von Wellington nach Blenheim: Januar 2007

Nach durchwachter Nacht, wir könnten ja ansonsten die Fähre verpassen, da schlafen wir lieber erst gar nicht, finden wir uns um 7.00 Uhr am „Interislander“ Ferry Terminal nordöstlich des Stadtzentrums ein. Das Einchecken und –schiffen geht recht zügig und unkompliziert vonstatten, wir werden lediglich daraufhin gewiesen, dass wir für Monster die falsche Passage gebucht haben. Sollen wir der Dame am Schalter nun erzählen, dass er tatsächlich ein Campervan ist und wir anderenfalls deutlich mehr für seine Überfahrt hätten bezahlen müssen? Wir stellen uns mal wieder dumm und kommen mit einer kurzen Belehrung davon.

 

Pünktlich um 8.30 Uhr legt der Dampfer ab. Monster hat unterdessen einige Aufmerksamkeit erregt und so kommen wir mit einem deutschen Ehepaar ins Gespräch. Gemeinsam nehmen wir an Bord das Frühstück ein und aufgrund der netten Unterhaltung gerät die 3-stündige Überfahrt sehr kurzweilig.

 

Das Erste, was wir von der Südinsel sehen, ist Regen, die Fjordlandschaft und die zahlreichen Wasserwege des „Marlborough Sounds“. Wir gehen in „Picton“, einer hübschen Hafenstadt mit 4000 EW wieder an Land und steuern den kleinen Supermarkt des Ortes an. Auf der Fleischtheke, wo soll man es auch sonst suchen, finden wir doch tatsächlich ein „richtiges“ Vollkorn-Graubrot und würden am liebsten sämtliche Restbestände sogleich aufkaufen. Leider ist unser Gefrierfach vollgepackt mit Fleischwaren, sodass wir uns mit nur 2 Broten begnügen müssen. Schade, denn auch unser in Australien erlerntes Brotbacken bleibt hier im Kiwiland auf der Strecke.

 

Unerklärlicherweise ist der ansonsten doch sehr grüne Flecken Erde zurzeit eher gelb und viel zu trocken, was überall ein absolutes Feuerverbot zur Folge hat. Dementsprechend sind wir froh, dass die Toast-Frühstückszeit zumindest für eine Weile vorüber ist.

 

Wir halten uns erst gar nicht lange in „Picton“ auf und verfallen, mangels eines schwimmfähigen Untersatzes auf die leicht abwegige Idee, die „Marlborough Sounds“ wenigstens ein Stück weit mit dem Auto zu erkunden. Wir begeben uns also zunächst auf den 35 km langen, recht schmalen und kurvenreichen „Queen Charlotte Drive“.

Die Fahrt geht nur langsam voran, wir werden jedoch durch zauberhafte Ausblicke auf die türkis schimmernden Buchten entschädigt. Wir zweigen auf die Kenepuru Road nach rechts ab und fahren an der Küste des Sounds entlang. Es gibt zwar keine besonderen Sehenswürdigkeiten an der Strecke, dafür gibt es zahlreiche DOC-Campingplätze, auf denen wir immer mal wieder ein paar Leute für ein kurzes Pläuschchen treffen. Einem solchen verdanken wir einen wunderbaren Stellplatz in „Titirangi“, ganz am äußersten Ende jeglicher befahrbaren Wege.

 

Uns wird bei dem Blick hinunter in die Bucht angesichts des Gefälles etwas mulmig, aber Monster meistert, zwar im ersten Gang, doch ansonsten ganz lässig den Abstieg. Allein die ohnehin in Neuseeland arg gebeutelten Bremsen müssen mal wieder ganze Arbeit leisten und Jupp ärgert sich einmal mehr, dass er Monster nicht mit einer Motorbremse versehen hat.

 

Unten angekommen, werden wir mit einer schönen Wiese direkt am hellen Sandstrand belohnt. Jupp ist sogleich Feuer und Flamme und ehe ich mich versehe, trabt er auch schon mit seiner Angel bewaffnet von dannen. Solange hat er bereits auf eine geeignete Stelle gewartet und nun gibt es kein Halten mehr. Die Ausbeute des Tages ist zunächst niederschmetternd, doch vielleicht gerade deswegen schaut Juppi sich etwas näher an den umliegenden Felsen um und entdeckt eine wunderbare Kolonie von Miesmuscheln. Wenn schon kein Fisch, dann wenigstens Muscheln. Ob es nun an der Frische der Muscheln oder dem Hochgefühl des Jägers und Sammlers oder gar an beidem liegt, lässt sich nicht eindeutig feststellen, die Muscheln jedoch, sind definitiv die besten unseres bisherigen Lebens.

 

Wir verbringen einige Tage am „Pelorus“ Sound, von dem man einen ungefähren Eindruck bekommt, wenn man weiß, dass dieser 42 km lang ist, aber eine Küstenlinie von 379 km hat. In „Havelock“, der heimlichen Hauptstadt der Grünlippenmuscheln, wovon auch unsere Geschmacksnerven angeregt werden und wir können nicht widerstehen, ein Beutelchen dieser erlesenen Happen zu erstehen. Heute soll es eine Zubereitung auf niederrheinische Art mit Sellerie, Zwiebeln und Knofi werden und wir können es kaum erwarten unser Ziel, das „Pelorus Bridge Scenic Reserve“ zu erreichen.

 

Angesichts der dort angesagten Preise von 10,00 $NZ p.P. für einen einfachen DOC-Platz, müssen die Muscheln und unsere Mägen sich noch ein wenig gedulden. Erst in „Rai Valley“ werden wir an einem kleinen Bach fündig und machen uns an die Zelebrierung des Abendessens, wozu selbstverständlich auch das Schwarzbrot nicht fehlen darf. Jedem gemeinen Niederrheiner wird das Wasser im Munde zusammen laufen, gell?

 

Morgens wollen die Kalorien irgendwie abgearbeitet werden und wir kehren zur „Pelorus Bridge“ zurück. Zu dieser frühen Stunde ist der Besucherstrom noch nicht eingetroffen und wir rüsten uns zum 417 m hohen „Trig K“ Aufstieg. Während wir uns noch mit Insektenschutzmitteln einreiben, die Sandfliegen lassen grüßen, spricht uns ein neuseeländisches Ehepaar an und wir bekommen kostenlose Tipps für einige fahrbare Tracks vom männlichen Part des Duos. Im Laufe des Gesprächs entpuppt sich dieser doch tatsächlich als Buchautor für 4 WD-Fahrten und Tracks, wir Glücklichen! Verständlicherweise muss die Wanderung warten bis wir eingehend instruiert worden sind, doch dann stürmen wir den Gipfel (oder war es vielleicht doch eher ein Schleichen?).

Wie auch immer, der Abstieg ist deutlich einfacher, allein über die Definition von „Wasserfall“ lässt sich noch streiten, vielleicht wäre Rinnsal doch der treffendere Ausdruck gewesen.

 

Auf dem Weg in Richtung „Nelson“ können wir „unseren Weg“ nicht so richtig finden, den attraktiven Abstecher zum „French Pass“ wollen wir uns für den Rückweg aufsparen und ein anderer Spot kommt uns nicht ins Gesichtsfeld. So kommt es, dass wir heute bereits in „Nelson“ und auf dem „Maitai Valley“ Campingplatz landen. Dieser ist zwar einige Kilometer außerhalb, aber dafür wunderbar ruhig im Grünen. Am Abend kommt der große Augenblick, die Satellitenschüssel soll mal wieder in den Einsatz. Voller Zuversicht klettert Jupp aufs Dach und ich fahre den Laptop hoch. Ahnt Ihr es schon? Ihr liegt genau richtig, auch die aufgeregte Diskussion bringt nicht, das ignorante Gerät funktioniert einfach nicht.

 

Isch werd noch wahnsinnisch!! Nach langem Trara scheint klar, die Bäume und umliegenden Berge sind Schuld. Komisch und etwas störend ist eigentlich nur, dass unsere Nachbarn fleißig Fernschauen. Häää?! Bevor die Nachtruhe aber endgültig dahin ist, geben wir resigniert auf, Morgen ist schließlich auch noch ein Tag.

 

Am Morgen haben wir jedoch ganz andere Pläne, Juppis Traum von einer Motorbremse soll konkrete Formen an nehmen und dazu fahren wir zu einer Firma in Stoke. Bei „Heslops“ kümmert sich sogleich Michael um uns und versteht auch sofort unser Ansinnen. Eine mechanische „Exhaust Brake“, also sozusagen eine Klappe, die den Auspuff zuhält, muss her und wie der Zufall es will, hat er genau so ein gebrauchtes Gerät vorrätig. Nachdem wir uns auch noch über den Preis einig geworden sind, steht einem Termin am nächsten Morgen um 8.00 Uhr nichts mehr im Wege.

 

Frohgelaunt kehren wir zum „Maitai“ Camping zurück und widmen uns dem „Problem“ schlechthin: die vermaledeite Satellitenschüssel! Mittlerweile habe ich den Eindruck, es geht uns gar nicht mehr ums Fernsehschauen, sondern einfach nur noch ums Prinzip. Wir können doch nicht zu dumm sein? (Kein Wort jetzt, auch nicht von Heiko!) Machen wir es kurz, wir wechseln mehrfach den Stellplatz, quatschen sämtliche Satellitenschüsselbesitzer an, justieren den Kompass an anderen Schüsseln, maulen uns an und ….hurra, es gelingt! Haben wir es endlich begriffen? Hopefully!!

 

Morgens bewegen wir uns in der „Rushhour“ von „Nelson“, (bitte nicht lachen, aber die Kiwis glauben tatsächlich, sie hätten so etwas), nach „Stoke“ und vermuten, aufgrund von Aussie-Erfahrungen, dass der Arbeitsbeginn vermutlich doch erst in 1 Stunde sein wird. Doch weit gefehlt, kaum eingetroffen, wird Monster bereits auf eine Bühne gefahren und los geht es. Ich finde kaum Zeit zur Vervollständigung der Reiseberichte, da ist schon alles vorüber. Mit fliegendem Laptop geht es bereits auf Probefahrt und, mich wundert schon gar nichts mehr, die Motorbremse funktioniert einwandfrei. Die nächste Überraschung folgt auf dem Fuße, der Preis.

 

Nein, es ist nicht etwa teuerer geworden, sondern die ganze Aktion ist tatsächlich günstiger geworden als veranschlagt. Unglaublich! Unverhofft haben wir also einen freien Nachmittag und da schon einmal im Werkstattfieber, wollen wir direkt noch einen Auspuffspezialisten aufsuchen. So langsam nagt der Zahn der Zeit an einigen Teilen, nicht nur bei uns, sondern auch bei Monster, und so hat sich der Auspuff des Generators vom Hauptauspuffrohr verabschiedet. Auch diese Werkstatt ist schnell gefunden, doch dann kommt die Preisansage zur Reparatur und wir können nur noch schlucken. Schluchz, wie gewonnen, so zerronnen, was wir auf der einen Seite gespart haben, müssen wir nun hier drauflegen. Leider kann Jupp dieses unschöne Loch nicht mit unserem E-Schweißgerät flicken und es bleibt uns nichts anderes, als in den sauren Apfel zu beißen.

 

Auf dem Heimweg werden wir von einem Auto gestoppt, dem eine Frau entspringt, die uns mit deutschen Worten begrüßt. Sie hat uns irgendwo vorbeifahren sehen und sogleich die Verfolgung aufgenommen. Konstanze erzählt, dass sie mit ihrem Mann Richard und einem VW Bus auch durch die Weltgeschichte gezogen ist und nun seit etlichen Jahren mit ihrer Familie in Neuseeland lebt. Sie lädt uns spontan zu einem Besuch in „Marahau“, dem Tor zum „Abel Tasman“ Nationalpark ein, ist aber leider nur noch bis Sonntagnachmittag zu Hause. Wir freuen uns sehr über die Einladung und da uns Konstanze auf Anhieb sehr sympathisch ist, werfen wir am Freitag kurzerhand unsere ursprünglichen Pläne über den Haufen und fahren nach „Marahau“, einer kleiner Ortschaft. In den schönen „Ocean View Chalets“ (www.accommodationabeltasman.co.nz) von Konstanze und Richard werden wir herzlich begrüßt und bekommen einen wunderbaren Stellplatz mit Blick auf die Sandy Bay.

 

Konstanze muss zwar eine ihrer Töchter, insgesamt gibt es 3 Mädels und 2 Jungs, zum Balletunterricht nach „Nelson“ kutschieren, was aber nicht verhindert, dass wir Richard den ganzen Nachmittag von der Arbeit abhalten und munter Geschichten mit ihm erzählen.

Der nächste Tag gehört dem „Abel Tasman“ Nationalpark. Richard hat für uns ein Wassertaxi gebucht, das uns von „Marahau“ bis zur „Tonga Bay“ bringt, von wo wir bis zur „Torrent Bay“ laufen und dort von einem Wassertaxi wieder eingesammelt werden sollen. Früh am Morgen geht es los und bereits kurz nach der Abfahrt des Bootes sind wir pitschenass, es herrscht starker Wind und dementsprechend ist die Überfahrt recht stürmisch. Am Ausgangspunkt angekommen, fallen wir erst einmal über unser Lunchpaket her und frühstücken, derweil unser Klamotten in der Sonne trocknen.

 

Der „Abel Tasman“ Track zählt zu den leichtesten „Great Walks“ Neuseelands, ist dank der Wassertaxis wunderbar in Abschnitte einzuteilen und daher auch von solchen Sportskanonen wir uns leicht zu bewältigen. Nebenbei kann man auch noch wunderschöne Ausblicke in die kleinen Buchten genießen.

 

Abends sind wir bei Konstanze und Richard zum Essen eingeladen und bei einem guten Glas Rotwein am Feuer fliegen die Stunden nur so dahin. Am Sonntag trennen sich unsere Wege, die beiden machen einen Ausflug nach „Christchurch“ und wir wollen nach „Motueka“. Aufgrund unserer plötzlichen Planänderung haben wir den Samstagsmarkt in „Nelson“ verpasst und wollen nun auf dem Sonntagsmarkt in „Motueka“ auf die Suche nach Bratwurst und Graubrot gehen. Den Markt und auch die gewünschten Stände können wir schnell ausfindig machen und bereits 1 Stunde später ziehen wir mit unserer Beute davon.

 

Die einzige Straßenverbindung zur „Golden Bay“, die sich von der Nordspitze der Südinsel bis zu einem schmalen Sandstreifen, dem „Farewell Spit“ zieht, führt über den gefürchteten „Takaka Hill“. Wir schlängeln uns endlos bis auf eine Höhe von 792 m hinauf und genießen die prächtigen Ausblicke auf die Meereslandschaft. Insgesamt verbringen wir 5 Tage in der Gegend und abgesehen von einem kräftigen Unwetter, bei dem so mancher Baum sein Leben lassen musste, geschieht nichts Besonderes.

 

Erst am Freitagabend trudeln wir wieder in „Nelson“ ein, wo wir uns am nächsten Morgen nochmals mit Brot und Bratwurst eindecken bevor es bei strömendem Regen in Richtung Süden geht. Wir wollen die von Ken empfohlene „Rainbow Road“, eine Offroadstrecke, die von „St. Arnaud“ nach „Hanmer Springs“ führt, in Angriff nehmen. Die ersten Kilometer sind zunächst noch festgefahrener Schotter, doch mit zunehmender Höhe wird der Weg immer steiniger und schmaler. Wir kommen nur langsam voran, aber dafür bleiben wir auch von den, ansonsten doch sehr zahlreich vertretenen, vor allen Dingen deutschen Touristen verschont.

Monster klettert tapfer den Berg hinauf und wir staunen nicht schlecht, als wir tatsächlich an einem bewohnten, kleinen Haus vorbeikommen. Der Besitzer lebt mit seiner Frau, 2 Söhnen und ungezählten Hunden zumindest in den Sommermonaten hier oben und ist auch gleichzeitig Eigentümer des Weges. Diesem Umstand verdankt er einen Nebenverdienst, denn für die Befahrung des Tracks müssen wir 20,00 $NZ bezahlen. Während wir noch so dastehen, uns unterhalten und die Leute so betrachten, denken wir es beginnt wieder zu regnen, doch bei näherer Betrachtung befällt uns das Grauen. Es handelt sich nicht etwa um Regentropfen, sondern um Millionen von Sandfliegen, die in Wolken um die Menschen kreisen. Unfassbar, wir können gar nicht so schnell die Fenster hochkurbeln und das Weite suchen, wie die Biester den Weg ins Innere gefunden haben. Dem Erfinder des Insektensprays sei Dank.

 

Am Sonntagmorgen ist der Himmel immer noch recht grau, aber wenigstens bleibt es trocken. Wir sind gerade wieder gestartet, da überholt uns ein roter Suzuki-Jeep, dessen Insassen eifrig winken und uns in herzhaftes Lachen ausbrechen lassen, als wir sie als Ken und Lynne identifizieren, die uns diesen Track empfohlen haben. Die beiden machen einen Ausflug nach „Hanmer Springs“, um sich dort in die heißen Pools zu legen und freuen sich nun, dass wir ihrem Tipp gefolgt sind. Da wir nur sehr langsam vorankommen und für heute bereits am „Tennyson“ See Feierabend machen, treffen wir die zwei auf ihrem Rückweg am Nachmittag nochmals und abermals gibt es gute Reiseempfehlungen.

 

Bis „Hanmer Springs“, das recht malerisch am Rand eines breiten und landwirtschaftlich genutzten Talkessels liegt, und dem schattigen Park, in dem sich das Thermal Reserve befindet, haben wir es nicht mehr sehr weit. Da heute mal ausnahmsweise die Sonne scheint, traben wir gleich nach der Ankunft zum Bad und aalen uns in den, mit Thermalwasser gefüllten Becken bis unsere Haut ganz schrumpelig ist. Erinnerungen an einen gewissen Whirlpool in einem gewissen Haus in einer gewissen deutschen Kleinstadt werden wach und uns wird fast ein wenig wehmütig.

 

Die Quellen gefallen uns so gut, dass sie uns einen zweiten Besuch wert sind und somit starten wir erst am nächsten Nachmittag in Richtung „Molesworth Station“. Sie liegt nordöstlich von „Hanmer Springs“ und ist mit 1.805 km² und bis zu 10.000 Tieren die größte Farm Neuseelands. Die schmale, ungeteerte Straße ist nur von Ende Dezember bis März geöffnet und führt nach Norden nach „Blenheim“ an der Ostküste.

 

An einem kleinen Fluss auf dem Gelände eines ehemaligen Farmhauses stoppen wir für die Nacht und Jupp läutet doch tatsächlich die Badesaison ein, für so einen Warmduscher wie mich deutlich zu früh.

Der eigentliche Grund unserer Fahrt nach „Blenheim“, natürlich neben der beiden wunderbaren Offroadstrecken abseits der Touristenpfade, ist das am Wochenende stattfindende „Blues, Brews and Barbeques Festival“, also ein Fest mit Bluesgruppen, Essen und Bier von ca. 20 neuseeländischen Brauereien und somit für uns genau passend. Dazu erstehen wir beim Besucherzentrum zwei Eintrittskarten und wundern uns anschließend über die kuriose Öffnungszeit des Festivals, nämlich von 12.00 bis 19.00 Uhr, eigentlich nicht die passende Biertrinkzeit, oder??

 

Seit kurzem sind wir, durch das regelwidrige Verhalten eines Mitgliedes der neuseeländischen Campervereinigung, in den Genuss eines Stellplatzatlasses dieses Vereins gekommen und quartieren uns nun wie selbstverständlich auf dem Rennkurs ein, eigentlich ein Stellplatz nur für die Mitglieder. Wir haben kaum unsere Zelte aufgeschlagen, da begrüßt uns, neben Lynne und Ken (welch ein Zufall?!) auch schon der selbsternannte, örtliche Aufpasser (diese Spezies scheint weltweit vertreten zu sein) mit der Frage, ob wir denn auch Mitglieder seien.

 

Wer unsere asiatischen Abenteuer kennt, weiß, dass uns so eine Frage nur ganz kurz aus dem Konzept werfen kann und schon warten wir mit einer Geschichte über internationale Verbindungen auf. Insbesondere deutsch- neuseeländische Vereinigungen hätten es sich zum Ziel gesetzt ausländischen Weltreisenden das Leben zu vereinfachen und wir könnten gar nicht glauben, dass er als informiertes Mitglied darüber nicht Bescheid wisse. Das Ganze findet natürlich tatkräftige Unterstützung von Ken, der eifrig nickend, den Aufpasser irgendwie mitleidig anschaut. Sichtlich schockiert ob seiner Unwissenheit zieht dieser daraufhin von dannen und traut sich fortan nicht mehr in unsere Nähe. Wir grinsen uns eins und werden abends bei der obligatorischen „Happy Hour“ von anderen Mitgliedern herzlich willkommen geheißen, die ebenfalls herzhaft über unsere Story lachen.

 

Es kommt der große Tag und wir haben beschlossen zu Fuß zu marschieren, die Festwiesen liegen zwar etwas außerhalb, aber laufen hat noch keinem geschadet und für den Rückweg ist das ganz sicherlich ebenfalls besser so. Den Ort des Geschehens können wir kaum verpassen, denn die Straßen füllen sich zunehmend mit jungen Leuten, die schon reichlich dem Alkohol zusprechen. Komisch, warum trinken die denn alle schon hier draußen? Das bleibt nicht lange ein Geheimnis, denn man bekommt für seine 20,00 $NZ zwar ein wunderbares Bierglas, doch die zu probierenden Biersorten muss man aber trotzdem bezahlen. Schon leicht irritiert traben wir über das Gelände und werden ständig enttäuschter, dieses ganze Festival ist einfach ein kollektives Besäufnis von mehr oder minder verkleideten Jugendlichen zum Sound von zwei mehr oder minder begabten Rockbands.

Irgendwie hatten wir uns das alles etwas anders vorgestellt, was uns aber nicht davon abhält zumindest das eine oder andere Bierchen zu probieren. Das Ergebnis: ein „Lager“ weist eine entfernte Ähnlichkeit mit einem Pils auf und bei einem „Weizenbier“ sollte man an alles Mögliche denken nur bloß nicht an ein deutsches Erdinger oder Paulaner vom Fass.

 

Ziemlich desillusioniert kehren wir zu Monster und unserer Campergemeinde zurück, von denen schlauerweise erst gar keiner zum Festival gegangen ist. Aber wie heißt es doch so schön, aus Erfahrungen kann man nur lernen und immerhin können wir so die morgige Weiterfahrt ohne dicken Kopf in Angriff nehmen.