leisten 700 Unterschriften und geben 4 Fingerabdrücke ab, mit dem Ergebnis, dass wir abends um 20.00 Uhr Monster gesehen und abgeladen haben, aber immer noch auf dem Hafengelände herumstehen. Mittlerweile leisten uns 2 Franzosen, die ihre Motorräder von Panama hierher verschifft haben, bei dem ganzen Theater Gesellschaft.

 

Im Gegensatz zu uns wollen die beiden morgen früh um 8.00 Uhr bereits wieder unterwegs sein und so müssen sie noch weiterkämpfen während wir befinden, dass Monster hier im Hafen und wir im Hotel einen sicheren Schlafplatz haben und somit für heute die Segel streichen.

 

Da wir Monster in guten Händen wissen, kümmern wir uns morgens zunächst um die nötige Haftpflichtversicherung. Mit Telefonbuch und den Auskünften der Hotelrezeptionistin bewaffnet, wollen wir das Büro von La Previsora aufsuchen.

 

Abermals beginnt eine recht langwierige Taxifahrt und endet mit einem 10 minütigen Fußmarsch, nur um festzustellen, dass wir definitiv im falschen Büro sind. Die Dame dort ist recht freundlich und hilfsbereit, nur unser spanisch ist eindeutig noch nicht besser geworden und so hangeln wir uns, mal wieder mit Adressenzettel versehen, mehr schlecht als recht zum nächsten Büro. Was stellen wir fest? Auch hier sind wir falsch, wieder ist man sehr bemüht, telefoniert wie wild herum, schickt uns ein paar Straßen weiter und isst unseren Zettel auf. Dass wir letztlich dann richtig sind, bemerken wir erst nach 30 Minuten, nämlich in dem Moment, indem uns ein freundlicher Herr unsere Versicherungspolice in die Hand drückt und wir diese bezahlen müssen. Ganze 72.000 Peso = 32,00 € kostet die Versicherung für 60 Tage, das ist ja fast geschenkt.

 

Recht beschwingt erscheinen wir bei Angelina und Eric und auch hier läuft alles reibungslos, keine 3 Stunden später (?!) können wir mit unserem Vehikel das Hafengelände verlassen und Treibstoff in jeglicher Form, sprich Diesel und Wasser aufnehmen.

 

Anschließend kurven wir zurück nach Bocagrande, wo wir in der Zwischenzeit einen Stellplatz für die Nacht aufgetan hatten. Leider können wir dort nicht, wie vor 2 Tagen versprochen, Strom für unsere Klimaanlage bekommen, finden dafür aber einen hilfsbereiten, jungen Mann, der uns einen anderen Stellplatz mit Stromanschluss zeigen möchte. Der Gute klettert also auf meinen Sitz, kurbelt die Scheibe herunter und los geht die Fahrt, kreuz und quer durch Bocagrande und ich kann mich des Eindrucks nicht erwähren, dass es sich um eine Sightseeing-Tour handelt. Wir stoppen an allen möglichen Ecken, aber nicht etwa weil es dort etwas zu sehen gibt, nein, der junge Mann möchte einfach nur von möglichst vielen Leuten an möglichst vielen Stellen in unserem Auto gesehen zu werden. Aber was soll’s? Letztendlich landen wir kaum 2 Straßen weiter als der ursprüngliche Platz auf einem engen Hinterhof, aber dafür 2000 Pesos günstiger und mit Stromanschluss.

 

Es folgt die große Stunde, denn bisher konnten wir unsere Anlage auf 110 Volt noch nie ausprobieren und dementsprechend gespannt sind wir. Schnell sind noch die Stecker an unserem Kabel zu ändern und siehe da, der Strom fließt. Leider reitet uns anschließend der Teufel oder die Sonne hat unser Hirn bereits eingetrocknet, jedenfalls bilden wir uns ein, unsere Klimaanlage über unseren 110 Volt Trafo betreiben zu können. Es funktioniert auch, leider nur ganz kurz und auch nur ein einziges Mal, und dann ist logischerweise der Trafo durchgebrannt. Hm, schöner Mist, denn dieser ist so wunderbar eingebaut, dass man kaum an ihn herankommt und dafür die komplette elektrische Anlage ausbauen müsste. O.K, dann haben wir eben fortan keinen 110V Strom mehr von außen, jedenfalls bis es den hauseigenen Monteur doch noch aufregt und er sich an die Arbeit macht. Zu allem Überfluss kommt dann der Parkplatzbesitzer und macht uns klar, dass er auch über eine 220 Volt Steckdose verfügt. Ist ja toll, da hätten wir uns die ganze Aktion zuvor sparen können. Aber sei’s drum, jetzt können wir wenigstens unsere Klimaanlage einschalten und so ist doch noch alles gut.

Anschließend fangen wir an, Monster wieder herzurichten. Für die Verschiffung hatten wir den Inhalt sämtlicher Außenstaukästen und das Getöse vom Dach in den Innenraum geräumt und nun muss halt alles wieder an Ort und Stelle gebracht werden, damit wir überhaupt bis zu unserem Bett gelangen können. Im Endeffekt benötigen wir 1,5 schwitzende Tage bis auch die Einkäufe erledigt sind, alles verstaut ist und wir losfahren können.