Halifax/Nova Scotia: 09.2014

Der erste Weg führt uns natürlich zu einem Supermarkt, in diesem Falle einem Sobey's. Die Shopping Mall ist so ähnlich aufgebaut wie wir es aus den USA kennen, nur die Preise innerhalb der Läden hauen uns ein wenig aus den Socken. Fleisch, Käse, Wurst und Gemüse sind deutlich teurer als in D., von Alkohol, egal in welcher Ausführung, wollen wir gar nicht erst sprechen. Da sind wir doch froh ein wenig geschmuggelt zu haben. Aufgrund der Preise fällt unser 1. Einkauf dann auch nicht so üppig aus, ein bisschen Fleisch und frisches Gemüse und das war's. Zum Eingewöhnen, aber vor allem um Monster wieder in seinen gewohnten Zustand zu versetzen, fahren wir auf die andere Seite der Stadt zu einem Campingplatz. Auch hier schlackern wir mit den Ohren, ein einfacher Platz ohne Strom und Wasser, kostet schlappe 39,00 CAD, was ungefähr 29,00 Euronen entspricht. Hui, da werden wir uns aber noch deutlich umgewöhnen müssen.

Wenigstens gibt es kostenloses WiFi dazu, zum Glück, denn wir erhalten eine Email von Marita und Uwe, die wir aus Südamerika kennen. Die beiden sind auf der anderen Seite von Nova Scotia, warten auf ihre Rückverschiffung nach Hause und wir würden uns natürlich vorher gerne nochmals wiedersehen.

Den restlichen Nachmittag wühlen wir uns durch Monster, räumen von rechts nach links und sind kurz vor Einbruch der Dunkelheit mit allem fertig. Schön, denn inzwischen hat sich ein Paar aus Österreich und eine Familie aus Deutschland neben uns eingefunden und es gilt Reste leer zu trinken und viel zu erzählen. Ganz nebenbei „erben“ wir übriggebliebene Lebensmittel, nochmals vielen Dank an dieser Stelle.

 

Nach einer ziemlich schattigen Nacht, das österreichische Mobil neben uns hat am Morgen sogar Rauhreif auf der Windschutzscheibe, beschließen wir unsere geplante Tour über die Lighthouse Route kurzerhand umzudrehen, denn auf diese Art und Weise können wir Marita und Uwe evt. irgendwo finden. Die beiden haben uns grob geschrieben wo sie sind und los geht es nach Scots Bay. Wir fahren Nebenstraßen, die zwar den Vorteil von wenig Verkehr haben, aber im Gegenzug auch ziemlich rumpelig sind. Dafür ist der 1. Eindruck der kanadischen Autofahrer sehr positiv, anscheinend fährt man hier sehr defensiv und umsichtig. Auch schön! Am frühen Nachmittag erreichen wir den winzigen Ort Scots Bay und schauen gleich mal beim ersten Picknickplatz um die Ecke. Und richtig, da steht der braune Bomber von Marita und Uwe, seines Zeichens ein alter Toyota Landcruiser.

 

 

 

Die Wiedersehensfreude ist groß und die nächsten beiden Tage gibt es viel zu reden und noch mehr Infos von den beiden Lieben. Schade, dass sich unsere Wege bereits am Montag wieder trennen, es war echt schön die beiden wiederzusehen.

 

 

 

Unserer führt uns Richtung Süden nach Annapolis Royal. Dort liegt das einzige Meerwasser-Gezeitenkraftwerk Nordamerikas, das den enormen Tidenhub der Bay of Fundy nutzt. Das Kraftwerk wurde 1984 als Prototyp gebaut und gewinnt auch heute noch Strom aus dem Gezeitenwechsel. Das alles erfahren wir bei einer Besichtigungstour, natürlich zünftig mit Schutzbrillen und einem gelben Schutzhelm versehen. Der ältere Herr, der das Besucherzentrum leitet, gerät bei Monsters Anblick schier aus dem Häuschen und stattet uns gleich mit einer ganzen Flut von Infos aus. Unter anderem so manche Empfehlung für schöne, freie Stellplätze auf Digby's Neck. Diese schmale Landzunge, die wie ein Finger in die Bay of Fundy ragt, ist ein Paradies für so manche Wal-Art, denn die starke Gezeitenströmung wirbelt jede Menge Plankton auf. Wir finden ein Plätzchen in Sandy Cove, wo wir zwar keinen einzigen Wal entdecken, aber die Einheimischen uns. Eine Lady ist so aufgeregt, dass sie sogleich wieder nach Hause düst um ihren Ehemann zu holen. Die beiden labern uns fast einen Knopf ans Ohr, aber gleichzeitig gibt es gute Tipps. U.a. den Hinweis auf eine Fischfabrik, die nur die Insider finden können und in der wir fangfrischen Haddock kaufen können. Ich habe keinen blassen Schimmer um welchen Fisch es sich handelt, aber wir haben selten einen leckeren gegessen.

 

Der nächste Morgen hüllt sich in Nebel, wir wagen trotzdem die gigantische Überfahrt nach Long Island. Keine Ahnung, was wir erwartet haben, jedenfalls nicht, dass wir 10 Minuten später schon wieder an Land sind. Nun gut, da bleibt ja noch genügend Zeit für eine kurze Wanderung zum Balancing Rock. Es soll sich um einen Rundwanderweg handeln, aber wir laufen nur über Bohlenstege und Schotter und am Ende über eine endlose Treppe hinab zu einer Aussichtsplattform. 

Dort scheint diese 7 m hohe Steinsäule über der Bucht zu schweben, wie unser Reiseführer so schön beschreibt, aber ob es am Nebel liegen mag, dass wir nicht sooo beeindruckt sind?

 

Der Nebel hindert uns auch an einer Weiterfahrt nach Brier Island. Dort sehen wir vermutlich genauso wenig wie hier, also suchen wir uns ein Plätzchen an der Küste. Siehe da, am Nachmittag reißt doch tatsächlich der Himmel auf, die Sonne kommt hervor und wir erleben einen wunderschönen Sonnenuntergang. Leider lassen die Wale immer noch auf sich warten, aber dafür sehen wir zahlreiche Schlauchboote von ihrer „Whale Watching Tour“ zurückkehren, deren Mitfahrer in ordentlich warme Klamotten gehüllt sind. Beim Einbruch der Dunkelheit geben wir unseren Beobachtungsposten auf und ziehen uns in Monster zurück. Was passiert? Genau! Bei einem zufälligen Blick aus dem Fenster tummelt sich doch tatsächlich ein Finnwal quasi vor unserer Haustüre! Der hat doch extra so lange gewartet bis der Fotoapparat weg war, oder???

Zurück von der Insel, steuern wir Digby an. Da wir die alljährlich stattfindende Wharf Rat Rally, zu der mindestens 30.000 Motorradfahrer hierher kommen, um einige Tage verpasst haben, müssen wir mit dem Fischmarkt vorlieb nehmen. Aber der ist auch nicht schlecht, denn der kleine Ort ist das Mekka für Jacobsmuscheln schlechthin und weltweit der größte Stützpunkt für diese Art der Fischerei. Hmm, yummy...logisch, dass wir dort zuschlagen...

Und weiter geht’s, eigentlich Richtung Süden, aber wofür reisen wir denn individuell wenn wir nicht spontan bleiben und so drehen wir kurzerhand um und fahren in den Kejimkujik Nationalpark. Dort gibt es schöne Wanderwege und auch die Möglichkeit zum Kajakfahren. Ach ja, hatte ich schon erwähnt, dass wir davon keinen blassen Dunst haben? Wir wandern also zunächst mal zu Jack's Landing, wo auch für absolute Laien ein einfaches Terrain zu finden sein soll. Unterwegs latschen wir fast auf eine Schlange, Kategorie grün, schaukeln über eine Hängebrücke und finden dann die Kajaks ziemlich unstabil wie sie so auf dem Wasser dahindümpeln. Und überhaupt? Sieht es nicht nach Regen aus? Und spät ist es auch schon! Die Helden treten den Rückzug an und freuen sich auf ihr Lagerfeuer.

So kommt es, dass wir uns am nächsten Tag schon wieder in Annapolis Royal einfinden, nur dieses Mal schauen wir uns auch den gemütlichen Ort an, wandern an den Überresten der französischen Festung entlang und landen am Ende in einer deutschen Bäckerei. Wir können uns so grade noch gegen den Duft von Käsekuchen und Kirschplunder wehren, aber ein deutsches Graubrot? Da müssen wir doch zuschlagen. Leider kann uns die sächsische Bäckerin nur noch ein gefrorenes anbieten, aber das schaut eigentlich ganz gut aus, na ja, wie wir am nächsten Morgen wissen, war es nicht nur teuer, sondern auch nicht lecker...

 

Wir folgen der Küste und enden auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz in dem winzigen Kaff Belliveau Cove. Dort sehen wir direkt am Wasser einen großen Wohnwagentrailer geparkt und düsen, in der Annahme dort sei ein freier Stellplatz, dorthin. Ooops, nix frei, sondern Privatgelände! Dementsprechend schaut der Besitzer, der gerade mit 4 anderen Leuten vor seiner Türe steht, etwas irritiert, ein deutscher Truck fährt schließlich nicht alle Tage auf seinen Hof. Jupp also raus aus Monster und erst mal Smalltalk...ich warte...5 Minuten...10 Minuten...15 Minuten...es lohnt sich, denn wir dürfen direkt am Bootsanleger unser Lager aufschlagen. Und nicht nur das, einige Minuten später landet ein Fischer an und beschenkt uns mit 5 fangfrischen Makrelen. Ist das nicht toll? Zusammen mit Pierre, unserem Gastgeber, klönen wir noch eine ganze Weile und plötzlich fragt dieser uns, ob wir Lobster mögen. Welche Frage ist das denn? Pierre verschwindet in seinen Katakomben und keine 20 Minuten später serviert er uns die besten Lobster unseres Lebens.  

Es ist unglaublich, wie nett die Menschen hier sind.

 

Am nächsten Morgen regnet es leicht vor sich hin und wir wollen weiter. Bei der Verabschiedung von Pierre bedauert dieser, dass wir nicht noch einen Tag bleiben können, denn heute Abend trifft sich die Gemeinde zum letzten gemeinsamen Fest in diesem Sommer. Pierre kocht Lobster und Krebse, jeder bringt seine eigenen Getränke mit und eine Band spielt auch noch. Ja, das wäre toll gewesen, denken wir noch und fahren erst einmal weiter. Wir schauen uns die Église Ste-Marie, die als höchste Holzkirche Nordamerikas gilt, an und fahren anschließend zum Smuggler's Cove Provinzial Park. Irgendwas muss ich im Reiseführer falsch gelesen haben, aber die geplante Wanderung zur ehemaligen Piratenhöhle ist, gelinde ausgedrückt, ein Witz. Hundert Stufen sollen zu der Höhle am felsigen Strand hinunter führen, aber nach kaum 50 ist schon Schluss. Wir können auf der anderen Seite der Bucht ein schwarzes Loch erspähen, das noch nicht einmal ein Foto lohnt. Dermaßen frustriert holen wir die Hängematte heraus, denken ein wenig über unser Leben nach ;) und beschließen am späten Nachmittag zu Pierre zurückzufahren. Der freut sich uns wiederzusehen und gemeinsam stiefeln wir die wenigen Meter bis zum Gemeindepark, wo sich inzwischen zig Leute eingefunden haben. Die Band spielt, die Lobster finden reißenden Absatz, es ist ein toller Abend. O-Ton unseres allseits beliebten Webmasters Heiko nach Ansicht eines kleinen Filmchens :„ Diese Party hätte auch in Weeze stattfinden können, allerdings mit den Lobstern vom ganzen Kreis Kleve auf den Tellern.“

Nachdem wir morgens noch etliche Zeit mit Pierre vertrödeln, heißt es aber mal Meter machen. Wir juckeln die Küste entlang und fahren fast den ganzen Tag bevor wir uns für einen Aufenthalt im Island Provinzial Park entscheiden.

 

Die Rangerin am Eingang kriegt sich gar nicht mehr ein, so ein tolles Auto hat sie ja noch nie gesehen und was für eine super Reise,... puh langsam wird es anstrengend. Doch immerhin springt die schönste Campsite des ganzes Geländes dabei heraus. Ein großes Areal, direkt am Wasser und das ganz für uns alleine...wir freuen uns auf einen romantischen Abend am Lagerfeuer. 1 Stunde später, es war inzwischen Ranger-Schichtwechsel, fährt ein Wohnmobil Marke Schlachtschiff auf unsere Lichtung. Das Fenster der Beifahrerseite öffnet sich und heraus schaut Elli Pirelli, gewandet in ein Kostüm, das an das gelbe Trikot der Tour de France erinnert. Auf dem Fahrersitz befindet sich ihr Gatte, dem Gesichtsausdruck nach zu urteilen Hein Blöd, auf dessen Schoss Prinz Poldi, seines Zeichens Fersenbeißer, aufgeregt auf und ab hüpft. Elli scheint sich eine Kartoffel in den Mund geschoben zu haben, lehnt sich bis zur üppigen Brust aus dem Fenster und ruft: „Wasch maschen zie hier?“ Hääähhh??? Wir schauen etwas ratlos drein, realisieren aber dann, dass es sich um die deutsche Sprache handeln muss und antworten brav: „Camping“. Das war wohl die falsche Antwort, denn es folgt die gleiche Frage ein weiteres Mal, woraufhin Jupp sich mal näher an die Lady herantraut. Diese verliert daraufhin sämtliche deutschen Sprachkenntnisse und macht unmissverständlich klar, dass wir einen Fehler gemacht haben und auf dem falschen Platz parken. Unser Hinweis, dass wir ein Parkschild mit der Nummer 7 erhalten haben und auf eben diesem Platz auch parken, regt sie auch nicht weiter zum Nachdenken an. Schließlich hat der Ranger ihr aufgeschrieben, welche Plätze sie sich aussuchen kann! Derweil schaut Hein immer noch blöd und Prinz Poldi veranstaltet einen Heidenzauber. Ok, wir schauen uns lieber mal ihren Zettel an, vielleicht haben wir wirklich etwas falsch gemacht. Was kommt dabei heraus? Mylady hat vermutlich einfach nicht zugehört, denn da heute kaum irgendwelche Camper hier sind, hat der Ranger, der Einfachheit halber, die wenigen Plätze aufgeschrieben, die belegt sind. Kann ja mal passieren, aber es ist einfach die Einstellung dieser Dame, die mich gehörig auf die Palme bringt. Nachdem diese reizende Familie wieder abgereist und auch nicht wieder aufgetaucht ist, verbringen wir doch noch einen gemütlichen Abend am einsamen Lagerfeuer.