Argentinien / Chile: März 2009

Wie immer ein wenig atemlos aufgrund der Höhe, nehmen wir morgens die restlichen Höhenmeter bis zum chilenischen Grenzposten in Angriff.

 

Auf 3185 m Höhe gibt es zwar ein Zollgebäude, etliche Zöllner und einen Schlagbaum, aber aus uns zunächst undefinierbaren Gründen will man hier von unseren Papieren nichts wissen. Wir fragen vorsichtshalber nochmals nach, aber an der Lage ändert sich nichts und somit fahren wir weiter gen Argentinien ohne aus Chile ausgereist zu sein.

 

Heute geht es mal nicht über einen Pass, sondern zur Abwechslung mal durch einen Tunnel. Die alte Passstraße ist laut Reiseführer ebenfalls noch zu befahren, aber zum Einen nur für normale Pkw und zum Anderen ist sie zumindest heute sowieso gänzlich gesperrt.

 

Auf der anderen Seite angekommen, ist immer noch keine Spur von einer Grenzabfertigung und wir kriechen die endlosen Serpentinen hinauf zur Statue des Cristo Redentor. Oben angekommen wissen wir, warum der frühere Grenzübergang nur von Ende November bis März befahrbar ist und es nun einen Tunnel gibt. Eine Mischung aus Sturm, Schneeregen und Eiseskälte macht den Aufenthalt nicht gerade zu einem Vergnügen, selbst der Blick auf die eisigen Andengipfel bleibt uns verwehrt. Wir müssen mit der triumphierenden Christusfigur vorlieb nehmen, die 1904 von Chile und Argentinien zur Beilegung von Grenzstreitigkeiten gemeinsam gebaut wurde.

 

Nach nur wenigen Minuten schleichen wir genauso langsam wie wir heraufgekommen sind, wieder hinunter. Unser nächstes Ziel ist der höchste Gipfel Argentiniens bzw. der höchste Amerikas bzw. der höchste Andengipfel oder auch der höchste außerhalb von Asien, Superlative für den 6962 m hohen Aconcagua gibt es viele. Leider hüllt sich auch dieser in Wolken und wir können nur einen kleinen Blick auf ihn erhaschen. Schade, der Wettergott scheint uns gerade nicht wohl gesonnen und wir ziehen weiter bis zur Puente del Inca.

 

Diese Brücke hat ihren Namen nicht etwa weil die Inkas sie gebaut haben, sondern schlicht und ergreifend da man vermutet, die Inkas seien bis hierher vorgedrungen. In Wirklichkeit ist der 47 m hohe und 28 m breite Bogen durch Erosion entstanden und das stark schwefelhaltige Wasser einer heißen Quelle hat den Stein rot-gelb gefärbt.

Unterwegs erreichen wir doch tatsächlich mal den argentinischen Zoll und siehe da, dort sitzen sie, die Nachbarn, die sich nicht besonders mögen, in einem Gebäude friedlich vereint und erledigen die Abwicklung prompt. Mittlerweile handhaben wir die Formalitäten so locker, dass ich bei einer gewünschten Inspektionskontrolle von Monster die Zollbeamtin nach dem Warum frage, was einiges Erstaunen ihrerseits hervorruft. Sie ist doch schließlich die Grenzbeamtin und hat ein Recht dazu!!

 

Durch ein wunderbares Tal fahren wir weiter abwärts bis wir auf 1700 m den kleinen Ort Uspallata erreichen, wo wir uns für die Nacht bei der Polizei einquartieren. Dummerweise haben wir nicht bedacht, dass diese Station direkt an der Hauptverkehrsstraße liegt und somit schlafen wir etwas unruhig. Für den weiteren Weg nach San Juan entscheiden wir uns für eine kleine, unbefestigte Nebenstrecke und landen unverhofft im Nationalpark El Leoncito. Dort gefällt es uns so gut, dass wir beschließen zumindest diese Nacht hier zu verbringen. Leider hat auch ein argentinisches Paar den gleichen Einfall und so kommt es, dass wir ein weiteres Mal von Gitarrenklängen und Gesang (darüber gehen unsere Meinungen etwas auseinander) bis nächtens um 2.00 Uhr wach gehalten werden. Zu unserer großen Freude verlassen uns die beiden am nächsten Morgen, was uns dazu veranlasst gleich noch eine Nacht zu bleiben.

Gegen Nachmittag nehmen wir uns den Aufstieg zu einem der beiden Observatorien vor und kommen zunächst mal gute 100 m weit als uns ein Fahrzeug mit deutschen Kennzeichen entgegen kommt. Die kennen wir doch?? Ja genau, es sind Reni und Siggi mit ihrem Toyota Landcruiser aus der Nähe von Heidelberg, die wir in Ushuaia kennengelernt haben.

 

Nach einem kurzen Plausch klettern wir doch noch hinauf zum Observatorium, nur um dort festzustellen, dass der zuständige Mensch heute keine Lust auf eine Führung verspürt und überhaupt sei die Tour am Abend viel besser. Nun gut, wenn er das meint, dann lassen wir uns doch überzeugen und steigen den Berg wieder hinab. Unten auf dem Campground haben es sich Reni und Siggi inzwischen ebenfalls gemütlich gemacht, wir verbringen einen unterhaltsamen Abend und beschließen einen weiteren Tag zu verweilen, damit wir am nächsten Abend endlich doch noch die Sterne aus der Nähe betrachten können.

 

Zur allgemeinen Überraschung tauchen am nächsten Nachmittag Helga und Eugen, Freunde von Reni und Siggi, mit ihrem Landrover auf und so steigen wir am Abend zu sechst hinauf zum Observatorium. Die Führung ist trotz einiger Sprachprobleme recht interessant, am meisten erstaunt mich, wie leuchtend blau die noch jungen Sterne glitzern. Erst gegen 23.30 Uhr treffen wir wieder bei unseren Mobilen ein und sinken nach einem Schlummertrunk ermattet in die Federn. Der nächste Morgen bricht an und alle beschließen einen weiteren Tag zu bleiben, in so netter Gesellschaft vergeht die Zeit wie im Fluge. Unser australischer Gusstopf muss heute nicht nur zur Herstellung von 2 Broten herhalten, sondern auch zum Backen eines typisch deutschen Apfelkuchens mit geklauten, argentinischen Äpfeln. Am Sonntagmorgen reißen wir uns endlich alle wieder los, jedoch nicht ohne ganz locker ein weiteres Treffen vereinbart zu haben, bei dem Jupp die Zubereitung einer Paella verspricht.

 

Wir fahren weiter in Richtung San Juan bzw. Vallecito und dem Schrein der Difunta Correa, eines der populärsten Wallfahrtsziele Argentiniens. Laut einer Legende machte sich Maria Antonia Deolinda Correa im Bürgerkrieg 1841 samt ihrem Säugling auf dem Rücken auf, um ihrem Mann zu folgen, der von den Truppen des Caudillos Facundo Quiroga gefangen gehalten wurde. Zu ihrem Unglück verlief sie sich in der Wüste, wo sie verdurstete. Zufällig fanden einige Maultiertreiben die Leiche, an deren Brust das noch säugende Kind lag. Dort wo die Leiche gefunden wurde, ist heute der Wallfahrtsort. Zwar hat die katholische Kirche Difunta Correa nicht offiziell heilig gesprochen, aber die Argentinier pilgern nichtsdestotrotz zu Tausenden dorthin und bringen ihre Opfergaben mit.

 

Eine recht merkwürdige Ansammlung von Gaben bietet sich uns, dutzende kleiner Kapellen sind voll mit Diplomen, Zeugnissen, Familienfotos, Pokalen und selbst Hochzeitskleidern.

 

Die einzige Ähnlichkeit mit unserem Heimatort Kevelaer sind die unzählige Anzahl von brennenden Kerzen, in Kevelaer wohl geordnet auf speziellen Ständern und hier in einem heillosen Durcheinander zwischen gespendeten Lenkrädern, Zylinderköpfen und ähnlichem Zeugs. Wie heißt es so schön? Der Glaube versetzt Berge.

 

Auf dem Rückweg kommen wir durch die Kleinstadt Caucete, ich springe in einen Supermarkt um ein paar Kleinigkeiten einzukaufen und erlebe mal wieder ein typisch argentinisches Einkaufschaos. Ich stelle mich mit meinen 3 Teilen, wie in Deutschland trainiert, an der kürzesten Schlange und hinter den Leuten mit den wenigstens Sachen im Korb, an und denke, es sollte eigentlich flott gehen. Pff, flott! Weit gefehlt. Zunächst müssen Kassiererin und Hausfrau in aller Ruhe die neuesten Nachrichten austauschen, tratschen und tratschen und während ich unruhig von einem Bein auf das andere hüpfe, stehen meine Mitwartenden seelenruhig weiter an. Ganz im Gegenteil, wenn nun eine von diesen an die Reihe kommt, wird das Pläuschchen seelenruhig weitergeführt. Ich habe also derweil noch ein wenig mehr Zeit mich umzuschauen und bemerke interessiert, wie ein Joghurtbecher von der Kasse weggenommen, noch einmal kritisch betrachtet wird und anschließend in einem der weltweit an der Kasse platzierten Süßigkeitenständer landet. Dort befinden sich bereits zahlreiche Artikel, die keinesfalls dort hingehören. Wir rücken in der Schlange wieder eins vor und die vor mir stehende Dame ist nun in Reichweite der Süßigkeiten. Sie nimmt den zuvor abgelegten Joghurt hoch, iih, der ist ja undicht und bams landet der triefende Becher wieder in den Süßigkeiten. Dort quillt nun der Yoghurt endgültig aus der Verpackung und arbeitet sich langsam durch bis auf den Boden. Mir bleibt vor Staunen der Mund offen stehen, aber ansonsten zeigt niemand, nicht einmal die Kassiererin, eine Reaktion. Unglaublich!

 

Wir kehren zurück in die Einsamkeit und nehmen den Pass Agua Negra in Angriff, der mit 4775 m höchste befahrbare Pass zwischen Argentinien und Chile. Die Fahrt ist wunderschön, fast völlig allein kurven wir vorüber am Büßerschnee und oben auf der Passhöhe erwarten uns sogar 7 cm Neuschnee, was die Abfahrt noch ein bisschen abenteuerlicher macht.

Nach dieser Strecke glauben wir an eine Fata Morgana als wir nach einer weiteren Kurve die chilenische Zollkontrolle erblicken. Mitten in die Pampa wurde ein großes Stahlgebäude gestellt, in das sogar Monster hineinfahren kann. Dementsprechend lümmeln unzählige Zollbeamten, Polizisten und Leute der Lebensmittelkontrolle dort herum, die sich anscheinend alle zu Tode langweilen. Da kommen wir gerade recht. Zuerst durch die Personenkontrolle, anschließend folgt die Monstereinfuhr und zur Krönung eine äußerst penible Lebensmittelkontrolle. Zwei Beamte, mit Aidshandschuhen ausgerüstet, stülpen Monsters Innenleben um und finden trotzdem nichts. Hihi, innerlich grinse ich mir eins und fröhlich fahren wir von dannen.

 

Wir erreichen das Valle del Elqui, ein Tal in dem besondere klimatische Bedingungen herrschen, die hier die süßen Trauben wachsen lassen, die zur Herstellung von Pisco benötigt werden. Es steht außer Frage, dass wir nach Pisco Elqui, einem kleinen Dorf, abbiegen um eine Pisqueria zu besichtigen. Wir entscheiden uns für Los Nichos, die älteste Destillerie des Tales und treffen damit eine gute Wahl. Die Führung bringt uns in einen uralten Keller, in dem laut Aussage der Tochter des Hauses, alle Trunkenbolde, die sich in diesen Gemäuern zu Tode gesoffen haben, auch beerdigt sind. Wer’s glaubt!!

 

La Serena ist eine recht große Stadt direkt an der Pazifikküste und ideal um mal wieder lustvoll einkaufen gehen zu können. In den großen Lider-Supermärkten gibt es alles was das Herz begehrt und unser Kühlschrank füllt sich nicht nur mit allerlei Lebensmitteln, sondern auch mit einer leckeren Sahne-Nuss Schokolade. Hmm, yummy!

 

Gut gerüstet biegen wir bei Los Hornos von der Panamericana auf eine rumpelige Küstenstrecke ab. Von dieser führen immer wieder Spuren in Richtung Wasser und mehr als einmal müssen wir umkehren da es für uns dort nicht mehr weitergeht. Zum guten Schluss werden wir in Chungungo an einem Kieselstrand doch noch fündig und verbringen dort das Wochenende damit tote Tintenfische an Angeln zu baden. Dem Angler in Jupp zerreißt es das Herz, warum fängt er bloß nichts?? Des Rätsels Lösung erscheint in Form von einem ostpreußischen Auswanderer, der sogleich feststellt, dass Tintenfisch nicht der richtige Köder ist und uns vorsichtshalber seinen Fang, eine wunderbare Scholle, schenkt. Hurra, das Abendessen ist gesichert und der frustrierte Angler halbwegs beruhigt.

 

Über Vallenar und Copiapo schaffen wir es am Montag bis nach Bahia Inglesa, einem kleinen Badeort, es beginnt bereits zu dämmern und wir positionieren uns kurz entschlossen direkt am schneeweißen, kilometerlangen Strand für die Nacht. Nach einer kleinen Rundfahrt durch den typischen Touristenort gelangen wir auf der Suche nach einer Wifi-Verbindung nach Caldera. Vor einem kleinen Friseursalon werden wir fündig und während ich die heimatliche Telefone, Skype sei Dank, strapaziere, nutzt Jupp die Gelegenheit, der bald 90jährigen Friseuse einen Besuch abzustatten. Allen Befürchtungen zum Trotz gelingt seine neue Haartracht, über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, und wir können weiterziehen zum Pan de Azucar Nationalpark.

Dieser ist ein Kleinod, das nicht nur Sandstrände, sondern auch Wüstengebiete und Teile der steil ansteigenden Küstenkordillere umfasst. Die Höhenlagen reichen vom Meeresspiegel bis auf 900 m hinauf und wir halten es gleich 2 Tage an der Bahia Blanca aus. Erst als uns ein geschwätziger Fotograf aus Deutschland erzählt, auf der anderen Seite des Parks stände auf einem Campingplatz noch „so ein viereckiger Kasten“ mit deutschem Kennzeichen, machen wir uns auf den Weg dorthin.

 

Wir treffen Ute und Götz mit ihrem kleinen Sohn Ben, die wir in Ushuaia kennengelernt haben und beschließen nochmals eine Nacht zu verweilen. Unverhofft ertönen am frühen Abend einige Hupen, woraufhin wir freudig die Autos von Reni, Siggi, Helga und Eugen erblicken. Die vier haben es also auch über den Pass geschafft und daher wird die versprochene Paella fällig. Dazu fahren Eugen und ich am Morgen in den nahe gelegene Kleinstadt Chanaral und bemühen uns sämtliche Zutaten zu besorgen, wobei wir einige Abstriche machen müssen und die Improvisationsgabe des Kochs gefordert sein wird. Ich weiß nicht, ob diese ganze Aktion für Eugen etwas zu anstrengend ist, jedenfalls hat er nach seinem Mittagsschläfchen einen viel zu hohen Blutdruck, Taubheit im rechten Bein und Koordinationsschwierigkeiten.

 

Helga vermutet, dass Eugen einen Schlaganfall erlitten hat. Der Klinikbesuch in Chanaral bringt keine neuen Erkenntnisse und wir verschieben den Paellaabend zunächst auf morgen. Auch der nächste Tag bringt keine wirkliche Besserung für Eugen und die Rückkehr in die 200 km entfernte, nächst größere Stadt Copiapo ist unvermeidlich, dort sollte man zumindest über die erforderlichen Untersuchungsmöglichkeiten verfügen. Reni und Siggi begleiten die beiden und wir verabschieden uns traurig.

 

In gedrückter Stimmung mampfen wir die wirklich gelungene Paella und am Sonntagmorgen brechen auch wir Zurückgebliebenen auf. Ute und Götz treibt es weiter Richtung Norden und wir fahren bis Copiapo zurück, erledigen unsere Einkäufe und treffen die anderen, die an Eugens Krankenbett verweilen. Eugens Zustand ist stabil, aber ob er tatsächlich einen Schlaganfall erlitten hat, lässt sich auch nach einem CT nicht zweifelsfrei feststellen. Es bleibt momentan nichts anderes übrig als abzuwarten und so machen wir uns am Morgen schweren Herzens auf unseren weiteren Weg zum Pass San Francisco um Chile wahrscheinlich zum letzten Mal zu verlassen.

Der Paso San Francisco liegt auf 4748 m und ist damit 60 m niedriger als der höchste Berg Europas, der Montblanc und gewährt uns rechts und links zahlreiche Ausblicke auf die 5000- und 6000tausender. Wir legen bereits auf 2800 m Höhe unsere erste Übernachtung ein und sind am nächsten Tag ziemlich froh darüber, denn das Altiplano zieht sich ewig lang hin und wir schaffen es heute gerade vor Einbruch der Dunkelheit auf 2600 m hinunter.

 

Auch die nächsten beiden Tage ist Fahren angesagt, auf bereits bekannter Strecke geht es zum 2. Mal nach Cafayate. Unterwegs erlebe ich Einkaufsgeschichte Nr. 2. In einem argentinischen Supermarkt bin ich mal wieder etwas überfordert, an welcher Kasse ich mich denn nun anstellen soll und da mich die darüber hängenden Hinweisschilder nicht schlauer machen, entscheide ich mich, wie sich später herausstellt, für die falsche. Nach deutschen Maßstäben würde man annehmen, ich hätte mich für die richtige entschieden, da dort nur 2 Personen mit keinen oder wenigen Waren im Korb anstehen. Nicht so in Argentina, denn hier kann man in einem Supermarkt nicht nur einkaufen, sondern auch irgendwelche Rechnungen bezahlen und so kommt es, dass man sich zeitweise bis zu 40 Minuten an einer Kasse aufhält obwohl man nur 1 Liter Milch kaufen wollte. Leider ist es mir bis dato noch immer nicht gelungen diese Kassen zu identifizieren und Jupp reagiert schon leicht genervt, wenn ich äußere, dass ich „mal eben“ ein paar Teile einkaufen will.

 

Kurz vor Cafayate besichtigen wir die Ruinen von Quilmes, eine ehemalige Festung aus dem 11. Jahrhundert, die ein gutes Beispiel für die Baukunst der Indianer abgeben. Wir klettern auf den höchsten Punkt der Mauerreste und genießen von dort oben den Blick über die gesamte Anlage und die zahlreichen großen Kandelaber-Kakteen.

 

Wir trudeln an einem Sonntag in Salta ein, wo wir allerlei Wartungs- und Reparaturarbeiten an Monster ausführen wollen und machen es uns daher, wie schon beim letzten Mal, auf dem städtischen Campingplatz gemütlich. Am Montag beginnt die Renner- bzw. Sucherei, denn wir wissen, es gibt in großen Städten eigentlich alles, die Frage ist einfach nur wo.

 

Am Dienstagabend haben wir alles zusammen gesucht und auch schon ziemlich viel geschafft. Der Auspuff ist geschweißt, ein neuer Halter dazu montiert, unsere alte Klimaanlage ist ausgebaut, der Kompressor ausgetauscht und die Anlage wieder eingebaut, auf dem Dach ist eine Verdunster-Klimaanlage neu installiert, 20 l Öl sind gebunkert, ein Luftleitblech für den Kühler ist bestellt, ein neues Brett für unsere Außenküche gekauft, ein neuer Monster-Stern gekauft und wir sind ziemlich geplättet, aber glücklich. Noch ein bisschen glücklicher werden wir als wir bei unserer Rückkehr auf den Campingplatz das Auto von Marita und Uwe, die wir, wie könnte es anders sein, aus Ushuaia kennen, erblicken und bis spät in die Nacht müssen natürlich noch alle Erlebnisse ausgetauscht werden.

 

Mittwoch bis Freitag stehen ganz im Zeichen der normalen Wartungsarbeiten sprich Ölwechsel, Abschmieren, Wäschewaschen und Hausputz und am Samstag machen sich Uwe und Jupp daran Monsters Kühler aus- und das Luftleitblech einzubauen. Ein mühsames Unterfangen, aber auch dieses Manöver gelingt schlussendlich und damit sollte eigentlich alles erledigt sein.

 

Am Abend wird gekocht was das Zeug hält, denn so ganz nebenbei haben wir 4 noch 2 deutsche Jungs adoptiert, die seit 3 Monaten mit dem Fahrrad unterwegs sind und natürlich keine kulinarischen Highlights erleben. Am Sonntag trennt sich unsere fröhliche Runde, alle zieht es weiter in Richtung Bolivien bzw. Chile, und wir bleiben für einen Tag alleine zurück. Zum Einen haben wir immer noch nicht entschieden, welchen Weg nach Bolivien wir nun wählen sollen und zum Anderen um auf Reni und Siggi zu warten, die in Cachi sind und sich bei uns angemeldet haben.

 

Am Abend sind sie noch nicht eingetroffen und so soll es am Montag auch für uns weitergehen, aber irgendwie ist heute der Wurm drin. Wir fahren zwar los, aber zu a. stellen wir recht bald fest, dass das eingefüllte Öl deutlich zu dünn ist und Monster dadurch viel zu wenig Öldruck hat und zu b. der Navigator, nämlich ich, heute einen rabenschwarzen Tag erwischt hat, die gesuchte Straße hat sich scheint’s in Luft aufgelöst und wir müssen umkehren. Da können wir auch gleich noch nach einem Additiv für das Öl suchen, was sich gottlob als nicht so schwierig darstellt. Schwieriger erscheint uns da die Tatsache, dass ca. 3 l Motoröl abgelassen werden müssen um dieses Additiv einfüllen zu können, nicht so jedoch für die Argentinier. Kurzerhand findet die ganze Aktion mitten auf der Straße statt und die riesige Sauerei, die sie dabei veranstalten, interessiert keinen Menschen. In Deutschland hätte mindestens die Feuerwehr zur Sicherung des Erdreiches ausrücken müssen.

 

Inzwischen ist es 13.30 Uhr, wir beschließen nochmals am Camping vorbei zu fahren und zu schauen, ob unsere Heidelberger inzwischen eingetroffen sind. Die beiden sind immer noch nicht da, aber 2 andere Reisende, die lange Zeit in Bolivien gelebt haben und so geraten wir ins Quatschen. Keine 15 Minuten später trudeln Reni und Siggi ein und da wir immer noch nicht gefrühstückt haben, können wir heute auch gleich noch hier bleiben. Am Dienstag fahren wir endgültig ab, finden auf Anhieb den richtigen Weg und kehren über den Paso de Jama, wenn auch nur für kurze Zeit, doch noch einmal nach Chile und San Pedro de Atacama zurück.