Chile: November 2008

Auf der chilenischen Seite der Grenze empfängt uns sogleich ein Mitarbeiter der SAG, der Lebensmittelkontrolle, und geleitet uns durch die Formalitäten. Er drückt mir eine Anzahl Formulare in die Hand, die auszufüllen sind und dann geht es im Schweinsgalopp durch die Passkontrolle und die Fahrzeugeinfuhr bevor wir zum ernsten Teil der Prozedur kommen. Die Lebensmittelkontrolle.

 

Der SAG Beamte durchforstet zunächst unseren Kühlschrank und Innenraum, natürlich ohne einen Fund zu machen, und möchte dann in sämtliche Außenstaufächer schauen. Auch dort gibt es nichts zu beanstanden und als wir bereits denken, dass alles vorüber ist, will dieser Mensch doch tatsächlich auch noch aufs Dach. Hmm, jetzt wird es aber langsam kritisch. Er schaut in die Eskybox, er schaut in die Waschtrommel und, welch Überraschung, findet doch tatsächlich Kartoffeln, Zwiebel und ein Paket gekochten Schinken. Gottlob haben wir auf dem Deklarationsformular die Frage nach der Einfuhr von Lebensmitteln mit Ja beantwortet, so wird die Schmuggelware zwar beschlagnahmt, aber wenigstens kommen wir ohne Geldstrafe davon.

 

Inzwischen ist die Dunkelheit hereingebrochen und wir sehen zu, dass wir auf dem schnellsten Weg noch bis Arica kommen um uns dort direkt am Strand für die Nacht nieder zu lassen. Ob es am Meeresrauschen liegt, lässt sich nicht so genau sagen, aber wir fühlen uns auf Anhieb wohl in Chile. Dieses Gefühl verlässt uns auch am nächsten Tag nicht, wir suchen die Innenstadt von Arica auf und sind vom Verkehr ziemlich verstört. Nach Monaten des über die Straße rennens, können wir über Zebrastreifen gehen ohne totgefahren zu werden und auch die Ruhe ist erschreckend. Niemand hupt und alle fahren zivilisiert in einer Reihe, unglaublich!

 

Auf dem Weg nach Iquique kommen wir an den beiden Salpeterstädten Humberstone und Santa Laura vorbei. Beide Abbaustellen waren fast 100 Jahre in Betrieb und um sie herum entstanden richtige Kleinstädte mit Wohnungen für die Arbeiter, Geschäften, Schwimmbad und sogar einem Theater. Bei einem Besuch von Humberstone können wir uns das Leben hier noch recht gut vorstellen.

 

Über Iquique, Tocopilla und Calama geht es zielstrebig bis San Pedro de Atacama, denn für dieses Mal soll der Chilebesuch nur ein ganz kurzer sein. Mit viel Glück erwischen wir auf diese Art und Weise noch die Wale, die sich bis Mitte Dezember mit ihren Jungen in den Gewässern rund um die Peninsula Valdes aufhalten.

 

San Pedro liegt auf 2440 m Höhe, umgeben von etlichen Fünf- und Sechstausendern, und bietet für uns den idealen Aufenthaltsort zur Akklimatisierung. Nachdem wir uns nun einige Tage auf Meereshöhe aufgehalten haben, macht sich die Höhe mal wieder mit Kurzatmigkeit und leichten Kopfschmerzen bemerkbar, also heißt es schön langsam machen. Zunächst versuchen wir mal ein Drahtlosnetzwerk aufzutun, in das wir uns heimlich einloggen, denn die Weihnachtszeit ist nahe und der alljährliche Wichtelabend meiner Kartendamen samt Anhang findet heute statt. Da darf ich natürlich nicht fehlen, Skype macht es möglich, und ich freue mich riesig, mal wieder die Stimmen aller Mädels zu hören.

 

Da das Campen im Valle de la Luna, dem absoluten Muss für jeden Touristen zum Sonnenuntergang, verboten ist, richten wir unser Lager weit abseits der Straße auf einem Plateau mit wundervollen Blick über das Tal. Dieses Tal war vor Urzeiten ein See, dessen Boden bei seismischen Erschütterungen hochgedrückt wurde, Wind und Regen taten dann ein übriges um bizarre Formen aus Sand, Salz und Lehm zu schaffen, die bei Sonnenuntergang in allen möglichen Farben leuchten.

Wir sind hier oben zwar etwas dem Wind ausgesetzt, genießen dafür weit ab von jeglichem Rummel sowohl den Unter- als auch den Aufgang der Sonne.

 

Sonntagmorgen verfolgt uns mal wieder eines unserer andauernden Probleme, das Brot. Dass es kein, in unseren Augen, vernünftiges gibt, ist uns ja schon lange klar geworden, aber dass die reine Beschaffung auch eines ist, ist relativ neu. Wir wandern also durch die 2000 Seelen Gemeinde, befragen jeden Passanten nach einer Panaderia und landen zum guten Schluss im Maison Suiza.

 

Assoziationen werden freigesetzt, die Schweizer müssen doch auch gutes Brot backen können und ähnliche Gedanken beflügeln unseren Schritt. Ach wie groß ist die Enttäuschung, weder der Bäcker noch das Brot weist irgendeine europäische Ähnlichkeit auf, einmal mehr gibt es Pappbrot. Was hält uns also noch hier? Auf nach Argentinien, vielleicht gibt es dort Brot!! Doch zuvor sind die Grenzformalitäten zu erledigen, denn die Grenze verläuft zwar oben auf dem Paso de Jama, aber die chilenischen Zöllner sitzen hier unten in San Pedro. Die Ausreise erfolgt blitzschnell, zack-zack 1 Stempel in jeden Pass, die temporäre Aufenthaltsgenehmigung für Monster abgegeben und das war es. Ob wir nun tatsächlich ausreisen, interessiert so richtig keinen Menschen.

 

Kurzentschlossen überlegen wir uns alles anders und wollen uns doch wenigstens noch den Salar de Atacama anschauen. Dort befinden sich Wasserbecken, an denen die Oberfläche der Salz-Lehm-Kruste gebrochen ist und sich kleine Lagunen gebildet haben. Eine davon ist der Lago Chaxa, mitten im Zentrum des Salar, ein Lebensraum vor allem für Flamingos.

 

Nachdem wir ziemlich viel Zeit mit diesem Ausflug verdaddelt haben, bleiben wir die Nacht über, sozusagen illegal, auch noch in Chile und brechen erst zeitig um 6.00 Uhr in Richtung Argentinien auf. Die ersten 45 Kilometer steigen bis auf 4000 m steil bergan und Monster muss mal wieder herzhaft schnaufen, allein die Außentemperaturen tragen zur Abkühlung bei. Bei 4825 Metern haben wir den höchsten Punkt der Strecke erreicht und zur Entschädigung bietet der Altiplano eine wunderbare Landschaft.

Vereiste Lagunen mit Salzkrusten und Flamingos, umgeben von Vulkanen, wir sind begeistert und können uns kaum satt sehen. Kurz nach dem vielfarbig schimmernden Salar de Aguas Calientes erreichen wir den Paso de Jama und die, ein wenig unterhalb liegende, argentinische Grenzstation.