Nicaragua: Januar 2010

Bevor wir die nicaraguanischen Grenzgebäude und den Schlagbaum überhaupt zu Gesicht bekommen, werden wir an einem Kassenhäuschen gestoppt, wo zunächst mal 5,-- USD für die Desinfektion von Monster zu berappen sind. Die dann folgende Aktion ist allerdings mehr ein Scherz, denn wir fahren zwar durch eine Schleuse, aber in dieser werden lediglich die Reifen mit einer übel riechenden Flüssigkeit besprüht. Die Angst vor „wilden“ Tieren, die sich in den Autoreifen verstecken und illegal ins Land einreisen könnten, scheint in ganz Zentralamerika ziemlich verbreitet.

Alsdann geht es durch ein Chaos aus abgestellten Lkws, in dem wir den richtigen Weg nur ahnen können bis wir schlussendlich auf einem kleinen Hof landen. Bei unserem Auftauchen stürzen sich sogleich etliche der zahlreichen „Tramitadores“ auf uns. Diese selbst ernannten Grenzhelfer sind nicht nur aufdringlich, sondern auch noch völlig überflüssig und da wir unsere „Hausaufgaben gemacht“ haben (so äußerte sich ein selbstgefälliger Reisender, der uns zufällig irgendwo über den Weg fuhr), reihen wir uns ohne große Worte in eine der langen Menschenschlangen ein, die vor irgendwelchen Schalter anstehen. Während des Wartens haben wir die nötigen Touristenkarten, die auch für die Einreise nach Honduras, El Salvador und Guatemala gültig sind, bereits ausgefüllt, doch erneut müssen wir unser Portemonnaie zücken. Dieses Mal werden 7,-- USD p.P. fällig, wir erhalten einen Stempel und eine Aufenthaltsgenehmigung von 90 Tagen für alle 4 Länder und müssen somit bei einem weiteren Grenzübertritt zwischen diesen nur noch unsere Pässe vorzeigen.

Der Weg zur Aduana führt zwangsläufig an einem Versicherungsbüro vorbei, in dem wir die obligatorische Kfz-Versicherung für Monster abschließen können, die nächsten 12,-- USD werden fällig. Bei der Aduana dann erwartet uns eine unfreundliche, junge Dame und blafft uns gleich an, ob unser Fahrzeug denn überhaupt schon inspiziert worden sei.
Wo sich die dementsprechenden Beamten dazu aufhalten, bleibt aber ihr Geheimnis, es ist ihr lediglich zu entlocken, dass diese sich irgendwo draußen befinden müssen. Wir also wieder raus, Beamten suchen, und tatsächlich, auf dem Hof läuft ein wichtig aussehender Mensch, mit einer Knarre bewaffnet, herum. Also nix wie hin, nur ist er leider der falsche, denn er darf erst als 2. kontrollieren, aber wenigstens zeigt er uns nun den richtigen Typen.
Dieser nimmt seine Kontrolle furchtbar „ernst“, er fragt uns, ob der grüne Truck gemeint ist, setzt sein Kürzel auf unseren Laufzettel und fertig ist die Inspektion. Nun dürfen wir zu dem 1. Beamten, der ja nun der 2. ist, zurückkehren, er kritzelt ebenfalls etwas auf unseren Zettel, womit wir entlassen sind und uns wieder in die Schlange bei Fräulein Unsympath einreihen.

Abermals mäkelt sie an uns herum, dieses Mal will sie das Original von Juppis Führerschein sehen, das bereits seit 4 Jahren unversehrt in den Tiefen unseres Safes ruht. Eine reine Schikane, denn als der Führerschein endlich vor ihr liegt, wirft sie lediglich einen kurzen Blick darauf. Anscheinend fallen ihr anschließend keine Gemeinheiten mehr ein mit denen sie uns malträtieren könnte und stellt recht muffig die temporäre Einfuhrerklärung aus, selbstverständlich nicht ohne 5,-- USD dafür zu kassieren.

Als am Ende die Gemeinde noch eine Art Straßengebühr in Höhe von 1,-- USD, fühlen wir uns zwar wie eine goldene Kuh, aber immerhin haben wir die ganze Zollprozedur in 1 Stunde erledigt. Die Polizeikontrolle, die uns kaum 5 Minuten später stoppt, geht heute leer aus, denn zu ihrem Missmut sind wir ausgesprochen langsam gefahren und obendrein auch noch angeschnallt.
Deutlich früher als geplant erreichen wir San Juan del Sur, ein nettes, kleines Örtchen mit hübschen, bunten Häusern und leicht karibischem Flair.

Wir parken direkt am breiten Sandstrand, doch leider ist es immer noch so stürmisch, dass wir unsere Strandwanderung in langen Hosen antreten müssen und am Abend sogar die Sweatshirts zum Einsatz kommen. In einer der vielen Strandbars lassen wir uns mal wieder eine phantastische Fischsuppe schmecken und verbringen mit wohlgefüllten Mägen, in warme Decken gehüllt eine sehr ruhige Nacht.

Nächster Zwischenstopp ist Granada an der Westküste des Nicaraguasees, die drittgrößte Stadt in Nicaragua. Warum die im kolonialistischen Stil erbaute Stadt als „La gran Sultana“ (die große bzw. oft auch fette Rosine) benannt wird, bleibt uns irgendwie schleierhaft, aber beim Stadtbummel und an der Laguna Apoyo fühlen wir uns trotzdem sehr wohl. Recht ausgeschlafen machen wir uns auf den Weg zum Vulkan Masaya., dem uns bis dato einzigen bekannten Nationalpark in dem man mit dem Auto bis zum Kraterrand fahren kann, was wohl auf die Lauffreude der Zentralamerikaner im allgemeinen schließen lässt. Unserer im Übrigen auch, denn auch Monster brettert bis nach oben.
Deutlich früher als geplant erreichen wir San Juan del Sur, ein nettes, kleines Örtchen mit hübschen, bunten Häusern und leicht karibischem Flair.

Aus dem Krater des aktiven Vulkans steigen scharfe Schwefeldämpfe auf, die schon nach wenigen Minuten merklich im Hals kratzen und wenn man genau hinhört, dann kann man aus der Tiefe ein bedrohliches Grollen vernehmen. Ein ziemlich beeindruckendes Szenario und angesichts des Ortes, der sich direkt unterhalb befindet, auch ein gruseliges.

Am nächsten Tag steuern wir die Xiloa Lagune, die etwa 20 Kilometer nördlich von der Hauptstadt Managua liegt, an. Die wunderschöne Lagune ist ein beliebter Wochenend-Rückzugsort für die Menschen aus der Region. Wir hoffen, hier endlich einmal auf andere Reisende zu treffen, mit denen wir einige Tage klönen könnten, doch leider bleibt dieser Wunsch ein weiteres Mal unerfüllt und wir schmeißen den Grill mal wieder für uns alleine an.

Xiloa, manchmal als Jiloa geschrieben, bietet viel Platz zum Schwimmen und man könnte beim Tauchen viele verschiedene Fischarten, weiße Krebse, Schlote und Geotherme sehen, doch uns ist nicht nur das Wasser eindeutig zu kalt. So kommt es, dass unser Aufenthalt in Nicaragua recht kurz ausfällt und wir bereits am 14. Januar an der Grenze zu Honduras auftauchen.