Utah/Wyoming: Mai 2015

Glück gehabt, denn in der Nacht beginnt es schon wieder zu schütten und am Morgen sieht es auch nicht besser aus. Na ja, für heute ist es eh egal, denn wir fahren wieder Richtung imaginärer Grenze zu Utah. Und siehe da, beim Erreichen des Canyonlands Nationalparks hat der Wettergott ein Einsehen und läßt sogar einige Sonnenstrahlen zu uns herab. Ein paar Meilen vor dem Parkeingang finden wir einen kostenlosen Campground in schöner Umgebung und starten erst am nächsten Morgen in den „Needles District“ des Nationalparks.  

In den folgenden 3 Tagen wandern wir von einem Highlight zum anderen, mit dem Ergebnis, dass mein rechtes Knie die Ausmasse eines Fussballs annimmt. So etwas nennt man wohl Überbelastung, nix ist mehr mit laufen und folglich düsen wir nach Moab, einer Art Abenteuer-Hauptstadt. Jeep-und Offroadtouren, River Rafting Trips, Mountain Biking, alles ideale Betätigungen mit einem dicken Knie, wir verbringen unsere Zeit mit solchen sportlichen Dingen wie Wäschewaschen und Internetsurfing.

Praktischerweise führt in den Arches Nationalpark eine Stichstraße, an der sich ein großer Teil der Bögen und Felsmonument befinden, die den Namen des Parks ausmachen. Insgesamt ist uns die ganze Gegend aber deutlich zu voll. Der „Memorial Day“ steht vor der Tür und ganz Amerika scheint unterwegs zu sein. Die Campgrounds an den Flüssen und in allen Nationalparks sind bereits am frühen Morgen ausgebucht, aber uns sind die „wilden“ Plätze, die in aller Regel mit schöner Aussicht irgendwo in der Wildnis liegen, sowieso viel lieber. So ist es nicht verwunderlich, dass wir mal wieder abseits der touristischen Pfade unterwegs sind und nicht den direkten Weg zum „Island in the Sky“ Teil des Canyonlands N.P., sondern den Shafer Trail wählen. In größeren und kleineren Serpentinen windet sich die Lehmpiste den Berg hinauf und bietet zum Teil atemberaubende Ausblicke. Es kribbelt mal wieder ein bisschen im Bauch, geil...  

 Salt Lake City, die mit Abstand größte Metropole zwischen San Francisco und Denver, ist einmal mehr eine Stadt außerhalb unserer Kragenweite und daher schlichtweg Durchgangsstation. Erst im Logan Canyon und am Bear Lake entschleunigen wir die Fahrt zum Yellowstone, was dem Wettergott jedoch keineswegs zu gefallen scheint. Es regnet mal wieder kräftig, jetzt heißt es Daumen drücken, damit wir wenigstens halbwegs trocken durch den Yellowstone kommen. Auf dem Weg dorthin, wir sind inzwischen in Wyoming, bemerken wir immer wieder Straßenschilder die merkwürdige Löcher und Beulen aufweisen. Was soll das nur sein? Ein nähere Inspektion erklärt alles. Es scheint ein allgemeiner Volkssport zu sein, auf diese Schilder zu schießen. Anscheinend erweitert jeder Amerikaner, der etwas auf sich hält, sein Schiessrepertoire indem er an etlichen Schilder, Konservendosen oder selbst an WC-Türen seine Treffsicherheit prüft. Diese sind auch noch von außen nach innen beschossen, da kann man doch nur hoffen, dass niemand gerade auf dem Topf gesessen hat.

 

Wir erreichen den, nach amerikanischen Aussagen, Nationalpark der Superlative und sind zugegebenermaßen recht gespannt, was uns nun dort erwartet. Neben den qualmenden, nach Schwefel stinkenden Geysieren, soll es ja jede Menge wilder Tiere geben. Schwarzbären, Grizzlys, Bisons, Wölfe, Elk und Moose. Ja und damit geht es auch schon los. Was bitte ist ein Elk? Ich dachte immer ein Elk sei ein Elch, aber um was handelt es sich dann bei einem Moose? Ist vielleicht ein Elk ein männlicher und ein Moose ein weiblicher Elch oder umgekehrt? Fragen über Fragen, aber bereits bei der Einfahrt in den Yellowstone werden wir umfassend aufgeklärt bzw. instruiert. Also ein Moose ist ein Elch, heißt aber nicht so, und ein Elk heißt zwar so, ist aber eine Art Hirsch, jedenfalls so ein Viech mit Geweih. Aha, der Aufenthalt hier hat sich definitiv schon mal gelohnt. Jetzt müssen wir nur noch die 7000 Verhaltensregeln auswendig lernen, die bei einer Tiersichtung einzuhalten sind. Man darf nämlich nicht einfach auf der Straßen anhalten, wenn man zufällig einem Tier begegnen sollte, sondern muss einen der Parkplätze aufsuchen, die sich natürlich rein zufällig direkt neben dem Tier befinden. Die genaue Anweisung für Bären lautet: „siehst du einen Bären während der Fahrt, suche den nächsten Parkplatz auf, parke sicher und beobachte das Tier vom Fahrzeuginnern aus“ ...ob die Bären das auch gelesen haben und mit zum Fototermin am Parkplatz kommen? Manchmal kann man's einfach nicht glauben und so verhalten wir uns völlig „weisungsresistent“ als wir dieses Foto machen:

Puh, das hätte ins Auge gehen können, wenn gerade ein Ranger in der Nähe gewesen wäre. Diese Ranger sind nämlich so eine Art Nationalparkpolizei und nehmen dementsprechend die Verkehrsregelung in die Hand. Kinder, ich sag's euch, dann geht nix mehr, wobei wir nicht genau wissen, wer hier vor wem geschützt werden muss. Die Tiere vor den Besuchern oder die Ranger vor den Tieren oder die Besucher vor den Rangern, jedenfalls bricht das große Chaos aus falls irgendwo ein Bär gesichtet wird. Große Warntafeln werden aufgestellt und ganze Straßen gesperrt. Schön wäre eigentlich, wenn Ferngläser verteilt würden, damit man den Bären auch erkennen kann. Naja, wir finden es insgesamt trotzdem schön und verharren 4 Tage in dieser „ach so“ gefährlichen Gegend. Kurz vor der Abreise noch ein Stilleben unserer asiatischen Mitbesucher, die sich zu Tausenden in allen Nationalparks tummeln. Was diese ständig so fotografieren, bleibt uns etwas schleierhaft, denn man sieht sie eigentlich nur wenn sie ein Selfie schießen. Wahrscheinlich frei nach dem Motto: Ich vor einem Geysir, ich vor einem Wasserfall und ich vor einem Berg.

Danach geht es quer durch Montana, Idaho und Washington State. Manchmal durch eintönige Landschaft, manchmal voll nach unserem Geschmack und einsame Stellplätze lösen eine Nacht auf einem Kasinoparkplatz ab. Bei Seattle stürzen wir uns voll ins Einkaufsfieber und benötigen fast zwei Stunden um unsere „Schätze“  vor dem kanadischen Zoll zu schützen. Wie sich herausstellt eine völlig überflüssige Übung, denn bei der Einreise nach Kanada werden wir nur gefragt, wie lange wir denn bleiben wollen.