Honduras: Januar 2010

Bereits innerlich auf einen zähen Kampf eingerichtet, erreichen wir die gefürchtete Grenze zu Honduras. Immer wieder haben wir von anderen Reisenden haarsträubende Geschichten zu diesem Grenzübertritt gelesen und gehört, zuletzt trafen wir einen Motorradfahrer, der an der Grenze sein Zelt zur Übernachtung aufschlagen musste, da er für die Formalitäten nahezu 20 Stunden benötigte. Für solche Fälle sind wir mit Monster gottlob deutlich besser ausgerüstet und so erscheinen wir passend zur Mittagspause.

Wie könnte es auch anders sein, wenn schon gerade kein Wochenende ist, dann suchen wir uns doch wenigstens den nächsten, möglichst unglücklichen Zeitpunkt. Wir wundern uns also gar nicht besonders, als wir bemerken, dass nahezu kein Verkehr herrscht und sich keinerlei Menschenschlangen vor irgendwelchen Schaltern befinden. Klar, ist ja Mittagspause. Mehr auf Verdacht schlendere ich mal bis zu einem Beamten, der mich aber sogleich zu einem Schalter schleust. Hää? Doch keine Pause? Also nix wie die Pässe raus und 1 Minute später ist zumindest die Personeneinreise erledigt. Wow, jetzt aber flott zur Monstereinfuhr auf ins nächste Büro.

Dort erwartet mich eine topmodisch gekleidete junge Dame, die gerade einem, nicht minder modisch gekleidetem, jungen Mann diverse Parfüms zum Verkauf anbietet. Die beiden fühlen sich durch meine Anwesenheit in keiner Weise gestört und führen ihre Verkaufsverhandlungen lustig weiter. Das Geschäft führt zu keinem Abschluss, was aber der guten Laune der Zollbeamtin keinen Abbruch tut. Voller Enthusiasmus wendet sie sich meinem Anliegen zu und erledigt in Windeseile den kompletten Papierkrieg, selbst das inzwischen servierte Mittagessen kann sie nicht bremsen und ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Was soll denn an dieser Grenze so furchtbar sein?

Ich kann das Geschehen gar nicht glauben und rechne immer noch mit dem Schlimmsten als ich bereits zum Kopieren der Dokumente weggeschickt werde. Einmal quer über den Innenhof, in einer kleinen Hütte steht außer einem Kopierer nicht mehr viel, aber mir ist das mehr als genug. Für umgerechnet 1,-- € bekomme ich alle erforderlichen Kopien und schon bin ich zurück bei Fräulein Supernett. Die macht ihrem Namen alle Ehre, schiebt ihr Mittagessen an die Seite, stempelt alle Papiere, kassiert 38.50 € für die Fahrzeugeinfuhr, verrechnet sich um 10,00 € zu meinen Gunsten und der am meisten gefürchtete aller zentralamerikanischen Grenzübertritte ist nach 30 Minuten beendet. Habe ich das geträumt?

Nein, ganz bestimmt nicht, denn kaum 100 m hinter dem Schlagbaum erwartet uns die 1. Polizeikontrolle. „Guten Tag, Fahrzeugkontrolle, ihre Papiere bitte“. „Vielen Dank. Gute Fahrt“. Hundert Meter weiter: „Guten Tag, Fahrzeugkontrolle, ihre Papiere bitte“. „Vielen Dank. Gute Fahrt“. 500 Meter weiter: „Guten Tag, Fahrzeugkontrolle, ihre Papiere bitte“. „Vielen Dank. Gute Fahrt“. Ich könnte noch einige Zeit so weitermachen, doch beim 6. Kontrollposten ändert sich das Bild schlagartig. Es wird zur Abwechslung mal scharf geschossen! Puh, gottlob nicht auf uns, aber den armen Vögeln, die als Zielscheibe herhalten müssen, gefällt dieses Spiel sicherlich auch nicht besonders gut. Wenn wir uns recht entsinnen, müssen die deutschen Polizeibeamten über jeden Schuss, der abgegeben wurde, Rechenschaft ablegen und die örtlichen Schützenvereine schießen auf Holzvögel, wie erklären die Jungs hier das nur?

Nachdem wir in Choluteca vergeblich einen angeblichen Stellplatz suchen (sei es Dummheit oder falsche Koordinaten), lassen wir zumindest Monster schon mal vom Schmutz befreien und plaudern derweil mit einem der Autowäscher. Der erzählt uns, sein Vater arbeite in einem Hotel und dorthin kämen regelmäßig große, rot-schwarze Busse aus Deutschland. Na, da brauchen wir ja nicht lange zu überlegen, um wen es sich da handelt. Rote Busse aus D., das kann doch nur Rotel-Reisen sein und wo diese hineinpassen, da passen wir schon lange hin.

Etwas außerhalb des Ortes finden wir ein Hotel mit allem Zick und Zack, sprich Swimmingpool und Wireless und schon ist die Monstertruppe wieder glücklich.
Die 1. Eindrücke von Honduras stimmen uns so positiv, dass wir beschließen nicht etwa den kürzesten Weg aus dem Land, den direkten nach El Salvador, zu wählen, sondern im Landesinnern an der Hauptstadt Tegucigalpa vorbei zum Lago Yoyoba zu fahren. Eine gute Entscheidung, denn dieser See ist wirklich eine Idylle und der leckere Fisch aus eben demselben tut ein Übriges dazu.

Ganz im Westen an der Grenze zu Guatemala erreichen wir, übrigens nach Polizeikontrolle 107, eines der bedeutendsten Zentren der klassischen Maya-Kultur: die weltberühmten Ruinen von Copan. In dem kleinen Dörfchen gleichen Namens ist vom Tourismus trotz der unweit gelegenen Ruinen, die immerhin seit 1980 zum Weltkulturerbe der Unesco zählen, wenig zu spüren.

Trotzdem werden wir an der Tankstelle, auf deren Parkplatz bisher zahlreiche Traveller ein Nachtquartier gefunden haben, nicht willkommen geheißen. Laut Aussage des Tankwarts haben sich einige unserer Reisekollegen nicht sehr gut benommen und somit sind wir nun alle keine gern gesehen Gäste mehr. Schade!!! Die Polizei bietet uns zwar ein Plätzchen auf ihrem Gelände, aber dort stehen wir quasi direkt auf der Straße und das erscheint uns doch etwas laut. Also legen wir die Übernachtungsfrage fürs Erste auf Eis und statten zunächst den Ruinen einen Besuch ab. Bei strahlendem Sonnenschein beginnen wir die Erkundung am weitläufigen Hauptplatz, auf dem sehr gut erhaltene Stelen stehen und schlendern durch die gesamte Anlage bis wir zum berühmtesten Bauwerk gelangen: die Hieroglyphentreppe.

Sie ist das größte in Stein gehauene Schriftwerk der Maya. Ihre 63 Stufen erzählen mit mehr als 2200 Zeichen die Herrscherabfolge von Copan innerhalb von 200 Jahren. Im Endeffekt aber beeindrucken uns die frei umher fliegenden Aras aber fast noch mehr und somit beenden wir unseren Ausflug in die Kultur nach kaum 2 Stunden. Mangels anderer Alternativen schlagen wir unsere Zelte mal wieder an einer Tankstelle auf, denn ein Platz an einem nahe gelegenen Schwimmbad ist uns schlichtweg zu teuer. Die Frage nach irgendwelchen nächtlichen Gefahren wird vom Tankwart vehement bestritten und kurze Zeit später wissen wir auch warum. Ein Nachtwächter erscheint und umkreist Monster mit einer dicken Wumme bewaffnet. Na dann gute Nacht!

Über Santa Rosa de Copan steuern wir den kleinen Grenzübergang bei Ocotepeque an und erst dort wird uns bewusst, dass es wieder einmal Sonntag ist. Hm, laut Reiseführer kein Problem, denn dieser Grenzposten ist auf beiden Seiten an 7 Tagen in der Woche rundum die Uhr geöffnet. Einzige Ausnahme: die Mittagspause von 13-14 Uhr, in der wir uns natürlich gerade befinden. Also gönnen wir uns auch ein Päuschen und erscheinen gutgelaunt um 14.05 Uhr bei einem der Zöllner, der den Schlagbaum bedient. Leider ist dieser nicht berechtigt unsere Pässe zu stempeln und die dafür zuständigen Herren sind noch zu Tisch. Es sei ja auch gerade erst 5 Minuten nach 2, da müsse man nicht so pingelig sein. 2 Stunden und etliche Beschimpfungen später wird dann auch er etwas unruhig, über meinen Gemütszustand brauche ich hier wohl gar nicht zu berichten. Am Ende gelingt uns die Ausreise am heutigen Tage tatsächlich noch, mal schauen, was uns auf der anderen Seite der Grenze in El Salvador erwartet.