USA: März 2010

Von den zahlreichen Grenzübergängen zwischen Mexiko und den vereinigten Staaten von Amerika wählen wir den in Brownsville und damit, im Nachhinein gesehen, den falschen. Die komplette Anlage mutet an wie ein Hochsicherheitstrakt, überall Überwachungskameras, meterhohe Stacheldrahtzäune…, irgendwie beschleicht uns ein mulmiges Gefühl.

Wir reihen uns in die lange Schlange der Pkw ein, die Zöllner sind alle super korrekt, distanziert freundlich, aber da wir kein Visum besitzen, werden wir in ein steriles Gebäude zur Beantragung eines solchen gebeten. Stolz präsentieren wir die Nummer aus dem „Visa Waiver“ Programm und ernten dafür verständnislose Blicke. „Was das denn wohl sein soll?“ lautet die Frage, wir denken: „Tja, wenn ihr es schon nicht wisst“ und kassieren den Zettel mit der Nummer, die wir, als vorsichtige Deutsche in mühevoller Kleinarbeit im Internet beantragt haben, gleich mal wieder ein.

Fortan durchlaufen wir die normale Prozedur der Einreise, ein Foto wird gemacht, Fingerabdrücke von jedem Finger genommen und dann endlich lässt uns der Zollofficer, der im Endeffekt ganz alleine darüber entscheiden darf, für 90 Tage ins Land. Was aber nicht bedeutet, dass Monster nun auch hinein dürfte. Um es kurz zu machen, wir benötigen weitere 4 (in Worten: vier!) Stunden, in denen Monster geröntgt wird, ein Drogenhund sein Innenleben inspiziert und zum guten Schluss ein Eintrag ins Carnet de Passage erfolgt. Häh?, seit wann nimmt denn die USA an diesem Programm teil? Muss wohl eine neue Regelung sein, so nehmen wir bis auf weiteres jedenfalls an.

Nachdem wir am letzten Checkpoint nochmals befragt und kontrolliert wurden, dürfen wir endlich den amerikanischen Boden betreten. Jetzt heißt es nur noch ein Versicherungsbüro zu finden, das für Monster eine Haftpflichtversicherung anbietet. Ein völlig unmögliches Unterfangen wie sich kurze Zeit später herausstellt. Wir finden zwar zahlreiche Unternehmen, die einen Mexikaner versichern würden, aber einen Europäer?? „ We are very sorry, it is not possible anymore“ so lautet der einstimmige Tenor.
Ja und nu? In einem Drittlandstaat, in dem man mit Geld viele Dinge regeln kann, ohne Versicherung herumzugurken, ist die eine Sache, aber hier? Im hochtechnisierten, konservativen und obrigkeitshörigen Amerika? Geht doch eigentlich gar nicht, denken wir zumindest und scheitern doch am System.

Niemand ist hier innerhalb von Texas dazu in der Lage uns irgendwie weiter zu helfen und so bleibt uns schlussendlich nur, mit gemischten Gefühlen die Weiterfahrt anzutreten. Wir fahren an die Küste und kommen aus dem Staunen überhaupt nicht mehr heraus. Riesige Wohnanlagen und riesige Campingplätze mit riesigen Wohnmobilen. Kleine Einfamilienhäuser auf Rädern, die in den meisten Fällen einen Pkw hinter sich herziehen, aber im Gegenzug nur von zwei Personen im Rentenalter bewohnt werden. Da ist es doch kein Wunder, dass die Campingplätze bzw. RV Parks, wie sie hierzulande heißen, über Parkbuchten verfügen, in die man vorwärts hinein- und auch wieder hinausfährt, zwischendurch natürlich voll versorgt, mit TV, Frisch- und Abwasser. Hier ist nix mit herumrangieren. Uns ist so ein Platz nicht einfach nur zu teuer, sondern auch viel zu groß und zu unpersönlich, wir quartieren uns lieber außerhalb direkt am Strand ein, den man, logischerweise gegen eine kleine Gebühr, befahren darf.

Langsam aber sicher treibt es uns über riesige Highways in Richtung Houston und wir machen unterwegs, wie könnte es anders seiner, Bekanntschaft mit einem Cop. Wir fahren im gemächlichen Tempo über so eine große Autobahn als sich ein Polizeiauto mit eingeschalteten Palaverleuchten hinter uns setzt.

Wir beiden im Führerhaus schauen uns recht fragend an, denn leider wissen wir nicht, ob dieser Cop uns meint und ob wir nun anhalten sollten. Hm, wir entscheiden uns gegen das Anhalten und fahren unbeirrt weiter. So ein Verhalten scheint nun den Cop seinerseits zu verwirren, was ihn dazu verleitet, neben Monster aufzutauchen und heftig zu gestikulieren. O.K. der meint tatsächlich uns und wir fahren prompt rechts ran. Wie wir uns jetzt zu benehmen haben, haben wir oft genug im Fernsehen gesehen und so sitzen wir stocksteif, Jupp mit den Händen auf dem Lenkrad und harren der Dinge bzw. des Cops, die da kommen werden.

Dieser macht keineswegs einen grimmigen Eindruck, obwohl seine 1. Frage sogleich lautet, warum wir nicht sofort gestoppt haben. Jupp, immer noch die Hände auf dem Lenkrad, erklärt, dass die deutsche Polizei sich immer vor das zu stoppende Fahrzeug setzt und nicht dahinter, was dem Ami auch wohl irgendwie einleuchtet. Er erklärt uns nun den Grund dafür, dass er uns angehalten hat und dieser führt bei uns zu einigem Erstaunen. Wir sind mit Monster durch eine Art Überwachungsanlage gefahren, bei der man festgestellt hat, dass ein Abblendlicht nicht funktioniert und dieser Mangel berechtigt den Cop nun, uns anzuhalten und eine Drogenkontrolle durchzuführen.

Wie will denn ein einziger Polizist ein ganzes Monster kontrollieren? In der Tat wirft er auch nur einen kurzen Rundumblick und befindet uns dann für sauber. Das defekte Abblendlicht interessiert ihn in keiner Weise, ganz im Gegenteil, er stellt uns noch eine Bescheinigung aus, damit wir weitere seiner Kollegen unbehelligt passieren können und wünscht weiterhin gute Fahrt. Tzz, die spinnen, die Amis!

Wir erreichen Houston am späten Sonntagnachmittag und finden die Agentur Import Trade Services im Ortsteil Baytown auf Anhieb, nur leider ist ausgerechnet dort weit und breit kein Wal-Mart, auf dessen Parkplatz wir übernachten könnten.

Nach einigem Suchen tun wir einen etwas herunter gekommenen RV-Park auf, der anscheinend ausnahmslos von Dauercampern belegt ist. In seiner Mitte liegt ein kleines Haus und ich beschließe dort nach einer Art Rezeption zu fahnden. Auf mein Klopfen hin öffnet ein sichtlich angetrunkener Mann, der mich fröhlich lallend eine Tür weiter weist. Dort läuft zwar das Fernsehgerät und ich sehe die Füße einer Frau aus einem Sessel ragen, aber mein Klingeln führt zu keinem Ergebnis. Die gute scheint tief und fest zu schlafen.

Inzwischen haben sich 2 zahnlose Typen bei Jupp und Monster eingefunden, die offensichtlich Freude an der Unterbrechung ihres trostlosen Sonntages finden. In einer Sprache, hinter der wir englisch vermuten, belabern die beiden uns und wedeln dabei heftig mit einem Mobiltelefon herum. Was wollen uns diese Gestalten nur sagen? Der darauf folgende Anruf beim Besitzer des Parks bringt Klarheit, denn anschließend ist es uns gestattet eine Nacht auf dem Gelände zu verbringen und das auch noch gleich kostenlos.

Unsere Freude währt nicht besonders lange, denn wir verbringen eine Horrornacht. Nicht nur, das wir mehrfach von irgendwelchen Trunkenbolden geweckt werden, die lautstark vor unserer Haustüre darüber diskutieren, „what the hell this thing is?, nein, zu allem Überfluss rattert stündlich ein Zug vorüber, der zur Krönung kräftig pfeift.

Ziemlich gerädert finden wir uns morgens um 9.00 Uhr in der Agentur von Sandra Wilson ein, die uns passend sogleich mit einer Hiobsbotschaft empfängt.
Laut Aussage der Schifffahrtsgesellschaft Wallenius Wilhelmsen dürfen sich bei der Verschiffung keinerlei persönliche Gegenstände in Monster befinden. Ja, wie soll das denn gehen? Den restlichen Vormittag verbringen wir mit den verschiedensten Überlegungen, kommen aber am Ende zu dem Ergebnis, dass wohl die günstigste Variante der Kauf von Umzugskartons sein wird, die wir dann separat verschiffen.

Sandra ist uns dabei zwar eine große Hilfe, indem sie zahlreiche Telefonate führt, schafft es aber trotzdem nicht, wenigstens den gleichen Zielhafen für Kartons und Monster herauszuschlagen. Das Ende vom Lied: die Kartons gehen nach Hamburg, Monster nach Bremerhaven, wir müssen heute noch Monster leer räumen, morgen die Kartons quer durch Houston zu einer Spedition karren, bei Sandra den Papierkram erledigen und anschließend nach Galveston zum Hafen. Das kann ja heiter werden, denn Flüge haben wir auch noch keine gebucht.

Lange Rede, kurzer Sinn, es klappt alles wie am Schnürchen, zunächst jedenfalls. Wir geben Monster ohne Probleme im Hafen ab, mieten uns einen Leihwagen, liefern die Papiere für den Zoll bei Sandra ab und quartieren uns in Galveston in einem Motel ein. Eigentlich wollen wir am Mittwochmorgen in ein Hotel in Flughafennähe umziehen, entscheiden uns aber dagegen und behalten stattdessen den Mietwagen einen Tag länger um am Donnerstag direkt damit zum Flughafen zu fahren.

Eine sehr glückliche Entscheidung, denn gegen Mittag erhalten wir einen Anruf von Sandra, dass der Zoll unser Carnet de Passage keineswegs akzeptiert und sie den originalen Fahrzeugschein haben wollen. Wie jetzt? Weiß beim Zoll die rechte Hand nicht was die linke tut? Die Jungs haben doch darauf bestanden das Carnet auszufüllen und nun wollen sie es nicht mehr austragen? Das sind ja tolle Zustände hier, ziemlich aufgebracht düsen wir ein weiteres Mal nach Baytown (sind jedes Mal nur 120 Kilometer hin und zurück), um dann festzustellen, dass wirklich nichts zu machen ist. Sandra händigt uns das Carnet wieder aus und erhält im Gegenzug unseren Fahrzeugschein, den sie als Dokumentsendung nach Deutschland zurückschicken will. Schauen wir mal was es wird.

Abschließend bleibt nur zu sagen, dass im Endeffekt zwar mal wieder alles geklappt hat, sowohl Monster als auch die Kartons sind wohlbehalten in Deutschland eingetroffen, aber mit Sicherheit hätten wir uns die Einreise in die USA erspart, denn schwieriger hätte eine Verschiffung von Mexiko auch nicht sein können.