Kalifornien: März 2015

Bei ziemlich stürmischem Wetter nehmen wir die letzten Kilometer bis zur Grenze in Tecate unter die Räder. In Ensenada versuchen wir unsere letzten Pesos unter die Leute zu bringen und fahren heute noch bis zu einer ehemaligen Schule für Taubstumme, wo man wunderbar in der Nähe der Route übernachten kann. Durch wunderschöne Bergwelt schaffen wir am nächsten Morgen die restlichen Meter bis nach Tecate auch noch völlig problemlos, aber dann geht’s los. Zwar wissen wir genau, wo wir nach Mexiko hereingekommen sind und auch das GPS führt uns dorthin, aber hier kommt man eben nur hinein, jedoch nicht mehr hinaus. Das fängt ja gut an! Da machen wir uns Gedanken über Nettigkeiten, die die Amis evt. für uns bereithalten und wir Döspaddel können den Grenzübergang erst gar nicht finden. Da hilft nur fragen und ein freundlicher Grenzer schickt uns sogleich 4 Blocks nach Osten. Was er uns nicht verrät, ist, dass diese Straße immer schmaler und schmaler wird und zu allem Überfluss noch rechts und links Autos geparkt sind. Wir kommen uns vor wie in Indien, Millimeterarbeit ist gefragt. Nach 4 Blocks biegen wir erleichtert nach links ab und stehen 100 m weiter vor dem nächsten Hindernis. Die Straße ist blockiert, zwar sehen wir vor unserer Nase die Schlange der Fahrzeuge, die die Grenze überqueren wollen, aber hier können wir uns definitiv nicht einreihen. Also rückwärts im Kriechgang und weitere Blocks nach Osten. Zu unserer Erleichterung erscheint endlich ein Schild, das auf den Grenzübergang hinweist. Puh, wie soll nur der Übergang erst werden, wenn der Tag schon so anfängt?

Am Ende war die ganze Aufregung umsonst. Zwar bewaffnet sich die Grenzbeamtin mit giftgrünen Handschuhen und einem ebensolchen Gesichtsausdruck, aber dann begrüßt sie uns durchaus freundlich. Woher, wohin? Ach, euer Visum ist ja noch gültig und schon sind wir wieder drin. Jetzt muss nur noch Monster dran glauben, einige Restscheiben Salami wechseln den Besitzer (die Einfuhr von Fleisch in jeglicher Form ist nämlich nicht gestattet) und weiter geht die Fahrt. An einer Wechselstube tauschen wir die allerletzten Pesos in Dollar zurück, und das erstaunlicher Weise ohne jegliche Gebühren zu einem echt guten Kurs.

Wir steuern einen der größten US-amerikanischen State Parks außerhalb Alaskas, den Anza-Borrego Desert S.P. an. und schlagen uns dort in die Büsche. Erfreulicher Weise ist hier nämlich freies Campen überall erlaubt, sofern man einen 30 m großen Abstand zu Gewässern und Straßen einhält.

Wo wir in dieser Wüste allerdings Gewässer finden sollen, erschließt sich uns zum Glück erst nach 2 Tagen. Es beginnt doch tatsächlich zu regnen wie aus Kübeln und die Temperaturen sinken in Richtung Gefrierpunkt. Na toll, sollte Wüste nicht eigentlich schön trocken und heiß sein?

Das schlechte Wetter bleibt uns auch weiterhin erhalten und anstatt zu wandern fahren wir stetig weiter.

Mojave National Preserve und Joshua Tree Nationalpark fallen sozusagen ins Wasser, lediglich kurze Spaziergänge zwischen den Regengüssen sind möglich. Erst kurz vor dem Death Valley reißt der Himmel wieder auf und wir haben das Vergnügen uns mit tausenden wild gewordenen Amerikanern, denn wir bewegen uns auf BLM Land. Dieses Land ist öffentlich, überall darf wild gecampt werden und auch das Fahren mit sog. „Offroad Vehikeln“ ist gestattet. Das hat zur Folge, dass am Wochenende halb Amerika mit Quads oder Mopeds durch den Wüstensand düst. Wir haben dennoch ein bisschen zweifelhaftes Glück, denn am Samstag beginnt es zu wehen und innerhalb kürzester Zeit sieht man vor lauter Sand die Hand vor Augen nicht mehr.

Das Death Valley, schon der Name ist Programm. In meiner Phantasie tun sich Bilder von einer gnadenlosen, toten Gegend auf und so bin ich angenehm überrascht, als wir das „Tal des Todes“ erreichen. Die Landschaft besteht aus zahlreichen Canyons, Bergen und Salzwüsten und jetzt im Frühling blühen überall die Wildblumen. Auch hier darf in gebührendem Abstand zur Straße kostenlos campiert werden, ein Angebot das uns sehr entgegenkommt. Es gefällt uns so gut in diesem Park der Superlative, dass wir gleich 4 Tage bleiben

Im Death Valley gibt es im Sommer die landesweit höchsten Temperaturen (57°C) und den tiefsten Punkt, der 86 m unter dem Meeresspiegel liegt. Momentan sind die Temperaturen aber noch sehr erträglich, so dass wir die Gegend bei zahlreichen Wanderungen erkunden können.

Ausgerechnet am Wochenende verlassen wir diese schöne Stätte und reihen uns stattdessen in die lange Schlange der Besucher des Red Rock Canyons ein. Der dazugehörige Campground platzt aus allen Nähten und nur weil Monster so lieb lächelt, bekommen wir noch einen Platz, der eigentlich für einen Platzwart reserviert ist. Was wir nämlich nicht wissen, auf dem Las Vegas Speedway findet ein Nascar Rennen statt und die Stadt ist gerappelt voll. Am nächsten Morgen juckeln wir folglich mit hunderten anderen Fahrzeugen im Konvoi durch den Canyon, der im Übrigen deutlich mehr einem Tal als einer Schlucht gleicht. Auch den Rundwanderweg zu den Calico Tanks absolvieren wir im Konvoi, wobei uns manchmal Zweifel kommen, ob man diesen Weg überhaupt als Wander- und nicht besser als Kletterweg bezeichnen sollte.

 

Jedenfalls wird man am Ende mit einer tollen Aussicht auf Vegas belohnt und Bewegung hat bekanntlich noch niemandem geschadet.

Alles in allem eine blöde Planung, aber wir wollen schließlich am Montag in der Stadt sein um nach einem Unterstellplatz für unser Schätzchen zu suchen, denn das darf bekanntlich nicht mit nach Hause.

Die 30 Kilometer bis „Sin City“ lassen sich zunächst ganz gemütlich an, doch als wir als 1. Ziel den Norden der Stadt ansteuern, sehen wir anstatt Glitzer und Glamour erst einmal das Gegenteil. Hier haben Kirchen und Hilfsorganisationen ihre Quartiere, statt für Tickets zu den Shows stehen die Menschen hier für ein Essen, ein Bett oder auch nur für eine Dusche an. Vor dem Eingang der katholischen Wohlfahrt campieren Männer und Frauen in zerlumpten Klamotten und so mancher schiebt sein weniges Hab und Gut im Einkaufwagen mit sich herum. Ob hier der richtige Aufenthaltsort für Monster ist? Wider Erwarten macht der Storage einen sehr guten Eindruck, doch eine Anreise von mindestens 1.5 Std. bis zum Flughafen ist uns dann doch etwas weit. Also geht die Suche weiter und wir landen am Ende bei Laura und Kevin vom Storage West-Eastern. Die beiden sind total nett, der Preis ist zwar etwas höher, aber im Gegenzug haben wir nur eine 15-minütige Taxifahrt zum Airport und bekommen obendrein 1 Woche Unterstellplatz geschenkt. Uff, das ging aber jetzt doch schneller als gedacht, da haben wir ja den Rest der Woche frei!!

Wir machen uns auf die Suche nach einem Campingplatz. Mitten in der Stadt, am Ende vom Strip gab es früher den bekannten und sau-teuren KOA Camping, der inzwischen aber kein KOA mehr, sondern direkt dem Circus Circus Kasino angeschlossen ist. Eben diesen wollen wir uns heute wenigstens mal anschauen und irgendwann in den nächsten Tagen evt. hierher übersiedeln damit wir ungehemmt dem Nachtleben frönen können. Der Camping ist im Grunde genommen ein asphaltierter Parkplatz, hat 4 sog. „no-hookup“ Plätze, die deutlich günstiger als die anderen sind, über Wasser und Strom verfügen, aber keinen Abfluss haben. Aber wer braucht schon einen Abfluss? Während ich mich an der Rezeption über die Gegebenheiten informiere, trifft Juppi auf Anita und Roger mit ihrem Mogli. Quassel, quassel...kennen wir uns nicht? Aber ja, wir haben uns im vorigen Jahr über gemeinsame Bekannte auf der Allradmesse in Bad Kissingen kennengelernt. Schnell ist klar, das passt mit uns vieren und wir versprechen am nächsten Tag hierher umzusiedeln. Gesagt, getan und prompt den ganzen Tag mit Quatscherei vertrödelt.

Am Abend stürzen wir uns ins Nachtleben und kriegen den Mund nicht mehr zu von dem ganzen Geblinke und Geklimpere. Ständig ist irgendwo etwas los, sei es ein Vulkanausbruch oder einfach nur tanzende Wasserfontänen mit Musikbegleitung, wir können an einem Tag durch Venedig, Paris oder New York schlendern.  

Der Rest der Woche vergeht wie im Fluge, ehe wir uns versehen sind wir bereits unterwegs zu Laura und Kevin vom Storage. Trotz Sonntag sind die beiden da, holen uns und unser Gepäck persönlich mit einem Golfkarren am Abstellplatz ab und rufen sogar ein Taxi für uns. Welches natürlich prompt nicht erscheint! Aber auch das ist kein Problem, denn jetzt bekommen wir sogar noch einen kostenlosen Flughafenservice von den beiden. Nochmals herzlichen Dank an dieser Stelle.