USA - Westen: Mai 2016

Der frühjährliche Heimaturlaub fällt dieses Mal recht kurz aus und reicht so grade um alle Freunde zum Essen und Neuigkeitenaustausch zu treffen. Ehe wir uns versehen, klingelt morgens um 4.00 Uhr der Wecker und pünktlich wie in alten Zeiten steht unser Freund Heino vor der Tür um uns zum Flughafen zu kutschieren. Dieses Mal geht’s nämlich nicht von Frankfurt direkt nach Las Vegas, sondern vom nahegelegenen Düsseldorf über Stockholm nach Vegas. Diese Variante ist nicht nur deutlich günstiger, sondern wir dürfen auch auf die obligatorischen Ketchup-Nudeln, die bei Condor serviert werden, verzichten. Fast schon traditionell ergattern wir auch in diesem Dreamliner jeder eine 3er Sitzreihe und kommen erfrischt bei Monsterchen an. Der hat anscheinend ebenfalls eine angenehme Zeit hinter sich, springt widerspruchslos an und schon sind wir drei wieder unterwegs.

Zuerst geht es zum Einkaufen in den nächsten Wal-Mart, wo wir uns sogleich mal wieder an das ewige Gequatsche der Amerikaner gewöhnen können. Ich weiß nicht, ob man als Kassiererin einen Lehrgang in Konversation belegen muss, aber so manche scheint diesen nicht bestanden zu haben. Sind wir von Deutschland beim Einkauf eher eine gewisse Schweigsamkeit gewohnt, so müssen wir uns hier gewaltig umstellen. Es geht mit der obligatorischen Frage nach unserem heutigen Befinden los, anschließend werden wir über verschiedene Sonderaktionen informiert, gefolgt von der selbstverständlichen Frage nach einer Kundenkarte. Erst danach werden gemütlich alle Artikel über den Scanner gezogen, die natürlich mit dem nötigen Kommentar versehen werden. So erfahren wir, welches Deodorant der Mann der Kassiererin bevorzugt oder etwa auf welche Art sie den Salat zubereitet und andere lebensnotwendige Dinge, die man gewöhnlich im Supermarkt erörtert. Das ganze natürlich in einer Lautstärke, dass auch jeder andere Mensch in unsere Nähe bestens über unseren Einkauf informiert ist. Ich bin jedes Mal heilfroh, dass wir keine Kondome oder ähnliches Zeugs kaufen müssen.

 

Bestens gerüstet geht es dann erst einmal zum Sonne tanken an den Lake Mead und anschließend zum Abkühlen zum Grand Canyon North Rim. Unsere Entscheidung ist absolut richtig, denn nach nur einer Nacht im National Forest wird der North Rim am nächsten Morgen zum 1. Mal für diese Saison eröffnet. Auf nahezu leere Parkplätze zu fahren und ohne Menschenmassen auf den Wanderwegen unterwegs zu sein, ist schon toll.  

Damit wir nicht vergessen, wie es auch sein kann, tun wir uns den South Rim dann doch noch mal an und es kommt, wie es kommen musste. Wie immer, wenn Monster irgendwo auftaucht, erregt er das öffentliche Interesse. Stehen wir irgendwo auf einem Parkplatz herum, dauert es keine 2 Minuten und der 1. wißbegierige Amerikaner löchert uns mit Fragen. „Is this a Unimog?“ sind wir ja inzwischen gewohnt, doch seitdem wir unseren Bootsmotor hinten zwischen den Reservereifen transportieren, kriegen wir den Mund, ob der einfältigen Fragen kaum noch zu.  

 

„Can it swim?“ gehört da noch zu den intelligenteren. Man möge es uns nachsehen, aber manchmal reitet uns halt etwas der Teufel und wir antworten mit der Gegenfrage, wie wir denn sonst wohl über den großen Teich gekommen sein sollen. Unglaublicher Weise ernten wir dann doch tatsächlich ein erstauntes „really?“ oder etwa „amazing“ (erstaunlich).

Doch zurück zum Grand Canyon. Da wir uns in den Kopf gesetzt haben, auch hier den Menschenmassen etwas zu entfleuchen, müssen wir mit einem Parkeigenen Bus bis ans andere Ende fahren, denn Privatfahrzeuge sind auf dieser Strecke nicht zugelassen. Kaum an der Haltestelle angekommen, belabert uns doch schon wieder so ein Ami. „Ist das heute nicht tolles Wetter, fahrt ihr auch bis zum Ende und wo steigt ihr aus, wir kommen übrigens aus Utah und steigen vermutlich schon beim 1. Stopp aus, unsere Freunde hier, sie kommen aus Kalifornien und können nicht so lange still sitzen. Ich heiße übrigens Bob und das ist meine Frau Laura, wo kommen sie denn her?“ Uff, das alles ohne Punkt und Komma und auch noch am frühen Morgen, gottlob erlöst uns der ankommende Bus, vorerst wenigstens. Wir klettern also in den Bus und denken nun geht es los, aber da haben wir die Rechnung ohne Garry, das ist unser Busfahrer, gemacht. Garry widmet sich nämlich die nächsten 10 Minuten unserer Sicherheit, damit wir die lange Fahrt von 30 Minuten ohne größere Verletzungen überstehen können. Dann geht es los und wir kommen genau 100 Meter, denn es nähert sich ein entgegenkommender Bus und dieser hat Vorfahrt. Nachdem wir auch diese schwierige Situation gemeistert haben, könnte es eigentlich weitergehen, wenn sich nicht so ein lebensmüder Mitreisender vor die rückwärtige Bustüre gestellt hätte. Da kennt Garry kein Pardon, übers Bordmikrofon wird so lange ermahnt, bis auch der letzte Fahrgast die Gefahrenzone verlassen hat.

Einmal jährlich findet in Flagstatt in Arizona 3 Tage lang die „Overland Expo“ statt. Als Weltreisender ist Monster dort als sog. VIP-Gast eingeladen, was den materiellen Vorteil von 150,00 $US ausmacht. Bereits am Donnerstag können wir anreisen und in der Hoffnung dort einige Gleichgesinnte zu treffen, freuen wir uns sehr darauf. Um so größer die Enttäuschung. Zwar treffen wir mit Dani, Kevin und Christian einige alte Bekannte und lernen mit Sabine, Ulrich, Tanja und Kim einige neue kennen, aber die Veranstaltung an sich haut uns nicht aus den Socken. Das Ganze entpuppt sich mehr oder minder als eine große Verkaufsveranstaltung und die angebotenen Vorträge sind auch nicht so der Renner.  

 

 

 

Am Montag verziehen wir uns wieder in die Einsamkeit, das Valley of the Gods ist das Ziel. Diese Felslandschaft diente vor Jahren als Kulisse für den Film Forrest Gump und zieht uns sofort in ihren Bann.  

Ja und dann, dann geht es eigentlich nur noch Nordwärts. Über den Moki Dugway und den „Needles District“ des Canyonlands N.P. hinauf bis Moab, wo wir Bekannte von der Baja besuchen. Leider haben wir uns ein schlechtes Wochenende ausgesucht, denn es ist Memorialday. Genau wie im vorigen Jahr ist es überall überfüllt, lange Staus vor den Eingängen der Nationalparks und durch den Ort verleiden uns den Aufenthalt und so brechen wir nach 2 Tagen wieder auf.

Durch Idaho, dem Kartoffelstaat No.1, auf der Sawtooth Route entlang dem Salmon River. Ein Nationalforest Campground ist schöner als der andere und bei strahlendem Sonnenschein genießen wir einfach die Zeit.

 

 

Während unserer tagelangen Fahrten, haben wir mehr Zeit als uns lieb ist, um die immer wieder erstaunlichen Fahrkünste der Amerikaner genauestens zu studieren. Sie legen im Straßenverkehr sehr defensives Verhalten an den Tag, darf man allerdings irgendwo 70 mph schnell sein, so fährt man diese auch. Im Überholverbot wird generell nicht überholt, wobei das Überholmanöver an sich grundsätzlich ein schwieriges Unterfangen ist. Fasst sich so mancher endlich mal ein Herz, natürlich erst nachdem er ewig hinter uns her gegurkt ist, tritt er das Gaspedal bis kurz vor die Ölwanne durch. Folglich rast er mit heulendem Motor an uns vorüber, schert schleudernd vor Monster ein, um anschließend volles Rohr auf die Bremse zu latschen. Ob diesen Verhaltens sind wir des öfteren ziemlich entnervt, denn ein langsames Fahrzeug muss den Seitenstreifen bzw. die sog. Pull-outs benutzen sobald sich 5 andere Fahrzeuge hinter ihm befinden. Würden wir diese Regel immer befolgen, kämen wir an manchen Tagen überhaupt nicht von der Stelle, nur weil diese Trommelochsen sich nicht trauen zu überholen.

 

Erst in Montana im Glacier Nationalpark holt uns der Winter wieder ein. Eine der eindrucksvollsten Gebirgsstrecken Nordamerikas müssen wir leider bis in den Sommer verschieben, denn die „Going-to-the-Sun-Road“ ist aufgrund von Schneeräumarbeiten bis auf weiteres gesperrt. So kommt es, dass wir uns unversehens auf kanadischem Boden wiederfinden.