Argentinien: Dezember 2008

Am 01.Dezember überqueren wir die Grenze zu Argentinien, was laut irgendeinem Reiseführer eine langwierige Prozedur sein soll. Wie sich herausstellt ist das Einzige, was dort langwierig ist, wir sind, denn wir treffen ein Paar aus Deutschland, die mit einem Mietwagen hier unterwegs sind, und quatschen uns mal wieder fest. Manchmal passt es eben auf Anhieb.

 

Ab Susques auf 3675 m Höhe geht es auf unendlich erscheinenden Serpentinen nur noch bergab, normalerweise wohl mit wunderbarer Aussicht auf die Berge, die in verschiedenen Farbtönen leuchten sollen, nur bekommen wir davon leider nichts zu sehen. Dichter Nebel umhüllt uns, ganz vorsichtig tasten wir uns nach unten und auf 2192 m erreichen wir schließlich den kleinen Ort Purmamarca. Eigentlich wollen wir hier die Nacht verbringen, doch anscheinend mag uns dieses Dorf nicht besonders leiden. Zuerst rückt der Bankautomat kein Geld heraus, ein freundlicher Argentinier auf Hochzeitsreise wechselt uns gottlob einige Dollar, und dann können wir so recht keinen Schlafplatz finden. An einem Hostel mit riesigem Parkplatz schickt man uns auch wieder weg, sodass wir schlussendlich an einer Tankstelle landen und das Abendessen aus Hamburgern besteht. Dabei hatten wir uns für heute ein romantisches Dinner bei Kerzenschein vorgestellt, tja so kann es gehen, gell?

 

Am nächsten Morgen lugt die Sonne ein bisschen zwischen den Wolken hervor und wir bekommen einen kleinen Eindruck von der gestern verpassten Aussicht.

Auf unserem Weg nach Salta, einer größeren Stadt mit einem unter Reisenden bekannten städtischen Campingplatz entscheiden wir uns für die zwar, laut Karte, kleinere, aber auch kürzere Ruta 9, nicht ahnend was folgt. Jupp bekommt am frühen Morgen alle Hände voll zu tun, es geht abwechselnd links oder rechts herum, bergauf und bergab, und über möglichen Gegenverkehr wollen wir lieber gar nicht erst nachdenken. Wir haben Glück, auf dieser landschaftlich sehr reizvollen, aber unglaublich schmalen, einspurigen Straße begegnet uns zu dieser frühen Stunde kaum ein Mensch.

 

Unser erster Weg in Salta führt uns zu einem Supermarkt und wir machen die Erfahrung, dass es in Argentinien tatsächlich noch so etwas wie eine Mittagspause gibt. Wer jetzt an charmante 2 Stündchen wie ehemals in Deutschland denkt, hat sich schwer vertan, in Argentina wird die Siesta mal eben auf 3-4 Stunden ausgedehnt, so dass so mancher Laden seine Pforten erst gegen 18.00 Uhr wieder öffnet. Seeeehr gewöhnungsbedürftig. Wir verbringen also die Zeit mit Warten und, man glaubt es kaum, bei einem routinemäßigen Test finden wir doch tatsächlich eine Wifi-Verbindung. Das ist uns doch alle Mal einen Cappuccino wert und so vergehen die nächsten Stunden mit dem Abrufen unserer Emails und kostenlosem Telefonieren über Skype.

 

Mit der Suche nach dem öffentlichen Campground tun wir uns ein wenig schwer, trotz GPS finden wir die richtige Straße erst nach 3 Anläufen, anscheinend benötigen wir doch eine bessere Argentinienkarte für unser Gerät. Der Platz entpuppt sich als ein riesiges Schwimmbad, mit Toiletten, Duschen, Liegewiesen und eben Stellplätzen und wie nicht anders zu erwarten, treffen wir auf 3 weitere Fahrzeuge von Reisenden. Diese sind alle verschiedener Größen, jedoch allesamt mit Schweizern besetzt und wir quartieren uns gleich mal in deren Mitte ein. Zur Linken findet Monster einen ganz großen Bruder, Robusto (mit satten 480 Pferdchen unter der Haube) mit Namen (www.waypoints.ch), zur Rechten eine kleine Schwester, einen Toyota Landcruiser mit Dachzelt und gegenüber eher seinesgleichen, jedoch von Steyer.

 

Insgesamt genießen wir 3 Tage in dieser netten Gesellschaft, tauschen Infos aus, trinken so manches Gläschen und wahrscheinlich wären es noch mehr geworden, wenn nicht das Wochenende angestanden hätte, und, da Montag Feiertag, auch noch gleich ein langes. Die Aussicht auf schlaflose Nächte, die gleich nebenan liegende, bis um 7.00 Uhr in der Früh geöffnete Disco lässt grüßen, vertreibt uns in Richtung Berge und vermeintlicher Einsamkeit.

 

Die Fahrt nach Cachi und Cafayate bietet uns unvergessliche Eindrücke, bizarre Felsformationen, die in allen Regenbogenfarben leuchten und über 10 m hohe Kandelaber-Kakteen, die „Cardones“ entlocken uns ein ums anderer Mal laute „Wow“-Rufe.

Wir genießen begeistert die Landschaft und sind daher nicht schlecht erstaunt als uns ein Auto begegnet, dessen Insassen wie wild winken und hupen. Ist was passiert? Nein, keineswegs, als die beiden aussteigen, ist sogleich alles klar. Wir haben uns in Vilcabamba, Ecuador, im Hostel Izhcayluma kennengelernt und so manches Quätschen gehalten. Wir sagen’s ja immer, die Welt ist ein Dorf!

 

Wir stoppen für heute in Cachi, einem kleinen Ort mit sehr viel kolonialer Atmosphäre und einem schönen dörflichen Campingplatz, der so richtig einlädt um mal die Sonne zu genießen. Gegen 18.00 Uhr traben wir Unwissenden ins Dorf um unsere knurrenden Mägen zu füllen, landen aber nur vor geschlossenen Pforten, denn der gemeine Argentinier hat sich um diese Zeit gerade mal von seinem Mittagsschläfchen erholt, denkt noch in keiner Weise an Abendessen und schlürft höchstens mal ein Teechen. Ab 20.00 Uhr kann man mit Glück schon irgendwo ein Stück Fleisch ergattern, gewöhnlich sind die Lämmer, die sich auf den Rosten drehen, zu diesem Zeitpunkt aber gerade mal angewärmt. Puh, sehr gewöhnungsbedürftig und für uns, die wir uns in der Regel zeitig im Bett tummeln, nicht besonders Schlaf-fördernd.

 

Am nächsten Morgen wird die Ruta 40 teilweise haarsträubend eng und ganz schön rumpelig, doch wir werden immer wieder mit schönen Ausblicken und Bergen, die in allen Farbschattierungen leuchten, belohnt.

Cafayate, unser nächster Halt, beschert uns genau das, was wir eigentlich vermeiden wollten. Eine schlaflose Samstagnacht! Gleich neben unserem Campingplatz feiern einige Argentinos, lauter Gesang erfüllt die Luft und die ohrenbetäubende Lautstärke der Musik dröhnt bis morgens um 7.15 Uhr. Wir schwören uns, am Wochenende nur noch in ausgesuchten Verstecken zu nächtigen.

 

Über San Juan und Mendoza rasen wir durchs Land, sofern man bei Monster von rasen sprechen kann, und für die nächsten Tage heißt es fahren, fahren, fahren, nur fliegen scheint schöner. Nachdem wir mal wieder eine katastrophale Umleitung, ohne GPS hätten wir weder eine Richtung geschweige denn eine Straße gefunden, gut durchgeschüttelt hinter uns gebracht haben, passiert es dann irgendwo inmitten der langweiligen Pampa, Monster tritt in den Streik. Die Drehzahl fällt ab und die Kontrollleuchte der Lichtmaschine leuchtet rot auf, da heißt es nix wie rechts ran und Motor aus.

 

Erste Diagnose, die Lichtmaschine ist defekt und lädt die Batterien nicht mehr. Und nun? Während ich bereits den vorbeifahrenden Verkehr hinsichtlich einer Mitfahrgelegenheit mustere, gerät der hauseigene Mechaniker zunächst ins Grübeln und anschließend in hektische Betriebsamkeit. Beim Bau der elektrischen Anlage hat Jupp eine zusätzliche Sicherung eingebaut und eben diese hat die ständige Erschütterung durch die Schotterstraßen nicht ausgehalten und ist zerbrochen. Mangels Ersatz wird der Übeltäter überbrückt und siehe da, das Problem ist gelöst und Monster schnurrt wieder wie ein Kätzchen.

 

Nach 5 Tagen langweiligster Fahrt durch die Pampa und quer durch Argentinien, erreichen wir Puerto Madryn und die Peninsula Valdez, das lang ersehnte vorläufige Ziel.

 

Das übliche Szenario bricht an, Wäscherei suchen, Einkäufe tätigen, Emails abrufen usw. und so fort, ehe wir uns versehen, bricht der Abend schon wieder an und wir müssen los einen Stellplatz suchen. Nach ca. 15 Kilometern werden wir am Strand fündig und können Monster auch noch etwas windgeschützt ausrichten. Der in Patagonien allgegenwärtige Wind ist ziemlich nervig und kalt obendrein und wir sind froh, dass Monster uns etwas Schutz gewährt. Hinter den Scheiben sitzend halten wir Ausschau nach einem Wal oder Ähnlichem, bleiben aber für heute völlig unter uns.

 

Am nächsten Morgen legen wir die restliche Strecke bis zur Halbinsel Valdes zurück und können uns im Besucherzentrum wenigstens schon mal ein Wal-Skelett anschauen, hoffentlich bleibt das nicht das einzige walartige, das wir zu sehen bekommen! In Puerto Piramides schauen wir uns den Trubel mit den Bootsausfahrten zum Whalewatching an und entscheiden uns zunächst einmal dagegen. Zum einen ist es uns heute deutlich zu windig und zum anderen wollen wir erst einmal schauen, ob wir nicht von einer Bucht aus ein Exemplar erspähen können. Wir lassen uns am Punta Pardeles nieder und harren mit Fernglas bewaffnet der Dinge, die da kommen werden.

 

Hm, leider kommt da heute gar nix, noch nicht einmal ein Delphin oder eine Robbe lässt sich sehen, vor lauter Verzweiflung stapft Jupp ins eiskalte Wasser um wenigstens ein paar Muscheln fürs Abendessen zu sammeln.

 

Schlussendlich entscheiden wir uns, am nächsten Morgen doch eine Bootsfahrt zu machen, die mit 100,00 Pesos = ca. 30,00 US$ vergleichsweise günstig ist. Mit etlichen anderen Schaulustigen zusammen fahren wir bei spiegelglattem Wasser aufs Meer hinaus und nach kurzer Zeit gesellen wir uns zu einem weiteren Boot, dessen Insassen bereits das Glück haben direkt neben einem Wal und seinem Jungen zu dümpeln. Ein wenig neidisch starren wir zu den Glücklichen hinüber, doch dann wendet sich das Blatt, die Wale scheinen neugierig und nehmen auch uns in Augenschein.

Diese sanften Riesen so aus der Nähe zu sehen, ist einfach überwältigend und ich bin hin und weg.

 

Noch immer ganz glücklich, kehren wir zu unserem Stellplatz am Strand zurück, der sich, da heute Samstag, bereits mit Badegästen gefüllt hat. Wir richten Monster aus, setzen uns dann ganz gemütlich mit Fernglas im Anschlag vor unsere Haustüre und beobachten das Wasser. Zwei Robben tollen vorwitzig direkt am Strand herum und ich frage mich, wer hier wohl wen beobachtet. Kurze Zeit spät naht ein Argentinier mit seinem Wohnwagen im Schlepp, sondiert kurz die Lage und baut sein Gespann mitten vor unsere Nase.

 

Ich denke zunächst, ich leide unter Halluzinationen, schließe meine Augen, doch als ich sie wieder öffne, steht dieser Mensch immer noch dort. Das kann doch wohl nicht wahr sein, sprachlos schauen wir uns an und dann explodiert Jupp. Mit lauten Rufen und eindeutigen Gesten, die abwechselnd auf seine Augen und aufs Meer zeigen, macht er diesem Merktnixmehr klar, dass er mitten in unserer Aussicht steht. Dieser ist irgendwie irritiert, schaut verständnislos von rechts nach links und im Moment des Begreifens geht ein Strahlen über sein Gesicht. Ahhh, ich verstelle euch den Blick!!! Fröhlich grinsend bequemt er sich sein Gefährt neben dem unseren zu parken, setzt sich ebenfalls vor die Türe und wir können alle gemeinsam die Aussicht genießen. Geht doch, warum nicht gleich so?

 

Wie zur Belohnung taucht wenige Minuten später eine Walmutter mit ihrem Jungen auf und die Vorstellung beginnt. Das Junge hat für heute das Erlernen des korrekten Abtauchens auf dem Lehrplan stehen und wir sehen zahlreiche Varianten, wie man eine Walflosse in den Himmel strecken kann. Es ist zu niedlich anzuschauen, wir amüsieren uns köstlich, wenn zwar die Flosse hoch, aber der kleine Wal (ca. 4-5 Meter lang) nicht unter geht.

 

Am nächsten Nachmittag gelangen wir zum Punta Tombo, einem Naturreservat für Magellan-Pinguine. Zwischen 500.000 und 2 Mio Tiere sollen hier ihre Jungen großziehen und der Platz ist somit die größte Ansammlung der putzigen Vögel auf dem argentinischen Festland. Auf angelegten Wegen und über hölzerne Stege können wir zwischen den Tieren herumlaufen und diese ganz ohne störende Zäune betrachten und da wir die Nacht auf dem dazugehörigen Parkplatz verbringen, begleitet uns das Geschnatter der munteren Gesellen in den Schlaf.

Auf dem weiteren Weg Richtung Süden legen wir immer mal wieder einen Stopp an diversen Stränden ein und ärgern uns jedes Mal über die Berge von Müll. Es ist unglaublich, die schönsten Stellen werden teilweise wie ein Schlachtfeld verlassen.

 

In Camaronef ergreift uns so richtig die Wut. Hier wurden windgeschützt inmitten von Bäumen wunderbare Feuerstellen zum Grillen errichtet, die natürlich alle inzwischen demoliert und demontiert sind, und nur wenige Minuten nach uns kommt eine argentinische Familie an. Als diese nach 2 Stunden wieder abfährt, trauen wir unseren Augen kaum. Die leeren Chipstüten fliegen uns um die Ohren, die leeren Getränkeflaschen stecken im Sand und die Essensreste wurden einfach irgendwohin gekippt. O.K. die Essensreste findet vielleicht ja noch ein hungriges Tier, aber dieser ganze Plastikmüll? Denken diese Banausen denn in keiner Weise an ihre Zukunft? Dabei ist es so einfach, denn überall stehen Abfalleimer, an manchen Straßen sogar alle 500 Meter, doch außer den Touristen scheint diese keiner zu benutzen.

 

Wir erreichen Comodore Rivadavia, die vorletzte große Stadt vor Feuerland, in der wir unseren Tank noch mal komplett füllen wollen und uns vorsorglich mal nach den Preisen für neue Reifen erkundigen, denn die unseren zeigen nach 100tkm doch langsam Verschleißerscheinungen. Zwar werden sie ausgerechnet hier nicht besonders günstig sein, aber man kann ja nie wissen? Also rein in einen großen Laden, der auch Lkw-Reifen führt und der Einfachheit halber nehmen wir Monster gleich mit herein. Wir stehen also in dieser Werkstatt und während wir noch über die verschiedenen Marken und Modelle reden, verabschiedet sich heimlich still und leise die Luft aus unserem linken Vorderreifen. Das kann doch wohl nicht wahr sein?! Anscheinend ist Monster die alten Reifen nun endgültig leid und sagt es uns auf diese Weise. Nun denn, was sollen wir jetzt noch lange überlegen, zumindest 2 neue Reifen müssen her und so verbringen wir den restlichen Nachmittag in dieser Werkstatt. Anschließend will der Tank noch mit knapp 500 Litern befüllt werden und unsere Reisekasse macht einen recht erbärmlichen Eindruck.

 

Durch die weiten Ebenen Patagoniens kommen wir nach Punta Delgada, bereits wieder in Chile, wo wir zur Magellan-Straße abbiegen um eine Fähre nach Puerto Espora zu erwischen. Auf der ziemlich stürmischen Überfahrt nach Feuerland begleiten uns zahlreiche Delphine, die sehr schön anzusehen sind und trotzdem bin ich alter Seemann froh, dass wir bereits nach 30 Minuten die andere Seite erreichen.

 

Feuerland begrüßt uns mit Sonnenschein und, nach nur wenigen Kilometern bereits wieder zurück in Argentinien, einem wunderbaren Stellplatz an einem kleinen Flusslauf. Wir beschließen für heute etwas früher Schluss zu machen um beim Grillen die Sonne noch kurze Zeit genießen zu können, denn in den Abendstunden wird es doch immer recht frisch. Wie frisch es wird, bemerken wir als wir nachts fröstelnd aufwachen. Noch nicht auf solch winterliche Temperaturen eingestellt, haben wir unsere dicken Bettdecken nicht eingezogen und werden bei charmanten 2°C nun dafür bestraft.

 

Da hilft nur Socken an und die Decken bis ans Kinn gezogen. Morgens pfeift uns ein eiskalter Wind um die Ohren, der auch Monster nicht sonderlich zu gefallen scheint. Beim Versuch den Motor zu starten, hören wir ein kurzes Pfeifgeräusch und das war’s, die Batterien machen keinen Mucks mehr. Was ist nun schon wieder los? Als wir die Motorhaube öffnen, sehen wir die Bescherung. Der Pol einer Batterie hat sich anscheinend losgerappelt, hatte nicht mehr genügend Kontakt und beim Startversuch ist er somit gleich verglüht. Mit einem Stück Kupferrohr verlängert Jupp den verschmorten Pol und siehe da, die Zündung funktioniert wieder. Nächster Versuch, der Motor springt kurz an um unwesentlich später mit einem Ächzen abzusterben und sich weiterhin nicht mehr zu rühren.

 

Wir starren zu zweit unter die immer noch geöffnete Motorhaube und sind relativ ratlos, sooo kalt, dass der Diesel bereits versulzt ist, war es doch auch nicht, oder? Oder??? Versuch macht klug, wir holen den Heizlüfter und einen Heißluftfön hervor, wollen zu deren Betreiben den Generator starten und was kommt? Genau, der gute springt nicht an, seine Batterie hat sich entleert und ist zu schwach. Es ist zum Mäusemelken! Jetzt müssen wir also zunächst den Generator überbrücken und als dieser dann endlich läuft, beginnen wir die Dieselleitungen und Filter warm zu fönen.

 

Es hilft, nach 2 Stunden Palaver in eisiger Kälte bequemt sich unser Schätzchen doch noch zum Anspringen, wenn gleich die Motorgeräusche nicht dem gewohnten Schnurren entsprechen. Anscheinend haben wir bei der letzten Tankaktion ganz fürchterlich schlechten Diesel erwischt und davon auch noch gleich 500 Liter, schöner Mist!

 

Trotz aller widrigen Umstände erreichen wir Ushuaia, das Ende der Welt, noch am gleichen Nachmittag und sind begeistert von dem Anblick, der sich uns bietet. Vor der Stadt das eisblaue Meer und dahinter die steil ansteigenden, von einer dicken Schneeschicht bedeckten Berge, wow!

Wir füllen unsere Vorräte auf, schließlich steht das Christkind vor der Tür, und beginnen die Suche nach einem Campingplatz.

 

Der erste Weg führt zum Rio Pipo, der idyllisch in einem kleinen Wäldchen liegt, wo wir zwar den markanten roten Bus der Rotel-Flotte sehen, aber ansonsten weit und breit keine anderes Overlander-Fahrzeug. Also auf zum anderen Campingplatz und da stehen sie, Expeditionsmobile, Landcruiser, VW-Busse, ganz normale Wohnmobile aus aller Herren Länder und ein, uns bekannter, Toyota mit holländischem Kennzeichen.

 

Es ist das Auto von Ria und Gerrit, die wir bereits in Laos, Australien und Neuseeland getroffen haben, keine Frage also, wo wir die Weihnachtstage verbringen werden. Im Laufe der nächsten beiden Tage treffen immer noch weitere Reisende, unter anderem auch 2 polizeigrüne Monsterbrüder, ein. Trotz widriger Temperaturen und manchem Regenguss gibt es einen Grillabend, einen Tag später, etwas passender, einen Glühweinabend und am heiligen Abend beim Platzwart ein Asado mit reichlich Fleisch und Rotwein. Wir lassen es uns gut gehen und brechen erst am Samstag zum Tierra del Fuego, dem Nationalpark Feuerland, auf. Die Ruta 3 führt mitten in ihn hinein und endet an der Bahia Lapataia, wo ein großes Schild darauf hinweist, dass es von hier bis Alaska 17848 km sind.

Ursprünglich haben wir geplant Sylvester irgendwo in der Nähe Estanzia Haberton am Beagle-Kanal zu verbringen, doch die Temperaturen treiben uns von dannen. Wir haben genug von Kälte und Regen, wir wollen Richtung Norden und in hoffentlich bald wärmere Gefilde.