Florida: November 2014

Es wird Zeit für mehr Wärme, wir legen einen Zwischenspurt Richtung Küste ein und landen zunächst in Wilmington. Hurra, Wasser...Sonne...und tausende Autos, die zusammen mit uns an den Shoppingmalls und Fastfoodketten entlang fahren. Was geht hier denn ab? Wir sind leicht geschockt, doch dann, ein Statepark und damit Wasser, Sonne, Bäume, Wanderwege und Ruhe. Man glaubt es kaum, wo ist das Chaos, das uns soeben noch umgeben hat? Wir sind wieder happy, zwar sind die Abende kalt und die Nächte saukalt, aber am Lagerfeuer lässt es sich aushalten und spätestens am Vormittag ist alles wieder gut. Auf diese Art und Weise klappern wir die diversen Strandorte und Stateparks ab und genießen die langen Strandspaziergänge.


Doch bekanntlich sind wir ja nicht zum Vergnügen hier, also weiter geht’s. Charleston steht auf dem Programm und eigentlich sollte nun so richtiges Südstaatenflair aufkommen. Alles ist richtig, es gibt prächtige Häuser und die Vegetation wird tropischer, aber wo sind die passenden Temperaturen? Es regnet, pardon, wie die Sau, über dem Meer wabert der Nebel und zumindest eine von uns trägt Handschuhe. Ist das alles noch normal? Wir kämpfen uns trotzdem durch das historische Viertel, weigern uns aber für die Besichtigung eines der Herrenhäuser aus der Antebellum-Ära pro Person 10,00 $ Eintritt zu zahlen. Da starren wir doch lieber durch die Fenster ins Innere.

Nach einem Kurz-Aufenthalt im reizenden Beaufort, ein Örtchen, das schon oft als Drehort für Hollywoodfilme gedient hat, geben wir dem häufig empfohlenen Hunting Island State Park eine Chance. Und tatsächlich, es ist einfach wunderschön hier und endlich ist uns auch der Wettergott hold. An diesem schneeweißen Strand kann man kilometerweit laufen und sich dabei die Vietnamkriegsszenen aus Forrest Gump vorstellen, die im umliegenden Marschland gedreht wurden.

Und so ganz nebenbei kann man auf dem Campground sehr gute Fallstudien betreiben. Es macht den Eindruck, dass jeder gemeine, campende Amerikaner wie ganz selbstverständlich über einen Kompressor verfügt und diesen natürlich auch nutzen möchte. Also beginnt unser Nachbar zur Rechten unmittelbar nach dem Frühstück seinen Reifendruck zu kontrollieren und da dieser anscheinend nicht seiner Zufriedenheit entspricht, packt er seinen Kompressor aus irgendeinem Staufach und beginnt seine Reifen mit Luft zu füllen. Diese Geräuschkulisse scheint unseren Nachbarn zur Linken derartig zu motivieren, dass es  keine 5 Minuten dauert, bis auch er den Reifendruck seines Fahrzeuges kontrolliert und ebenfalls eine Diskrepanz feststellt. Es scheint eine galoppierende Luftdruck- Schwindsucht auf dem Platz zu herrschen, denn nach nur kurzer Zeit sind wir von dröhnenden Kompressoren umgeben und „nix is“ mit gemütlichem Kaffeetrinken. Naja,  hat ja jeder nur 4 Reifen, vermutlich ist der Anfall gleich vorüber, so unser Denken beim Nippen am Tässchen. Doch da kennen wir die Amis aber noch nicht, einmal in Fahrt gekommen, sind sie so schnell nicht zu stoppen. Zack, das nächste Staufach auf und heraus kommt ein Laubbläser (Ja genau so ein Teil, mit dem wir in D. durch unsere Gärten sausen)! Während ich noch etwas verwirrt um mich schaue, ertönt ein Gebrause und Gebrumme und nebenan werden Dach und Markise vom Laub befreit. Binnen kürzester Zeit sind wir einerseits von 3 brummenden Laubblasenden und andererseits von 3 brummenden Luftblasenden Nachbarn umgeben und fragen uns, wann wir je auf einem europäischen Campingplatz einen Laubbläser zu Gesicht bekommen hätten. Aber keine Sorge, wir sind noch nicht fertig. Nachdem die ganze Geräuschkulisse so langsam verebbt und für sage und schreibe 5 Minuten Ruhe einkehrt, werden die V8 Motoren der 3 Tonnen schweren Pickups gestartet. Machen die jetzt alle gleichzeitig einen Ausflug? Neugierig schauen wir uns um und sind nun endgültig fassungslos. Die hängen doch tatsächlich die Rollcontainer ihrer Chemietoiletten hinten an die Anhängerkupplung ihrer Autos und rollen damit zur Entsorgungsstation!


Wir verweilen fast eine Woche und erst die Reservierungswut der Amerikaner vertreibt uns aus dieser Idylle. Es ist nämlich so, dass in der Regel spätestens ab freitags sämtliche Plätze in den Stateparks reserviert sind. Manchmal scheinen die Leute gleich mehrere Buchungen für verschiedene Parks vorzunehmen und können aber natürlich nur einen davon tatsächlich besuchen. Solch ein Gehabe führt folglich dazu, dass etliche Stellplätze unbelegt bleiben, wir diese aber nicht bekommen können da sie ja reserviert sind. Verstehen muss man das nicht, denn selbstverständlich muss ein Stellplatz bei Buchung bezahlt werden und ist auch nicht erstattungsfähig. Aber welche Rolle spielt schon Geld?


Wir werden also aus dem Paradies vertrieben und düsen nach Savannah. Die Stadt wurde mit insgesamt 24 Parks angelegt, die größtenteils immer noch intakt sind, und ist so richtig schön und gemütlich.

Für uns überaus praktisch, dass man auf dem großen Parkplatz am Besucherzentrum auch über Nacht parken darf. Wir wohnen also auf Laufdistanz mitten im Geschehen und verbringen trotzdem eine ruhige Nacht.


Es folgt die Einreise nach Florida. Auf der rechten Seite ein unübersehbares Schild, mit dem Hinweis auf eine landwirtschaftliche Inspektion und alle Lkws müssen dorthin abbiegen. Was zum Geier ist eine landwirtschaftliche Kontrolle? Und ein Lkw sind wir ja eigentlich auch nicht sooo wirklich, also düsen wir fröhlich davon. Doch nicht sehr viel später bemerken wir ein weißes Fahrzeug, das mit bunt blinkenden Lichtern auf dem Dach hinter uns herfährt. Aha, ein Sheriff! Meint der uns? Vorsichtshalber kramen wir in unseren Erinnerungen wie man sich im Falle einer Polizeikontrolle richtig verhält, denn wir wollen ja nicht schon bei der ersten Kontrolle negativ auffallen. Inzwischen haben sogar wir begriffen, dass, nicht wie in Südamerika oder Afrika üblich, eine Kontrolle mit einigen gut gemeinten Witzen anfängt, sondern sie dies hier sehr, sehr ernst nehmen. Angesichts der zahlreichen Durchgeknallten die mit ihren Waffen herumlaufen, auch kein Wunder.


Also, es war in etwa so: Wenn sie in eine Polizeikontrolle geraten, halten sie ihre Hände gut sichtbar auf dem Lenkrad und warten sie bis der Polizist sie auffordert das Fenster zu öffnen und die Papiere zu zeigen. Doch damit fängt der Schlamassel auch schon an. Wie zum Teufel soll man sein Fenster öffnen, wenn die Hände auf dem Lenkrad liegen müssen? Jupps verschiedenste akrobatischen Übungen führen zu keinem Erfolg, somit bleibt das Fenster zu und Juppis Hände auf dem Lenkrad während er angestrengt das Geschehen draußen im Rückspiegel verfolgt. Der Officer steigt langsam aus, bleibt aber in sicherer Entfernung zu uns stehen und winkt, dass Jupp nun ebenfalls aussteigen soll. Wie jetzt? Das verstößt gegen die Regel! Aber bevor der Sheriff nun seinen Colt zieht, steigt Jupp mit leicht erhobenen, winkenden Händen (sieh hier, ich habe keine Waffe) aus und schlendert betont langsam zu ihm herüber. Es folgt Regelverstoß Nr. 2, der Polizist grinst freundlich! Und fragt: „Warum habt ihr bei der landwirtschaftlichen Kontrolle nicht angehalten und wo sind die Pferde?“ Häh? Welche Pferde? Macht der hier Scherze mit uns? Aber weit gefehlt, dieser Typ hält uns tatsächlich für einen Pferdetransport und gibt sich erst geschlagen, als er einen Blick in Monsters Innerstes geworfen hat. Um ganz sicher zu gehen, öffne ich auch noch die Toilettentür...und summe leise vor mich hin: da steht ein Pferd auf dem Flur...

Über das voll touristische St. Augustine, machen wir einen Abstecher ins Landesinnere zum Ocala Nationalwald. Hier ist mal wirkliche Wildnis angesagt, an den 600 Seen entlang kann man hunderte Kilometerweit wandern und diese Seite Floridas gefällt uns auf Anhieb besser. Aber was hilft's? Nach einigen Tagen Friede, Freude, Eierkuchen muss die Küste schließlich auch abgearbeitet werden und die Frage, ob die Amis tatsächlich auf dem Mond gelandet sind, brennt uns auf den Nägeln.


Folglich ist Cape Canaveral die nächste Station und das Space Center einfach Pflicht. Um es kurz zu machen, das ganze Unterfangen ist nicht gerade günstig und schlägt mit 115,00 $, inklusive Bustour zu den Abschussrampen, zu Buche, doch sich die Shuttle und Raketen anschauen zu können, ist am Ende schon imposant. Leider kommen wir der Frage, waren sie oder waren sie nicht, haben sie uns veräppelt oder haben sie nicht, keinen Deut näher. Wir trauen ihnen lediglich immer mehr zu, dass sie uns gelinde gesagt, alle verkackeiern.