von Picton nach Auckland: April 2008

Am Ostersonntag kehren wir nach friedlicher Überfahrt auf die Nordinsel und Wellington zurück. Der altbekannte Stellplatz am „Te Papa“ ist schnell eingenommen und los geht die Suche nach einer Gaststätte, in der nicht nur die knurrenden Mägen gefüllt werden können, sondern auch das Formel 1 Rennen übertragen wird.

 

Das erste Problem ist schnell gelöst, doch o weh, auf allen Leinwänden kann man nur ein Rugbyspiel betrachten. Es bedarf einiger Überredungskunst und dem glücklichen Ausgang des Rugbys bevor auf den anderen Sportkanal umgeschaltet werden kann, genau passend zum Start der Formel 1, huch, Glück gehabt! Jedenfalls für den Moment, denn etliche Kiwis scheinen das Rugbyspiel nicht besonders gut verkraftet zu haben, beim Heimweg ist auf den Straßen allgemeiner Aufruhr und die ganze Nacht hören wir immer wieder grölende Fans und Getöse.

 

Trotzdem, oder gerade deswegen arbeiten wir uns langsam an der Küste entlang gen Osten, passieren den Ort mit dem längsten Straßennamen der Welt und lernen den für uns bis hierhin schönsten Teil Neuseelands, das East Cape, kennen.

 

Diese Ecke der Nordinsel ist vom Tourismus fast völlig verschont, das Leben ist ländlich bescheiden, fast jeder scheint jeden zu kennen und wir treffen auf einen Typen namens Niels. Dieser urige Mensch ahnt noch nicht, dass er fortan seinen Namen wechselt und wir auf der anderen Seite nicht, dass er fortan unsere Wege kreuzen wird.

Zunächst verbringen wir mal einen netten Abend an einem Ort namens „Wainui Beach“, teilen unseren Fisch und Rotwein, reden über Gott und die Welt und unsere Wege trennen sich am nächsten Morgen. Wenige Abende später, unverhofft gleiche Besetzung, ähnliches Abendessen, selbiger Rotwein, Niels heißt plötzlich Jens. Wenige Abende später, ….ihr wisst schon wie es ausgeht, der Typ heißt immer noch Jens. Lange Rede kurzer Sinn, wir trödeln so die Küste entlang, immer wieder laden Orte zum Verweilen ein und die Schnur der Angelrute läuft bald heiß. In „Hicks Bay“ bricht Fischer Jupp alle Rekorde und erntet so manch neidischen Blick der einheimischen Maori, fängt er doch an einem Tag gleich 7 (!) der begehrten Objekte und wer hat den Fisch geschnuppert? Genau, Jens der Niels heißt.

 

Nur schwer können wir uns von diesem schönen Flecken Erde losreißen, doch die schon bald anstehende Verschiffung nach Südamerika wirft ihre Schatten voraus.

 

Wir wollen nach „Tauranga“, der Stadt mit dem größten Exporthafen des Landes. In der Nähe des Hafens bietet sich ein zwar etwas lauter, aber relativ zentral gelegener Stellplatz am Yachthafen und so ist auch diese Frage schnell geklärt. Etwas länger dauert die Frage nach einer Schiffsagentur und wir verbringen Stunden im Internet mit der Suche nach einem Anbieter.

 

Auf einer Website des Hafens werden wir fündig und am nächsten Tag heißt es die verschiedenen Gesellschaften abzuklappern. Gleich beim 1. geraten wir an einen sehr freundlichen Menschen, der uns mit der „Shipping Gazette“, einer Zeitung in der sämtliche Schiffsverbindungen nach und von Neuseeland aufgelistet sind, versorgt. Nebenbei gibt es dann noch die Information, dass es von hier nach Südamerika genau eine Schifffahrtslinie gibt, nämlich unsere gute deutsche Hamburg-Süd. Tja, und deren Sitz ist in „Auckland“. Nun könnten wir „Tauranga“ ja rein theoretisch verlassen, aber Monster scheint sich hier außerordentlich wohl zu fühlen und zwingt uns durch einen abermals defekten Kühler zum Verweilen.

 

Es stellt sich heraus, dass das in Vietnam eingebaute Netz von minderer Qualität ist (oder sollte ich besser sagen war?) und den Belastungen einfach nicht Stand hält, trotz Kühlerdichtungsmittel treten immer wieder neue Lecks auf. Es hilft also alles nichts, ein neuer Kühler muss her. Die Suche nach einem Kühlerbauer gestaltet sich nicht als schwierig und recht schnell scheinen wir mit Birch AVE einen Menschen unseres Vertrauens gefunden zu haben. Bereits am Abend finden wir uns vor der Werkstatt ein, damit Jupp am nächsten Morgen gleich mit dem Ausbau des kalten Kühlers beginnen kann. Alles klappt wie am Schnürchen und 1 Stunde später sitzen wir ein weiteres Mal in einem Internetcafe mit dem leidigen Thema Verschiffung beschäftigt. Es ist wie immer mühselig, doch immerhin finden wir heraus, dass es neben Hamburg-Süd anscheinend doch noch einen Ro/Ro Service nach Santos in Brasilien gibt.

 

Am nächsten Nachmittag ist Monster wieder im Topzustand und mit perfekt arbeitendem Kühler streben wir nach „Auckland“, jedoch nicht ohne einen Abstecher zum „Hot Water Beach“ einzuplanen, wo Thermalquellen direkt unter dem Sand brodeln. Bei Niedrigwasser traben wir am Strand entlang, ganz von der Vorfreude auf einen eigenen Warmwasserpool in dem wir unsere Hinterteile rot garen können, erfüllt.

 

Doch oh weh, diese Vorstellung scheinen zahlreiche andere Menschen auch zu haben, denn ganze Busladungen sind an besagter Stelle bereits mit buddeln beschäftigt und unsere Freude findet ein jähes Ende. Da machen wir doch lieber einen ausgiebigen Strandspaziergang und da das Wetter auch nicht besonders anziehend ist, machen wir es uns in Monster gemütlich und bleiben ein weiteres Mal verbotener Weise gleich auf dem Parkplatz über Nacht.

 

Auch am nächsten Morgen schlagen wir uns an dem berühmten Kalksteinbogen der „Cathedral Cove“ noch mit zahlreichen Touristenströmen herum und so landen wir etwas früher als gedacht in „Auckland“. Dort quartieren wir uns auf einem freien Stellplatz direkt am Hafen ein und beginnen sogleich die verschiedenen Schiffsagenturen aufzumischen. Wir bringen soviel Bewegung in die Branche, dass der zuständige Mensch bei „Hamburg-Süd“ bei unserem persönlichen Erscheinen schon leicht säuerlich ist. Er macht uns deutlich, dass sich der horrende Preis ganz sicherlich nicht ändert, egal bei wie vielen Agenturen wir auch nachfragen. Hm, wir brummeln so etwas wie, man kann’s ja mal versuchen und trollen unserer Wege.

 

Im Endeffekt verbringen wir eine geschlagene Woche in Auckland, wühlen wie verrückt im Internet und da wir am Ende doch nicht schlauer sind und sowieso das Wochenende ansteht, vertagen wir die Endscheidung bis auf weiteres und fahren erstmal weiter gen Norden.

 

Auf der Suche nach einem netten Standort kommen wir prompt an einem Laden für Angelzubehör vorbei, der, wie könnte es anders sein, eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf Jupp ausübt und natürlich gibt es dort auch gleich noch einen Tipp für einen guten Fangplatz.

 

Die Frage nach dem Stellplatz ist ab sofort zweitrangig, zunächst ist laut Aussage eines gewissen Jägers und Sammlers nur noch die Frage des Abendessens wichtig, wozu als Selbstversorger selbstverständlich eine Angel ins Wasser gehalten werden muss. Zu meinem Leidwesen (das Gefrierfach ist nach der letzten Angelorgie immer noch voll) lässt der Erfolg gar nicht lange auf sich warten und es gibt einen ach so gesunden Fisch zum Nachtmahl.

 

Wir bewegen uns langsam die Küste hinauf, lernen in „Whangarei“ eine deutsche Familie, die vor Jahren hierher ausgewandert ist, kennen und verbringen mit Jutta, Jörg, Tim und viel Spaß ein Angelwochenende, was auch sonst?

Bei der Weiterfahrt am Montag gabelt uns ein Journalist auf, der ein Interview für eine Lkw-Magazin machen möchte und da wir sowieso gerade auf dem Weg in die Bay of Plenty, seinem Wohnort, unterwegs sind, willigen wir ein. Zuvor machen wir noch einen Abstecher nach „Russel“, einem sehr netten Örtchen inmitten der Bay, verbringen die Nacht über den Dächern der Stadt und kürzen den Rückweg durch eine Fährfahrt ab. Am Fähranleger auf der anderen Seite erwartet uns bereits der Journalist Wally Bowater und mit diesem verbringen beim Interview einen außerordentlich unterhaltsamen und vergnüglichen Vormittag.

 

Hoch in den Norden führt uns unser Weg, immer in Richtung „Cape Reinga“ und den harten Strand des „Ninety Mile Beach“. Im „Te Paki“ Reserves gibt es ein großes Gebiet mit riesigen Sanddünen, zu deren Highlight es gehört auf Schlitten oder dem Hosenboden herunterzurutschen. Dementsprechend ist dort reges Treiben angesagt und ganze Busladungen kurven über den harten Sand des Strandes, der sogar Teil einer öffentlichen Strasse ist. Diese Strandstrasse ist für Mietfahrzeuge gesperrt und nur für stabile Autos geeignet. Dass Monster über diese Eigenschaften verfügt, lässt sich zweifelsfrei nicht bestreiten und so erkundigen wir uns nach den Gezeiten und los geht die Fahrt. Ein bisschen mulmig ist uns schon zumute, denn so manches Fahrzeug blieb schon im Treibsand stecken und wurde von den Fluten verschluckt, doch die ganze Aufregung ist umsonst. Monster meistert auch diese Situation ganz entspannt und wir können anschließend per pedes mit dem Aufstieg auf die Dünen beginnen.

 

Der ganze Ort gefällt uns derart gut, dass wir beschließen die Nacht, unerlaubter Weise, hier zu verbringen. Eine weise Entscheidung, denn als endlich alle Busse abgefahren sind, erleben wir einen wunderschönen Sonnenuntergang wie in einer Wüstenoase.

Am nächsten Morgen fahren wir zum “Cape Reinga“, das an der Spitze der langgestreckten „Aupouri Peninsula“ liegt und fast der nördlichste Punkt Neuseelands ist. Und wirklich, wenn man an dem windumwehten Leuchtturm vom Cape steht und die endlose Weite des Ozeans betrachtet, fühlt man sich tatsächlich ein bisschen wie am Ende der Welt.

Über „Kaitaia“, der nächste Ort auf der Weiterfahrt, können wir nur sagen, dass die Einwohner eine etwas merkwürdige Einstellung zu den Sachen anderer Leute haben, denn sie scheinen zu glauben, wenn man etwas im Auto zurücklässt, wollte man das nicht mehr haben oder womöglich gleich das ganze Auto nicht mehr. Monster lädt gottlob nicht zu solchen Aktivitäten ein und wird nur etwas befremdlich betrachtet.

 

Für Samstag haben wir uns mit Jutta, Jörg und Tim an den heißen Quellen der „Ngawha Springs“ verabredet und wir finden uns auch pünktlich dort ein. Von den dreien gibt es noch keine Spur, doch smsen sie uns später ihre Abfahrt in „Whangarei“ während wir uns bereits im teils doch sehr heißem Wasser aalen.

 

Als um 17.00 Uhr immer noch keine bekannten Gesichter aufgetaucht sind, machen wir uns doch etwas Sorgen und rufen die 3 an. Unser Staunen ist nicht schlecht als wir hören, dass sie sich in den heißen Quellen herumtreiben. Ja wo sind wir denn dann? Des Rätsels Lösung, es gibt 2 Bäder mit heißen Quellen direkt nebeneinander und wir sind dann wohl in dem falschen. Schade, dumm gelaufen, doch am Ende finden wir dann doch noch zueinander und verbringen trotz strömenden Regens einen vergnüglichen Abend.

Über den „Waipoua Kauri Forest“, eine 18 km lange Straße, die mitten durch den Urwald führt, gelangen wir zum „Tane Mahuta“, dem größten nahe einer Straße stehenden Kauribaum.

 

Dieser „Gott des Waldes“ ist schätzungsweise 1200 – 2000 Jahre alt, 51 m hoch und beim ruhigen Betrachten dieses Riesen überfällt so Manchen eine gewisse Ergriffenheit.

 

Selbstverständlich können wir uns auch das Kauri Museum bei „Matakohe“ nicht entgehen lassen. Dort hat man ein komplettes Sägewerk nachgebaut und sehr informativ wird der Einfluss des Kauri-Baums auf das Leben der Pioniere dargestellt. Doch am faszinierendsten ist der Gum-Room, eine verrückte Ausstellung von Stücken, die aus Kaurigummi oder –harz geschnitzt oder geformt sind.

 

Nachdem wir nun also auch Kauriholzmässig voll auf dem Laufenden sind, schleicht sich langsam das Verschiffungsproblem wieder in unsere Gedanken und so fahren wir noch heute nach „Auckland“ zurück. Inzwischen kennen wir uns dort aus wie in unserer Westentasche, der Platz am Hafen ist somit rasch wieder eingenommen, nur dass wir dieses Mal schon von den mitcampenden Nachbarn begrüßt werden. Der Mensch ist scheint’s doch ein Gewohnheitstier.

 

Montagmorgen gehen wir sogleich ins Eingemachte, unser 1. Weg führt uns zu „Carr & Haslam“, die Firma, bei der Monster bereits im vorigen Jahr einige Zeit verbracht hat. Dort wollen wir zu a. über die Unterstellkosten für Monster und zu b. über eine mögliche Überführung unseres Schätzchens von „Auckland“ nach „Tauranga“ verhandeln.

 

Dazu treffen wir Simon und haben damit einen absoluten Glücksgriff getan. Der Gute ist selbst vor einigen Jahren auf dem Landweg von London über Indien nach Neuseeland gefahren und ist völlig begeistert von unserer Geschichte. In sehr kurzer Zeit sind wir uns einig und vor allen Dingen haben wir das Gefühl Monster in gute Hände abzugeben. Er wird nicht nur 3 Monate in den Hallen von „Carr & Haslam“ verbringen, sondern auch zum gegebenen Zeitpunkt nach „Tauranga“ gefahren.

 

Das läuft ja schon mal ganz toll und voller Optimismus laufen wir bei Marie von „AD Customs“ auf um dort die Verschiffung mit Hamburg-Süd von „Tauranga“ nach „Cartagena/Kolumbien“ festzumachen. Auch hier gibt es keine Probleme, wir besprechen bis ins kleinste Detail den Ablauf der ganzen Aktion und fühlen uns auch hier gut aufgehoben. Jetzt bleibt uns also nur noch die Flüge zu buchen und dazu begeben wir uns flugs ins altbekannte Internetcafe, nach den letzten Sitzungsorgien an diesem Ort, wundert es uns kaum, dass wir auch dort inzwischen schon persönlich begrüßt werden.

 

Es kommt wie es eigentlich immer kommt, die Flüge mit „Emirates“, die wir uns schon vor Wochen ausgeguckt haben, sind zwar noch buchbar, aber leider für 300 $NZ mehr und somit deutlich zu teuer. Ich ärgere mich mal wieder schwarz, hätte ich auf meinen Göttergatten gehört, hätten wir diese Flüge schon lange gebucht und, falls das Datum eben nicht gepasst hätte, heute also kostenlos umgebucht. Tja, hinterher ist man immer schlauer und den Preis zahlen wir eben heute.

 

Wir wühlen wie die Blöden und das günstigste, das wir finden können, ist ein Qantasflug über Sydney nach Frankfurt und so sei es dann eben. Die Buchung an sich geht wie immer ratzfatz, die Bestätigung folgt auf dem Fuße und so können wir wenige Minuten später noch gleich einen Mietwagen für den restlichen Heimweg buchen. Wow, das klappt ja alles wie am Schnürchen.

 

Nach dem letzten ultimativen Einkaufsstopp in einem Supermarkt, ein paar Nettigkeiten nehmen wir gerne mit nach Südamerika, laufen wir zum letzen Mal einen Campingplatz an. Der Platz in der Nähe des Flughafens haut uns zwar nicht vom Hocker, aber heute ist ja auch nur die Zweckmäßigkeit gefragt und so ist alles gut.

 

Wir hoffen auf 2 trockene Tage, damit wir noch einmal alle Klamotten waschen und vor allen Dingen sämtliche Staukästen ausräumen können, sozusagen steht der Hausputz an. Was soll ich groß erzählen, das Chaos nimmt seinen Lauf und findet seinen Höhepunkt in sintflutartigen Regenfällen am Donnerstagmorgen. Die so schön geplante Verpackung von allen Staukisten in Monsters Innenraum artet zur Wasserschlacht aus und ich wage nicht darüber nachzudenken, in welchem Zustand wir in 3 Monaten alles wieder finden werden, aber es hilft ja nun mal nix, das Zeugs muss einigermaßen sicher verstaut werden.

 

Nach 2 Stunden sind wir pitschenass unterwegs zu „Carr & Haslam“ und wie nicht anders zu erwarten, klappt dort alles perfekt. Unser bestes Stück findet einen wunderbaren Platz in einer Halle, wir schrauben unsere Nummernschilder ab, kontrollieren ein weiteres Mal das gesamte Gefährt und verrammeln sämtliche Türen. Voller Wehmut nehmen wir Abschied, nicht nur von unserem Monster, nein auch von diesem Land, für das wir im Endeffekt viel zu wenig Zeit hatten.