Texas: Dezember 2014

Houston- wir haben ein Problem! Wer kennt sie nicht, diese berühmten Worte, die damals im Kontrollzentrum der NASA empfangen wurden. Wir besichtigen das Space Center zwar dieses Mal nicht, aber nach fast 5 Jahren wandeln wir wieder auf altbekannten Spuren und müssen feststellen, dass sich, so wie eigentlich überall, auch die Gegend und die Menschen um Galveston verändert haben. Am beliebten Restaurant „The Spot“ bei dem wir 2010 völlig ungestört auf dem großen Parkplatz übernachten durften, werden wir heute zum 1. Mal auf dieser Reise nicht willkommen geheißen und auch überall sonst stehen große Schilder, die das Übernacht-Parken verbieten. Was soll's? Dann eben nicht mehr Galveston, ein Stückchen weiter ist es am Strand eh viel schöner, wenn da nur diese elenden Mücken nicht wären. Aber auch dieses Problem löst sich von selbst, denn es beginnt wieder einmal zu regnen und wer sitzt schon gerne draußen im Regen. Und so bleibt das Wetter auch die nächsten Tage, nix ist mit Sonne und Strand, wir biegen ab ins Landesinnere. Bandera heißt das Ziel, die selbsternannte Welt-Cowboy-Hauptstadt. Entgegen anders lautenden Vermutungen haben wir hier in Texas nämlich noch keinen einzigen leibhaftigen Cowboy gesehen. Geht ja gar nicht! Im dortigen Besucherzentrum erfahren wir zwar, dass ausgerechnet an diesem Samstag keine Revolverhelden durch die Stadt reiten werden, aber immerhin wird in mehreren Saloons Countrymusik live gespielt. Nachdem uns die freundliche Mitarbeiterin der Touristeninformation noch einen Stellplatz vor ihrer Garage anbietet, haben wir fast alles im Döschen. Also auf ins Getümmel, zuvor müssen wir jedoch für eine gute Unterlage sorgen.

Im besten Haus am Platze (oder war es vielleicht das einzige, das geöffnet war?) futtern wir nach Cowboy Art geschmortes Fleisch mit, ja genau, Bohnen und bekommen einen ersten Eindruck der scheint's etwas skurilen Mentalität der Einheimischen.

Aber es kommt noch besser, in einer der urigen Honky-Tonk-Bars hat ein junger Mann sein Schwein passend zur Weihnachtszeit gedresst und nun hierher zum Tanze ausgeführt. Allein das Schwein scheint nicht in Stimmung und putzt stattdessen lieber den Fußboden. Ich glaub' mein Schwein pfeift...die spinnen, die Cowboys...

Nach soviel Rämmi-Dämmi kommen uns die Geisterstädte rund um den Big Bend Nationalpark gerade recht, denn irgendwie verbinden wir diese staubigen Stätten mit Sonnenschein und somit Wärme. Also nix wie hin, doch so schnell schießen die Preußen nicht, denn um den Nationalpark zu erreichen, müssen wir einen ziemlichen Schlenker entlang der mexikanischen Grenze fahren. Die Amis sind ja bekanntlich nicht soo begeistert von Mexiko und den Mexikanern, daher ist es nicht verwunderlich, dass es entlang der Straße zahlreiche Kontrollpunkte, die sog. Border Control gibt. Riesige Anlagen, in beide Richtungen Kameraüberwacht und ausnahmslos jeder wird kontrolliert. Bei uns führt es sogar so weit, dass wir unsere Pässe und das Einreisevisum vorweisen müssen, wobei die ganze Kontrolle absolut korrekt und freundlich durchgeführt wird. Was uns allerdings etwas wundert, ist eine Schotterpiste vom Feinsten, die neben der geteerten Straße und dem Grenzzaun verläuft und das kilometerlang. Was soll das? Doch dann sehen wir es, denn ein Auto der Border Control fährt ganz langsam über diese Piste und zieht über die ganze Breite an einer Kette alte Autoreifen hinter sich her. Hach, der Amerikaner an sich ist ja nicht dumm und denkt sich folglich, wenn nun ein Mexikaner illegal über den Grenzzaun klettert und über diese Piste latscht, dann sieht man bei der nächsten Kontrolle dessen Fußspuren und weiß nun, dass man suchen muss. Wir erreichen den Big Bend Nationalpark trotzdem völlig unversehrt und verbringen 1 wunderschöne Woche. Monster fühlt sich auf der River Road mal wieder in seinem Element und auch für uns gibt es reichliche Wandermöglichkeiten.

Allein die Temperaturen lassen mal wieder zu wünschen übrig, zwar können die Bodentemperaturen im Sommer über 80°C ansteigen, aber dass diese zum jetzigen Zeitpunkt nachts auf -11°C fallen, dass hat uns natürlich niemand gesagt, von wegen Mexiko und warm! Doch stopp, so ganz richtig ist das ja auch nicht, denn zwischen uns und Mexiko liegt ja immerhin noch der Rio Grande. Rio Grande, welch ein Name! Schade, dass dieser keineswegs zu diesem braunen Bächlein passt, das sich hier durch die Berge windet und vermutlich keinen Mexikaner davon abhalten kann die Grenze illegal zu queren.

Nach soviel körperlicher Ertüchtigung sollten wir uns auch was gönnen, gell? Das Cattleman's Steakhouse in der Nähe von El Paso erscheint uns da genau richtig. Mit der Vorstellung, einen romantischen Abend in einem gemütlichen kleinen Steakhouse bei Kerzenschein zu verbringen, düsen wir los und erreichen die angestrebte Stätte gerade vor Einbruch der Dunkelheit. Aber was ist hier denn los? Lange Autoschlangen quälen sich die Einfahrt hinauf und enden auf einem, oder sollte ich besser sagen mehreren, riesenhaften Parkplätzen. Unser kleines Steakhouse entpuppt sich als Fleischfabrik ungeahnten Ausmaßes und vor und in dem Restaurant warten hunderte von Menschen auf Nahrung. Ist hier etwa zwischenzeitlich eine Hungersnot ausgebrochen oder ist das normal? Wir arbeiten uns vor bis zur Reservierungszentrale und bekommen gerade noch mit, wie unserem Vordermann eine Wartezeit von 2.5- 3 Stunden offeriert wird. Wie bitte? Da werden wir wohl hungrig ins Bett müssen! Doch irgendwie haben wir Glück, vielleicht weil wir nur zu Zweit sind, kommen wir mit einer Wartezeit von 30 Minuten davon und wollen diese derweil an der Bar verbringen. Diese Idee hatten die anderen aber auch schon und so reihen wir uns in die nächste Schlage. Gerade haben wir es bis zur Bar geschafft und wollen unsere Bestellung durchgeben, da werden unsere Namen aufgerufen und schwupps, finden wir uns an einem Tisch wieder. Von da an geht alles Schlag auf Schlag, für Romantik bleibt wenig Zeit und so geben wir uns damit zufrieden unserem Tischnachbarn beim Essen zu zuschauen. Und der kann es vielleicht! Haben wir kurz gedacht, sein Hauptgericht wäre eine Portion Spare-Rips, werden wir eines Besseren belehrt, denn das war nur die Vorspeise. Das Hauptgericht ist natürlich ein Steak, was auch sonst.

Weiter geht die Fahrt zur City of Rocks. Das ist nicht etwa eine Stadt wie man aufgrund des Namens vermuten könnte, sondern ein Statepark in einer wunderschönen Gegend. Die ganze Landschaft schaut aus, als hätte eine Riese mit ebensolchen, runden Steinen um sich geworfen und genau zwischen diesen Gesteinsformationen kann man erstklassig campen. Leider ist es auch hier schnatterkalt und ein Lagerfeuer fällt dem eisigen Wind anheim.

Nun beschließen wir endgültig so schnell als möglich in wärme Gefilde zu düsen, die Baja California soll das Ziel sein. Aus diesem Grunde wollen wir unsere Vorräte in jeglicher Form nochmals auffüllen und landen an einem Sonntagmorgen in einem Walmart irgendwo in Arizona. Der Sonntag scheint hier ein ganz besonderer Tag zu sein, denn die alkoholische Abteilung ist mit einer Kette abgetrennt an der an Schild mit dem Hinweis, dass am Sonntag Alkohol erst ab 12.00 Uhr verkauft werden darf, hängt. So weit, so gut. Merkwürdig nur, dass sich der Wein nicht hinter dieser Kette befindet, das Bier hingegen schon. Was schließen wir daraus? Je mehr Umdrehungen, desto weniger alkoholisches Getränk, oder wie? Die meisten Rotweine schlagen immerhin mit 13%, Biere dagegen nur mit 4,8% zu Buche. Verstehen muss man das nicht, aber die Geschichte geht noch weiter, denn wir wollen bezahlen und steuern die erstbeste Kasse an. Wir bauen unsere gesamte Beute auf dem Förderband auf, natürlich auch die Alkoholika. Ja, das geht jetzt aber gar nicht! Große Verwirrung auf unserer Seite, was haben wir denn falsch gemacht? Im Prinzip nichts, aber wir haben den kleinen Sticker an der Brust des Kassierers nicht gesehen, der besagt, dass dieser Knabe noch keine 21 Jahre alt ist und somit keine Alkoholika kassieren darf. Ob man bereits einen Schaden davonträgt wenn man nur schon die Flaschen berührt? Scheint so, wir müssen unseren ganzen Rummel jedenfalls wieder einpacken. Bevor wir nun wieder an einen jungen Kassierer geraten gehen wir zu einem dieser Automaten, an denen man sein Zeugs selbst einscannt und anschließend mit der Kreditkarte bezahlt. Frohen Mutes scannen wir die ersten Artikel ein und ernten ein Piepsen vom Automaten. Was will der denn jetzt von uns? Wir schauen auf das Display, der Automat fragt ob wir eine Tüte haben möchten. Nein, möchten wir nicht, also weiter. Ob ihr es jetzt glaubt oder nicht, dieser Automat fragt uns das doch tatsächlich nach jedem Artikel, den wir einscannen. Bereits leicht angenervt folgt die 1. Flasche Wein und schon erfüllt ein durchdringendes Klingeln den Supermarkt. Huch, was haben wir jetzt schon wieder falsch gemacht? Noch verwirrter als ohnehin schon, sehen wir eine ungefähr 85jährige, gehbehinderte Kassiererin auf uns zu schlurfen und was begehrt sie zu sehen? Unsere ID sprich einen Ausweis, dass wir älter sind als 21 Jahre...

Na, am Ende haben wir es doch noch geschafft und fahren wieder los um auch Monster mit Sprit zu versorgen. Hier im Amiland ist es so, dass man entweder mit der Kreditkarte direkt an der Zapfsäule bezahlt oder vorher zur Kasse geht und den Betrag bar bezahlt, den man tanken möchte. Ich trabe also ins Gebäude und sage dem Tankwart, dass ich gerne 130 Gallonen Diesel haben möchte. Oh, oh grober Fehler, denn der Typ weiß den Dieselpreis nicht, also geht er erst einmal vor die Türe und schaut auf einer Zapfsäule nach. Soweit so gut, aber jetzt muss er ja auch noch rechnen wie teuer 130 Gallonen sind. Der Taschenrechner wird hervorgeholt und der gute beginnt darauf herum zu tippen. Eigentlich ein einfaches Unterfangen, 130 x 2,89 = 375,70, doch dieser Kerl tippt und tippt und tippt. Nach 2 Minuten kommt das Ergebnis: 665,00 $! Bei meinem Gesichtsausdruck weiß er gleich, das kann so nicht stimmen und beginnt nochmals von vorne. Tipp, tipp, tipp, 2. Ergebnis: 454,00 $. Kopfschütteln auf meiner Seite = 3. Versuch seinerseits. tipp, tipp, tipp, doch dieses Mal schaut er mich mit schief gelegtem Kopf an und sagt fragend: 421,00$? Oh no, ich glaub's nicht! Daraufhin lässt er mich unversehens stehen und verschwindet in einem Nebenraum. Ich weiß nicht, was dort geschieht, aber jedenfalls taucht er nach weiteren 3 Minuten freudestrahlend wieder auf und nennt mir doch tatsächlich den richtigen Betrag.

Für heute sehen wir von weiteren Einkäufen ab, womöglich schaffen wir es sonst nie bis Mexiko.