Alberta/Yukon: Juni 2016

So langsam plagt mich das schlechte Gewissen, so lange ist das Schreiben des letzten Reiseberichtes schon her. Nachdem es meinem Rücken wieder top geht und es für Gartenarbeiten draußen viel zu heiß ist, fehlen mir auch die Ausreden. Also aufi geht’s.

 

Wieder einmal stehen wir an der Grenze zu Kanada, raus aus den Staaten interessiert keinen Menschen, keine Kontrolle, kein Stempel, alles wunderbar. Auf der anderen Seite sieht es hingegen etwas anders aus, denn die Einfuhr von Obst, Gemüse, Fleisch und Milchprodukten gefällt den Kanadiern keineswegs und ist streng verboten. Zigaretten, Alkohol und Geld unterliegen einer Mengenvorschrift. Wir sind jedoch frohen Mutes, denn alle verbotenen Sachen sind gut versteckt, rauchen tun wir nicht und Geld haben wir eh keins. Folglich ist die Einreise am kleinen Grenzübergang von Roosville ein kurzes Vergnügen, die heiklen Fragen zu Lebensmittel und Geld umschiffen wir mit links und schon ist der Stempel im Pass.

Warum wir dann allerdings die Einfahrt nach Fort Steele, einem Freilichtmuseum, in dem kostümierte Freiwillige das Leben in der frühen Zeit nachspielen, verpassen, wissen wir auch nicht so recht. Stattdessen erreichen wir also heute schon die Lussier Hotsprings und aalen uns dort im heißen Wasser. Die Pools sind wunderschön, ganz naturbelassen zwischen einigen Felsen und sogar noch völlig kostenlos.

Ja und das ist dann auch vorläufig das Einzige, was kostenlos ist, denn unsere nächsten Etappen heißen Banff und Jasper Nationalpark. Natürlich könnten wir einen Umweg fahren und nicht mitten über den gebührenpflichtigen Icefields Parkway, aber da diese beiden Parks in jedem Reiseführer mit Lob nur so überschwemmt werden, müssen wir wenigstens mal schauen. Angeblich jagt ein Superlativ den nächsten, aber wir können uns nur wundern. Klaro, die Gegend ist wunderschön, aber eben auch voll touristisch erschlossen. Speziell um diese Jahreszeit muss man sich auf jede Menge Mitwanderer einstellen und auf so manchem Trail findet die reinste Völkerwanderung statt. Leicht geläutert und aufgrund der Erzählungen anderer Reisenden schenken wir uns den Lake Louise und erschrecken uns stattdessen in Jasper. Im dortigen Besucherzentrum findet der reinste Jahrmarkt statt, wie soll es da nur auf den Campingplätzen sein? Denn leider dürfen wir uns hier nicht einfach irgendwo in der Wildnis niederlassen, sondern müssen einen der teuren Übernachtungsplätze ansteuern. Auf dem abseits gelegenen Snaring River Campground finden wir gerade noch einen Platz. Sehr erstaunt sind wir über den Registrierungszettel, denn wollen wir ein Lagerfeuer entzünden, müssen wir neben dem Übernachtungspreis auch noch eine Feuer-Genehmigung kaufen. Wer bezahlt, hat sozusagen eine Feuerwehrmann-Ausbildung? Geht's noch? Dann gehen wir eben ohne Feuer ins Bett, doch leider wird die Nacht recht kurz. Bis nächtens um 24.00 Uhr kommen immer noch Mitcamper an, was aber die anderen nicht davon abhält bereits um 7.00 Uhr wieder abzufahren. Selbstverständlich wird dazu schon um 6.00 Uhr das Vehikel gestartet und weil die Motorengeräusche so laut sind, schreit man sich gegenseitig an und knallt mit den Autotüren. Wir sind mal wieder begeistert von diesem Nationalpark und beschließen uns fortan die Berge nur noch von der anderen Seite anzuschauen.

Über Nebenstraßen geht es dieses Mal über Grande Prairie nach Dawson Creek, wo am „Traffic circle“ der legendäre, 2280 km lange Alaska Highway beginnt. 

Inzwischen komplett asphaltiert, kommen wir auf dem Highway gut voran und stoppen erst für etwas längere Zeit an den Liard Hotsprings. Diese heißen Quellen sind komplett erschlossen und über hölzerne Laufstege bequem zu erreichen. Da es uns hier gut gefällt, quartieren wir uns auf dem dazugehörenden Campground ein und können uns somit in die Fluten stürzen, wann immer uns der Sinn danach steht.

In einem der seltenen Momente zu denen wir mal nicht im Wasser herumliegen, hören wir deutsche Töne vor Monster und schauen mal vorsichtig um die Ecke. Vor uns stehen Katrin und Roland mit ihren Fahrrädern. Die beiden wollen tatsächlich die komplette Panamericana bis hinunter nach Feuerland fahren und nachdem wir feststellen, dass die beiden einige Jahre in Indien gelebt haben, gibt es natürlich jede Menge Gesprächsstoff.

Beim nächsten Etappenziel, Watson Lake, kennen wir uns bereits aus und so halten wir uns am Schilderwald gar nicht lange auf, sondern besuchen stattdessen Kai, den wir in Mexiko kennengelernt haben. Kai lebt eigentlich in einer Hütte einsam an einem See und arbeitet in den Sommermonaten bei der Feuerwehr hier in Watson Lake. Interessant ist auch sein Heimweg. Zunächst fährt er 160 km Schotterpiste zum Abstellplatz seines Bootes und von dort noch 2 Stunden über den Fluss bis zu seinem Heim. Wen wundert es da, dass er die Sommer- und Arbeitsmonate einfach in seinem Wohnwagen in Watson Lake verbringt. Wir halten ein kurzes Pläuschen an seiner Wirkungsstätte und verabreden uns für abends am Lagerfeuer bei „uns“.

Weiter geht die Fahrt bereits am nächsten Morgen und wir entscheiden uns ein weiteres Mal für die unbefestigte Strecke über Ross River nach Carmacks. 4 Tage tummeln wir uns in der einsamen Landschaft und haben so manche wunderschöne Tierbegegnung. Im Gegensatz zur Fahrt im letzten Jahr, sehen wir täglich mehrere Bären. Nicht so ganz einig sind wir uns bei dem folgenden Tier:

 

Ganz gemütlich schaukeln wir Dawson City entgegen, als Monster ein immer wiederkehrendes, klackerndes Geräusch von sich gibt. Was ist das? Um es herauszufinden, halten wir an und schon wird es klar, Plattfuss Nr. ungezählt. Aber wie merkwürdig sieht der denn aus? Ungewöhnlicher Weise tut sich ein Riss in der Flanke des Reifens auf. Wie ist der denn dort hineingekommen? Wir können uns nicht erinnern, irgendetwas gerammt zu haben oder sollte irgendein Bösewicht zugeschlagen bzw. geschnitten haben? Wir wissen es nicht, aber was wir mit Bestimmtheit wissen: es kommt Arbeit auf uns zu! Kaum haben wir damit begonnen, tut sich das nächste Problem auf. Wir haben unser Schlauchboot seit Mexiko auf dem Dach deponiert, nur leider derart, dass wir den Kran, den wir zum Heben und Senken der Ersatzreifen benötigen, nicht mehr in seine Halterung schieben können. Hm, runter geht ja noch, einfach fallen lassen, aber wie kriegen wir das 150 kg schwere Biest dann wieder nach oben? Nichts genaues weiß man nicht, wir probieren es mit allen möglichen Mitteln, aber haben einfach keine Chance. Wie üblich hält natürlich niemand an, eine geschlagene halbe Stunde versuche ich erfolglos jemanden zu stoppen, also muss Plan B her. Wir klappen die Leiter zum Wohnraum aus und versuchen nun, den defekten Reifen irgendwie dort hinauf zu rollen. Wir geben alles, als wir fast oben angekommen sind, hält dann doch noch ein Geländewagen. Die beiden Goldgräber mit ihren muskelbepackten Oberarmen sind genau die richtigen für uns und endlich kann der Reifen wieder an seinen angestammten Platz befördert werden. Uff, wir sind geschafft und freuen uns auf ein kühles Bier in „Diamond Tooth Gerties“ Kasino.

Wie schon so oft in einer solchen Situation, bleibt es nicht bei einem Bierchen. In netter Gesellschaft, beim Zocken und Quatschen, vergeht die Zeit, doch der Durst bleibt und schon sind wir am nächsten Morgen nicht gerade ein „früher Vogel“. Immerhin noch zeitig genug, um Wäsche zu waschen und ein Plätzchen auf dem gegenüberliegenden Yukon River Camground zu finden. Dort treffen wir auch unsere Kumpanen von gestern Nacht wieder und wir beschließen es am Abend nochmals gemeinsam zu versuchen. Nein, nein...es wird weder gezockt noch getrunken, ganz gepflegt kehren wir in einem schweizerischen Restaurant ein. Und wen sehen wir dort? Einen der, aus Funk und Fernsehen, bekannten Goldgräber samt angetrauter Gattin. Leider bin ich in diesen Programmen nicht so bewandert, dass ich seinen Namen wüsste, aber immerhin erkannt...

 

Frisch ausgeschlafen und topfit, hält uns am nächsten Morgen nichts mehr in Dawson, kurz noch zum Reifendienst und dann sind wir auch schon wieder on the road. Schließlich wartet Alaska auf uns.