New Brunswick/Québec: Sept./Oktober 2014

Auf dem Weg nach Caribou gelingt es uns endlich Ersatzteile für unseren defekten Wassertank zu finden und wir beschließen uns auf dem Munroes Island Provincial Park einzumieten. Dort können wir in aller Ruhe schrauben und auch direkt Wasser aufnehmen um zu schauen, ob alles wieder dicht ist.

Über Pugwash verlassen wir Nova Scotia und erreichen New Brunswick, das von so manchem Kanadier scherzhaft „drive-thru province“, also Durchfahrtsprovinz genannt wird, denn die meisten Besucher fahren recht schnell weiter zu den bekannteren Nachbarprovinzen. Wir wollen uns einige Zeit aufhalten und steuern zunächst Moncton an. Für die bekannte Gezeitenwelle sind wir heute schon zu spät, aber einen Vergnügungspark gibt es ja schließlich auch noch. Auf dem „Magnetic Hill“ scheint die Schwerkraft auf den Kopf gestellt, selbst Monster wird davon ergriffen. Wie von Geisterhand werden seine 8,5 T vom Fuße eines Hügels den Berg hinaufgezogen und wir sitzen drinnen und amüsieren uns über das alberne Spektakel. Die 2. Attraktion des Ortes bewundern wir am nächsten Morgen. Rein theoretisch strömt die einlaufende Flut als eine große Welle in den Petitcodiac Fluss und soll sich dabei zu einer Höhe von 1 m auftürmen, aber wie schon gesagt, rein theoretisch. Heute jedenfalls rollt nur eine kleine Schlammlawine den Fluss entlang, auf der sich jedoch ein Surfer bewegt und somit ist das Ganze nicht ganz so langweilig.

Wir schauen uns das wilde Cap Enrage an und durchwandern tagelang den Fundy N.P., leider auch

 

dieses Mal wieder ohne nennenswerte Tiersichtungen, aber als Entschädigung bei strahlendem Sonnenschein. 

Langsam hält der Indian Summer Einzug und die Blätter färben sich leuchtend rot. Ein Phänomen, das durch die einströmende kalte Polarluft hervorgerufen wird, denn während der Stamm der Bäume sich auf den Winterschlaf vorbereitet, sorgt die starke Sonneneinstrahlung im Altweibersommer dafür, dass die Blätter quasi Frühlingsgefühle entwickeln. Damit nun der Baum nicht völlig vertrocknet, schneidet er die Verbindung zu seinen Blättern ab und diese beginnen sich zu verfärben.

 

 

In Miramichi steht für Jupp mal wieder ein Friseurtermin an. Ein Barbershop mit bunter Lichtreklame macht einen recht vertrauenerweckenden Eindruck und die ältere Dame preist auch sogleich ihre 44jährige Berufserfahrung an. Nach einer kleinen Pause, ihr schmerzt das Knie, wird Jupp auf einen altertümlichen Stuhl verfrachtet und die Friseuse packt eine Art Mähwerk aus, mit dem sie nun wie wild über Jupps Kopf hin und her fährt. Mich lässt diese Technik eher an eine Schafschur denken, womöglich hat sie darin 44 Jahre Erfahrung? Nun wie dem auch sei, nachdem unten rundum alles abgeschoren ist, stoppt sie abrupt in ihrer Tätigkeit, kramt eine Tube Pomade heraus und bearbeitet mit dem Inhalt Jupps Deckhaar. Das hat zur Folge, dass sich dieses steil aufrichtet und Jupp nun ausschaut, als ob er mit dem Finger in der Steckdose steckt. Der arme Kerl muss tatsächlich 2 mal bitten, bevor sie sich dazu herablässt, das Deckhaar doch noch ein wenig zu schneiden. Anschließend kommt wieder die Pomade zum Einsatz und das wenige verbliebene Haar wird senkrecht nach oben gestylt. Ich kann mir ein Lachen kaum noch verkneifen, lediglich der seltsame Geruch der von meinem Göttergatten ausgeht und entfernt an Marke „südafrikanische Wanderhure“ erinnert, lässt meine Gesichtszüge erstarren. Naja, um unsere Leser nicht zu verschrecken haben wir von einem Foto abgesehen und der einzige Trost bei dieser ganzen Geschichte ist wohl, dass der nächste Friseurtermin vermutlich erst im Frühjahr nächsten Jahres fällig wird.

 

Bekanntermaßen meiden wir im Allgemeinen ja die Großstädte, aber Québec, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, ist mit seiner Altstadt aus dem 17. und 18. Jahrhundert ein Muss. Gleich gegenüber, am Fähranleger in Levis finden wir einen Parkplatz auf dem wir auch über Nacht stehen bleiben können und planen somit unsere Stadtbesichtigung für den nächsten Morgen. Gleich beim Erwachen können wir einen Blick auf das berühmte Hotel Chateau Frontenac werden und staunen nicht schlecht als sich uns folgendes Bild bietet:

Da liegt doch tatsächlich unsere deutsche Aida vor Anker. Dementsprechend wimmelt es in der Stadt von unseren Landsleuten und wir hören so manche deutschen Töne, unsere Stadtbesichtigung per Pedes findet dennoch in englischer Sprache statt. Führer Jean macht einen erstklassigen Job, witzig, informativ und vor allem mit lauter Stimme zeigt er uns fast 3 Stunden lang die verschiedenen Highlights der Stadt, so dass es trotz eiskaltem Wind und leichtem Nieselregen Spaß macht. Ziemlich durchgefroren kehren wir zu Monster zurück und winken der Aida zum Abschied nochmals nach.

 

Am nächsten Morgen geht es mir nicht so gut, der Husten, der mich bereits seit einigen Tagen plagt, hat sich verschlimmert und zu allem Übel gesellt sich nun auch noch Fieber dazu. Wir beschließen dennoch weiterzufahren und können unterwegs sogar noch eine unserer Gasflaschen füllen. Gut so, denn durch das nötige abendliche Heizen ist unser Gasverbrauch doch drastisch angestiegen. Überhaupt ist es uns inzwischen deutlich zu kalt und so wollen wir einfach nur noch nach Süden und in wärmere Gefilde. Recht zügig geht es an Montréal vorbei und erst auf dem sog. 1000 Islands Parkway werden wir wieder etwas langsamer, denn es gilt eine Entscheidung zu treffen. Niagara Fälle ja oder nein bzw. dieses Jahr oder bei einer evt. Rückkehr im nächsten Jahr erst? Lange können wir uns nicht einigen, doch am Ende sorgen der anhaltende Regen und die kalten Temperaturen dafür, dass wir uns gegen die Fälle entscheiden. Bereits am nächsten Morgen biegen wir ungeplant ab und finden uns früher als gedacht am amerikanischen Zollgebäude wieder.