Marine Drive: September 2014

Am nächsten Morgen schauen wir uns Shelburne an und fühlen uns in ein Freilichtmuseum versetzt. Etliche, der vor 1800 errichteten Häuser wurden liebevoll erhalten, aber ansonsten ist echt der Hund begraben. Keine Menschenseele weit und breit und zahlreiche Ladenlokale stehen leer und werden zum Verkauf angeboten. Im Visitorcenter treffe ich auf einen netten Herrn, der seine wenigen Deutschkenntnisse an den Mann bzw. Frau bringen will und ansonsten pflegen wir hier wegen der Wifi Verbindung einfach nur noch unsere Heimatkontakte. Schade, so ein nettes Örtchen und keiner kommt hin.

Ganz anders dagegen in dem See-Seiten Abschnitt des Kejimkujik N.P.,  hier wandert die Welt, jedenfalls schaut der Parkplatz danach aus. Neugierig wie wir sind, gucken wir ins ausgelegte Gästebuch und was schreiben dort einige Alemannen heute morgen? „We saw a black bear!!“ Ob die sicher sind?? Ein Schwarzbär? Sollen wir uns überhaupt noch auf diesen Wanderweg trauen wo es hier anscheinend von Bären nur so wimmelt? Heldenhaft machen wir uns auf den Weg, wandern Stund um Stund und was sehen wir? Bären...äh...kacke, bei diesen, nie zuvor gesehenen, kleineren Pferdeäpfeln mit seltsamer Sprenkelung muss es sich einfach um Bärenkacke handeln. Ansonsten kein Schwarzbär mehr in Sicht, nur der Ranger hat inzwischen am Parkplatz ein Schild mit dem Hinweis „Bear in Area“ aufgehängt. Auch das kann uns nicht schrecken, wir bleiben verbotener Weise über Nacht auf dem Parkplatz stehen, schließlich könnte dieser Bär hier unser erster, wenngleich auch letzter sein...

Irgendwie kommen wir aus dem Touristenrummel nicht heraus, die historische Altstadt von Lunenburg ist das nächste Ziel. Tapfer versuchen wir irgendwo ein Plätzchen zum wilden Campen zu finden, aber da wir auch nicht auf der anderen Seite der Bucht parken wollen, geben wir uns geschlagen und mieten uns auf dem städtischen Campingplatz ein. Wir haben zwar die billigste Variante ohne Strom und Wasser gebucht, aber es spricht doch nichts dagegen, mal kurz beim Nachbarn etwas Strom zum Arbeiten zu leihen, oder? Schließlich haben wir 2, hoffentlich kleine Probleme zu lösen.

Fall 1, arbeitet unser 110V System überhaupt, denn dieses ist ja bekanntlich in D. nicht zu testen.

Also, die kanadischen Stecker raus, flugs zum Nachbarn rüber, rein in Monsters 110 V Anschluss und drinnen? Passiert nix! Eigentlich sollte nun unser komplettes Ladesystem über 110 V arbeiten, aber leider kommt erst gar kein Strom an bzw. nur bis zur Außensteckdose. Boah, so etwas haben wir befürchtet.? Und nu? Suchen, suchen...doch dieses Mal ist das Glück uns hold und bereits nach kurzer Zeit sind wir dem Übeltäter auf der Spur. Die 110 V Außensteckdose hat eine separate Sicherung und diese hat schlicht und einfach das Zeitliche gesegnet. Flugs ausgetauscht und schon arbeitet Monsters Innenleben auch mit 110 V. Glück braucht der Mensch, gell? Da können wir uns ja direkt mal dem 2. Problemchen widmen.

Seit wir in Halifax angekommen sind, macht unser Ladestromverteiler irgendwelche Zicken. Uwe und Jupp haben dort bereits herausgefunden, dass das Teil überhaupt nicht mehr arbeitet, was bedeutet, dass wir mit unserem Stromverbrauch hinten im Ernstfall die Starterbatterien vorne ebenfalls leer ziehen. Sehr unangenehm und vor allem auch nicht zu reparieren, da muss echt ein neues Teil her. Wir versuchen uns im Bootszubehör und man höre und staune, es wäre sogar ein Gerät vorrätig. Einziger Haken? Das Teil hat zu wenig Volt, aber das passende Teil kann bestellt werden und wird morgen früh um 10.00 Uhr angeliefert. Wir können's kaum glauben, aber tatsächlich, am nächsten Morgen ist es da, zwar erst um 12.00 Uhr aber immerhin. Jupp baut an Ort und Stelle um und siehe da, alles arbeitet wieder perfekt. Toll!

Wir düsen weiter und da wir schon mal im Touristenrummel unterwegs sind, dann darf Peggy's Cove natürlich nicht fehlen. Schon von weitem sehen wir hunderte von Menschen wie die Ameisen über die Felsen zum Leuchtturm traben und auf dem Parkplatz der Touristeninfo tummeln sich die Busse. Es dauert gar nicht lange bis wir deutsche Töne hören und bekannt sind wie ein bunter Hund. Für jedes Foto oder Interview nur allein 1 CAD, Kinder, wir könnten steinreich sein...

Über Halifax, wo wir uns anstatt ins Nacht- ins Abendleben stürzen (im Irish Pub steppt bereits um 18.00 Uhr der Bär), juckeln wir den sog. Marinedrive gen Norden. Entlang der Küste gibt es immer wieder tolle Plätze zum Wandern und zum wilden Übernachten und erst in Sherbrooke treffen wir einen unangenehmeren Zeitgenossen.

Nach dem Besuch des Sherbrooke Village, in dem das Leben vor rund 125 Jahren nachgestellt wird, suchen wir uns ein Plätzchen an einer kleinen Marina. Kein Mensch weit und breit, also auch niemanden den wir stören könnten. Wir machen es uns gemütlich und bereiten das Abendessen vor, als ein Auto vorfährt, dessen Fahrer recht miesepetrig dreinschaut und anscheinend nicht sprechen kann, die Tageszeit jedenfalls nicht. Er wandert ein wenig umher, schaut rechts und links, springt in sein Auto und entschwindet. Naja, warum soll es hier keine Stinkstiefel geben? Wir denken nicht weiter darüber nach. Kaum haben wir mit dem Essen begonnen, fährt ein Polizeiauto auf den Parkplatz, dreht eine Runde und fährt wieder davon ohne dass der Sheriff darin uns eines Blickes gewürdigt hätte. Nanu? Das macht ja fast den Eindruck als ob er uns nicht sehen wollte. Auch gut. Wir mampfen weiter und haben kaum den letzten Bissen heruntergeschluckt, da kommt der Sheriff zurück. Etwas peinlich berührt (er schaut keinen von uns an), macht er uns darauf aufmerksam, dass an dieser Stelle das Campen nicht erlaubt sei. Gut, dann fahren wir eben weg, aber natürlich nicht ohne ein kleines Schwätzchen. Langsam taut der arme Kerl auf und erzählt uns, dass er leider zurückkehren musste, weil Stinkstiefel ihn gesehen, angerufen und sich beschwert hat. Tja, und nun hat er leider eine Beschwerde vorliegen und dieser muss er nachgehen, daher seine Rückkehr. Er ist so froh, dass wir nicht irgendwie böse reagieren, dass er uns einen Platz in der Nähe beschreibt, an dem wir unbehelligt die Nacht verbringen können.

Auf der Fahrt nach Cape Breton erwischt uns so richtig der Regen, den ganzen Tag gießt es wie aus Kübeln und erst gegen Abend im Whycocomagh N.P. trauen wir uns aus Monster. Passend zum Abendessen der Mücken. In reinen Heerscharen sausen sie um uns herum, erst das entzündete, qualmende Feuer kann sie ein bisschen vertreiben. Also definitiv kein Platz zum Verweilen, wir nehmen den 300 km langen Cabot Trail in Angriff.

Ein echtes Highlight, die Straße windet sich die Berge hinauf und hinunter und hinter fast jeder Kurve erwartet uns ein toller Ausblick aufs Meer. Der nächste Morgen begrüßt uns mit Sonnenschein, also ideal um Monster mal ein bisschen Pflege angedeihen zu lassen. Nur mal kurz abschmieren soll es werden. Während Jupp im Untergrund tätig ist, wusel ich im Innern herum und stelle fest, dass unser Verbindungsventil im hinteren Wassertank ein wenig undicht ist. Scheint nicht so schlimm, da müssen wir nur ein wenig die Muttern nachziehen, dann wird’s wohl wieder. Gesagt, getan. Nur leider ist dieses ganze Ventil aus Plastik und nicht nur lose, sondern angebrochen und versagt folglich beim Nachziehen völlig den Dienst. Die Folge: ca 100 L Wasser wollen nun unseren Wohnbereich fluten. Hilfe, nur das nicht! Jetzt ist guter Rat teuer, wobei Jupp das Schlimmste zunächst verhindert, indem er seinen Finger in das Loch steckt aus dem das Ventil herausgebrochen ist. Aber auf Dauer ist das doch blöd, wenn Jupp immer dort hinten auf dem Boden sitzen muss...

Die nächsten Minuten werden etwas turbulent aber wie auch immer, wir schaffen es diese vermaledeiten 100 L zu überlisten und auf anderem Weg abfließen zu lassen. Uff, das ist ja noch mal gut gegangen, nur nutzen können wir diesen Tank ohne Ersatzteil vorläufig nicht. Während dieser ganzen Aktion haben wir natürlich auf nichts anderes mehr geachtet und erst als wir wieder zur Ruhe kommen, bemerken wir die tausenden von kleinen, schwarzen Fliegen, die um uns herumschwirren. Oh no, bitte lass es keine Blackflies (Aus Neuseeland kennen wir diese Viecher als Sandflies oder aus Afrika als Mut-Mut) sein! Wie könnt es anders sein, sie sind es und haben sich bereits mehrfach an uns gütlich getan. Wow, was ist das wieder für ein Tag!!

Dafür werden wir am nächsten Tag so richtig belohnt. Es strahlt nicht nur die Sonne vom wolkenlosen Himmel, nein, wir sehen auch noch unseren 1. Moose (so heißen die Elche in Kanada). Dieses nette Wesen steht zuerst links vom Weg, dann auf unserem Weg und lässt sich anschließend auch auf der rechten Wegseite nicht von uns aus der Ruhe bringen.

Ein tolles Erlebnis. Der von Marita und Uwe empfohlene Nachtplatz bei Meat Cove, ganz im Norden von Cape Breton, übrigens auch. Es weht dort zwar wie Hulle, aber bei dieser grandiosen Aussicht fehlen nur noch die Wale.

Weiter geht es im Cape Breton N.P. Es gibt hier so viele tolle Wanderwege, man könnt glatt Wochen verbringen. Mittlerweile sind wir ein wenig mutiger geworden, verbringen so manche Nacht irgendwo an einem See innerhalb des Parks und das Feuerholz gibt es auch noch kostenlos dazu. Wir fühlen uns rundum wohl und kehren erst nach einigen Tagen in die Zivilisation zurück. In Sydney versuchen wir uns an unserer 1. Wal-Mart Übernachtung (Zur Erklärung: in Kanada ist es auf den meisten Wal-Mart Parkplätzen gestattet auch über Nacht zu parken). Diese Parkplätze sind insofern ganz reizvoll, als dass die Wal-Marts auch kostenloses Wifi anbieten und wir also ganz gemütlich parken, surfen und skypen können.

Wir schauen uns Fort Louisbourg an.

Das Fort ist toll gemacht, es gibt Führungen von Darstellern in altertümlichen Kostümen, aber leider wird das Wetter zunehmend schlechter, es weht ein eiskalter Wind. Wir bleiben trotzdem über Nacht im Ort und gehen ausnahmsweise mal essen. Ob uns das Wetter, das Essen oder einfach das ewige Angesprochen werden ein bisschen bösartig gemacht hat, können wir nicht so genau sagen, aber das Ergebnis schockiert uns doch ziemlich. Zum tausendsten Mal werden wir auf Monster angesprochen und zum 1000.sten Mal werden wir gefragt, wie wir denn hierher gekommen sind. Eine Lady fragt : „How did you get here?“ (Wie seid ihr hierher gekommen?) Üblicherweise antworten wir dann wahrheitsgemäß, dass wir nach Halifax verschifft haben, aber heute reitet uns der Teufel und wir antworten einfach, wir wären gefahren. Sie: „Wie kann man denn hierhin fahren?“ Wir: „ Da gibt es doch einen Tunnel!“ Sie: „ Da habt ihr unterwegs aber bestimmt viele Länder gesehen!“ Wir ohne Worte...