Mexiko: Februar 2010

Genauso problemlos wie wir in Belize eingereist sind, verlassen wir es auch wieder. Top gepflegtes Grenzgebäude, absolut korrekte Abfertigung, alles ist gut.

Anschließend drehen wir eine Ehrenrunde durch die Freihandelszone, sind aber von dem dortigen Angebot an Kitsch und Chinaware derart erschlagen, dass wir unverrichteter Dinge den mexikanischen Grenzposten ansteuern. Hier herrscht ziemlicher Trubel, erst nach einigem Suchen können wir einen Parkplatz für Monster finden und erledigen die Einreise lieber zu Fuß.

Der Schalter zur Einfuhr von Monster ist leider noch nicht besetzt und so vertreiben wir uns die Zeit, in dem wir schon mal auf die mexikanische Seite herüber gehen und nach einer Haftpflichtversicherung Ausschau halten. Ein kleines Büro, besetzt mit einem Herrn pakistanischer Abstammung, erregt unser Interesse und nur wenig später sind wir in eine politische Diskussion verstrickt. Die Ansichten des Versicherungsmaklers sind uns zwar etwas zu radikal, aber letztlich kann es uns egal sein, denn wir wollen ja nur eine Haftpflichtversicherung abschließen.

Doch das scheint nun doch nicht so einfach zu sein, angeblich funktioniert sein Computer gerade nicht, wir sollen doch lieber in 30 Minuten nochmals zurückkehren, damit er uns die Preise mitteilen kann. O.K. wir müssen eh noch die Fahrzeugeinfuhr erledigen. Monster bekommt zunächst ein Hologramm auf die Frontscheibe geklebt, mit dem er 10 Jahre aus- und einfahren kann und dann muss er noch durch eine Röntgenanlage. Dabei wird geschaut, ob wir evt. einen blinden Passagier in irgendwelchen Hohlräumen versteckt haben. Dem ist natürlich nicht so und der Einreise steht nichts mehr im Wege.

Wir kehren zu dem Pakistani zurück bzw. würden gerne, wenn dieser sich nicht inzwischen verdünnisiert und seine Türe verriegelt hätte. Anscheinend hat ihm unsere Meinung genauso wenig gefallen wie seine uns. Wir versuchen es bei der nächsten Agentur, wo uns ebenfalls eine etwas zwielichtige Person empfängt. Ohne sich groß für irgendwelche Fahrzeugdetails zu interessieren, knallt sie uns einen horrenden Betrag auf den Tisch, den sie selbstverständlich so gleich in bar kassieren möchte. Ist das jetzt Mexiko??

Etwas verwirrt fahren wir erst einmal weiter in Richtung Chetumal. Weit kommen wir aber nicht, denn nur wenig später werden wir heraus gewunken. Was ist jetzt schon wieder? Es dauert eine Weile bis wir begreifen, dass Monster desinfiziert werden soll, selbstverständlich auch gegen Bezahlung. Hm, wir haben aber leider noch gar nicht gewechselt und verfügen somit über keinen einzigen Peso. Hier nun zeigen sich die Mexikaner sehr flexibel, da nimmt man doch großzügig auch Dollars, zu einem schlechten Wechselkurs versteht sich von selbst.

Ohne weitere Zwischenfälle erreichen wir Chetumal, wo wir Monsters Tank füllen und natürlich auch Geld wechseln wollen. Ziemlich erfreut tun sich beide Möglichkeiten gleichzeitig auf, denn wir erspähen eine Tankstelle mit ATM.
Froh gelaunt marschiere ich zu letzterem, schiebe unsere Maestro-Karte in den Schlitz und lese erstaunt, ich solle 10,00 € Gebühren zahlen. Hä? Spinnen die hier? Schnell drücke ich die Abbruchtaste, doch zu meinem Entsetzen geschieht nichts. Dieser hinterhältige Apparat spuckt die Karte nicht mehr aus, es ist unfassbar. Mit dem letzten Tropfen Diesel im Tank machen wir uns auf die Suche nach einer Filiale der HSBC Bank, die gottlob schnell gefunden ist.

Wir reihen uns in eine lange Schlange vor einem Schalter, immer noch in dem guten Glauben unsere Karte irgendwie zurückzubekommen. Doch weit gefehlt, der Bankangestellte erklärt uns unmissverständlich, dass unsere Karte nach dem Einzug automatisch von dem ATM vernichtet wird. Schon wieder bin ich fassungslos! Jetzt ist guter Rat teuer, als 1. brauchen wir eine Internetverbindung um unsere Karte in Deutschland telefonisch zu sperren und als 2. dann endlich mal eine Wechselstube. Wider Erwarten ist beides recht schnell gefunden und erledigt, puh, jetzt können sich die Gemüter ja wieder beruhigen. Wir füllen Monsters Tank und beschließen die Stadt heute noch zu verlassen, irgendwie scheint sie uns nicht so recht zu mögen.

Wir fahren nach Mahahual, ein kleines, ehemaliges Fischerdorf, mit wunderbarem Sandstrand und karibischem Flair. Wieder einmal klappern wir verschiedene Tauchbasen ab, aber immer noch können uns die Preise nicht erfreuen. Soll es denn gar nicht mehr klappen? Wenigstens können wir an Land sehen, welche Fische sich unter Wasser herumtreiben, denn wir beobachten einen Fischer, der seinen reichen Fang an Land bringt.

Die Gelegenheit beim Schopfe packend, kaufen wir einen der Fische und genießen am Abend ein köstliches Mahl.

Bereits 1 Tag später finden wir uns in Tulum ein und sind einigermaßen erschlagen von dem Rummel, der uns hier erwartet.
Das, in früheren Zeiten relaxte Strandörtchen für Rucksackreisende, hat sich zu einer aufstrebenden Stadt entwickelt. Schön für uns was den großen Supermarkt betrifft, aber eher schlecht für die Stellplatzsuche, denn der komplette Weg in das Biotop Sian Ka’an ist der sog. „Zona Hotelera“ anheim gefallen.

Hier reiht sich ein Resort an das andere, nirgends ein Eckchen für Monster. Wir versuchen es in die andere Richtung, und siehe da, an einer Strandeinfahrt werden wir fündig und richten uns dort häuslich ein.

Beim Strandspaziergang am nächsten Morgen tut sich ein wunderbarer Blick auf die Maya-Ruinen auf, somit haben wir deren Besichtigung auf schon gespart. Eigentlich ist alles perfekt, wenn nur unser Monster nicht wäre. Unser treuer Weggefährte beginnt uns ein wenig Kummer zu bereiten, denn sein Ölverbrauch ist von bisherigen 1.5 bis 2 Litern auf 4-5 Liter angestiegen. Grund zur Sorge? Wir sind verunsichert und denken über eine schnellere Reiseroute nach, für die wir uns schlussendlich auch entscheiden. Playa del Carmen und Cancun fallen der Änderung anheim, auf direktem Weg erreichen wir Chichen Itza, die für ihre Architektur bekannteste Maya-Stätte. Hier gibt es 2 Hotels, die auf einer Wiese auch eine Campingmöglichkeit anbieten, deren Preise jedoch jenseits von gut und böse sind. Sind die denn von allen guten Geistern verlassen hier?

Bei der abendlichen Sound- und Lightshow erfahren wir mehr über die Geschichte der Maya, müssen uns dabei aber leider dick vermummen und gegen Regen schützen. Nach Ende der Veranstaltung treffen wir rein zufällig eine glückliche Entscheidung indem wir den Ort hinter uns lassen und unser Nachtquartier an einer Tankstelle außerhalb aufschlagen. Die zahlreichen Menschen säumen nämlich nicht für uns die Straßen, sondern für einen Karnevalszug, der uns mit ohrenbetäubender Musik entgegenkommt.

Wir legen einen Abstecher nach Nuevo Progreso ein, wohin sich alleine schon die Fahrt lohnt. Über schmale Straßen geht es durch wenig besuchte Dörfer und wir können einer Tanzdarbietung einer Schülergruppe beiwohnen.

Selbst die Kleinen hier haben bereits einen unheimlichen Rhythmus im Blut. Nach soviel Ursprünglichkeit sind wir von dem Treiben in Nuevo Progreso ziemlich geschockt, denn hier hat gerade ein Kreuzfahrtschiff, beladen mit Amerikanern, angelegt, die nun die Stadt bevölkern. Kommerz pur, nix wie weg hier.

Wir kehren zurück ins Landesinnere, die Mayastätte von Uxmal wird die nächste Station. Von allen bisher besuchten, gefällt uns diese Tempelanlage am besten. Das Gelände ist zwar nicht so groß, aber wunderbar erhalten und bietet einen weiten Ausblick. An vielen Ruinen sind noch die ursprünglichen Verzierungen und Farbreste zu erkennen, so dass man einen guten Eindruck vom ehemaligen Glanz bekommt. So ganz nebenbei genießen wir die Wifi-Verbindung eines nahe liegenden Hotels und versuchen unsere Verschiffung nach Deutschland zu organisieren. Dazu nehmen wir Kontakt zu Wallenius Wilhelmsen auf, die 1 x monatlich einen Ro/Ro Transport von Galveston/Texas nach Bremerhaven anbieten und bitten dort um eine Preis- und Terminangabe.

Auf dem kürzesten Weg steuern wir Palenque an, das wir aber trotzdem nicht in einer Tagesetappe erreichen können. In Escarcega fragen wir an einer Tankstelle nach einem ruhigen Platz für die Nacht und da wir schon mal da sind, tanken wir auch gleich nach. 1400,00 Pesos, was in etwa 170 L entspricht, sollen eingefüllt werden während gleichzeitig 3 Tankwarte gestenreich einen geeigneten Stellplatz beschreiben. Wir wundern uns zwar über die kurze Tankdauer und dass die Literanzeige der Tanksäule am Ende wieder auf Null steht, aber der angezeigte Betrag stimmt und so denken wir nicht weiter nach. Ein fataler Fehler wie sich später herausstellt, denn die Schmutzbuckel haben doch tatsächlich 100 L zu wenig eingefüllt. Tja, wir hätten doch wohl besser aufpassen sollen, gell?

Die nächste Maya-Stätte auf unserer Route ist Palenque. Sie liegt mitten im Regenwald und da wir dort bereits am frühen Nachmittag eintreffen, fahren wir sogleich zu den Ruinen.

Bereits 3 Kilometer zuvor liegt der Haupteingang, an dem die Eintrittsgebühr zu entrichten ist, erst dann gelangt man zu einem kleinen Parkplatz, der momentan recht leer ist.
Ein Ordner weist uns einen Platz zu und als wir bereits aussteigen wollen erscheint ein 2. Diesem scheint Monster in keiner Weise zu gefallen, denn heftig schimpfend will er uns von dem Parkplatz vertreiben. Wo sind wir denn hier? Erst hüh, dann hott? Eine Diskussion entbrennt, an deren Ende wir wutentbrannt den Parkplatz verlassen, jedoch nicht ohne unser Missfallen laut und deutlich zum Ausdruck zu bringen. Die können uns doch mal gerne haben hier, sollen die doch mit ihren Ruinen machen was sie wollen.

Der junge Mann an der Schranke scheint unsere Wut zu wittern, denn ohne weitere Anstalten zahlt er das Eintrittsgeld zurück und wir hauen ab nach Misol Ha. Hier gibt es einen kleinen Teich mit Wasserfall und die Idylle dieses Ortes beruhigt die Gemüter.

Wunderbar ausgeruht, die Nacht war einfach himmlisch ruhig, erreichen wir San Cristobal de la Casas, die älteste spanische Siedlung, in 2.100 m Höhe in einem von Bergen umgebenen Hochtal im Bundesstaat Chiapas. San Cristobal de las Casas, mit ca. 100.000 Einwohner, ist nicht nur einer der schönsten Kolonialstädte Mexikos, sondern auch das Handelszentrum der umliegenden Dörfer indigener Bevölkerungsgruppen, weshalb man sie auch die "Indio-Hauptstadt Mexikos" nennt.

Der Hauptgrund unseres Hierseins sind dementsprechend die Indiodörfer Chamula und Zinacantan, die wir im Rahmen einer geführten Tour besichtigen. Die weißgetünchte und mit blauen Stuckarbeiten verzierte Kirche von Chamula unterscheidet sich von außen kaum von allen anderen christlichen Kirchen, das Portal zieren bunte Figuren, Schmetterlinge und Blumenmotiven.

Beim Betreten der Kirche allerdings fühlt man sich in eine mystische Welt versetzt. Es gibt keine Bänke und der gesamte Fußboden ist mit Kiefernnadeln und Blüten bedeckt und der Geruch von Harz, Weihrauch und Paraffin liegt in der Luft. Überall sitzen oder knien Menschen, die in der Sprache ihrer Vorfahren, der Maya, vor Heiligenfiguren beten oder Opfer bringen, wie z.B. ein Huhn. Bei der Opferung sollen die übernatürlichen Kräfte, die bösen Geister die für das jeweilige Missgeschick verantwortlich sind, in das Huhn übergehen. Dazu nimmt ein traditioneller Heiler, ein Schamane, das Huhn bei den Beinen und führt es solange um die zu heilende Person herum bis das Böse in dem Huhn steckt. Nun dreht er dem Huhn den Hals um und schwupps, schon ist das Böse für immer verschwunden.

Anschließend nehmen die Beteiligten einen großen Schluck „posh“, sodass ein Rausch entsteht, spucken das Zeugs aus und spülen dann mit Coca-Cola nach. Wer Cola kennt, weiß was nun geschieht, denn die Kohlensäure reizt gehörig den Magen und man muss kräftig rülpsen, welches dann als die nötige Reinigung und Austreibung der Geister aus dem Körper verstanden wird.

Da Trinken, in den Augen der Tzotzil- Indigenas, einem höheren Zweck dient und positiv bewertet wird, ist es quer durch die Bevölkerung durchsetzt und wir sehen zahlreiche Betrunkene herumwanken. Übrigens auch in der Kirche, wo leider das Fotografieren und Filmen strengstens untersagt ist.

Als wir am Abend zu Monster auf dem Hotelstellplatz zurückkehren, trifft der bekannte rot-schwarze Bus von Roteltours dort ein und endlich finden wir auch mal die Zeit für einen Plausch beim Bierchen.

Die Rotelleute nehmen uns am nächsten Morgen zeitig mit zum farbenprächtigen Markt, auf dem zwar überwiegend Handarbeiten der Indios angeboten werden, wir aber dennoch kein Souvenir finden können. Unverrichteter Dinge kehren wir zurück und ringen uns dort endlich zu einer Entscheidung durch, wie es mit uns denn nun weitergehen soll. Das Angebot von Wallenius liegt inzwischen vor, der Preis von 1800,00 US$ erscheint uns durchaus passabel und auch die möglichen Termine sagen uns zu, die Frage ist einfach nur, wann wollen wir denn nun?

Die Entscheidung fällt für den Termin im März, was bedeutet, dass wir bereits am 01.03. in Houston/Texas sein müssen und somit heißt es nun, sputen, sputen. Innerhalb von 4 Tagen düsen wir von San Cristobal bis zur Grenze mit den USA, die wir am 26.02. in Brownsville überqueren wollen.