Bolivien: April 2009

Wir nehmen nochmals den Paso de Jama, der sich bei der Hinfahrt Ende November in Nebel gehüllt hatte, in Angriff und hoffen dieses Mal auf Sonnenschein.

 

Bis Purmamarca auf 2100 m Höhe geht auch alles gut , wir sehen den Cerro de siete colores, den Berg der sieben Farben, und können den kleinen Indio-Markt bei strahlendem Sonnenschein besuchen, aber als wir am nächsten Morgen auf 2600 m erwachen, umhüllen uns abermals die Wolken. Schade, also wieder nix mit Aussicht. Erst kurz vor den Salinas Grandes, einem Salzsee auf dem tatsächlich noch Salz abgebaut wird, wagt sich die Sonne hervor und begleitet uns bis San Pedro de Atacama.

 

Unterwegs klagt doch plötzlich mein Juppi über ziemliche Bauchschmerzen und wie es so ist, lässt der Durchfall und heute auch mal das Fieber nicht lange auch sich warten. Es wird gar so schlimm, dass er freiwillig auf den Beifahrersitz umsteigt und mir das Lenkrad überlässt, eine Reaktion, die mir einiges Kopfzerbrechen bereitet. Zum Einen erscheint mir dadurch die Lage recht ernst und zum Anderen müssen Monster und ich uns erst einmal zusammenraufen. Allen Unkenrufen zum Trotz, wahrscheinlich werde ich Jupp aufgrund des Erfolges nun seinen Stammplatz streitig machen, erreichen wir unbeschadet San Pedro, wo uns bereits Marita und Uwe beim Zoll erwarten.

 

Wir wählen abermals den bekannten Stellplatz oberhalb des Valle de la Luna und verfrachten den ehemaligen Monsterfahrer sogleich ins Bett. Am späten Abend treffen Reni und Siggi ebenfalls noch ein und somit ist die Runde der zukünftigen Lagunenstreckenfahrer eigentlich komplett.

 

Am Ostersamstag ist es soweit, Jupp ist wieder fit und nachdem alle ihre Einkäufe erledigt haben, wollen wir uns an der Zollabfertigung wieder treffen. Familie Mertens trudelt wie üblich als letzte ein und oh weh, nun hat es Marita erwischt, die Arme muss sich ständig übergeben und somit haben die beiden beschlossen uns nicht zu begleiten. Traurig lassen wir die 2 in San Pedro zurück, erledigen die Grenzabwicklung und fahren tatsächlich noch ganze 36 km weit. Der Grund? Wir haben damit 600 Höhenmeter zurückgelegt und wollen zur Vermeidung der Höhenkrankheit eine Nacht auf 3200 m verbringen. Am nächsten Tag das gleiche Spiel, 40 Minuten Fahrtzeit, 9 km Strecke und 700 m Höhenunterschied. Wir verbringen den Tag auf einem Rastplatz neben der Straße mit Ostereiern bemalen und anschließendem Eiersuchen.

 

Als wir am Montagmorgen erwachen, ist zu unserem Entsetzen unsere Umwelt schneeweiß, uff, das kann ja mit zunehmender Höhe noch heiter werden. Wir zuckeln den Jama-Pass noch einige Meter höher, biegen auf einen Schotterweg ab, erreichen nach ganz kurzer Zeit die bolivianische Grenze und wundern uns nicht schlecht über den Betrieb, der hier herrscht.

 

Zahlreiche Jeeps und Kleinbusse haben auf der bolivianischen Seite unzählige Touristen ausgespuckt, die nun auf den Gegentransport aus Chile warten. Für uns geht alles relativ flott und da ich inzwischen gelernt habe, dass sprechenden Menschen oftmals besser zu helfen ist, frage ich den Zöllner ganz dreist, ob wir nicht auch ein Visum für 90 Tage bekommen können. Normal ist ein 30tägiges Visum, das jedoch ohne Probleme zu verlängern ist. Vielleicht liegt es an meiner gefrorenen Nasenspitze oder an einem guten Tag des Zöllners, jedenfalls bekommen wir für die grandiose Summe von 21 Bolivianos = ca. 2.10 € das gewünschte Visum eingestempelt und schon geht es weiter zur Laguna Verde, denn der Sitz der Aduana und somit die Einfuhr von Monster ist an einem gänzlich anderen Ort.

 

Nachdem wir nach einigen Kilometern auch noch die Einfahrt in den Nationalpark Eduardo Avaroa in Höhe von 30 Bol beglichen haben, rumpeln wir auf recht schlechtem Schotterweg bis zur grünen Lagune. Eine hohe Konzentration von Schwefel, Arsen, Calcium und was weiß ich welchem chemischen Zeugs, sorgt für die supergrüne Farbe des Sees, der vor dem schneebedeckten Gipfel des 5960 m hohen Vulkans Licancabur noch besser zur Geltung kommt.

Die Landschaft ist ein absoluter Traum und bei strahlendem Sonnenschein fahren wir bis zu den Thermas de Polques, einem kleinen, heißen Thermalpool, der sich bei unserer Ankunft am späten Nachmittag völlig in der Hand der zahlreiche Tourteilnehmer befindet.

 

Hier schlägt einmal mehr die Unabhängigkeit des Individualreisenden zu Buche, denn beim Untergang der Sonne und in absoluter Stille gehört der Pool uns völlig allein. Hatte ich erwartet, mein Göttergatte sei nach diesem Bad einem Jungbrunnen entsprungen, schließlich soll die Quelle die Symptome von Arthritis und Rheuma ein wenig lindern, werde ich bitterlich enttäuscht. Zwar schmerzen die Gelenke nicht wesentlich mehr als normal, aber nun kommt auch noch irgendeine merkwürdige Form von Allergie dazu und er gleicht nach dem Bad mehr einem Streuselkuchen als einem Adonis. Am nächsten Morgen ist er gottlob der alte und auf geht’s zu den „Sol de Manana“ Geysiren. Der übliche Gestank nach Schwefel erfüllt die Luft und wir erblicken ein recht großes Gebiet mit blubbernden Schlammlöchern und dampfenden Geysiren, durch das wir mit unseren Autos mitten hindurch kurven können.

 

Heutiges Etappenziel ist die Laguna Colorada und endlich sehen wir ganze Kolonien von Flamingos und diese auch noch hautnah.

Wir lassen uns direkt am Ufer nieder, haben gegen Abend die grandiose Szenerie völlig für uns allein und genießen die Ruhe. Insgesamt wartet ein hartes Stück Arbeit auf Monster, die Piste wird immer schlechter und wenn wir in Australien schon von Wellblech gesprochen haben, so müssen wir das hier und heute revidieren. Das was Monster fortan unter die Räder kommt, ist Wellblech vom Feinsten, nur mit dem Unterschied, dass die Piste hier bis zu 100 m breit ist, da sich jeder Fahrer seine eigene, vermeintlich bessere Spur sucht. Unglaublich, aber wahr.

 

Wir schuckeln im Schritttempo durch die superschöne Landschaft, vorüber an einem Felsen, der die Form eines Baumes hat, an der Laguna Canapa, einer weiteren eisigen Flamingo-Hochburg, und gelangen nach 5 Tagen an die Rampe auf den Salar de Uyuni. Der Salar ist mit einer Länge von 160 km und einer Breite von 135 m der größte Salzsee der Erde und ohne Sonnenbrille läuft hier nichts. Unsere Augen assoziieren das grelle Weiß der riesigen weißen Fläche automatisch mit Schnee und Eis, folglich muss es auch glatt sein und es dauert eine ganze Weile bis wir uns daran gewöhnt haben darüber zu fahren.

Immer wieder halten wir an, um einige dieser verrückten Fotos zu machen, auf denen wir Monster auf Händen tragen, und beim Laufen knirschen die Salzkristalle unter unseren Schuhsohlen. Salz scheint recht stabil zu sein, wovon wir uns im Salzhotel Playa Blanca überzeugen können. Mauern, Tische, Stühle, Betten… das Hotel ist komplett aus Salz gebaut und zwar in Betrieb, jedoch für meine Begriffe ziemlich ungemütlich.

 

Durch abwechslungsreiche, wunderschöne Landschaft, jedoch über eine schlechte Serpentinenpiste, gelangen wir nach Postosi, auf 4300 m Höhe eine der höchst gelegenen, größeren Städte der Welt.

 

Potosi ist eine Minenstadt und daher buchen wir bei einem kurzen Stadtbummel ganz spontan eine Besichtigungstour bei der Agentur Marco Polo, wie sich später herausstellt ein goldener Griff (leider keine Homepage, aber eine Emailadresse gibt’s :..) Mit Wily geht es am nächsten Morgen zunächst zu einem kleinen Markt, denn da die Bergleute ihr Handwerkszeug selbst stellen müssen, hat es sich in den letzten Jahren eingebürgert, den Jungs kleine Geschenke mitzubringen. Beim eigentlichen Einkauf fragen wir uns, was wir hier eigentlich machen, denn neben einigen Flaschen Cola und Zigaretten, wandern auch noch so wunderliche Sachen wie Cocablätter und Dynamitstangen samt Zünder in unseren Besitz. Das Ganze nicht etwa heimlich unter dem Ladentisch, nein, die Geschichte ist völlig legal. Anschließend werden wir eingekleidet, zünftig mit Arbeitsanzug, Gummistiefeln, Helm und Kopflampe ausgerüstet, erklimmen wir den Einstieg zur Mine, bei dessen Anblick mich etwas klaustrophobische Gefühle befallen.

Wir huldigen Pachamama, der Mutter Erde, die dafür Sorge trägt, dass sowohl den Bergleuten als auch uns nichts passiert und lernen den richtigen Umgang mit den Cocablättern. Man zupft die Stengel heraus, stopft sich 5-6 Blätter in den Mund, kaut lustig darauf herum, schiebt sich die zerkaute Pampe anschließend in die Backe, wo sie verweilt bis man neue Blätter dazupackt. Ich weiß nicht, ob ich das alles richtig mache, aber weder schmeckt mir dieses Zeug, noch stellt sich irgendeine Wirkung ein und ich bin froh, als ich die ganze Masse heimlich wieder ausspucken kann. Cocablätter kauen wird definitiv nicht eine meiner Leidenschaften, ganz im Gegenteil zu den Bergleuten, von denen jeder Einzelne die Backen dick voll hat.

 

Um eine Erfahrung reicher, laufen wir in gebückter Haltung weiter in den Stollen hinein. Es ist stickig heiß, an manchen Stellen tropft das Wasser von der Decke und auf dem Boden steht es bis zu 15 cm hoch. Es ist wirklich hart, unter welchen Bedingungen die Menschen hier arbeiten müssen und da der Silberpreis momentan nicht gerade Höchstkurse erzielt, auch noch für einen Lohn, dass sie kaum ihre Familien ernähren können. Wir sind tief beeindruckt.

 

Am nächsten Morgen wollen wir die Münzpräge besichtigen und anschließend weiterfahren in die ehemalige Hauptstadt Sucre. Bereits beim Gang in die Stadt wundern wir uns über die große Anzahl geschlossener Läden, ist denn heute ein Feiertag und wir wissen es mal wieder nicht? Weit gefehlt! Kurze Zeit später hören wir mehrere Detonationen, Menschen rennen durch die Straßen und die restlichen Fensterläden werden auch noch schnell verschlossen. Noch etwas verwirrter befragen wir einen Polizisten, der auf einen Demonstrationszug verweist und wir sollen doch lieber das Weite suchen. Wir springen in ein Internetcafe und werden in diesem sogleich eingeschlossen.

 

Bei geschlossenen Fenster- und Türläden hört man von draußen Getöse, weitere Explosionen und kurze Zeit später Ruhe, der ganze Spuk ist vorbei. Wir trauen uns wieder nach draußen und da in Bolivien Demonstrationen und Straßenblockaden zur Tagesordnung gehören, geht hier das normale Leben bereits wieder seinen Gang. Für uns leider nicht, denn die Blockade hält für 2 Tage an, kein Fahrzeug kann die Stadt verlassen und die Münze hat aus Sicherheitsgründen auch noch gleich zu.

 

Am Donnerstag können wir in die Freiheit entweichen, legen einen Abstecher nach Sucre, der ehemaligen Hauptstadt ein und erreichen nach 6 Tagen La Paz und das Hotel Oberland. Zur Begrüßung hören wir deutsche Töne wie: da seid ihr ja endlich, ihr habt euch aber Zeit gelassen und wo ward ihr denn so lange? Zu unserem Erstaunen erblicken wir nicht nur Reni und Siggi, sondern auch noch gleich Marita und Uwe und zusammen mit 3 weiteren Travellern aus Holland, Frankreich und der Schweiz werden die Tage in La Paz recht kurzweilig.

 

Am 01. Mai treibt es uns alle in verschiedene Richtungen, für uns heißt es Richtung Yungas. Eigentlich ist die Ausfahrt aus La Paz kein allzu schwieriges Unterfangen, einmal auf der richtigen Straßen geht es immer nur geradeaus, aber eben nur eigentlich, denn heute ist auch hier ein Feiertag und es findet ein großer Marathon statt, leider auf eben dieser Ausfallstraße. Wir werden umgeleitet und umgeleitet und am Ende weiß keiner mehr, wo wir uns denn nun befinden. Nicht auf welcher Straße, nein, gleich in welchem Land, denn die Fahrweise der Bolivianer lässt uns vermuten, wir seien in Indien. Egal ob Stau oder nicht, jeder versucht sich noch an dem Anderen vorbei zu drängeln und am Ende geht gar nichts mehr, weder vor, noch zurück, etliche Autos haben sich ineinander verkeilt und wir mittendrin. Zu allem Überfluss scheint auch noch der Aberglaube zu herrschen, dass heftiges und lautes Hupen Flügel verleiht. Höchst amüsiert harren wir der Dinge, die da kommen werden und nach kaum 2 Stunden löst sich das ganze Durcheinander doch noch auf.

 

Anscheinend hat aber mein Orientierungssinn auf irgendeine Art und Weise Schaden genommen, denn anstatt die gefährlichste Straße der Welt zu nehmen, biegen wir kurz vorher auf die alte Straße nach Coroico ab und landen unplanmäßig mitten in den Yungas. Was wir dort so an Wegen geboten bekommen, ist uns schon haarsträubend genug und somit verzichten wir, bei Einbruch der Nacht endlich in Coroico angekommen, auf eine Fahrt auf der Deadroad.

 

Am nächsten Morgen wird es auch so lustig genug. Warum auch immer landen wir mitten im Ort mitten auf dem Marktplatz mitten zwischen Obst- und Gemüsestände und müssen uns von dort Millimeter für Millimeter wieder herausarbeiten. Unsere Stimmung ist bereits morgens um 8.00 Uhr auf dem Höhepunkt und so bleibt es auch für den restlichen Tag. Zuerst geht es noch flockig voran, wir bekommen sogar noch mal Asphalt unter die Räder, aber nach wenigen Kilometern wird die Piste schmaler und schmaler, die Abhänge tiefer und steiler und dann mahnen uns Schilder: ab hier Linksverkehr und das auch nur für Fahrzeuge bis zu einer max. Breite von 3,50 m. Linksverkehr, damit der Fahrer den todbringenden Abgrund besser erkennen kann. Macht ja auch Sinn, aber makaber ist es trotzdem.

Die Piste ist mittlerweile einspurig, aber hier und da gibt es einige Ausweichstellen, auch nicht gerade Vertrauen erweckend, in die wir als Bergauffahrer manchmal rückwärts zurückstoßen müssen. Es ist Wochenende und es herrscht trotzdem recht reger Verkehr, wobei die LKW-Fahrer noch die sittsamsten sind, denn die Taxis und Busse fahren, als wäre der Teufel persönlich hinter ihnen her.

 

Ab Caranavi lassen wir die Berge hinter uns, glauben, wir hätten das Schlimmste überstanden, doch was dann folgt, übersteigt unsere kühnsten Träume. Die Regenzeit ist gerade erst zu Ende und überall haben sich nicht nur neben, sondern auch auf der Strecke kleine Tümpel gebildet. Um nun der ganzen Wassermassen wieder Herr zu werden, wird die Lehmpiste kurzerhand komplett umgepflügt und somit tiefe Rillen in die Oberfläche gefräst, auf denen wir nun hin und her schaukeln, immer wieder den unzähligen Schlaglöchern ausweichend.

Wir überqueren mal wieder eine der fragwürdigen Brücken, als es plötzlich, trotz höchster Konzentration, einen Schlag tut, und Monster hinten rechts merkwürdig absackt. Geistesgegenwärtig gibt Jupp Vollgas, Monster macht einen Satz und wir stehen wieder sicher auf allen vier Beinen. Was war das denn? Wir trauen unseren Augen kaum als wir aussteigen und das tiefe Loch sehen, das vorher noch nicht da gewesen ist.

 

Der Weg muss komplett unterspült gewesen sein und als wir mit unseren charmanten 9 Tonnen darüber gefahren sind, hat er sich anscheinend verabschiedet. Puh, Glück gehabt.

 

Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt auf 19.8 km/h und wir schaffen gerade mal so 100 Kilometer pro Tag, das ganze bei 36°Grad Außentemperatur und 98% Luftfeuchtigkeit. Monsters Führerhaus mutiert zur Dampfsauna und zu allem Überfluss plagen uns auch noch Mückenschwärme in Bataillonsstärke. Doch was hilft es, wir müssen weiter, erreichen St. Ignacio de Moxos und da wir bisher immer außerhalb an kleinen Teichen oder Flüssen übernachtet haben, kommen wir auf die glorreiche Idee die Polizei, dein Freund und Helfer, nach einem Übernachtungsplatz zu befragen. Also nix wie rein in die Station und schon sehe ich mich umgeben von weinenden und jammernden Jungfrauen, die einem grimmig aussehenden Pickelträger Rede und Antwort stehen müssen.

 

Huch, was ist denn hier los? Ich wende mich vorsichtshalber mal an einen jungen Hilfssheriff, der auch sehr nett und hilfsbereit ist und zunächst mal seinen obersten Boss, der in einer Hängematte im Garten herumlümmelt, befragt. Dieser scheint etwas überfordert, aber ist ja auch nicht einfach, wenn man so plötzlich aus dem Schlaf gerissen wird, gell?

 

Die Verhandlungen scheinen zäh und während ich noch so da stehe, ist der Pickelträger mit seinen Mädels fertig und sein Blick fällt auf mich. Ja, was haben wir denn da? Eine Tourista? Ich sehe förmlich die Dollarzeichen in seinen Augen, versuche mich ganz klein zu machen, doch es hilft nichts, der Geier steuert mich an. Das übliche Prozedere Fahrzeugpapiere, Führerschein, bla bla bla, er klemmt sich an seine Schreibmaschine, füllt gewissenhaft dubiose Papiere aus und erklärt mir, es sei nicht gestattet mit einem Lkw in die Ortsmitte zu fahren und ich bekäme nun eine Sondergenehmigung. So weit, so gut, aber dann will der Fiesling doch tatsächlich 50 BOL= ca. 5 € von mir. Ich schlucke dreimal und dann geht’s los. In Deutschland würden wir niemals für die Arbeit der Polizei bezahlen, mein Mann sei schließlich ein Kollege und überhaupt sei diese Aktion reine Touristenabzocke, mein Spanisch erreicht ungeahnte Dimensionen. Am Ende einigen wir uns auf eine Cola für seinen Chef und ihn und ich ziehe mit der Sondergenehmigung und der Erlaubnis direkt an der Plaza, sozusagen unter Polizeibewachung, zu übernachten, von dannen.

 

Wieder zu Monster zurückgekehrt, finde ich einen ziemlich aufgeregten Jupp vor, der sich aufgrund der Dauer meines Fortbleibens ziemliche Sorgen gemacht und vorsichtshalber schon die Telefonnummer der deutschen Botschaft parat liegen hat. Ob wir jemals noch mal die Polizei befragen?

 

Ohne weitere Zwischenfälle erreichen wir Trinidad, d.h. wenn man einmal davon absieht, dass sich unsere laut Karte durchgängige Straße plötzlich in Wasser auflöst.

Wir müssen gleich zweimal auf einen Holzponton umsteigen, der von einem kleinen Boot mit 40-PS-Außenborder geschoben wird. Ein recht abenteuerliches Unterfangen, denn zu a. macht das ganze Gefährt keinen besonders stabilen Eindruck und  zu b. muss mittels einer Pumpe das einsickernde Wasser aus dem Rumpf gepumpt werden. Jede Aktion schlägt mit 80 BOL zu Buche und wenn man glaubt, dafür gäbe es auf der anderen Seite einen halbwegs annehmbaren Bootsanleger, hat man sich schwer getäuscht. Über eine handgeschaufelte Auffahrt, die anfangs noch mit einigen Holzbohlen verstärkt ist, erreicht Monster mit viel Schwung wieder festen Boden.

Auf Asphalt geht es auf der Jesuiten Missionsrunde, auf der alte Traditionen und reich verzierte Gebäude zu neuem Leben erweckt wurden, zügig voran, jedenfalls über San Ramon bis Concepcion, danach rumpeln wir über San Ignacio de Velasco nach San Matias, dem Grenzort nach Brasilien.