Panama: Dezember 2009

Kaum haben wir unsere Reiseflughöhe erreicht, beginnt der Kapitän auch schon wieder mit dem Landeanflug und nach nur 1 Stunde Flugzeit landen wir auf dem internationalen Airport von Panama City.
Dummerweise haben wir unsere Tasche eingecheckt und so beginnt das Auschecken wie das Einsteigen begonnen hat, denn wir warten eine geschlagene Stunde bis sich das Gepäckband endlich in Bewegung setzt und wir samt Tasche endlich einreisen können. Freundlicherweise hat der Fahrer vom B&B Balboa Inn (www.thebalboainn.com) die ganze Zeit auf uns gewartet und wir können uns nun gemütlich dorthin chauffieren lassen.

Der Dienstag ist sozusagen unser freier Tag, denn wenn alles gut geht, wird die „Dresden“ mit Monster an Bord heute den Hafen in Cartagena verlassen und erst morgen in Colon eintreffen.

Panama ist bekannt für seinen Kanal, der sich 80 km lang von Panama City auf der Pazifik Seite bis Colon auf der Atlantik Seite hinzieht und über 3 doppelte Schleusen verfügt. Eine dieser Schleusen, die Miraflores Locks, wollen wir uns heute anschauen und tun uns dazu mit einem Finnen zusammen, der ebenfalls im Bed & Breakfast wohnt. Im Besucherzentrum erfahren wir über Lautsprecher Hintergrund-Infos zum Panamakanal, dessen Bau von den Franzosen begonnen und von den Amerikanern 1914 schließlich fertig gestellt wurde. Jährlich werden etwa 14000 große Frachtschiffe durch den Kanal geschleust, die weltweit nach den Maßen der Schleusen gebaut werden, 305 m lang und 33.5 m breit. Der Kanal ist der einzige Ort, an dem ein Kapitän sein Schiff an einen Lotsen übergibt und nicht nur die Durchfahrt überwachen lässt.

Die anfallenden Kosten für die Durchfahrt berechnen sich nach dem Gewicht der Schiffe, der Jahresdurchschnitt beträgt 30.000 USD. Die höchste Gebühr, die jemals anfiel, betrug 200.000 Dollar und wurde von einem französischen Kreuzfahrtschiff bezahlt. Im Durchschnitt braucht ein Schiff 12 Stunden für die Durchfahrung und es können nur Schiffe, die max. 4000 Container geladen haben, passieren. Dieses wird sich 2014/15 durch die Erweiterung des Kanals zwar ändern, aber auch dann noch wird er nicht in der Lage sein, die weltweit benötigte Kapazität zu schaffen.

Von einer Aussichtsterrasse schauen wir dem Heben und Senken der Schiffe aus fasziniert zu bevor wir uns mit zwei weiteren, holländischen Gästen aus dem B&B zum Abendessen treffen. Wir verbringen einen sehr vergnüglichen Abend mit Saskia und Frank, die auf der niederländischen Antilleninsel Aruba leben, bevor es am nächsten Tag mit einem Expressbus nach Colon an der Atlantikseite hinübergeht.

Von Colon haben wir die wildesten Geschichten gehört und jeder bezeichnet sie als die gefährlichste Stadt Panamas, in der man selbst tagsüber ständig mit Überfällen zu rechnen hat. Nach reiflicher Überlegung und intensiver Internetsuche haben wir uns für das Four Points Sheraton Hotel entschieden, das gerade neu gebaut wurde und somit über Angebotspreise verfügt.
Wie es der Zufall will, liegt dieses Hotel am Rande der Freihandelszone, wo Monster hoffentlich im Manzanillo International Terminal anlandet.

Unser 1. Weg führt uns heute noch zur Agentur von Wallenius Wilhelmsen, zum Einen um unsere Original Bill of Loading zu bekommen und zum Anderen um kundzutun, dass wir Monster am nächsten Morgen abholen wollen. Die Angestellten dort sind sehr nett, aber eine Bill of Loading gibt es trotzdem nicht, da das Schiff zwar angekommen, aber noch nicht ausgeladen sei.

Am nächsten Morgen wird es zunächst immer noch nichts mit der Bill of Loading, dieses Mal scheitert es am Computersystem, das sich sehr unwillig zeigt. Schlussendlich gelingt es doch noch und wir stürmen zum Zoll, wo ein heilloses Durcheinander herrscht. Es stellt sich heraus, dass wir ein Schreiben benötigen, in dem man den Zoll offiziell um eine Inspektion bittet, welches wir natürlich nicht haben. Auch kein größeres Problem, denn die Mädels vom Zoll schreiben dieses sehr gerne für ein kleines, privates Entgeld, in unserem Falle 10 USD. Dieses wunderbare Schreiben unterschreibt dann der Chef und nun kann die temporäre Einfuhrerklärung ausgestellt werden.

Alles zusammen dauert ungefähr 45 Minuten und wir können dem vermeintlichen Chaos entfliehen und zum MIT (Manzanillo International Terminal) zurückkehren. Hier wird es nun besonders lustig, denn wir müssen verschiedene Wege gehen von deren Reihenfolge wir nicht den blassesten Schimmer haben. Wir gehen den einfachsten Weg und heuern einen dieser Zollhelfer an, die dort in Massen herumlungern. Dieses sehr nützliche Wesen führt uns von Schalter zu Schalter, wo hinter absolut schwarz gefärbten Scheiben, die mit kleinen Sprachschlitzen versehen sind, Menschen sitzen müssen. Wir sehen und hören absolut nichts, aber unser Faktotum schiebt Formulare hindurch und sagt uns genau, was wir zutun haben. Meistens geht es um die Bezahlung von einigen Dollars, woraufhin wir weitere Formulare mit weiteren Stempeln erhalten. Das ist ja fast noch schlimmer als in Deutschland hier, von der Wiege bis zur Bahre, Formulare, Formulare….

Nach insgesamt 3 Stunden und 60 Dollares, sehen wir unser Schätzchen wieder. Der gute ist voller Zementstaub, aber ansonsten augenscheinlich wohlauf und auch sämtliches Inventar scheint dieses Mal noch vorhanden zu sein.

Flugs kehren wir zum Hotel zurück, packen unsere Siebensachen und entschwinden zu den 10 km entfernten Gatun Schleusen. Ein etwas mulmiges Gefühl befällt uns als wir diese mit Monster überqueren, denn man fährt über einen gitterartigen Steg, unter dem das Wasser brodelt. Entlang der Bahia Limon, wo zahlreiche Schiffe auf ihre Durchfahrt durch den Kanal warten, gelangen wir zu einem ehemaligen Militärgelände der Amerikaner. Dieses wird zwar immer noch bewacht, aber die Gebäude stehen alle leer und man kann ungehindert passieren.

Wir steuern einen Yachthafen an der Sherman Bay an und fragen dort ganz lieb nach einem Übernachtungsplatz. Die einheimischen Angestellten sind alle sehr freundlich und nett, aber der große Chef muss natürlich befragt werden. Dieser entpuppt sich als ein amerikanisches A…, das uns großspurig erklärt, es gehöre zu seiner Politik grundsätzlich niemanden auf sein Grundstück zu lassen, da kämen dann einfach zu viele und würden womöglich angeln. Was glaubt diese Dumpfbacke denn, wie viele Overlander durch Mittelamerika kreuzen und scharf darauf sind auf seinem Gelände zu parken und zu angeln?

Juppi steigt die Galle hoch und wir verziehen uns schleunigst, aber gerade eben nur so weit, dass wir zwar sein Land verlassen, aber immer noch schön in Sichtweite stehen. Das geplante Abendessen im Restaurant des Yachthafens fällt natürlich auch dem unfreundlichen Gebaren seines Besitzers anheim.

Noch immer leicht geladen, verlassen wir am nächsten Morgen diese gastliche Stätte und lernen auf dem Weg nach Portobelo die Fahrweise der Panamenos kennen. Die Jungs, die hier hinter den Lenkrädern sitzen, erinnern uns in ihrem Gebaren doch stark an die Inder und die Fahrmanöver sind teilweise haarsträubend. Das kann ja heiter werden und wir sind froh, als wir den viel befahrenen Highway zumindest vorübergehend verlassen können. Portobelo, von Columbus 1502 „schöner Hafen“ benannt, war einst der größte spanische Hafen in Zentralamerika. Hier landeten die Galeeren mit spanischen Gütern an, um das Gold aus Peru und etliche Güter aus dem Orient zu handeln. Heute verspürt man in dem verschlafenen Fischerdorf nichts mehr von diesem Flair, lediglich die Ruinen des alten spanischen Forts sind noch zu besichtigen.

Auf unserem weiteren Weg Richtung Norden kehren wir kurzfristig nach Panama City zurück und fahren über die „Puente de las Americas“, jene berühmte Amerikabrücke, die zu den größten Stahlbrücken der Welt zählt und die beiden Teile Panamas links und rechts des Kanals miteinander verbindet. Dass diese Brücke eigentlich für Lkw's gesperrt ist, stört uns dabei wenig und ungehindert erreichen wir den einzigen Campingplatz des Landes in Santa Clara. Dieser wird zwar auch von einem amerikanischen Paar geführt, aber dieses Mal eins der netten Art und kurzerhand erhalten wir sogar einen 220 V Stromanschluss, der vom Swimmingpool abgezweigt wird. Als Gesellschaft befindet sich ein Franzose dort, der seine Familie bereits nach Hause geschickt hat und nun verzweifelt versucht, sein, für 12.500 USD in Miami gekauftes, Wohnmobil wieder an den Mann zu bringen. Bereits 3 Wochen sind fruchtlos ins Land gegangen und der Verkäufer in Jupp wittert die Chance auf ein gutes Geschäft. Leider können wir persönlich damit nichts anfangen und so können wir den armen nur mit guten Ratschlägen versorgen. Wie wir kurze Zeit später erfahren, haben diese nicht gefruchtet, denn im Endeffekt hat der Franzose das Auto doch tatsächlich für nur 6.000 USD abgegeben, einfach schade!

Da ein Campingplatz an sich nicht sehr reizvoll ist und damit wir uns erst gar nicht an den Genuss unserer Klimaanlage gewöhnen, brechen wir bereits 2 Tage später in Richtung Azuero Halbinsel auf. Unterwegs macht unser Monsterchen doch tatsäclich Zicken, denn urplötzlich produziert er eindeutig nicht genügend Luft für unsere Bremsen, ein recht ungutes Gefühl. Also rechts ran und schauen was los ist. Nur leider gibt es nicht zu schauen, es ist absolut nicht zu erkennen ob der Druckpresser oder der Regler für den Ausfall verantwortlich ist. Mehr aus Verzweiflung greift Jupp zum Hammer und versetzt dem Druckregler leichte Schläge. Juchhei, das vertrackte Ding nimmt seine Arbeit wieder auf und befördert die gelieferte Luft wieder ins System. Die Fahrt kann weitergehen.

Wir parken direkt am menschenleeren Pazifikstrand, lediglich ein paar Surfer bekommen wir zu Gesicht und haben somit viel Muße zum Angeln und Berichtschreiben. Monster wird lediglich gestartet, um die ordentliche Arbeit des Druckreglers zu beaufsichtigen.

Der kleine Ort Boquete inmitten einer wunderbaren Bergregion ist bekannt für sein angenehmes, frisches Klima und seine Kaffeeplantagen und aus eben diesen Gründen zieht es uns hierher, wie übrigens ungezählte amerikanische Rentner auch. Im Jahr 2001 wählte ein Magazin Boquete als einen der Top 4 Plätze der Welt in Sachen Rentnerdasein und löste damit einen regelrechten Run aus. Die eine Folge sind sog. „gated communities“ in denen die Menschen nun zwar in ihren eigenen Häusern in schöner Umgebung, aber hinter dicken Mauern und mit zahlreichen Auflagen, leben.

Es kann bis zu 1 Stunde dauern, will man an den zahlreichen Torwächtern vorbei einfach nur jemanden besuchen, womöglich benötigt man eine schriftliche Einladung, tolle Freiheit! Die andere Folge ist der Ausverkauf der alten Kaffeeplantagen, denn in der Vergangenheit sind die Preise für die Kaffeebohnen derartig in den Keller gegangen, dass es lukrativer war das Land zu verkaufen als Kaffee anzubauen. Erst in den jüngsten Tagen besinnt man sich auf seine Kulturen und hat sich auf den Anbau von teuren und darum seltenen Sorten spezialisiert.

Wir wollen jedenfalls einfach nur eine Weile der schwülen Hitze entfliehen und nebenbei unsere Kenntnisse in Sachen Kaffeeanbau erweitern. Am frühen Montagmorgen finden wir uns bei Cafe Ruiz ein, wo unsere Tour startet. Zusammen mit 3 jungen Amerikanern werden wir von unserem Führer zu einer der Plantagen gefahren. Der Guide ist ziemlich locker drauf, zieht sich aber unterwegs den Unwillen der Amis zu indem er folgenden Witz zum Besten gibt: „Was ist man, wenn man 3 Sprachen spricht? Mehrsprachig. Was ist man, wenn man 2 Sprachen spricht? Zweisprachig. Und was ist man, wenn man 1 Sprache spricht? Amerikaner“. Juppi und ich sitzen hinten im Bus und lachen uns kaputt während auf den vorderen Sitzen eisiges Schweigen herrscht. Dieser Führer ist uns auf Anhieb sympathisch und er gestaltet die gesamte Führung recht fröhlich.

Einmal gepflückt, kommen die roten Beeren in ein Wasserbad, um die Spreu vom Samen zu trennen. Die guten Bohnen sinken auf den Boden und gehen von dort zur Trennung, wo die eigentlichen Bohnen von ihren Hülsen befreit und anschließend getrocknet werden. Die grünen Kaffeebohnen werden sodann zu verschiedenen Kaffeeröstern weltweit geliefert.

Die schlechteren Bohnen werden nicht etwa weggeworfen, sondern auch weiterverkauft da es bekanntermaßen auch lösliche Kaffeesorten wie z.B. Nescafe gibt. Dieses soll nun keine Schleichwerbung sein, ganz im Gegenteil, denn unter den Panamenos kursiert das Sprichwort: „Nescafe = no es cafe“, was so viel bedeutet wie: Nescafe, das ist kein Kaffee!
Den Abschluss der Tour bilden der Besuch der Rösterei der Fa. Ruiz und das obligatorische probieren.

Eigentlich könnten wir nun den restlichen Tag einfach verbummeln, wenn nur unser Schätzchen nicht wäre. Ob ihm die Höhenluft nicht bekommt, wissen wir nicht, aber Fakt ist, das unser Druckregler mal wieder zu wenig Luft durchlässts. Alle Schläge auf den Hinterkopf helfen heute nicht und wir müssen das elende Ding ausbauen. Jetzt ist zwar immer noch nichts zu erkennen, aber wir hoffen, dass eine gründliche Reinigung das Problem beseitigt. Jedoch Fehlanzeige, zwar arbeitet der Druckregler nun, aber nur bei hoher Drehzahl, was uns zwar momentan, aber leider nicht auf Dauer hilft. Ade, du schöner, kühler Nachmittag, wir müssen hinunter nach David, die nächst größere Stadt. Hier gibt es einen Laden, der Lkw Ersatzteile verkauft, jedoch leider nicht unser gewünschtes Teil. Alles geht ziemlich träge vonstatten und erst auf mehrfaches Nachfragen hin, fällt den Herren hinter dem Verkaufstresen ein, dass es noch einen Mitbewerber gibt, der evt. Mercedesteile verkaufen könnte.

Wir überlegen hin und her und da unser Druckregler ja unter Belastung funktioniert, beschließen wir weiter in Richtung Costa Rica zu fahren und dort unser Glück zu versuchen. Quasi im letzten Moment biegt Jupp dann doch noch zu dem empfohlenen Laden ab und hat einen Augenblick später ein passendes Ersatzteil. Ist es denn zu glauben? Glück braucht der Mensch, gell?

Dann kann die Fahrt ja doch wie geplant über die Cordillera Central hinüber an die Karibikküste gehen. Die Cordillera empfängt uns mit Regen, Sturm und kalten Temperaturen und lädt nicht zum Verweilen, so dass wir bereits am nächsten Morgen in Almirante eintreffen, wo wir die Verladung von Bananen auf die Frachter beobachten wollen. Panamas Exportgut No.1 sind die Chiquita-Bananen und wir Ahnungslosen denken, dass Güterwagons voll beladen mit den gelben Früchten von den Plantagen zur Küste rollen. Doch weit gefehlt, denn die ehemaligen Gleise sind längst schon zugewuchert und die Bananen werden in geschlossenen Kühlcontainern von Lkws transportiert und komplett auf die Schiffe verladen.

Wir kurven eine Runde durch die typische Karibik-Kleinstadt, in der die Menschen nicht sehr arbeitswütig erscheinen. Lediglich die unzähligen Schlepper, die Touristen zu den Wassertaxis lotsen wollen, die von hier auf die vorgelagerten Inseln, die Bocas del Toro übersetzen, zeigen eine gewisse Aktivität, alle anderen verbringen den Tag wohl lieber im Schaukelstuhl.

Für uns gibt es keinen Grund hier zu verweilen und so finden wir uns recht unerwartet bereits heute an der Grenze ein. Als erstes können wir den Schlagbaum nicht finden und brettern in die falsche Richtung, dann fragen wir ausgerechnet die Polizei nach dem Weg, die uns prompt erst mal an den rechten Fahrbandrand befördern. Na, tolle Wurst denken wir schon direkt, aber heute sind die Jungs tatsächlich Freund und Helfer und erklären, wir müssten zur Migracion laufen, da gerade der Verkehr aus Costa Rica den Damm befahre. Hä? Damm befahren? Wir verstehen nur Bahnhof und beschließen uns vorläufig zu trennen. Jupp bleibt bei Monster und ich laufe mal zum Zollamt, wo sich die merkwürdige Geschichte recht schnell aufklärt, denn der Grenzübergang ist eine alte, einspurige Eisenbahnbrücke.

Während ich noch mit dem Stempelwerk beschäftigt bin, rollt bereits ein großes, grünes Monster über den Damm mit einem grinsenden Jupp am Lenkrad, der mich mit den Worten begrüßt: „ Ich habe die Straße gesperrt. Habe ich das gut gemacht?“