Baja California: Januar/Februar 2015

Passend zur geplanten Einreise nach Mexiko erwachen wir morgens bei dichtem Schneetreiben. Hallo? Wurden wir über Nacht heimlich weggebeamt? Doch ein Blick aus dem Fenster zeigt, die Umgebung ist noch die von gestern, allein heute mal in strahlendem Weiß. Puh, jetzt ist es wirklich an der Zeit den Staaten den Rücken zu kehren. Durch die verschneite Bergwelt streben wir zum kleinen Grenzort Tecate und ehe wir uns versehen, begrüßt uns auch schon ein freundlicher, mexikanischer Zöllner. Wie jetzt? Wo haben sich die Amis schon wieder versteckt? Wir müssen schließlich noch ausreisen bevor wir nach Mexiko einreisen können. Gerade wollen wir große Wendemanöver starten, da sagt uns der Mexe, wir sollen doch Monster einfach stehen lassen wo er steht und kurz zu Fuß zu den Amis zurückkehren. Ja, warum eigentlich nicht? Dauert ja nur ein paar Minuten gibt der Mexikaner uns noch mit auf den Weg und so traben wir also wieder zurück. Ein anderer freundlicher Mexikaner schickt uns durch das vermeintlich richtige Drehkreuz und schon finden wir uns in einem Hochsicherheitstrakt wieder. Hohe Zäune umgeben uns, ein weiteres Drehkreuz folgt, und von zahlreichen Kameras überwacht, geht es nur noch in eine Richtung weiter. Wird wohl alles richtig sein, denken wir noch und dann nimmt das Drama seinen Lauf. Eine junge, griesgrämig dreinschauende, amerikanische Zollbeamtin blafft: „Pasports!“ Kein guten Morgen, kein Bitte, kein Danke, was geht hier denn ab? Etwas eingeschüchtert sagen wir noch, dass wir eigentlich nur ausreisen und dazu unsere Einreisezettel abgeben wollen, aber das nimmt Griesgram überhaupt nicht zur Kenntnis. Sie schnappt sich unsere Pässe, blättert darin herum und stutzt. Wieso unser Visum 1 Jahr gültig ist will sie wissen. Ja weil ihr Kollege uns dieses erteilt hat. „That's not possible“ mault sie uns an, woher wir das haben? „Ähm, von deinem Kollegen an der Grenze zu Kanada“. „That's not possible“! Hm, was sollen wir denn jetzt sagen? Glücklicherweise trabt gerade eine ihrer Kolleginnen vorbei und Griesgram zeigt dieser voller Entrüstung unsere Pässe. Die Kollegin wirft nur einen kurzen Blick darauf und meint lakonisch:“ Ja, das kann man machen“. Selbstverständlich kommt diese Antwort nicht soo gut an und Griesgram beginnt abermals in unseren Pässen zu wühlen. „Hach, was ist das“ schreit sie während sie auf das mauretanischen Visum tippt. „ Das ist ein Visum für Mauretanien“. „Was habt ihr da gemacht“? „Urlaub, genau wie hier“.Vehementes Kopfschütteln auf ihrer Seite „Was habt ihr da gemacht“?„Urlaub“! Abermaliges Kopfschütteln, abermalige Frage mit gleicher Antwort. Wie lange will sie dieses Spielchen denn noch spielen? Das scheint sie sich auch zu fragen und ehe wir uns versehen, werden wir in einem abgeschlossenen Raum zum Interview gebeten. Langsam wird es uns nun doch etwas mulmig, was haben wir bloß falsch gemacht? Zum Glück taucht nun die Vorgesetzte auf, die ein freundliches Gesicht zur Schau trägt und nochmals ganz von vorne beginnt. Was wir wollen und wo unser Auto ist, möchte sie wissen und so langsam klärt sich die ganze Geschichte auf. Des Rätsels Lösung? Wir sind schlicht und ergreifend durch die falsche Türe herein gekommen und dadurch bei der Einreise gelandet! Ich glaub's nicht! Dafür das ganze Theater? Aber es bleibt weiterhin kompliziert, denn anstatt uns nun einfach zur Vordertüre herausspazieren zu lassen, müssen wir auf gleichem Wege zurück wie wir gekommen sind. Folglich wird eine Beamtin abkommandiert, die uns begleitet und sämtliche Drehkreuze zuerst auf- und hinter uns selbstverständlich wieder abschließen muss. Nach geschlagenen 1.5 Stunden kehren wir kleinlaut zum Mexikaner zurück, der uns ziemlich erstaunt anschaut. „Wo seid ihr denn die ganze Zeit gewesen“? Ja, bei den Amis und erzählen ihm unsere Geschichte. Seine Antwort:“ When they see the worms, they get crazy“! Wiejetzt? Von welchen Würmern spricht er? Und dann dämmert es uns, der meint die arabischen Schriftzeichen, die in der Tat ein wenig einem Wurm ähneln.

 

Endlich können wir in den kleinen Ort Tecate rollen und sind sogleich mitten im Trubel. Gott ist das schön, Chaos pur, nach den sterilen Supermärkten in Kanada und USA ein Fest für Augen und Ohren. Wir fühlen uns auf Anhieb wohl, selbst beim Geldwechsler endlich mal wieder Feilschen was das Zeug hält.

 

Geplant wollen wir recht zügig über Ensenada und San Quintin in Richtung Ojo de Liebre fahren, aber da haben wir die Rechnung ohne die mexikanischen Straßen gemacht. Die Mex 1 ist dermaßen eng, zu allem Überfluß an den Rändern stark ausgefranst und mit bis zu 50 cm hohen Kanten versehen, dass wir jedesmal die Arschbacken zusammenkneifen, wenn uns ein Lkw entgegenkommt. Zwar gibt es ein Tempolimit von 60km/h für Lkws, aber außer uns hält sich vermutlich niemand daran. Erst nach einiger Zeit können wir etwas Mut fassen und brausen nun ebenfalls mit 80 km/h durch die Lande. Da werden wir wenigstens nicht ständig überholt. Das mulmige Gefühl, wenn sich 2 Lkw-Rückspiegel im Abstand von 5 Zentimetern kreuzen, bleibt trotzdem und auch die zahlreichen Kreuze und kleinen Kapellen, die wir am Wegesrand sehen, tragen nicht zur Beruhigung bei.

Ein weiteres Verkehrshindernis sind die ständigen Militärkontrollen, die überall nach Drogen oder Waffen suchen. Quer über die Straße werden Barrikaden errichtet und jedes Fahrzeug wird genauestens inspiziert. Klaro, dass Monster besondere Aufmerksamkeit erregt und am liebsten möchte das ganze Bataillon seine Neugier befriedigen. Geht doch gar nicht, oder? Ein einziger hat das Vergnügen und der muss auch noch lieb sein, sonst bitten wir ihn höflich seine Schuhe auszuziehen. Das haben sie nun gar nicht gern, denn schließlich ist es eine ziemliche Maloche die Knobelbecher wieder zu zuschnüren. Aber wir latschen ja auch nicht einfach in sein Haus und gucken in seine Schränke, gell?

 

Ein großes Grauwalskelett an der Grenze zur Baja Sur weist auf die Nähe der Wal-Lagune, Ojo de Liebre, hin. Jedes Jahr zwischen Januar und März kommen bis zu 2000 Wale an diesen Ort, als 1. die trächtigen Weibchen und ein wenig später die Männchen mit dem Nachwuchs vom vorigen Jahr. Jetzt brauchen wir nur noch etwas Glück, denn so früh im Jahr werden vermutlich erst einige Weibchen ihren Weg in die Lagune gefunden haben. Und tatsächlich, bereits von Weitem sehen wir die großen Fontänen in die Luft spritzen. Wir investieren ein paar Dollar und unternehmen eine absolut lohnenswerte Bootstour. Die jungen Wale sind so niedlich, für den Rest des Tages bring ich mein Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht.

Von nun an heißt es nur noch Strandleben. Ein Beach reiht sich an den anderen, einer schöner als der andere. An der Playa Santispak treffen wir seit langem mal wieder europäische Reisende und verbringen so manchen schönen Abend miteinander. Ilka und Günther, Claudia und Martin, Veronika und Michael kommen bereits aus Alaska und wollen früher oder später bis nach Feuerland hinunterfahren. Die Tage plätschern dahin, wir verbringen unsere Zeit beim Quatschen und mit der Studie unserer amerikanischen Nachbarn. Zwar sind diese nicht mehr so zahlreich in dem ach so „gefährlichen“ Mexiko vertreten, aber diejenigen die noch da sind, scheinen ihre Ängste im Alkohol ertränken zu müssen. Während wir als zivilisierte Trinker erst um 17.00 Uhr zum Weinchen greifen, trabt der gemeine Ami bereits am Vormittag mit einer Bierdose in der Hand durch die Lande. Vernünftiger Weise scheinen die Jungs aber im Laufe des Tages umzusteigen, denn überall sieht man sie mit diesen großen Iso- Kaffeebecher. Wer nun denkt, die schlürfen den ganzen Tag lang dieses braune Heißgetränk, der irrt sich gewaltig. Das, was in diesen Bechern schwimmt, ist zwar meistens auch braun, aber wenn man genau hinhört, vernimmt man ein dezentes Klirren der Eiswürfel. Wen wundert es da noch, dass abends nach 20.00 Uhr in den amerikanischen Dickschiffen alle Lampen ausgehen.

Selbstverständlich muss bei diesen tollen Stränden Fisherman Jupp mal wieder in den Einsatz. Mit wachsender Begeisterung verbringt er Stunden im, am und auf dem Wasser und wird für seine Geduld mit reicher Beute belohnt.

Immer weiter treibt es uns nach Süden, doch am besten gefällt es uns am East-Cape. Hierher führt nur noch ein rumpeliger Schotterweg und so ist es nicht verwunderlich, dass man nicht mehr so viele Touristen trifft. Veronika und Michael mit ihrem Toyota fahren uns immer mal wieder über den Weg und in Los Frailes lernen wir Sabine und Markus mit ihrem Steyr kennen. Auch eine lustige Truppe von Deutschen, die zum Teil bereits seit Jahren in Kanada leben, treffen wir dort. Hannelore und Dieter, Lolita und Wolfgang und nicht zuletzt der lebenslustige Bernie verbringen bereits seit Jahren den Winter hier und nehmen uns mit offenen Armen auf. Wir fühlen uns so wohl, dass der Abschied nach einer Woche richtig schwerfällt. Aber wer weiß, vielleicht kehren auch wir im nächsten Jahr nochmal hierher zurück?

Kinder, was soll ich euch jetzt noch groß schreiben? Der Frühling kommt schneller als gedacht und die Zeit für unseren Heimatbesuch rückt näher. Also besuchen wir auf der Rückfahrt in die Staaten noch die Strände, die wir auf dem Hinweg ausgelassen haben und statten den nun zahlreicheren Walen nochmals einen Besuch ab. Die Temperaturen im Norden werden so langsam wieder kühler, der letzte Fisch ist gefangen und gefroren, morgen machen wir uns auf zur Grenze. Mal schauen, welche Nettigkeiten sie dort dieses Mal für uns haben.