von Auckland nach Taupo: Dezember 2007

Der Mittwoch beginnt nicht nur recht früh, der Wecker klingelt bereits um 5.00 Uhr, sondern auch etwas unerfreulich. Obwohl laut Prospekt und Rezeption ein kostenloser Airporttransfer zugesichert wurde, will der Fahrer am Flughafen dann doch Geld von uns. Angeblich ist der Transport erst ab 9.00 Uhr vormittags kostenlos. Ob solchen Unsinns brechen wir in lautes Gelächter aus und verweigern die Herausgabe jeglichen Geldes, woraufhin der Fahrer wutentbrannt erklärt, dann würde er uns nächstes Mal nicht mehr fahren. Wenn der wüsste, der wartet bis er schwarz wird auf ein nächstes Mal.

 

In der Abfertigungshalle das übliche Chaos, auch die Emirates Airlines checkt sämtliche Flüge an allen Schaltern zugleich ein und dementsprechend lang ist die Schlange. Hin und wieder werden verspätete Fluggäste aus den Reihen gerufen und genießen eine Vorzugsbehandlung. Diese wird uns leider nicht zuteil, da wir aufgrund einschlägiger Erfahrungen mittlerweile immer genügend Zeit mitbringen. Endlich sind wir an der Reihe und sogleich geht es los bzw. eben nicht, es dauert und dauert. Das Telefon muss bemüht werden, arabische Tiraden sind zu vernehmen und wir verstehen mal wieder nur Bahnhof. Nach schier endloser Zeit, mir ist inzwischen ganz warm geworden, erklärt die Dame am Schalter, der Grund des Übels seien Probleme mit unserer Sitzplatzreservierung, die jedoch nun gelöst seien. Aha, dann geht es ja noch,  die Erklärung, dass man uns auf einen ganz anderen Flug umgebucht hat, scheint sie vergessen zu haben. Das  bemerken wir mehr oder minder zufällig beim Einsteigen, da dort anstatt Bangkok nun Singapur auf der Anzeigetafel steht.

 

Ja nun, eigentlich ist es uns egal, nicht egal sind uns aber die 2.5 Stunden Verspätung, die nun folgen, doch auch daran ändern wir ja nun einmal nichts. Im Endeffekt landen wir mit 1.5 Stunden Verspätung in Auckland und geraten daher etwas unter Zeitdruck, da wir unser Schätzchen unbedingt heute noch abholen wollen. Es bleibt mal wieder nur die Taxivariante, dank derer wir kurz vor Toresschluss bei der Firma Carr + Haslam eintreffen. Von da an geht alles ratzfatz, wir werden zu Monsters Abstellhalle gefahren und da steht er bereits vor dem Tor, offensichtlich unversehrt und guter Dinge. 

Ob er sich wohl auch freut?? Wir jedenfalls tun das ganz doll. Möglichst direkt wollen wir noch die finanzielle Seite der Unterstellaktion regeln, haben jedoch nicht mit der Vertrauensseligkeit der Kiwis gerechnet, sie würden die Rechnung dann zuschicken. Ja an wen denn nur? Wir können nur vermuten, dass es die Firma AD Customs sein wird.

 

Unser nächstes Ziel ist ein Supermarkt um wenigstens die nötigsten Lebensmittel einzukaufen und von dort geht es zu einem Campingplatz. Wir haben uns für den recht stattnahen „Avondale Motor Park“ entschieden und dort finden wir für die nächsten 4 Tage ein Plätzchen. Vorrangiges Ziel ist die Herrichtung unseres grünen Hauses von innen und außen, irgendwie hat doch noch australischer, roter Staub aus irgendwelchen Ritzen herausgefunden. Jupp versucht unterdessen den klinischreinen Unterboden in einen widerstandsfähigen Zustand zu versetzen. Aufgrund der vielen Dampfstrahlaktionen rufen die Schmiernippel bereits ganz laut nach Fett.

 

Während der verschiedenen Tätigkeiten machen wir Bekanntschaft mit dem neuseeländischen Wettergott, bei dem es sich um eine recht launische Natur zu handeln scheint. Bis zu 4x täglich wechseln wir von lange auf kurze Hosen und auch das ständige Wäsche aufhängen und wieder abnehmen, gerät schon bald zur gymnastischen Übung. Glauben wir morgens, dass es heute ganz bestimmt nicht aufhört zu regnen, müssen wir uns bereits 1 Stunde später eines Besseren belehren lassen. Die Sonne knallt dann derartig vom Himmel, dass sich unsere Nasen bereits nach 30 Minuten röten. Also Sonnencreme heraus, der ganze Körper wird einbalsamiert und was passiert? Klaro, es fängt wieder an zu regnen und kühlt ab. Ob man sich daran jemals gewöhnt?

 

Sonntag ist es dann endlich soweit, wir sind sozusagen startklar und gönnen uns einen Bummel über den Avondale-Markt. Dort gibt es einfach alles, über Trödel bis hin zu Obst und Gemüse, und das auch noch deutlich günstiger als im Supermarkt. Gut zu wissen! Da schon einmal bei der Erkundung von Einkaufsmöglichkeiten, schauen wir uns auch noch in einem Pak’n Save , der Kiwi-Version von Aldi um und finden auch hier das Angebot ganz ansprechend.

 

Bevor es am Montag endgültig losgehen kann, müssen wir noch einige Telefonate führen.

 

Während unserer Abwesenheit in Deutschland haben einige Dinge unseres Haushaltes ein Eigenleben entwickelt, jedenfalls ist der Wasserkran am Spülbecken undicht und der Akku des Satellitentelefons macht keinen Mucks mehr. Nun gilt es also Ersatz zu finden und dabei sind uns die gelben Seiten eine große Hilfe. Wir finden sowohl die Nummer eines Iridium-Händlers als auch eines Installateurs, der laut Inserat auch Campingkräne repariert. Der Gute scheint mit einer Reparatur jedoch nicht viel am Hut zu haben, er gibt uns lieber gleich die Adresse eines Ladens für Bootszubehör, der auch Kräne verkauft. Auch gut, dann eben so.

 

Bei Iridium gibt es eine freudige Nachricht, der Akku ist vorrätig und wir brauchen ihn nur abzuholen. Frohen Mutes brausen wir los, der Bootsladen ist ganz in der Nähe und auch schnell gefunden. Wir können unser Glück kaum fassen als wir auf Anhieb den begehrten Kran erblicken und auch der horrende Preis kann uns vom Kauf nicht abhalten. Immerhin handelt es sich um ein weitaus stabileres Modell als der Vorgänger. Schon halb befriedigt, geht es weiter und nach einer kurzen Irrfahrt ist auch der Iridium-Händler gefunden. Der frisch geladene und voll funktionsfähige Akku findet unser Wohlgefallen und nebenbei erfahren wir noch, dass man über die Website von Iridium (www.iridium.com) kostenlose SMS auf unser Satellitentelefon senden kann. Nach der Übernahme unseres alten Anbieters war dieser Service für uns weggefallen und daher freuen wir uns sehr über diese Info.

 

Wieder mit allem ausgerüstet, wollen wir die nähere Umgebung von „Auckland“ erkunden und fahren nach Nordwesten. Oberhalb von „Helensville“ liegen die heißen Quellen von „Parakei“, die sich bei näherer Betrachtung als ein etwas schäbiger Riesenpool mit Wasserrutschen herausstellen und unserem Geschmack nicht wirklich entsprechen. Eine schmale Straße führt weiter in nördlicher Richtung und wir landen an einem Ort namens „Shelly Beach“. Dort gibt es einen großen Parkplatz und einen ganz einfach Campingplatz. Wir als brave Bürger zahlen also unsere Stellplatzgebühr und stellen uns auf die eingezäunte Seite des Parkplatzes. Im Laufe des Abends füllt sich die andere Seite des Platzes mit immer mehr Campern, die dort übernachten und natürlich nichts bezahlen. Wir beiden Döspaddel ärgern uns ein wenig, haben jedoch unsere Lektion gelernt.

 

Am nächsten Morgen wollen wir in „Helensville“ , einem netten Örtchen mit 2200 Einwohnern, einige Emails abschicken und besuchen dazu die Bücherei, da man dort in der Regel recht günstig surfen kann. Das ist auch hier der Fall, nur leider dürfen wir unseren USB-Stick dort nicht benutzen, denn die Angst vor möglichen Viren scheint recht groß zu sein. Wir ziehen also unverrichteter Dinge von dannen, ersteigen aber wenigstens bei einem Schrotthändler ein Metallrohr, dass wir als Mast für unsere mitgebrachte Satellitenschüssel benutzen wollen.

 

Die nächsten Tage klappern wir die diversen kleinen Küstenorte im Waitakere Ranges Regionalpark ab, holen uns den ersten Muskelkater bei Wanderungen zu verschiedenen Wasserfällen, besichtigen in „Piha“ den 101 m hohen Lion Rock, der mit etwas Fantasie an einen sitzenden Löwen erinnert, der aufs Meer hinausstarrt und in „Muriwai“ die Basstölpelkolonie, die hier zwischen September und März brüten.

Passend zum Wochenende kommen wir in „Rotorua“, der Touristenattraktion Nummer eins auf der Nordinsel, an und müssen uns sogleich an die eigentümliche Duftnote der Stadt gewöhnen, denn hier befindet sich eines der dichtesten Geothermalgebiete der Welt. Zwanzig Meter hohe Geysire schießen ihre Fontänen in die Höhe, dampfende Schwaden überziehen kochende Schlammlöcher und der aus der Erdkruste aufsteigende Schwefelwasserstoff sorgt für den Geruch nach faulen Eiern. Beim Rundgang durch die Stadt gewöhnen wir uns jedoch recht schnell daran und als wir ganz faul in den heißen Mineralbecken des Polynesian Spa herumliegen, nehmen wir den Gestank kaum noch wahr.

 

Zu Juppis Geburtstag wollen wir uns etwas Besonderes gönnen und buchen eine Tour zum „Tamaki Maori Village“, bei der wir mehr über die Traditionen von Aotearoa, dem Land der langen, weißen Wolke, erfahren möchten. Das übliche Veranstaltungsprogramm beinhaltet Konzerte und Hangi, die traditionelle Kochmethode der Maori, bei der das Essen in einem Erdloch auf heißen Flusssteinen zubereitet wird. Wir stellen ein Mal mehr fest, dass diese Art der Touristenunterhaltung uns nicht so recht erfreut, wir können weder dem typischen Hongi-Gruß, dem Nasenkuss, noch dem Kartoffel, Gemüse und Fleischgemisch etwas abgewinnen und auch die Sangeskunst, die im Chor zum Besten gegeben wird, ist nicht ganz nach unserem Geschmack. Jedenfalls frischt der Abend die Erinnerung daran auf, dass wir solche Exkursionen einfach ausfallen lassen sollten.

 

In der näheren Umgebung von „Rotorua“ befinden sich allerlei Orte, an denen man bei den verschiedenen Aktivitäten seinen Adrenalinspiegel auf Maximum bringen kann. Sei es ein 43 m tiefer Bungeesprung oder der Swoop, bei dem bis zu drei Leute in einen Sack geschnallt und mit bis zu 130 Sachen durch die Luft katapultiert werden. Außerdem kann man mit dem Agrojet, dem schnellstens Jetboat Neuseelands, einen 1 km langen künstlichen Kurs entlangrasen oder man kann zorben. Zorben ist ganz einfach, man klettert in eine Plastikkugel, schnallt sich fest und los geht’s: 150 m lang den Berg hinunter.

 

Ein paar Durchgeknallte schnallen sich nicht an, schütten kaltes Wasser in die Kugel und kugeln so auf die nasse Tour den Berg hinunter. Wir sind irgendwie nicht so abenteuerlustig und amüsieren uns doch lieber von außerhalb.

Bereits am nächsten Morgen zieht es uns wieder in ländlichere Gegenden und in eine weitere Thermalzone, dem Hell’s Gate. Dieses ist nicht nur das kleinste, sondern mit Unmengen blubbernden Schlammtümpeln und siedenden grauen Wasserlöchern, auch eines der wildesten und aktivsten Gebiete.

 

Dem Ort wurde von den Maori schon seit langem heilende Kräfte zugeschrieben, doch leider ist an der ehemals beliebten Badestelle heute das Baden verboten. Vorbei an den farbig schimmernden Seen Tikitapu, blauer See, und Rotokakahi, grüner See, deren Färbung auf mineralische Aktivität unter der Erde zurückzuführen ist, geht es zu einem DOC Campingplatz am Rerewhakaritu See.

 

Das „Departement of conservation“, kurz DOC, betreibt in Neuseeland etliche für Fahrzeuge zugängliche Campingplätze, wovon die einfachsten kostenlos sind, die als standard oder serviced ausgewiesen schlagen mit 3,00 bis 14,00 NZ$ zu Buche.

 

Die serviced-Plätze sind mit allem Nötigen ausgestattet- WCs, fließendem Wasser, Duschen und Picknickplätze. Der Platz ist bevölkert von zahlreichen Kiwis, die hier genau wie wir die Weihnachtstage verbringen möchten. Es dauert gar nicht lange, da hören wir vertraute deutsche Töne und wir lernen Inge, die vor 30 Jahren hierher ausgewandert ist, kennen.

 

Am heiligen Abend, dem die Kiwis so gar keine Bedeutung zukommen lassen, schmücken wir Monster wie üblich mit einer Lichterkette und grillen als Weihnachtsmenü ein Hähnchen. Wie schon in Australien ruft unser Grillmotor auch hier große Begeisterung hervor, vielleicht hätten wir mit dem Import solcher Teile doch noch ein Geschäft machen können?! Beim Blinken der bunten Lämpchen und dem Hören unserer Weihnachts-CD denken wir an unsere Lieben daheim und am Ende wird uns so wehmütig zumute, dass wir zeitig ins Bett gehen und unsere Sentimentalität lieber verschlafen.

 

Der 80 km südlich gelegene größte Binnensee des Landes, Lake Taupo, ist das feurige Herz der Nordinsel. Vor 26500 Jahren ereignete sich hier einer der größten Vulkanausbrüche überhaupt, bei dem 800 km³ Asche und Bimsstein durch die Luft geschleudert wurde. Heute ist der 600 km² große See so ruhig, dass tausende Urlauber eigens wegen der fantastischen Möglichkeiten zum Forellenfischen hierher kommen. Wir lassen uns auf einem freien Campground, Reids Farm, direkt am Ufer des Waikato Flusses nieder und warten auf das Aufhören des Regens.

 

Erst am nächsten Morgen ist es soweit und bereits früh finden wir uns an den Huka Falls ein, wo sich einer der wasserreichsten Flüsse Kiwilands, der Waikato, in eine enge Schlucht drängt, um sich anschließend 10 m tief in ein tosendes Becken zu stürzen. Von hier aus wandern wir bei strahlendem Sonnenschein die 7 km bis zu den Aratiatia Rapids, bis zum Bau eines Staudammes Stromschnellen.

 

Heute kann man von diesen lediglich 4 mal täglich eine halbe Stunde lang etwas sehen, nämlich dann, wenn die Fluttore geöffnet werden. Wir schauen uns das Spektakel von der Staumauer aus an und sehen, wie sich ein ausgetrockneter Wasserlauf in ein Inferno aus tobenden Strudeln verwandelt, um schließlich wieder zu einem Tröpfeln zu versiegen. Eigentlich hatten wir erwartet von hier mit einem der Ausflugsboote wieder zurückfahren zu können, doch leider gibt es am Ende keine Aussteigemöglichkeit und somit müssen wir den Rückweg abermals per pedes antreten.

 

Unterwegs, wie könnte es auch anders sein, beginnt es zu regnen und das auch noch gleich wie aus Eimern. In Minutenschnelle sind wir pitschnass und ziemlich durchgefroren, doch bereits wenige Zeit später trocknet uns die Sonne. So geht es noch einige Male und wir gelangen zu der Erkenntnis, dass das Wetter hier eindeutig Kapriolen schlägt und wir ständig für alles gerüstet sein sollten.

Auf dem Weg zum „Tongariro“ Nationalpark fahren wir durch eine der atemberaubendsten Landschaften der Nordinsel, die auch als Drehorte für „Mordor“ und „Mount Doom“ in „Herr der Ringe“ herhalten musste.