von Milford Sound nach Picton: März 2007

Mit mehr oder weniger großen Schritten nähern wir uns „Invergarcill“, der Stadt mit dem angeblich miesesten Wetter des Landes und dem einzigen Grashalm-Denkmal der Welt, aber ansonsten mit einer typisch neuseeländischen Innenstadt. Wir halten uns auch gar nicht lange auf, sondern begnügen uns mit dem Abruf unserer Emails und erhalten eine freudige Nachricht. Liliana und Emil Schmidt, www.weltrekordreise.ch, die wir in Thailand vor gut 2 Jahren knapp verpasst haben, schreiben uns, dass sie gerade in „Dunedin“ angekommen sind und uns gerne kennenlernen möchten. Das passt ja mal richtig gut, sind wir doch in diese Richtung unterwegs. Auf dem Weg dorthin fahren wir durch die bezaubernden „Catlins“, vorbei an traumhaften Stränden, die wir leider bei Regen nicht so recht zu würdigen wissen, und umliegenden Felsen, auf denen sich Pelzrobben, Seelöwen und Seeelefanten in seltener Eintracht aalen.

 

Wir landen rein zufällig auf einem inoffiziellen Campingplatz und haben unsere 1. Begegnung mit einem nicht so netten Kiwi-Zeitgenossen. Da wir lange ohne Handyempfang waren, ist mal wieder ein Telefonat in die Heimat fällig und so frage ich in einer kleinen Gaststätte nach einer öffentlichen Telefonzelle. Der Besitzer fragt nach einer Telefonkarte, die wir natürlich besitzen und so offeriert er uns sein Telefon.

 

Wir freuen uns sehr über die vermeintliche Freundlichkeit und bestellen im Gegenzug 2 Bier, damit der Gute an uns auch etwas verdient. Damit fängt es dann schon an, er könne uns kein Bier servieren ohne dass wir auch etwas zu essen bestellen. Wir haben zwar gerade schon gegessen, aber was soll’s, dann gibt es eben noch ein Muffin zum Nachtisch. Das Bier kommt, das Muffin kommt und der Besitzer kommt samt Telefon. So weit so gut, nur irgendwie rückt der Wirt nun den Hörer nicht heraus. Alles Bitten ist umsonst, er ist der Herr über die Tastatur und ruft nun für uns in Deutschland an. Er wählt auch fleißig, angeblich die angegebene Nummer, nur legt er nach kurzer Zeit jedes Mal wieder auf und behauptet, unsere Telefonkarte würde nicht funktionieren. Das Ganze geht 10 Minuten, ich kann es nicht fassen und frage mich, wer von uns denn nun der Blöde ist. Tja, irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass ich es wohl sein muss. Wie könnte ich sonst auf so eine Nummer hereingefallen sein??? Ziemlich geläutert ziehen wir von dannen und rufen am nächsten Morgen in alter Herrgottsfrühe von der nächsten Ortschaft aus an.

 

In „Dunedin“ ist mal wieder der Besuch eines Campingplatzes fällig, der Wäschesack ist zum Bersten voll und auch Monster ruft nach einiger Pflege. Wir quartieren uns auf einem kleinen Platz etwas außerhalb ein und Jupp bemerkt leider erst zu spät, dass er nicht genügend Fett zum Abschmieren hat.

 

Hmm, Monster wieder startklar machen, das wollen wir nun auch nicht, folglich bleibt uns nur Maschine abzuladen. Es ist wie es eigentlich immer ist wenn man etwas braucht, Maschine läuft nicht bzw. nur kurz, dann reißt der Gaszug und die Reparatur beginnt. Einen neuen, passenden Zug haben wir natürlich nicht dabei, also tricksen wir uns aus allen möglichen Ersatzteilen einen neuen zusammen. Was soll ich lange erzählen, am Ende läuft zwar Maschine wieder, aber inzwischen ist es zu spät um noch die Sachen für Monster einzukaufen. Ergo, heute alles für lau, wir verschieben es auf morgen und gehen ins Bett.

 

Der Schlaf wird wider Erwarten alles andere als erquickend, denn die vorbeifahrenden Autos machen einen ziemlichen Lärm, aber auch hier heißt das Motto: selbst schuld! Spätestens die Erklärung beim Einchecken auf dem Camping, die vorbeiführende Straße sei nicht viel befahren und nicht laut, hätte die Alarmglocken schrillen lassen müssen. Dumm gelaufen, nachher ist man immer schlauer.

 

Anyway, alle Überlegungen noch einen Tag länger hier zu bleiben sind hinfällig und wir fahren mit Monster zu einem Laden für Autozubehör um das fehlende Fett zu besorgen. Wie in letzter Zeit immer häufiger, besuchen wir unter anderem dann auch einen Angelladen und Jungfischer Jupp ist in seinem Element. Ich kann mittlerweile gar nicht mehr sagen, ob nun ein Baumarkt oder ein Angelgeschäft in der Hitliste an 1. Stelle steht, wahrscheinlich ist es ein Baumarkt mit Angelabteilung oder so ähnlich. Jedenfalls findet ein weiterer Blinker den Weg ins unser Heim, heute mal ein goldfarbener mit schwarzen Streifen…oder war es gelb mit grün ….oder silber mit rot….für Lachs oder für Forelle..???

 

Nach mehr oder minder, je nach Blinkwinkel, erfolgreichen Einkäufen, finden wir eine nette Wiese direkt am Meer, die sich hervorragend für die ausstehenden Wartungsarbeiten eignet. Sogar das Wetter spielt einigermaßen mit, nur leider wollen die Schmiernippel nicht so wie Jupp. Zunächst höre ich laute Töne über die zur Einfuhr völlig schwachsinnige Reinigung, die wirklich jeden Rest von Schmierfett oder den in Deutschland mühsam aufgetragenen Unterbodenschutz weggewaschen hat, und dann nur noch das Klappern von Werkzeug.

 

Das macht mich nun auch irgendwie stutzig und ich frage mal vorsichtig nach, was los ist. Was soll schon los sein, mein Göttergatte hat kurz entschlossen die komplette Kadarnwelle ausgebaut um an einen dieser vermaledeiten Schmiernippel zu gelangen und nun liegt dieses ganze Getöse unter Monster herum. Warum auch nicht, so eine Wiese am Strand ist sicherlich der richtige Arbeitsplatz dafür.

 

Zu allem Überfluss kommt auch noch ein Lehrer samt Schulklasse daher, breitet seine Kinder um uns herum aus und erzählt, dass wir aus einem fernen Land, nämlich Deutschland, den ganzen Weg bis hierher gefahren seien. Deutschland sei ein sehr schönes Land und er weiß das, weil er in früheren Jahren in Hannover Rugby gespielt hat. Schön, dass ihm unsere Heimat so gut gefallen hat, komisch finden wir dabei eigentlich nur, dass er zwar in Hannover gespielt, aber in England gewohnt hat! Wie auch immer, nach einiger Zeit sind wir wieder allein, sämtliche ausgebauten Teile finden ihren Weg zu Monster zurück und siehe da, er läuft wunderbar.

 

Wir treffen Liliana und Emil, die sich in einer Pension eingemietet haben, da Liliana sich eine Lungenentzündung zugezogen hat, aber heute gottlob zum 1. Mal fieberfrei ist und verbringen einige interessante Stunden.

Die beiden sind vor 24 Jahren mit dem Vorhaben losgefahren ungefähr 2 Jahre zu reisen und seitdem sind sie nun unterwegs, und das in einem Toyota Landcruiser und nicht so feudal wie wir mit unserem Wohnzimmer.

 

Bevor wir uns für die Fahrt nach „Queenstown“ auf die Dunstan Road begeben, ist mal wieder ein Reifenwechsel fällig. Nein, ausnahmsweise ist kein Plattfuß die Ursache, sondern eine einseitig abgefahrene Lauffläche vorne links und damit der Reifen nicht bald völlig hin ist, muss er nun nach hinten rechts. Bei einem Lkw-Reifendienst geht die ganze Geschichte recht zügig vonstatten und es gibt sogar noch einen Gutschein um die Radmuttern bei irgendeiner Filiale nachziehen zu lassen.

Völlig losgelöst von den Touristenmassen ziehen wir einsam unserer Wege ein weiteres Mal fast quer über die Insel, verbringen einen eiskalten Abend an einem Wasserreservat, nachts sinkt die Temperatur auf 0° C, und erreichen am nächsten Tag „Queenstown“ bei strömendem Regen. „Queenstown“, für Adrenalinjunkies das absolute Muss, wird eindeutig vom Tourismus bestimmt.

 

Für uns beginnt es damit, dass wir trotz intensiver Suche nirgends ein lauschiges Plätzchen für Monster finden können und zwangsläufig auf einem der ungeliebten Campingplätze landen. Dieser ist im Verhältnis unverschämt teuer, aber dafür stehen die Massen von Wohnmobilen sehr nah aneinander in Reih und Glied.

 

Der einzige Lichtblick ist die Begegnung mit einem der rot/schwarzen Busse von „Roteltours“, die weltweit aktiv sind und von deren zwangsläufigen Wissen der jeweiligen Busfahrer wir bereits seit Indien profitieren. Nach anfänglichen Kommunikationsschwierigkeiten, der gemeine Deutsche ist mal wieder sehr vorsichtig, klönen wir schlussendlich doch über den haarsträubenden Fahrstil der diversen Kulturen, bekommen aber heute von den normalerweise überwiegend älteren, deutschen Reisenden niemanden zu sehen.

 

Der Regen kann unseren abendlichen Zug durch die Gemeinde nicht aufhalten und mit 23.00 Uhr wird es gar so spät, dass wir uns bereits für Nachteulen halten und zügig das Bett anstreben.

 

Nicht so unsere gegenwärtigen Nachbarn, 2 italienische Paare. Die sind selbst um 1.30 Uhr noch tagaktiv und testen, ob man sich auch durch geschlossene Fenster und Türen mit dem außen stehenden Raucher unterhalten kann. Wir können das Testergebnis zu 100 Prozent bestätigen, denn die Konversation ist auch in unseren Gemächern ganz deutlich zu verstehen. Wen wundert es, dass wir morgens relativ geladen sind, irgendwie können wir doch nicht ganz bei Trost sein, einen Haufen Geld für eine schlaflose Nacht zu bezahlen, oder? Also nix wie weg und ab in die Pampa!

 

„Glenorchy“, am oberen Ende des „Lake Wakatipu“, ist dafür wie geschaffen, besteht der Ort doch im Grunde genommen aus einer Tankstelle, einem Postamt, einem Lebensmittelgeschäft und einer Handvoll Unterkünften, die wir tunlichst meiden.

Ein Platz namens Paradies zieht uns quasi magisch an und wir wundern uns dann auch nicht besonders, dass wir auf dem Weg dorthin auf den gigantischen Tross einer Filmcrew treffen. So eine tolle Landschaft lädt ja auch zum Filmen ein, denken wir, nur unsere romantische Ader scheint der Regisseur nicht zu teilen. In Wahrheit wird hier ein Actionfilm gedreht, dessen Namen ich leider sogleich wieder vergessen habe.

 

Auf dem Weg nach „Wanaka“ versuchen wir uns bzw. Monster sich, an der extrem schmalen und kurvenreichen „Skippers Road“, eine Herausforderung an jeden Fahrer und Mietwagen besitzen gleich gar keinen Versicherungsschutz.

Über eine Stunde lang kämpfen sich Fahrer und Gefährt über den Weg, der fast senkrecht in die Felsvorsprünge getrieben wurde, doch trotz der Einweisungskünste des Beifahrers müssen wir schlussendlich aufgeben.

Die Skippers Bridge verfügt zwar über die ausreichende Höhe um den Frühjahrhochwassern zu trotzen, doch dem Gewicht von Monster wäre sie einfach nicht gewachsen und so treten wir ziemlich enttäuscht den Rückweg an. Doch wie könnte es anders sein, mit der Straße zum „Danseys Pass“ ruft bereits die nächste Herausforderung und dazu fahren wir recht zügig nach „St. Bathans“, einer ehemaligen Goldgräberstadt. Heute jedoch eher eine Geisterstadt, mit nur 7 Einwohnern und einer Reihe wackliger Gebäude in der einzigen Straße. 2 der Bewohner, nämlich die Besitzer des „Vulcan Hotels“, haben sich die Bekanntmachung ihres kleinen Kaffs auf die Fahnen geschrieben und schüren dazu die Geistergeschichten, die um ihren Ort ranken.

So manch einem läuft heute noch der Schauer über den Rücken angesichts der Geister, die nächtens sowohl im Hotel als auch auf dem Friedhof ihr Unwesen treiben. Ob die Geister an diesem Abend gerade frei haben oder ob es an den verzehrten Bierchen liegt, lässt sich nicht einwandfrei klären, aber wir bemerken in dieser Nacht noch nicht einmal das leiseste Spuken und fahren morgens unversehrt von dannen.

 

Über den unvergleichlichen „Mount Cook“, den türkisfarben schimmernden „Lake Tekapo“ und letztlich den „Lewis Pass“ geht es nach „Nelson“ und von dort, selbstverständlich nach dem Aufstocken der Wurstvorräte, relativ zügig zurück nach „Picton“ und somit der Nordinsel.