von Taupo nach Wellington: Januar 2007

Der „Tongariro“ Nationalpark ist nicht nur einer der ersten auf neuseeländischem Boden, sondern mit seinen hoch aufragenden aktiven Vulkanen zugleich auch eine der spektakulärsten Regionen.

Mount Ruapehu, mit 2797 Metern der höchste und zugleich auch aktivste Vulkan warf noch im Jahr 1995 mit Vulkangestein um sich und erschreckt seitdem fast jährlich die Touristen mit seinem Grollen und seinen Aschewolken, die Einheimischen sehen die ganze Sache deutlich gelassener und packen schon mal die Liegestühle auf die Hauptstraße von „Okahune“ um das Spektakel zu betrachten.

 

Wir lassen uns zunächst in sicherer Entfernung, in „Turangi“, nieder. Hier beobachten wir auf diversen Wanderungen die zahlreichen Fliegenfischer, die eigens zum Forellenangeln in großer Zahl anreisen und Seemannsgarn spinnen über Fische, die schwerer waren als ein Sack Kartoffeln und länger als ein Surfbrett. Wie auch immer, Fakt ist jedenfalls, dass jährlich mehr als 28000 Fische in marktfähiger Größe an Land gezogen werden.

 

Uns bleibt dieses Vergnügen vergönnt, da wir erstens keinen Angelschein besitzen und zweitens des Fliegenfischens nicht mächtig sind.

 

Wir wappnen uns also für eine der großen Wanderungen, der „Tongariro Crossing“, von vielen als beste Tagesroute Neuseelands gerühmt und sind dann ziemlich enttäuscht, dass die Wettervorhersagen für die nächsten Tage unsere Pläne zunichte machen. Wir bleiben zwar vorsichtshalber noch eine Nacht in der Gegend, aber der dichte Nebel am nächsten Morgen bestärkt uns in dem Entschluss, die 17 km lange Wanderung auf Eis zu legen. Vielleicht treibt es uns bei der Rückkehr auf die Nordinsel nochmals in diese Gegend. Stattdessen fahren wir also weiter in südlicher Richtung, begnügen uns im Regen mit einem Gang um einen See und lassen uns auf dem „Mangahuia“ DOC-Campground nieder.

 

Am nächsten Morgen lässt sich die Sonne immerhin ansatzweise blicken und wir kurven in das nahe gelegene Örtchen, „Whakapapa“, dem Ausgangpunkt für eine Sesselliftfahrt auf den „Mount Ruapehu“. Unterwegs pfeift uns der eiskalte Wind gehörig um die Ohren und auf eine überwältigende Aussicht müssen wir leider auch verzichten, doch immerhin können wir dem in der Ferne erkennbaren „Mount Ngauruhoe“ eine Ähnlichkeit mit dem Schicksalsberg in „Mordor“ nicht aberkennen.

 

Wir verlassen den „Tongariro“ Nationalpark und fahren weiter nach „Taumarunui“, einer 4500 Seelen Gemeinde und kommen vor ein gerade geschlossenes Besucherzentrum. Wieder einmal haben wir nicht nur die Zeit, sondern gleich den ganzen Wochentag vergessen. Es ist Samstag und die Geschäfte schließen üblicherweise früher. Dumm gelaufen, aber den von uns angepeilten „Forgotten World Highway“, Straße der vergessenen Welt, zwischen „Taumarunui“ und „Stratford“ werden wir auch ohne Broschüre wohl finden. So ist es denn auch und angesichts der fortgeschrittenen Stunde lassen wir uns auf einem wunderschön gelegenen DOC-Campground am „Whanganui“ Fluss nieder. Dort treffen wir auf Beth und Bill, die sich auf einer 5-tägigen Kajakfahrt auf dem „Whanganui“ befinden und verbringen mit den beiden einen lustigen Abend mit Geschichten aus dem Leben und Indien.

 

Bei der Weiterfahrt am Morgen sehen wir so manche Merkwürdigkeit, nicht nur die aufgereihten Tierhäute bringen uns zum Schmunzeln, auch ein recht sonderbares Dorf mit Namen „Whangamomona“ trägt dazu bei.

1988 wollten lokale Beamte das Dorf der Region „Manawatu“ angliedern, was aber bedeutet hätte, dass seine Bewohner künftig für den Erzrivalenbezirk hätten Rugby spielen müssen. Kurzerhand sagten sich die Bürger daraufhin von Neuseeland los und gründeten eine eigene Republik, die nun über einen Grenzposten (ein Klohäuschen), einen Präsidenten und ein eigenes Bier verfügt. Man kann sich selbst seinen Reisepass gegen ein kleines Entgelt abstempeln lassen.

 

Über „Stratford“ erreichen wir am Nachmittag „New Plymouth“ und wollen uns eigentlich für die Sylvesterfeierlichkeiten auf einem regulären Campingplatz niederlassen. Der Haken ist nur, dass sämtliche Plätze der Stadt ausgebucht sind. Na dann eben nicht und somit richten wir uns nach alter Manier auf dem Parkplatz des Schwimmbades ein. Nach einem Rundgang durch die Stadt sind wir relativ enttäuscht. 1. hatten wir uns den Ort doch irgendwie peppiger und größer vorgestellt und 2. finden am morgigen Sylvesterabend keine nennenswerten Veranstaltungen statt. Einziges Angebot ist ein Konzert im Stadtpark, das jedoch bereits um 22.00 Uhr endet. Also werden wieder einmal alle Pläne umgeworfen und wir fahren am nächsten Nachmittag weiter bis zum einem netten Plätzchen am Meer, wo wir den Jahreswechsel ganz einfach verschlafen.

 

Langsam aber sicher zieht es uns immer weiter in Richtung Süden, der nächste Stopp ist erst in „Wanganui“ , einer historischen und unkomplizierten Stadt am Ufer des „Whanganui“ Flusses. Obwohl der kommerzielle Flussverkehr praktisch eingestellt ist, bietet sich dem Touristen die Möglichkeit seine Zeit bei einem Ausflug mit einen historischen Schaufelraddampfer zu verbringen. Wir haben heute für solche Unternehmungen kein Interesse, wollen wir doch endlich einmal unsere mitgebrachte Satellitenschüssel zum Arbeiten bringen.

 

Trotz stundenlanger Mühen ist uns das zweifelhafte Vergnügen des Fernsehschauens bisher verwehrt geblieben und nun gilt es herauszufinden, worin die Ursache des Problems liegt. In den gelben Seiten findet sich die Adresse der Firma Apex und kurze Zeit später sind wir auch schon vor Ort. Der sehr freundliche Besitzer des Ladens hat heute seinen ersten Arbeitstag nach den Weihnachtsferien und ist dementsprechend voll im Stress.

 

Immerhin kann er uns ein wenig auf die Sprünge helfen, gibt uns die Gradzahlen zur Ausrichtung der Schüssel und die Frequenzen auf denen gesendet wird. So versorgt sollen wir es nochmals selbst versuchen, da er heute absolut keine Zeit für uns hat. Nicht gerade zuversichtlich traben wir von dannen und erledigen zunächst die wichtigeren Dinge. Unsere Emails wollen abgeschickt werden und der Kühlschrank schreit ebenfalls nach Nachschub.

 

Während wir im Supermarkt an einer Kühltheke stehen und darüber diskutieren, ob es nun dieses oder jenes Hähnchen sein soll, spricht uns ein junger Mann an und fragt, ob wir die Besitzer des grünen Trucks auf dem Parkplatz seien. Von Natur aus skeptisch, mutmaßen wir sogleich, dass wir falsch geparkt haben oder womöglich andere Autofahrer behindern, doch mitnichten. Der Mensch stellt sich als Reporter des „Wanganui Chronicle“ vor und hat uns aus seinem Bürofenster heraus aussteigen und im Supermarkt verschwinden sehen.

 

Sogleich hat er anscheinend eine Story gewittert, sich auf unsere Spur gemacht und steht nun fröhlich grinsend vor uns. Angesichts solches Enthusiasmus brechen wir unsere goldene Regel niemals ein Interview für Presse, Funk und Fernsehen zu geben, posieren etwas gehemmt vor unserem Baby und beantworten etliche Fragen. Nach 30 Minuten ist die Geschichte für uns beendet und wir ziehen unserer Wege, nämlich auf die „Whanganui River Road“. Die holprige, kurvenreiche und nur teilweise asphaltierte Landstraße führt 78 km flussaufwärts nach „Pipiriki“, einer kleinen Ansammlung von Häusern. Die Hauptattraktion ist die fotogene Landschaft mit ihren feuchten Berghängen, die steil zum braunen Wasser des „Whanganui“ Flusses abfallen.

Wir lassen uns Zeit bei der Bewältigung des Weges, schlagen unsere Zelte auf einem kleinen Campground, der von Maori bewirtschaftet wird, auf und lernen dort einen drahtigen Russen mit seiner noch drahtigeren Freundin kennen. Die beiden sind mit dem Fahrrad unterwegs und haben insgesamt 3 Monate Zeit um die beiden Inseln zu beradeln. Selten haben wir einen so intelligenten jungen Mann getroffen, der nicht nur perfekt Englisch und Französisch spricht, sondern sich auch noch als mathematisches Genie entpuppt.

 

Bevor wir am nächsten Tag auf dem weitaus schnelleren Highway nach „Wanganui“ zurückkehren, muss natürlich noch die Satellitenschüssel ausprobiert werden. Das übliche Theater beginnt, Schüssel ausrichten, Laptop hochfahren, Receiver anschließen und …? Wie üblich geschieht nichts, der recht schwarze Bildschirm schleudert mir lediglich den Satz: Kein oder zu schlechtes Signal entgegen! und wie üblich geraten wir uns in die Haare, wer denn nun für diesen ganzen Schlamassel verantwortlich ist. Alles fluchen und maulen hilft nichts, wir packen unsere Siebensachen wieder ein und fahren zur Firma Apex in der vagen Hoffnung, dass heute jemand Zeit für uns hat.

 

Der Chef, Murray, ist im Außendienst, verspricht aber sich nach 17.00 Uhr telefonisch mit uns in Verbindung zu setzen, und somit heißt es für uns also ausharren. Wir wollen derweil in die Stadt gehen und parken Monster in einer Seitenstraße vor einem kleinen Autohaus. Es dauert genau 1 Minute bis ein Verkäufer herausgesaust kommt und uns freundlich darauf hinweist, dass wir mitten vor seiner Einfahrt parken. Wir kommen ins Gespräch und mittendrin sagt doch dieser Autoverkäufer, dass er auch gerne so einen Doktor wie Jupp hätte. Wir schauen uns leicht belämmert an, woher weiß dieser Mensch etwas von unserem Doktor?? Des Rätsels Lösung, wir stehen doch tatsächlich samt Bild in der Tageszeitung.

Selbstverständlich führt unser Weg direkt in den nächst besten Zeitungsladen um ein Exemplar des „Wanganui Chronicle“ zu erstehen und den Bericht genauestens zu studieren. Womöglich sind wir nun berühmt und wissen noch nichts davon! Tja, die Berühmtheit hält sich in Grenzen, doch immerhin führt sie dazu, dass uns beim abendlichen Stopp auf einem Gemeindecampground am Meer, die örtlichen Camper bereits begrüßen. Wir müssen herzhaft lachen, als wir die Leute dort mit der Zeitung winken sehen.

 

Weniger gelacht haben wir darüber, dass Murray von Apex uns regelrecht versetzt hat. Bis 18.00 Uhr haben wir vergeblich auf seinen Rückruf gewartet und vorsichtshalber hat er dann anschließend gar nicht mehr abgenommen. Wir wundern uns zwar etwas, dass uns scheinbar unsere Menschenkenntnis derart verlassen hat, aber irren ist wohl menschlich und auch in Neuseeland scheint es unzuverlässige Exemplare zu geben.

 

Am nächsten Morgen fahren wir weiter Richtung Wellington und kommen durch ein kleines Nest, dessen größte Attraktion ein holländischer Gemischtwarenladen ist. Wir können uns kaum satt sehen und schwelgen zwischen Frikandeln, Gouda und „Douwe Egberts“ Kaffee. Während wir noch einen Plausch mit der Besitzerin halten, klingelt unser Handy und ein hörbar von einem schlechten Gewissen geplagter Murray ruft an, um sich doch noch mit uns zu treffen.

 

Hm, der frisch erworbenen Gouda und die Hoffnung auf ein Fernsehprogramm stimmen uns milde und wir kurven die 70 km bis „Wanganui“ wieder zurück. Was sollen wir sagen, Murray erwartet uns bereits und nach 2 Stunden großen Palavers flimmert doch tatsächlich die „Deutsche Welle“ über den Bildschirm. Was lange währt, wird endlich gut und wir sind happy.

 

Auf dem Weg bis „Wellington“ warten keine nennenswerten Sehenswürdigkeiten auf uns, wir verbringen 2 Tage in „Foxton“, einem verschlafenen, ländlichen Ort, wo wir auch unser Monster mal wieder an den Strand ausführen können. Dort kreisen und rasen etliche Menschen mit ihren selbstgebauten Strandbuggys herum und Jupp lässt sich zu einer Probefahrt mit so einem Teil natürlich nicht zweimal bitten. Völlig begeistert kehrt er zurück und ich bin froh, dass er Monster nicht sogleich umbauen will.

Montags starten wir bei strömendem Regen nach „Otaki“ und in die dortige Gorge. Über 19 km schlängelt sich die Straße an der malerischen Schlucht des „Otaki“ Flusses entlang in die Berge nach „Otaki“ Forks, dem westlichen Haupttor zum „Tararua Forest“ Park. Im Besucherzentrum hat man uns zwar mit einer wunderbaren Karte der Wanderwege ausgestattet und auch unseren „beautiful truck“ gelobt, aber leider vergessen, uns auf die Brücken und deren Tragfähigkeit aufmerksam zu machen.

 

Es kommt also wie es kommen muss, kurz vor Ende der Fahrt geht für uns nichts mehr. Ein kleines, dezentes Schild weist daraufhin, dass die Brücke maximal mit einem Gewicht von 2 t pro Achse befahren werden darf. Na das ist ja toll, da lässt man uns den ganzen Weg hierher bergauf und bergab tuckeln und kurz vor dem Ziel ist dann Schluss?? Doch alles Maulen und Meckern über Schilder, die man auch an den Anfang eines Weges stellen könnte, hilft ja nun nix, wir müssen umkehren, ob wir wollen oder nicht. Also geht es weiter Richtung Süden und anstatt bei Regen durch die Natur zu stolpern, wandern wir ins „Southward Car Museum“ mit einer der größten Sammlungen an Oldtimern und Raritäten Australasiens. Jupp ist in seinem Element und wir sehen sogar ein altes Wohnmobil mit dem ein Ehepaar von Neuseeland über Duisburg und London nach Singapur gereist ist.

 

Für die noch immer verregnete Nacht ziehen wir uns in die Berge und auf eine Farm des DOC zurück, wo der örtliche Ranger zugunsten eines langen Gesprächs auf die Campinggebühren verzichtet.

 

Morgens ist der Schreck dann ziemlich groß, denn der anhaltende Regen hat die komplette Fläche in eine Seenlandschaft verwandelt und wir, umgeben von einigen Schafen, stehen mittendrin auf einer Insel. Wir machen uns kurz einige Gedanken über Amphibienfahrzeuge, doch für Monster ist die ganze Angelegenheit überhaupt kein Problem. Ohne ein Murren oder Zögern fährt er ganz souverän durch sämtlichen Matsch und weiter nach „Wellington“.

 

Inzwischen an die Fahrerei in indischen und asiatischen Großstädten gewöhnt, stellt „Wellington“ in keiner Weise ein Hindernis dar. Wir kurven mitten durch die City und da wir irgendwo gelesen haben, dass man sehr kostengünstig auch über Nacht am „Te Papa“ Museum parken kann, steuern wir dieses direkt an. Außer uns haben sich etliche Camper häuslich eingerichtet und wir sind ganz angetan davon für nur 10,00 NZ$ mitten in der Stadt einen Stellplatz gefunden zu haben.

 

5 Jahre hat es gedauert, das beeindruckende Gebäude direkt am Ufer fertig zustellen und seit seiner Eröffnung 1998 hat es bereits 9 Millionen Besucher angezogen. Auch für uns ist heute Bildung in Sachen Neuseeland allgemein angesagt, was soll man bei Regenwetter auch sonst machen.

 

Zu den Schätzen im „Te Papa“ gehören eine riesige Maori-Sammlung mit einer eigenen marae (Versammlungshaus), Ausstellungen zur Naturgeschichte und Umwelt, die Nachbildung einer europäischen Siedlung, Kunst und Kultur und vieles mehr. Das Ganze ist wirklich liebevoll gestaltet und speziell für Kinder gibt es etliches zu entdecken und sogar anzufassen, völlig untypisch für ein Museum.

 

Wir verbringen den ganzen Tag hier und haben uns am Abend eine Stärkung redlich verdient, schließlich will nicht nur der Kopf, sondern auch der Magen etwas zu tun haben. Das belgische Biercafe „Leuven“ scheint uns genau der richtige Ort für ein deftiges Muschelgericht und die riesigen Exemplare, die auf den Tisch kommen, bestätigen unsere Annahme.

Am nächsten Tag steht ein Stadtspaziergang auf dem Programm, der uns als erstes zum I-site Besucherzentrum führt. Dort haben wir echtes Glück, denn zum einen können wir eine Fähre zur Überfahrt auf die Südinsel bereits für den nächsten Morgen bekommen und zum anderen auch noch zum Sonderangebot. Wir müssen zwar schon um 6.30 Uhr am Fährterminal sein, aber bei dem Preis gibt es kein langes Überlegen. Schlafen können wir schließlich auch später, gell?

 

Mit der roten Cable Car Bahn zuckeln wir gemütlich den steilen Hügel hinauf bis zum botanischen Garten, genießen die wunderbare Aussicht und bestaunen den Rosengarten. Zu Fuß erkunden wir die Innenstadt, genießen die Atmosphäre in den Straßen und verbringen eine weitere Nacht vor den Toren von „Te Papa“ bevor es auf der Südinsel weitergeht.