Utah/Colorado: Mai 2015

Der Lake Powell, ist das zweitgrößte Wasserreservoir der USA und liegt zwischen Arizona und Utah. Wir haben noch keine wirkliche Entscheidung getroffen, wie und wo es weiter lang gehen soll und biegen nur so zum Anschauen zur „Lone Rock“ Recreation Area ab. Um uns herum jede Menge Sand, im Wasser schöne Felsformationen und am Strand ein Unimog. Unimog?? Das müssen wir uns mal näher anschauen. Das Ende vom Lied? Wir bleiben gleich 4 Tage in der netten Gesellschaft von Oksana und Bradley, die Unimog-Fahrer, und Thomas, der immer eine gute Geschichte auf Lager hat.

Am Sonntagmorgen reißen wir uns endlich los vom fröhlichen Nichtstun. Die reichlich aufgenommenen Kalorien müssen abgearbeitet werden, somit kommt eine Wanderung zu den sog. „Hoodoos“ genau richtig. Diese seltsamen Gebilde wurden von der Erosion geformt und muten an wie kleine Geister. Für die nächsten Tage sehnen wir uns nach ein bisschen Einsamkeit und dafür ist die „Cottonwood road,“ genau das Richtige. Es geht durch das Grand Staircase Escalante National Monument und das ohne jegliche Touristen. Die Piste ist bei Trockenheit ohne Weiteres von jedem Fahrzeug zu befahren, aber anscheinend traut sich kaum jemand und so sind wir völlig allein in einer grandiosen Canyon- und Felslandschaft unterwegs. Wir sind dermaßen begeistert und dadurch so langsam, dass wir für die 78 Kilometer 2 Tage benötigen.

Ein Abstecher zum Grosvenor Arch, einem tollen Bogen aus gelbem Sandstein.

Anschließend empfängt uns am Bryce Canyon regelrecht Jubel, Trubel und Heiterkeit. Heerscharen von Touristen durchpflügen den Nationalpark, aber im Gegenzug ist er für uns tatsächlich auch der bisher spektakulärste. Einen Schlafplatz haben wir gottlob direkt vor den Toren des Parks mitten im Wald, am Abend ist ein romantisches Lagerfeuer angesagt und am Morgen begrüßen uns lediglich ein paar Rehe. So können wir auch am 2. Tag den Touristenstrom recht gut verkraften und auf unserer Wanderung abseits der normalen Pfade treffen wir tatsächlich niemanden. Unvorstellbar, wenn man sich die Ameisen- bzw. Menschenstraße anschaut, die sich hinunter ins Felslabyrinth bewegt.

Leider wird das Wetter schlecht, die Fahrt zum Zion und auch der Nationalpark selbst verregnet total. Dazu kommen noch mehr Touristen, in der Überzahl chinesischer Abstammung. Was diese so ständig fotografieren, ist einfach unfassbar. Überall und ständig werden Selfies in sämtlichen Lebenslagen geschossen und sollten mehr als 3 Menschen dieser Spezies zugleich auftreten (was eigentlich so gut wie nie vorkommt), wird das Geschnatter schlicht unsäglich. Wäre ich bösartig, würde sich ein Vergleich mit einem gewissen Federvolk manchmal nahezu aufdrängen. Aber wo ich  schon mal beim Bösartigen bin, muss ich mich auch über so manchen deutschen Touristen wundern. Da treffen wir doch welche, die ihren 4 wöchigen Urlaub hier im Westen der USA seit über einem Jahr geplant haben. Eigentlich eine tolle Sache, wenn ich nur 4 Wochen Urlaub im Jahr habe, muss ich auch sorgfältig damit umgehen und die Planung bzw. die Vorfreude ist bekanntlich fast genauso schön. Aber dann kommt's. Jede Nacht ist vorgebucht, es bleibt nicht eine Stunde Spielraum und das Dollste: Nicht nur die Hotels sind vorgebucht, nein, auch das gute, deutsche Schwarzbrot!! Das allgegenwärtige Amazon schickt im Abstand von 2 Tagen das bestellte Schwarzbrot in das passende Hotel. Geht’s noch?

Weiterhin im Regen fahren wir nach Kanab, dort findet jeden Morgen um 9.00 Uhr die Verlosung für den Besuch der „Wave“ (das Highlight schlechtin) statt. Die Coyote Buttes North und South darf man nur mit Genehmigung besuchen und diese sind dementsprechend heißbegehrt. Entweder nimmt man schon Monate zuvor für ein bestimmtes Datum an einer Internetverlosung teil ( für jeden Langzeitreisenden der Horror schlechthin) oder man begibt sich einen Tag zuvor zu eben dieser Verlosung ins Besucherzentrum.  Ihr könnt euch sicher vorstellen, es boxt der Papst im Kettenhemd. Gut hundert Leute finden sich an diesem Samstagmorgen, und vermutlich an jedem anderen Tag auch, ein und wer natürlich nicht gewinnt, das sind wir. Hm, sollen wir jetzt noch einen Tag warten und unser Glück nochmals versuchen?

Bereits leicht frustriert, entscheiden wir uns dagegen und ich erkundige mich nach der Befahrbarkeit der „Smoky Mountain Road“.  Der geschniegelte, leicht tuntige Typ vom Visitorcenter erzählt, der Weg sei absolut unbefahrbar und wenn wir zum Capitol Reef Nationalpark wollten, dann müssten wir wieder ganz hintenherum. Ja toll, geht denn heute eigentlich alles daneben? Nachdem wir uns eine Weile geärgert und gegenseitig „angenölt“ haben, beschließen wir, die Straße wenigstens mal anzuschauen und dann können wir ja immer noch entscheiden. Gesagt, getan, die Gegend ist schon mal schön und die Piste die ersten Kilometer auch gut befahrbar. Aber dann geht es los, es wird matschig und die oberste Lehmschicht entwickelt sich zur Schlinderbahn. Unser Schätzchen liebt solche Bedingungen bekanntermaßen überhaupt nicht und schlibbert dementsprechend kräftig. Ok., da heißt es an Ort und Stelle bis zum nächsten Morgen abzuwarten. Sonntagmorgen sieht die Welt schon wieder viel rosiger aus, die Sonne scheint, die Piste ist dank des Windes in der Nacht gut abgetrocknet und wir gehen es an. Was soll ich sagen, es lohnt sich bis zum letzten Kilometer. Manchmal kribbelt es im Bauch, aber die Aussichten entschädigen für alles.

Die Landschaft bleibt weiterhin der Hammer, eine Aussicht ist schöner als die andere, ein Nationalpark jagt den nächsten.

Im Capitol Reef N.P. schaffen wir gerade noch eine kurze Wanderung bevor es am nächsten Tag zu schütten beginnt und keine Anstalten macht nochmal aufzuhören. Was macht man an solchen Tagen? Na autofahren und so fahren und fahren wir und landen am Ende in Colorado im Mesa Verde Nationalpark. Dieser Park ist kulturhistorisch der bedeutsamste und wurde erst Ende des vorigen Jahrhunderts entdeckt. Die präkolumbischen Anasazi errichteten hier, noch vor der Entdeckung Amerikas überhaupt, unter höhlenartigen Überhängen ihre Steinbehausungen. Der Wettergott scheint unsere Gebete erhört sich haben, der Regen hört auf und wir nehmen an einer Rangergeführten Tour teil. Alles in allem ist es sehr interessant und ein bisschen aufregend durch diese engen Tunnel zu kriechen, steile Holzleitern heraufzuklettern und sich dabei vorzustellen wie diese Menschen damals gelebt haben.