USA und Baja California: Dezember 2015

Nach 3-monatigem Heimaturlaub und schöpferischer Pause, geht es am 08.12. in aller Frühe wieder los und bereits nach nur wenigen Kilometern wird klar, mit unserem Mietwagen stimmt eindeutig irgendetwas nicht. Er ruckelt und zuckelt und warm wird das Biest auch nicht. Aufregung macht sich breit, was tut man morgens um 04.30 Uhr wenn das Auto nicht läuft, der Flieger in Frankfurt aber vermutlich nicht auf uns warten wird? Zunächst legen wir einen Umweg ein und steuern die nächste Tankstelle an, um wenigstens das Kühlwasser nachzufüllen und unsere Gedanken zu sammeln. Welche Möglichkeiten haben wir schon groß? Entweder wir kommen durch oder bleiben gleich irgendwo liegen, dann müssen wir so oder so die gelben Helfer anrufen. Also aufi geht’s. Die Heizung läuft zwar immer noch nicht, aber wenigstens hört die Kiste plötzlich mit dem Ruckeln auf und so kommen wir zwar Zähneklappernd und ziemlich angespannt in Frankfurt an, aber immerhin verpassen wir unseren Flieger nicht. Sozusagen als Entschädigung, meint es der liebe Gott doch noch gut mit uns und beschert, bei einem fast ausgebuchten Flug, jedem von uns eine 3er Sitzreihe für sich alleine. Die 12 Stunden nach Las Vegas verbringen wir foglich ausschließlich in der Horizontalen und wappnen uns ausgeschlafen für den Zoll. Entgegen dem Gepäck, das ein Reisender normalerweise so mit sich führt, befinden sich in unseren Taschen keinerlei Klamotten, sondern nur so ausgesuchte Sachen wie ein Vakuumiergerät, ein Toaster, kleinere Ersatzteile und Dichtungen, mehrere Stücke Käse und, last but not least, eine Anhängerkupplung samt Stecker und Kabeln. Wer nicht gerade zu unserem engeren Bekanntenkreis zählt, wird sich über dieses letztere Attribut etwas wundern, aber ich werde später in diesem Bericht nochmals darauf zurückkommen. Wir sind also etwas nervös, was der Zoll zu all diesen schönen Sachen sagen wird. Um es kurz zu machen, er sagt gar nichts. Lediglich der Käse ruft leichtes Interesse hervor, aber unsere Antwort, dass wir diesen selbst verspeisen wollen, läßt auch dieses erlischen und so treffen wir recht munter bei unserem Schätzchen ein. Monsterchen erfreut sich scheint's bester Gesundheit und tut dieses  mit sofortigem Anspringen kund. Wow, so kann es weitergehen.

Wir verbringen noch 2 Tage in Vegas, schaffen auch die 3. Million nicht und feiern Juppis Geburtstag bei einem zünftigen Büffet, bevor wir mit der Suche nach einem neuen Weggefährten für Monster starten. Mein Göttergatte hat sich nämlich in den Kopf gesetzt, dass ein Angler, der was auf sich hält, die Baja California unbedingt in Begleitung eines Schlauchbootes besuchen muss. Protest zwecklos und da dieses Schlauchboot nicht ständig wieder aufgepumpt und verpackt werden soll, kommt die oben genannte Änhängerkupplung wieder ins Spiel. Monster verfügt zwar ursprünglich über eine Rockinger-Lkw-Kupplung, aber diese passt partout nicht zum amerikanischen System. Folglich bastelt und schweißt sich der findige Angler selbst so ein Teil zusammen und daher kommt es, dass wir anstatt Kleidern, eine 8 Kilo schwere AHK im Gepäck herumschleppen.

Die meisten Boote wird man wohl in der Nähe der Küste finden und somit ist unsere Fahrtrichtung recht schnell klar. Etwas südlich von Los Angeles erwartet uns in Huntington Beach das 1. Angebot, das sich aber recht schnell als ungeeignet erweist. Zuviele Mängel lassen uns zweifeln. Leider ist es inzwischen dunkel geworden und wir versuchen einen Stellplatz irgendwo am Strand zu ergattern. Hoffnungsloser Fall! Es gibt zwar Parkplätze und Stateparks wie Sand am Meer, aber leider darf man dort nirgends über Nacht stehen bleiben. Überall verweist man uns auf einen Campingplatz, aber bei einem Übernachtungspreis von 70,00 $US schlackern uns doch die Ohren. Sind die denn von der wilden Maus gebissen hier in Kalifornien? Bekanntlich haben wir in Las Vegas den Jackpot nicht geknackt! Da hilft alles nix, ein Wal-Mart muss her. Der ist recht schnell gefunden und zusammen mit zig anderen Campern verbringen wir eine ruhige Nacht.

Am nächsten Morgen geht die Suche weiter, leider in die Richtung aus der wir gestern gekommen sind. Corona heißt das Örtchen, das schnell gefunden ist, nur können wir dort heute keine Verhandlungen führen. Der Besitzer des Schlauchbootes muss bis 18.30 Uhr arbeiten und im Dunkeln läßt sich zwar gut munkeln aber nun mal keine Boote besichtigen. In der Nähe befindet sich ein nettes Plätzchen an heißen Quellen und frisch wie der junge Morgen erscheinen wir am nächsten Tag beim Bootsbesitzer. Dieses Mal haben wir mehr Glück, das Schlauchboot ist in einem Top-Zustand, ein Trailer gehört auch dazu und so werden wir uns recht schnell einig. Monster hat Nachwuchs und wir fahren neuerdings so durch die Lande: 

Dass die ganze Aktion so schnell klappen würde, damit haben wir nicht gerechnet und so kommt es, dass wir uns deutlich früher in Richtung Baja aufmachen als geplant. Bereits am Montag nähern wir uns dem Grenzübergang in Tecate und die Erinnerungen an die Ausreise vor einem Jahr werden wach. Doch wir sind ja lernfähig und bevor irgendwelche Missverständnisse auftauchen, halten wir uns dieses Mal überhaupt nicht mit der Ausreise auf. Schnurstracks fahren wir auf die mexikanische Seite, die Amis können uns mal gerne haben. Die Mexikaner sind auch dieses Mal wieder ausgesucht freundlich, daher lassen wir sie gerne zur Kontrolle in Monster steigen. Zwei Klappen werden geöffnet und bei der dritten klemmt sich der arme Zöllner irgendwie seltsam die Finger ein. Schwupps ist die Visite vorüber, jammernd verläßt uns der Grenzbeamte und wir können ungehindert passieren.

Auf der Baja bewegen wir uns auf alt bekannten Pfaden, erst an der Playa Santispak richten wir uns für ein paar Tage häuslich ein

und bei ententeichartigen Verhältnissen wird unser neuer Reisegefährte zum 1. Mal zu Wasser gelassen. Bei Sonnenschein und absoluter Windstille macht es unglaublich Spaß durch die Buchten zu tuckern und so manches Fischlein findet den Weg in unsere Mägen. Eines Morgens erregt ein seltsames Gebilde im Wasser unsere Aufmerksamkeit. „Was ist das?“ wundern wir uns, erst beim näherkommen erkennen wir die Maserung auf dem Rücken. Unglaublich, das ist ein Walhai, der da in aller Gemütsruhe an uns vorbeischwimmt! Wir sind hin und weg und können es kaum fassen, als auch noch ein zweites Exemplar dieser Gattung auftaucht. Die beiden haben ihre Mäuler weit geöffnet und lassen sich auch von uns nicht beim Frühstück stören. Eine ganze Stunde verbringen wir mit den beiden und ärgern uns schwarz, dass wir keine Kamera dabeihaben. Ständig schleppt man sein Handy irgendwo durch die Gegend und nun so was?! Aber wie auch immer, dem Grinsen, dass sich hartnäckig den ganzen Tag in meinem Gesicht hält, tut es keinen Abbruch.

Für alle Fälle nehmen wir am nächsten Morgen dann doch mal ein Smartphone mit und können unser Glück kaum fassen, da schwimmt doch tatsächlich schon wieder so ein Kerl herum. 

Ich kann es nicht lassen, einmal wenigstens muss ich diesem Wesen über den Rücken streichen!

Die Tage plätschern so dahin und langsam ist es an der Zeit, unsere Vorräte aufzustocken und einige Wäschladungen abzuarbeiten. Dazu quartieren wir uns in Loreto auf einem Campingplatz ein, den wir aber 2 Tage später bereits wieder verlassen. Wie alle Jahre wieder, verschlafen wir den Jahreswechsel und dann geht’s ab zu unserem vorläufigen Endziel in Los Frailes.

Kaum angekommen, wird natürlich das Boot zu Wasser gelassen. Wer sich nun vorstellt, wir verbringen hier so etwas wie Urlaub, der irrt sich gewaltig. Im Morgengrauen um 6.00 Uhr stehen wir auf, rein in die inzwischen vor Salz stehenden Klamotten, ein Tässchen Kaffee zwischen die Kiemen und um 6.30 Uhr stechen wir in See. Kinder, ich sag's euch, so ein Leben als Anglersbraut.