von Wetten nach Dubai: Dezember 2007

Es ist Samstag, der 08.12.2007 und die gepackten Taschen stehen in der Diele. Nach 3.5 Monaten turbulentem Heimaturlaub nehmen wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge Abschied, traurig unsere Lieben zurücklassen zu müssen und froh, dass es endlich wieder losgeht. Und zwar um 20.45 Uhr mit der „Emirates Airlines“ von „Düsseldorf“ zunächst nach „Dubai“, wo wir einen 3-tägigen Stopp eingeplant haben.

 

Aufgrund unserer Erfahrung vom letzten Jahr beim Einchecken in Amsterdam, sind wir heute für alle Eventualitäten gerüstet. Unsere Visa sind mit dem Vermerk: „Outward passage waived“, was bedeutet, dass wir bei der Einreise kein Rückflugticket benötigen, versehen und auch die Erklärung für einen kostenlosen Transport von 10 kg Tauchgepäck pro Person haben wir uns dieses Mal ausgedruckt. Ein etwas mulmiges Gefühl bleibt trotzdem, denn es ruft bestimmt einiges Erstaunen hervor, wenn sich unser Tauchequipement als Ölfilter und andere Ersatzteile entpuppt. Doch dieses Mal geht alles ganz glatt, niemand interessiert sich für unser Gepäck und noch nicht einmal nach den Visen wird gefragt.

 

Planmäßig landen wir morgens um 6.15 Uhr auf dem Dubai Int. Airport, dem wichtigsten Flughafen im Nahen Osten. Bereits 2005 wurden hier fast 25 Millionen Passagiere abgefertigt, Tendenz steigend und dementsprechend ist das Gewusel. Die Einreisestempel werden ohne weitere Fragen in den Pass gedrückt und nachdem es auch beim Gepäck keine Beanstandungen gibt, sind wir auch schon drin.

 

Laut kurzer Information beim Touristenbüro scheint die beste Variante um zur Jugendherberge zu kommen, ein Taxi zu sein, die auch in reichlicher Anzahl vor dem Gebäude auf Kunden lauern.

 

Das „Dubai Youth Hostel“ liegt zwar etwas ab vom Schuss, ist aber a) die einzige Jugendherberge der Stadt und b) sollen die Einrichtungen bei Weitem besser sein, als sich vermuten lässt.

 

Beim Einchecken das übliche arabische Gelaber und Gebaren, das Zimmer sei noch nicht fertig (wen wundert es morgens um 8.00 Uhr), aber wir bekämen trotzdem schon mal den Schlüssel und der Zimmerservice käme dann auch gleich.

 

Wir dackeln also mit unseren 60 kg Gepäck beladen durch einen langen Flur und sind nicht besonders angetan, von dem was wir sehen. Irgendwie sieht der ganze Bau etwas mitgenommen aus, doch unser Zimmer schlägt dem Fass den Boden aus. Es muss eine größere Party stattgefunden haben, einige Chips und Getränke hat man uns noch übrig gelassen, selbst das winzige Bad erfreut nicht durch sein Outfit. Letztlich ausschlaggebend ist jedoch das Bett, wenn wir hier zu zweit schlafen wollen, dann geht das eindeutig nur abwechselnd. Für Jupp ist die Entscheidung innerhalb von 2 Sekunden gefallen: „hier bleibe ich nicht, schließlich habe ich heute Geburtstag!“

 

Keine 5 Minuten später stehen wir mit Sack und Pack auf einer staubigen Straße und versuchen ein Taxi zu ergattern, ein etwas schwieriges Unterfangen, doch nach 30 Minuten ist auch das gelungen. Wir wollen zum Touristenbüro am „Baniyas Square“ in „Deira“, dem Zentrum der Stadt. Der Platz ist auch schnell gefunden, nur das Infobüro scheint den riesigen Umbaumaßnahmen anheim gefallen zu sein, jedenfalls können wir es nicht finden. Hm, nun ist guter Rat teuer, wir klappern auf eigene Faust und unter zu Hilfenahme unseres Reiseführers mehrere Hotels ab. Leider sehr erfolglos, zwar befinden sich ungezählte Hotels in allen Preiskategorien in der Stadt, doch ambivalent dazu finden gerade 3 Ausstellungen, u.a. das Filmfestival, statt und wir ernten nur Absagen. „Fully booked“ tönt es immer wieder.

 

Schon fast am Ende unseres Lateins kehren wir zum Flughafen und der einzig auffindbaren Touriinfo zurück. Der Enthusiasmus des Personals am Schalter hält sich wirklich sehr in Grenzen, doch immerhin werden wir an einen Schalter verwiesen, an dem Hotelzimmer vermittelt werden. Auch dort hagelt es Absagen, doch schlussendlich gibt es ein Zimmer im „Cityheart“ Hotel. So haben wir es wenigstens verstanden, doch bei der Ankunft entpuppt sich dieses Zimmer als ein Appartement in dem eine halbe Fußballmannschaft Platz finden würde. Wir lassen uns nicht lange bitten und beziehen gleich mal 2 getrennte Schlafzimmer, selbstverständlich mit eigenem Bad. Man gönnt sich ja sonst nichts, gell?

 

Nachdem wir 2 Stunden die Matratzen getestet haben, der Nachtflug, die Zeitverschiebung und der Klimawechsel fordern ihren Preis, geht es zur ersten Erkundung der Stadt. „Deira“ und „Bur Dubai“ sind das Zentrum von Dubai, wobei sich das meiste schon aus historischen Gründen am Creek abspielt und zum dortigen Dhau-Anleger zieht es uns zuerst. Dhaus sind lange, flache Segelboote aus Holz, die über den Indischen Ozean und das Arabische Meer fahren. Die Dhaus, die in heutiger Zeit hier anlegen, treiben Handel mit dem Iran, Irak, Pakistan, Oman, Indien und weiteren Staaten und transportieren so unterschiedliche Dinge wie Klimaanlagen, Küchenwaschbecken, Autoreifen oder etwa TV-Geräte.

Dass „Duabi“ ein sicheres Pflaster ist, zeigt sich schon daran, dass die Waren oft wochenlang auf den Kais herumliegen, ohne zu verschwinden.

Anschließend schlendern wir durch die schmalen Gassen von „Deira“, kehren zur „happy hour“ ins „Radisson“ Hotel ein und nehmen unser Abendessen in einem der zahlreichen Straßenrestaurants bevor wir todmüde in die Kissen sinken.

 

Der Montag ist der Tag der Souks. Egal ob es der Naif-Souk, ein kleiner überdachter Markt auf dem emiratische Frauen ihre Pseudo-Designermode kaufen, oder der überdachte Souk von Deira, der weder ein traditioneller Souk noch überdacht, sondern einfach Gassen mit Hunderten von Miniläden, ist, keiner ist vor uns sicher. Natürliche dürfen auch der Parfüm-Souk und der berühmte Gold-Souk nicht fehlen und wir sind heilfroh, dass wir in der schön restaurierten „Al-Ahmadiya“ Schule zu einer Verschnaufpause kommen. Einer der Museumswärter verwöhnt uns sogar mit Tee und kleinen Pfannkuchen.

 

Dermaßen gestärkt, schlendern wir zum Dhau-Anleger und überqueren, so wie 15000 Menschen täglich, den Creek mit einem Abra, eines der traditionellen, hölzernen Wassertaxis. 

Da schon einmal im Soukfieber, nehmen wir den von „Bur Duabi“ auch noch gleich mit, bevor wir uns ins gerade umgebaute „Burjuman“ Center, der tollsten Mall von allen, stürzen. Einige der schönsten Geschäfte dort sind Saks Fifth Avenue, Dolce & Gabbana, Kenzo, Cartier und Tiffanys, leider alles nicht in unserem Budgetrahmen. Wir sind trotzdem nicht besonders traurig.

 

Der Tag findet seinen Ausklang in den Emirates Towers und dem darin befindlichen „Noodle House“. Dort sitzen wir Biergartenmäßig auf langen Bänken an Gemeinschaftstischen und kreuzen die asiatischen Gerichte, die uns zusagen, auf einem Abreißblock an. Dazu gibt es nichts Geringeres als ein „Tiger“-Bier vom Fass und schon fühlen wir uns rundum sauwohl.

 

Am Dienstag widmen wir uns dem noch ausstehenden Gewürzsouk, zwar hält dieser einem Vergleich mit dem Gewürzbasar in „Istanbul“ nicht stand, aber die toll restaurierten Windtürme zu bewundern und die markanten Düfte einzuatmen, ist allemal einen Besuch wert. Auch das stimmungsvolle Altstadtviertel Bastakia und das faszinierende Nationalmuseum finden noch unsere Anerkennung.

Dort prallen wir mit etlichen Reisegruppen aus ganz Europa zusammen, doch einen typischen Eindruck hinterlassen mal wieder unsere deutschen Mitbürger. Wir stehen inmitten eines Gewühls am Eingang zum Museum als uns eine deutsche Reiseleiterin mit den Worten: „auch für sie eine“, eine Eintrittskarte in die Hand drückt. Während wir, ob der ungeahnten Gunst, noch einigermaßen verwirrt dastehen, stürzt eine Frau mit ausgestrecktem Zeigefinger auf uns zu und schreit völlig entrüstet: „Sie da, sie gehören aber nicht zu unserer Reisegruppe!“, vollführt einen Feixtanz, entreißt uns die Eintrittskarte und blickt Beifallheischend um sich. Da können wir doch nur anerkennend sagen: „Toll gemacht, und morgen gibt es ein Fleißkärtchen.“  Brav geben wir also unsere Eintrittskarte wieder ab und marschieren dann doch ohne zu bezahlen ins Museum, irgendwie scheinen die Museumswärter noch von dem Schauspiel beeindruckt zu sein.

 

Nach dieser Vorführung deutscher Genauigkeit, wird es Zeit für einen Besuch in „Jumeirah“, der Küstenstreifen an dem Dubais belebten Strandhotels liegen. Bereits in Deutschland haben wir eine „Teatime“ im einzigen selbsternannten Sieben-Sterne Hotel der Welt (tatsächlich wird es als „Fünf Sterne Luxus“ eingestuft), im „Burj Al Arab“, gebucht.  Es ist mit 321 m Gesamthöhe das höchste Hotel der Welt- sogar höher als der Eifelturm. Zwar rollen wir nicht in einem Rolls-Royce, sondern „nur“ in einem Taxi durch die Einfahrt, aber das Gefühl ist trotzdem schon sehr erhebend. Die Fassade ist unglaublich stylisch, aber der Anblick des modernen, arabischen Interieurs schockt uns ein wenig. Doch über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten und so genießen wir ganz einfach die Atmosphäre. Pünktlich um 15.00 Uhr, very britisch, fahren wir in die 27. Etage zur Skyview Bar zu unserem Teetrinken und sind letztendlich überwältigt von dem Anblick. 

Zur Linken „the Palms“, in der Mitte die Sandaufschüttung für „the World“ (selbst aus dem Weltraum zu erkennen!) und zur Rechten der Blick auf Dubai. Auch das vermeintliche Täschen Tee ist überwältigend, es gibt Sandwiches, Kuchen, Scones und Tee oder Kaffee bis zum Abwinken und das geplante Abendessen kann man getrost vergessen. Wir verbringen 2 Stunden in angenehmer Atmosphäre bevor uns ein deutscher Kellner darauf hinweist, dass wir dem „Souk Madimat Jumeirah“ unbedingt auch noch einen Besuch abstatten müssen und dass uns einer der Hoteleigenen Elektro-Fahrzeuge jederzeit dorthin fahren würde. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und sind schon unterwegs.

 

Wie selbstverständlich werden wir als Gäste des Hauses betrachtet und ohne weitere Fragen in einem weiteren 5-Sterne Tophotel, dem „Mina A’Salam“ abgesetzt. Dieser „Hafen des Friedens“ ist im traditionell arabischen Stil gestaltet und dementsprechend können sich die Gäste, so wie wir, mit Hotel-Abras zum Souk gondeln lassen. Unterwegs erzählt uns der Abra-Fahrer in welcher Villa Michael Schumacher gewohnt hat und in welcher Sharon Stone oder auch George Clooney, zu Besuch beim Filmfestival, gerade wohnen. Da wir dann schon einmal beim Geldausgeben sind, gönnen wir uns zum Abschluss noch ein Bier in der grandiosen Bahri Bar und genießen den Blick auf das „Burj Al Arab“ bevor es zurück zu unserer bescheidenen Behausung und zur letzten Nacht in „Duabi“ geht.