Chile / Argentinien: Januar 2009

Montagmorgen brechen wir unsere Zelt in Ushuaia ab, genug des Lotterlebens, es wird Zeit wieder auf Reise zu gehen.

 

Wir verlassen die üblichen Wege und fahren querfeldein durch Feuerland, verbringen einige Zeit an kleinen, recht unberührten Seen und verlassenen Hosterias und genießen die Einsamkeit.

 

Jedenfalls bis zum nächsten Morgen, denn als Jupp beim täglichen Kontrollgang einen Riss in einer Felge entdeckt, ist es mit der Ruhe erst einmal vorbei. Mit dieser Felge weiterzufahren ist eindeutig zu gefährlich, also steht mal wieder ein Reifenwechsel an. Die hinteren Reifen machen uns immer etwas Mühe, denn zu a. müssen die 125 Kilo zunächst über die Nabe und dann aus dem Radkasten gehievt werden und zu b. sind wir etwas aus der Übung geraten. Aber wie heißt es immer so schön? Gelernt ist gelernt, schließlich hatten wir in Australien genügend praktische Übungen und so ist auch dieser Reifen bald gewechselt und wir können uns wieder der Einsamkeit widmen.

 

Die verschlungenen Pfade haben zur Folge, dass wir an einen winzigen Grenzübergang geraten. Bereits seit Stunden haben wir kein weiteres Fahrzeug gesehen und so ist es nicht verwunderlich, dass die argentinische Grenzstation einen verlassenen Eindruck macht. Es hat den Anschein, dass das jüngste Mitglied der Zöllner zur Bewachung des Schlagbaumes abkommandiert und mit der Aufgabe betraut ist, die anderen bei Erscheinen eines Grenzgängers aus dem Mittagschläfchen zu reißen. Insgesamt macht die ganze Truppe einen recht verschlafenen Eindruck, vielleicht dauert die Kontrolle unserer Papiere aus diesem Grunde so unverhältnismäßig lange. Nichtsdestotrotz, es gelingt und unserer Weiterfahrt steht nichts mehr im Wege, wenn wir nur wüssten, wo es lang geht. Zunächst öffnen wir den Schlagbaum mal eigenhändig und dann folgen wir einfach einigen Spuren, die uns mitten durch einen Fluss führen. Auf der anderen Seite angekommen, landen wir vor einem Viehgatter, das einem australischen verdächtig ähnelt, also Tor auf, durchfahren, Tor zu. Sind wir nun bereits in Chile?

Einige Meter weiter weist uns ein großes Schild darauf hin, aha, anscheinend haben wir doch den richtigen Weg erwischt, obwohl sich auch an diesem Grenzposten zunächst niemand bzw. nur ein Hund sehen lässt. Dieser begrüßt uns mit lautem Gebell und wenige Minuten später stürzen die Grenzer aus ihren Hütten. Wir grinsen uns eins, die Chilenen scheinen die Variante mit dem Hund als Weckdienst für weniger auffällig zu halten. Auch auf dieser Seite erfolgt eine problemlose Abwicklung der Formalitäten, die Kontrolle der eingeführten bzw. verbotenen Lebensmittel ist ebenfalls schnell überstanden (unsere Verstecke scheinen von Mal zu Mal besser zu werden) und schon sind wir wieder in Chile.

 

Dieses Mal haben wir uns für die etwas längere Fähre zwischen Porvenir und Punta Arenas entschieden, die heute, zu Sylvester, ausnahmsweise bereits am Nachmittag fährt und nicht erst am Abend. Da wir keine Reservierung vorgenommen haben, finden wir uns zeitig am Hafen ein, doch das wäre, zumindest heute, absolut nicht notwendig gewesen. Die Fähre ist noch nicht einmal halb gefüllt. Die Überfahrt ist dermaßen stürmisch, dass Monster immer wieder mit Salzwasser geduscht wird und ein Aussteigen unsererseits ohne ein Vollbad völlig unmöglich ist. Schade, wir hätten die putzigen Delfine gerne noch einmal gesehen.

 

Am frühen Abend erreichen wir Punta Arenas, fahren einmal kurz durch die Stadt und quartieren uns außerhalb auf einer Wiese am Strand ein, nicht ohne Hoffnung auf eine ruhige Nacht. Es ist wie es immer ist, anfangs noch ruhig, treffen auch lange nach Einbruch der Dunkelheit bzw. für uns bereits lange schon Nacht, immer noch neue Camper ein, denen der Sinn überhaupt nicht nach Ruhe steht und dementsprechend gestaltet sich unser Schlaf.

 

Am nächsten Morgen, alles andere als frisch, befinden wir, dass wenigstens Monster frisch wie das neue Jahr erscheinen sollte und zudem das Salz vom Vortag herunter muss. Also fahren wir in ein nahe gelegenes Flussbett. Waschbürste und Schwamm heraus und schon kann das Bad beginnen, wobei die Bezeichnung Vollbad wohl eher passend ist, denn am Ende ist die ganze Monstercrew völlig durchnässt. Aber was tut man nicht alles für seine Lieben, gell?

Im neuen Glanz fahren wir in die Stadt zurück, völlig gegen den aktuellen Trend, denn es hat eher den Anschein, dass die Stadt gerade evakuiert wird. Ganze Karawanen mit Brennholz und Kühlboxen bewaffnet, kommen uns entgegen, anscheinend um den Neujahrstag zünftig mit einem Asado zu begehen, einfach unglaublich. Womöglich verstehen wir diese Mentalität nie?!

 

Anyway, wir parken direkt am Friedhof, wollen uns aber vor dessen Besichtigung noch mit einem kräftigen Frühstück stärken und richten alles dazu her. Wie schon so oft laufen draußen einige Touristen herum und wie ebenfalls schon so oft, witzelt Jupp, ich solle lächeln, da wir fotografiert werden. Dazu muss ich erklären, dass Monsters Fensterscheiben getönt sind und wir zwar wunderbar herausschauen, aber niemand hereinschauen kann und folglich auch nicht wissen kann, dass wir drin sind. Jupp sagt also sein Sprüchlein auf, ich schaue aus dem Fenster und mir entgleisen die Gesichtszüge. Völlig verdattert kann ich nur noch stottern: „Die, die kenn ich, die war in meiner Schulklasse!“.

 

Wenige Minuten später sehe ich Annette genauso perplex dreinschauen, nämlich in dem Moment als der, ihr völlig unbekannte Jupp ihren Namen ruft. Das Frühstück ist schnell vergessen, stattdessen teilen wir unseren Kaffee mit den beiden und erzählen uns gegenseitig, wie wir hierher gekommen sind. Annette und ihr Mann Heiner sind mit einem Around-the World-Ticket unterwegs und nach einer Antarktisreise für einen Tag hier in Punta Arenas gestrandet. Schade, dass wir uns nicht schon gestern getroffen haben, es wäre sicherlich ein netter Sylvesterabend geworden, aber so trennen sich unsere Wege bereits nach ein paar Stunden.

 

Bei ziemlich scheußlichem Wetter, es regnet und stürmt, erreichen wir Puerto Natales und landen auf der Suche nach einer Wifi-Verbindung vor einem Hostel samt kleinem Campingplatz. Wir sind noch kaum aus dem Auto gestiegen, da kommen aus dem Garten des Hostels Jutta und Martin gelaufen, zwei Reisende, die wir in Ushuaia kennengelernt haben. Keine Frage also, dass wir uns hier einquartieren und aus dem geplanten Übernachtungsstopp werden gleich 3 Tage.

 

Erst am 01.07.2007 wurde eine neue Straße in den Torres del Paine Nationalpark eröffnet, und doch ist die Schotterpiste, die wir heute befahren, in einem katastrophalen Zustand. Wir fahren bereits im Schritttempo und wissen dennoch manchmal nicht, wie wir die knietiefen Schlaglöcher umkurven sollen. Es rüttelt und rumpelt, Monster wird ständig durchgeschüttelt und am Ende quietscht er an allen Ecken und Kanten. Der Dachträger, die Blattfedern, der Aufbau, wir fragen uns welches Teil eigentlich keine Töne von sich gibt und sind am Ende dermaßen frustriert, dass wir für heute an einer Lagune vor dem eigentlichen Park haltmachen.

 

Der Torres del Paine Nationalpark bietet ein einzigartiges Bild, denn hier trifft die patagonische Ebene unvermittelt auf die Gipfel der Südkordillere, die steil aufragenden Berge mit den graniten Spitzen ragen mehr als 2000 m hoch auf. Im Park liegen zahlreiche türkisfarbene Gletscherseen, in denen auch zur Sommerzeit dicke Eisschollen treiben.

Am Mittwoch brechen wir bei stürmischem Wind nach El Calafate auf und während wir auf dem übelsten Stück Schotterpiste herumjuckeln, begegnet uns Theo aus Warbeyen/Kleve (www.world-tourer.de) zum 2. Mal in Argentinien. Der arme kämpft mit den Schotter-Spurrillen, liegt auf seinem Motorrad ständig schräg gegen den Wind und macht den Eindruck von (sorry für die Ausdrucksweise) so richtig „Schnauze voll“. Wir haben vollstes Verständnis, auch uns ist Patagonien und seine Pisten so langsam völlig über. Leider bleibt uns auch dieses Mal nur wenig Zeit zum Plaudern, schade, aber vielleicht treffen wir uns zu einem besseren Zeitpunkt an einem besseren Ort.

 

In Calafate begeben wir uns auf die Suche nach einem Abschmierservice, denn unglaublicher Weise sind die nächsten 5.000 km schon wieder um. Diesen könnte zu a. Juppi selbst machen, scheitert mangels Lust, und zu b. eigentlich jede gute Tankstelle, aber eben nur theoretisch. Für so ein Monster wie unseres werden wir mal wieder von hüh nach hott geschickt, kurven quer durch den Ort, um am Ende doch wieder neben dem Ausgangspunkt auszukommen. Schlussendlich können wir doch noch eine Absprache über Preis und Termin für den nächsten Morgen erreichen.

 

Puh, auf zu neuen Taten, ein Stellplatz muss gefunden werden. Bekanntermaßen haben wir ein leichte Campingplatzallergie entwickelt, also kann es sicherlich nicht einer der beiden öffentlichen sein, wir finden jedoch, bereits im 2. Anlauf, einen Platz der Polizeiveteranen. Auf dem recht großen Gelände ist wenig los und wir freuen uns auf eine ruhige Nacht. Tja, manchmal geht es dann auch mit uns einfach so durch, aus dem ursprünglich nur „Lecker Essen gehen“ wird ein kurzer Casinobesuch, der dauert und dauert.

 

Jedenfalls trudelt die Zockerbande am nächsten Morgen zu spät zum Abschmiertermin ein, aber das scheint ohnehin keine Rolle zu spielen. Unter Juppis Oberaufsicht klappt das Abschmieren bis auf 2 Nippel hervorragend, einziger Wermutstropfen ist der Preis. Statt der vereinbarten 35-40 Pesos, soll es plötzlich 80 kosten. Ist Monster gewachsen oder ist das eine Gefahrenzulage? Wie auch immer, es hält uns nicht davon ab in Richtung Gletscher zu starten. Am Parkeingang die übliche Diskussion. Nicht nur, dass wir wie an allen Attraktionen den teuren Touristenpreis bezahlen sollen, nein, wenn wir über Nacht blieben, das Ganze auch noch gleich für 2 Tage. Jetzt ist aber langsam das Maß voll, sind wir eine goldene Kuh, die man unerschöpflich melken kann? (Nebenbei bemerkt, in dieser Gegend hier ist es durchaus üblich, dass die Fahrer ausländischer Kennzeichen mit einem bis zu 70% höheren Dieselpreis zur Kasse gebeten werden. Diese Taktik erregt natürlich auch den Unmut der Reisenden.) Nach reiflicher Überlegung löhnen wir für einen Tag und dann schauen wir morgen mal weiter.

Der Gletscher Perito Moreno ist auf jeden Fall einen Besuch wert, es ist schon ein tolles Erlebnis beim Einschlafen das Knacken und Gepolter beim „kalben“ des Gletschers zu hören. Bei der Ausfahrt aus dem Nationalpark werden alle Fahrzeuge ebenfalls kontrolliert, denn es hätte ja nachts einer ohne Eintrittskarte hineinfahren können. Ich weiß nicht, ob Monster heute besonders freundlich lächelt, aber wir werden jedenfalls ohne Kontrolle durchgewunken. Glück gehabt!

 

Zurück in Calafate, müssen wir uns mal wieder in unsere Monteurskluft zwängen. Bereits seit einiger Zeit verlieren wir etwas Bremsflüssigkeit, doch nun ist der Verbrauch drastisch angestiegen und wir wollen der Sache auf den Grund gehen. Es ist der gleiche Flüssigkeitsbehälter wie bereits in Malaysia, in dem immer wieder etwas fehlt und daraus schließen wir, dass wieder ein Radbremszylinder vorne defekt sein muss. Da wir den rechten bereits in Kuala Lumpur ausgetauscht haben, wird es dieses Mal wohl der linke sein. Also hochbocken, Reifen ab, Freilaufnabe ab und nun sollten wir eigentlich die Bremstrommel lösen können, doch bei dieser rührt sich nix. Mit viel Getöse und Nachbarschaftshilfe erbarmt sich die Trommel schlussendlich und da sehen wir auch schon die Bescherung, die Bremsbeläge sind total verölt, ein sicheres Zeichen, dass dieser Radbremszylinder hinüber ist.

 

Hach, jetzt schlägt Juppis Stunde, er freut sich wie ein Schneekönig, dass er mit viel Weitsicht beim Defekt in Malaysia bereits einen zweiten zur Reserve gekauft hatte und dieser nun zum Einsatz kommen kann. Nach 2 Stunden stehen wir zwei zwar bis zum Hals im Öl, aber es ist vollbracht, die Reparatur scheint gelungen und Schrauben haben wir auch keine übrig gehalten.

 

Gutgelaunt brechen wir 2 Tage später zum Fitz Roy-Massiv auf, die Musik spielt etwas lauter als gewöhnlich und daher hören wir auch nicht, was mit Monster so passiert, sondern bemerken erst an seinem schwammigen Verhalten, dass etwas nicht in Ordnung ist. Es ist Plattfuß Nummer 16, der auch noch gleich den ganzen Reifen zerlegt hat. Große Teile der Lauffläche haben sich abgelöst, dieser Reifen ist echt total hinüber und wieder einmal hinten.

 

Anstatt im Fitz Roy Massiv herumzuwandern, verbringen wir unsere Zeit mal wieder beim Reifendienst, denn nun ist es langsam nötig, die gerissene Felge doch mal schweißen zu lassen, da uns ansonsten die Reservereifen ausgehen. Wie wir recht schnell merken, hätten wir uns diesen Besuch besser erspart. Im Endeffekt benutzen die Jungs unsere Flex, unser Schweißgerät, Juppis Arbeitskraft und bitten uns am Ende mit 250 Pesos zur Kasse. Uns bleibt die Luft weg, 80 € sollen wir für einen Haufen Gemurkse und endlos vertane Zeit bezahlen?? Wohl oder übel müssen wir wohl, aber zumindest erzählen wir seinen sämtlichen Nachbarn von seiner Abzocke.

 

Um es kurz zu machen, wir wechseln in dieser Woche am Sonntag, Montag, Dienstag und Mittwoch Reifen, haben am Ende weder einen Reservereifen noch einen Schlauch mehr übrig, dafür jedoch eine gerissene Felge und sind mit unserem Latein so ziemlich am Ende. Unsere Reifengeschichte ist echt ein Dilemma, wir werden mit vollem Reifendruck auf den Schotterpisten fürchterlich durchgeschüttelt, reduzieren wir jedoch den Druck, zerfetzt es uns die Reifen aufgrund von Monsters Gewicht komplett. Wie sich herausstellt, ist es ziemlich schwierig neue Reifen zu finden. Schweren Herzens entscheiden wir uns in Perito Moreno gegen die Carretera Austral und biegen stattdessen zur Ostküste nach Commodore Rivadavia ab. Hier sind wir ja bereits bekannt und erfreulicherweise erhalten wir für die nächsten 2 Reifen einen Discount, da tut es wenigstens nicht mehr ganz so weh.

 

Nach einem Umweg von 1.000 Kilometern sind wir drei Tage später wieder im Westen im Nationalpark Los Alerces. Hier finden wir ein lauschiges Plätzchen, das erstaunlicherweise auch nachts ruhig ist, an dem wir 2 Tage verbringen und unsere Wunden lecken. Jupp hadert mit Argentinien und seinen Bewohnern, die einfach ständig laut und in Massen vorhanden sind und mir werden die schlaflosen Nächte langsam zu viel. Du kommst irgendwo an, bist völlig allein und denkst, welch wunderbarer Platz, Argentinien ist doch ein schönes Land, richtest dich auf eine gemütliche Nacht und wirst nachts um 2.00 Uhr von ohrenbetäubender Musik geweckt. Wo kommen diese Menschen denn jetzt noch her und haben sie schon mal etwas von Rücksichtnahme gehört? Wir können es immer noch nicht begreifen, immer wieder falscher Ort zum falschen Zeitpunkt bzw. was ist denn ein richtiger Platz?

 

Beim Einschlafen sind wir meistens noch allein auf weiter Front und wiegen uns in Sicherheit. Die Lösung wären jetzt natürlich die einsamen Pisten, die wir aber im Moment nicht befahren mögen, da zum 1. Mal seit 3,5 Jahren so recht das Vertrauen in unser Gefährt fehlt. Aber nun, kommt Zeit, kommt Rat und so tingeln wir weiter durch die wirklich wunderschöne Landschaft.

 

In El Bolson statten wir den Autoren von „Abgefahren“ Claudia, Klaus und Kindern, einen Besuch ab, da Klaus sich für uns um eine Kfz-Versicherung bemüht hat. Aus der geplanten kurzen Abholung der Unterlagen werden irgendwie 4 Tage mit netten Gesprächen am Lagerfeuer, vielen Dank nochmals an die 4. Am Samstag besuchen wir den bekannten Markt, zu dem anscheinend die Touristen aus der gesamten Umgebung hingekarrt werden. In dem ganzen Gewühle sehen wir plötzlich 2 bekannte Gesichter, nämlich Anita und Andrej aus Dresden (www.reisesucht-online.de), die wir aus Ushuaia kennen. Bevor wir also wieder Richtung Seen starten, bleibt noch Zeit für ein Tässchen Kaffee und ein bisschen Geplauder. Die beiden erzählen von einem befreundeten Ehepaar, die bei El Calafate in ihrem Wohnmobil überfallen, mit Messern attackiert, verletzt und ausgeraubt wurden. Wir sind ziemlich geschockt, denn auch von San Carlos de Bariloche hört man inzwischen immer mehr Berichte von Überfällen. Sind die sicheren Zeiten in Argentinien jetzt auch vorüber? Wir werden unsere gewohnte Vorsicht weiterhin walten lassen

 

Oberhalb von San Carlos de Bariloche, das wir aus oben genannten Gründen nur kurz durchfahren, gelangen wir auf der Straße der sieben Seen unmerklich vom N.P Nahuel Huapi in den Lanin N.P.

In Wirklichkeit berührt man auf der Route viel mehr als 7 Seen, viele von ihnen sind durch Flüsse miteinander verbunden und an den Ufern finden wir immer wieder Zeltplätze, die jetzt in der Hauptsaison natürlich gut gefüllt sind. Die eigentlich asphaltierte Straße befindet sich an einigen Stellen im Bau und zeigt sich dort ziemlich desolat, wir bedauern einige uns entgegenkommende Fahrradfahrer von ganzem Herzen. Die armen müssen nicht nur kräftig bergauf strampeln, sondern werden dabei auch noch von dichtem, schwarzem Staub eingeräuchert.

 

Ein weiteres Mal fordert die Gravelroad eine Art Wegezoll von uns, dieses Mal in Form unseres Auspuffes, der einfach mitten durchbricht. Von unten betrachtet stellt Jupp fest, dass ein abgerissener Halter der Verursacher unseres Verlustes war und kann diesen notdürftig wieder zusammenflicken. Das hilft unserem abgerissenen Ende aber nicht wirklich, der Besuch einer Werkstatt wird fällig. In San Martin de Los Andes fragen wir uns durch und landen bei einem Auspuffspezialisten, der auch noch perfekt schweißen kann. Die Reparatur wird zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt, selbst der Preis ist völlig korrekt und zudem sitzt der Auspuff endlich, wie Jupp ihn sich schon lange gewünscht hat, die Fahrt kann weitergehen.

 

In Zapala ereilt uns das Schicksal schon wieder, der nächste Schweißerbesuch wird fällig. Dieses Mal ist es nicht abermals der Auspuff, nein, unglaublicherweise ist es jetzt der Halter unserer Starterbatterien, der komplett ausgerissen ist und es grenzt schon fast an ein Wunder, das diese sich noch an Ort und Stelle befinden. Auch diese Reparatur wird bestens erledigt und die Fahrt nach Caviahue kann weiter gehen. Wie heißt es so schön, aller guten Dinge sind drei und so wird es niemanden wundern, dass wir am nächsten Tag schon wieder bei einem Schweißer sitzen. Zur Abwechslung bemerken wir heute, dass eine weitere Felge mehrere Risse aufweist, wie beim letzten Mal auch eine der hinteren Felgen, die Monsters hohes Gewicht aushalten müssen.

 

Also zunächst mal auf zum Reifendienst, den Reifen von der Felge ziehen, anschließend Taxitransport der Felge zum Schweißer und zurück, Wechsel eines Reifens mit intakter Felge von vorne nach hinten und da wir schon einmal dabei sind, nehmen wir die anderen Reifen zur Kontrolle auch noch gleich ab. Gottlob finden wir keine weiteren Risse und mit einiger Verspätung können wir doch noch zur Besichtigung der Salto del Agrio, einem Wasserfall, fahren.

 

Im Laufe des Nachmittages kommt Wind auf, der sich bis zum Abend zu einem ausgewachsenen Orkan aufbaut. Wir suchen Schutz im Schatten eines Restaurants und kehren der Einfachheit halber dort auch gleich zum Abendessen ein. Die uns empfohlene Spezialität der hier lebenden Mapuche-Indianer, Chivito=Zicklein und die dazu passende Flasche Rotwein sind vorzüglich und mit der dadurch verursachten Bettschwere, stört uns auch das Geschockel durch den Wind nicht mehr. Morgens ist der ganze Spuk vorüber, bei strahlendem Sonnenschein kehren wir nach Las Lajas zurück um unseren Tank ohne Touristenzuschlag zu füllen bevor wir über den Paso de Pino Hachado ein weiteres Mal die Grenze nach Chile überqueren.