Alaska: Juni/Juli 2016

Ein weiteres Mal fahren wir über den „Top of the world“ Highway in Richtung Grenze zu Alaska und abermals ist der Übergang ein Kinderspiel. Ratzfatz bekommen wir einen netten Elchstempel in den Pass gedrückt und schon sind wir wieder in die Staaten eingereist. Im Gegensatz zum letzten Mal legen wir einen Zwischenstopp in Chicken ein und verspeisten den viel gelobten Apfelkuchen bevor es am nächsten Morgen weitergeht. Wir fahren in Richtung Fairbanks, denn wir wollen nun tatsächlich den Dalton Highway hinauf zur Prudhoe Bay in Angriff nehmen.

Zuvor soll jedoch ein neuer Reservereifen her. So einfach wie gedacht, ist das aber nun doch nicht. Die Jungs vom Reifendienst sind zwar sehr nett und bemüht, aber die genannte Preisklasse entspricht absolut nicht unserer Vorstellung und eine Wartezeit von 3 Wochen für einen günstigeren Reifen schon erst gar nicht. Dann machen wir es eben mit nur einem Reservereifen. Doch irgendwie scheint unser Plan nicht unter einem guten Stern zu stehen. Die Strecke ist in einem echt schlechten Zustand und Monster ist auch merkwürdig zickig. Aus unerfindlichen Gründen hält er plötzlich das Standgas nicht mehr. Wir suchen uns also einen Übernachtungs- und Reparaturplatz und beginnen am nächsten Morgen mit der Suche nach der Ursache. Es wird eine endlose Fummelei und am Ende muss Jupp MacGyver mal wieder zuschlagen und in die Trickkiste greifen. Am Gaszug hat sich ein Haltegummi in Wohlgefallen aufgelöst und wird nun von einem Stückchen ehemaligem Reifenschlauch ersetzt.

Eigentlich ist nun alles wieder gut, aber ich habe einfach ein blödes Gefühl im Bauch für diese Strecke. Wir überlegen hin und her, doch zum Schluss entscheiden wir zu Gunsten unserer immer noch währenden Abmachung: sollte sich einer von uns irgendwo oder bei irgendeiner Sache nicht wohlfühlen, fahren wir weiter bzw. brechen ab, ohne weitere Diskussion. Die logische Folge: wir kehren um und fahren vorbei am Denali Nationalpark und einem, wie üblich, unsichtbaren Mount Mc Kinnley. Statt einer unlustigen Busfahrt im Nationalpark, ziehen wir eine Fahrt auf den Denali Highway vor. Bereits nach wenigen Kilometern fangen wir jedoch auch hier an uns etwas zu wundern. Wo sind denn die Tiere, die wir im vorigen Jahr noch gesehen haben? Kein Moose, kein Caribou, noch nicht einmal ein einsames Kaninchen kreuzt unseren Weg, aber dafür sehen wir in regelmäßigen Abständen Wagenburgen, die einfach so in der Gegend herumstehen. 3 bis 5 sehr große Wohnmobile sind im Kreis aufgebaut und vor jedem steht mindestens 1 Quad herum. Das sind diese 4 rädrigen, motorradartigen Gefährte für die älteren Semester. Mit diesen Teilen düsen die Jungs in den frühen Morgenstunden durch die Pampe und ballern alles ab was ihnen vor die Flinte kommt. Da wundert es einen nicht, dass weit und breit kein Wild mehr zu sehen ist. Selbst die Einheimischen finden es inzwischen komisch...

Am Klutina Fluss treffen wir Hannelore und Dieter wieder einmal und bleiben gleich mal eine Woche neben den beiden stehen. Zwar sind die Lachse noch nicht so richtig in Wanderlaune, aber mit den beiden gibt es immer Gesprächsstoff und der ein oder andere Lachs findet auch noch den Weg in unseren Kühlschrank.

Über Anchorage erreichen wir unser vorläufiges Ziel, die Anglerhütte von Ilona und Klaus in Sterling. Auch hier vergeht die Zeit mit den Lachsen wie im Fluge und ehe wir uns versehen, ist bereits der 4. Juli. Das ist der Nationalfeiertag der USA und in jedem Ort, der was auf sich hält, findet eine Parade statt. Wir haben uns für dieses Erlebnis das kleine Städtchen Kenai ausgesucht, wo es um 13.00 Uhr losgehen soll. Ganz erwartungsvoll finden wir uns pünktlich an der Hauptstraße ein. Zuerst kommt wie üblich die Polizei, dicht gefolgt von der Küstenwache. Selbstverständlich sind alle in ihre Paradeuniform gehüllt und auch die Kinder führen ihr letztes Halloweenkostüm vor. Zwischendurch immer mal wieder einer der örtlichen Politiker, die fleißig Papierfähnchen und Plastikhütchen verteilen. Die obligatorischen Sticker dürfen natürlich auch nicht fehlen. Auch der Harleyclub gibt sich die Ehre und die ersten Rollstuhlfahrer sind ihm dicht auf den Fersen. Diese scheinen dem Altersheim gerade entsprungen, denn es folgen 3 Oldtimer, in denen einige ältere Herrschaften festgeschnallt sind. Der ein oder andere hebt schwach die Hand zum Gruße, was von den anwesenden Zuschauern lautstark bejubelt wird. Geht`s noch?

Aber nicht nur diese seltsame Parade stimmt uns etwas nachdenklich, auch das folgende Erlebnis bei einem Reifendienst trägt dazu bei. Klaus hat einen Plattfuß an seinem Bootstrailer und trotz mehrfacher Reparaturen, verliert der schlauchlose Reifen immer wieder die Luft. Aus Kostengründen soll nun ein Schlauch in den eigentlich schlauchlosen Reifen eingezogen werden und wir machen uns mit dem defekten Reifen auf zum Reifendienst. Jupp betritt den Laden und befragt den Verkäufer, ob er einen Schlauch der entsprechenden Größe vorrätig hat und ob dieser auch montiert werden kann. Dieser bejaht und so kommen die beiden nach draußen, um den betreffenden Reifen herein zu holen. Als der Verkäufer den Reifen zu Gesicht bekommt, sagt der doch tatsächlich, dass er diesen nicht montieren könne, weil es sich um einen Autoreifen handelt. Ja und? Dieser ist doch auf einem Trailer montiert! Ja, aber das wisse er ja nicht, der Trailer sei ja gerade nicht hier und das Einziehen eines Schlauchs in einen Autoreifen sei nun mal verboten. Wie jetzt? War es nicht früher völlig normal, dass Schläuche in Autoreifen sind? Ja, das wisse er auch, aber so ist eben das Gesetz. Jow, was machen wir denn nun? Jupp verlässt den Laden und geht keine 2 Minuten später wieder herein. Derselbe Verkäufer, dasselbe Gespräch, nur mit dem kleinen Unterschied, dass Jupp nicht nach der Montage eines Schlauches fragt, sondern nur nach dem Schlauch. Diesen bekommt er anstandslos ausgehändigt und wir können unserer Wege ziehen. Dann machen wir die Montage eben alleine....die spinnen, die Amis...

 

Nach 3 Wochen bei Ilona und Klaus und nachdem das Wasser immer noch soo hoch, die Lachse nicht soo zahlreich und das Wetter auch nicht soo doll ist, entscheiden wir uns, langsam Richtung Las Vegas zu fahren und dabei noch einen Stopp auf Vancouver Island einzulegen. Auf dem Weg besuchen wir Hannelore und Dieter nochmals und starten vom Gulkana River endgültig. Weit kommen wir jedoch nicht, denn ich verdrehe mir beim Entleeren unserer Toilette gehörig den Rücken. Merkwürdigerweise hält der Schmerz jedoch nicht lange an und frohen Mutes fahren wir weiter. Im Laufe der Fahrt kehrt der Schmerz aber leider zurück, es tut einfach höllenweh und am Ende liege ich in Monster auf dem Boden und kann mich nicht mehr bewegen. Jupp fährt wie der Teufel nach Tok, aber dort gibt es weder einen Arzt noch etwas ähnliches. Selbst der Bibliothekar verteufelt die ansässige Krankenstation und alternativ käme nur noch ein Chiropraktiker in Delta Junction in Frage. Aber der will partout nicht so lange in seiner Praxis bleiben bis wir dort wären. Also auf in Richtung Grenze, denn zwischendrin gibt es keine wirklichen Orte.