Guartemala: Februar 2010

Bereits vor Erreichen der kleinen Grenzbrücke zwischen El Salvador und Guatemala machen zahlreiche Geldwechsler durch heftiges Winken auf sich aufmerksam und indem wir anhalten, lösen wir tumultartige Szenen aus.

Jeder will der 1. auf unseren Trittbrettern sein und uns fällt die Auswahl doch etwas schwer. Letztlich gewinnt ein junger Mann mit einem anscheinend ehrlichen Gesichtsausdruck und dem besten Wechselkurs. Die ganze Aktion findet übrigens unter den Augen der Zöllner statt, die sich jedoch in keiner Weise dafür interessieren.

Wir überqueren die Brücke und auch auf guatemaltekischer Seite läuft alles ganz easy. Keine besonderen Vorkommnisse, bereits nach 15 Minuten sind wir unterwegs in Richtung Antigua. Unterwegs wechseln wir von der Interamericana auf die Carr del Pacifico um Guatemala City großräumig aus dem Weg zu gehen, denn auf das Verkehrschaos in der Hauptstadt können wir getrost verzichten.

Wir erreichen Antigua, die ehemalige Hauptstadt Guatemalas, die inmitten von 3 Vulkanen eingebettet liegt. Etwas chaotisch gestaltet sich die Stellplatzsuche, denn das angepeilte Hotel liegt genau am anderen Ende der Stadt und die bis dort zu befahrenden Straßen sind zwar sehr malerisch, aber leider nur bedingt Lkw-tauglich. Zu allem Überfluss erweist sich die Fahrt als völlig überflüssig, denn obwohl wir vom Portier sehr freundlich begrüßt werden, verweigert die Direktion uns einen Stellplatz im Garten. Schade, denn dieser macht einen durchaus verlockenden Eindruck.

Wir versuchen es noch an einigen anderen Stellen, könnten bis morgens um 8.00 Uhr vor einer Ambulanzstation stehen bleiben, doch am Ende erscheint uns alles ein wenig laut und wir beschließen ca. 10 Kilometer vor die Tore der Stadt in einen Park zu fahren. Dort verbringen wir eine ruhige Nacht und kehren am nächsten Morgen mit einem Bus zur Stadtbesichtigung zurück.
Antigua hat mit dem übrigen Guatemala nicht viel gemein, denn hier sieht es ziemlich aufgeräumt aus, Kabel verlaufen unterirdisch, der Müll wird gesammelt und streunende Hunde scheinen auf geheimnisvolle Art und Weise zu verschwinden. Antigua hat was, Kopfsteinpflaster in allen Straßen, bunte Fassaden und eine Unmenge an Kirchen bestimmen das Stadtbild. Allgegenwärtig ist der Ruf der Busfahrer, mit dem potentielle Kunden angelockt werden sollen: Guate, Guate schallt es allgegenwärtig durch die Straßen und macht es uns somit recht leicht den passenden Bus für die Heimfahrt zu finden, da sich unser Stellplatz in Richtung Guatemala City befindet.

Womit wir nicht gerechnet haben, ist ein Fahrer, der Michael Schumacher alle Ehre gemacht hätte. In einer affenartigen Geschwindigkeit rast dieser Wahnsinnige durch die Berge und legt sich dabei am Lenkrad in die Kurven, es ist einfach unglaublich. Ich sitze mit geschlossenen Augen im Bus, halte mich krampfhaft am Sitz fest und frage mich, warum ich nun ausgerechnet in einem guatemaltekischen Bus zu Tode kommen muss.
Überglücklich und mit weichen Knien verlassen wir beim 1. Stopp den Horrorbus und begeben uns zu Fuß zu Monster zurück. Hurra, wir leben noch!!!

Der Weg nach Panajachel, am Ufer des Lago de Atitlan, führt uns nicht nur durch das Hochlands Guatemalas, sondern auch durch das ehemalige Guerilla- und Banditengebiet um Patzun herum. Wir bemerken nichts von einer etwaigen Gefahr, sind jedoch einigermaßen geschockt von den großen Werbeplakaten, die auf die Luxushotels des Ortes hinweisen, lange bevor wir diesen überhaupt zu Gesicht bekommen.

Wie zu erwarten, fällt er nicht nach unserem Geschmack aus, denn es stehen Restaurants neben Hotels, Bar, Souvenirständen und Klamottenläden und die Durchfahrt auf der Suche nach einem Platz am See ist mehr als nervenaufreibend. Ziemlich enttäuscht, treten wir die Flucht nach vorne an, steuern nochmals quer durch den Ort und schlagen unser Quartier an einem kleinen Hotel außerhalb auf. Der neue Besitzer hat dort einen netten Campingplatz errichtet, auf dem sich bereits 2 amerikanische Paare niedergelassen haben und dort finden wir die erhoffte Ruhe.

Ganz wie in Asien verkehren hier kleine Tuk-Tuks, diese dreirädrigen Motorroller mit Kabinenaufsatz, und mit denen lässt sich ganz vortrefflich in den Ort fahren.

Die Tage vergehen wie im Fluge und nur widerwillig verlassen wir den beschaulichen Platz am See um in die Berge zu fahren. Der Markt von Chichicastenango, der immer donnerstags und sonntags stattfindet, ist unser nächstes Ziel und da wir bereits am Vorabend das Treiben beim Aufbauen der verschiedenen Stände beobachten wollen, ist es an der Zeit aufzubrechen.

Der unter Reisenden bekannte Stellplatz mitten im Ort ist schnell gefunden, nur anscheinend hat der Bekanntheitsgrad auch dafür gesorgt, dass dem Besitzer die Preise sehr wohl bekannt sind. Erst zähe Verhandlungen führen zu Zufriedenheit auf beiden Seiten, aber immerhin können wir uns ohne weitere Sorgen über die Sicherheit von Monster, ins Getümmel um den farbenprächtigen Markt herum, stürzen. Hier gibt es wohl nichts, was es nicht gibt und alleine nur die Menschen in den bunten Trachten zu beobachten, versetzt uns in Entzücken. Trotz des ganzen Kommerzes hat sich die Fahrt hierher zweifelsohne gelohnt.

Um nicht noch eine teure Nacht verbringen zu müssen, brechen wir am Nachmittag auf und schaffen es vor Einbruch der Dunkelheit bis Sacapulas.

Die Straße von Uspantan nach Coban führt über steile Serpentinen auf und ab, wir kommen nur langsam voran und als wir nach 2 Fahrtagen endlich Semuc Champey erreichen, beginnt es zu regnen. So hatten wir uns das nicht vorgestellt, wollten wir doch in den türkisfarbenen, natürlichen Pools ein Bad nehmen und dabei nicht von oben nass werden. Bei der Weiterfahrt nur kurze Zeit später, sehen wir, was Regen in dieser Gegend anrichten kann. Nach einer Umleitung kommen wir an eine Stelle, an der der komplette Berg abgerutscht ist und dort wo einmal die Straße war, befindet sich nur noch ein Geröllfeld.

Die Straße von Coban nach Poptun über Fray Bartolome´ de la Casas ist unbefestigt, ziemlich einsam, aber unbedingt fahrenswert. Überall in den kleinen Dörfern werden wir freundlich begrüßt, aber nur die Männer winken und stoßen einen Pfiff aus. Erst langsam dämmert uns, warum zahlreiche Frauen mit ihren Kindern bei unserem Anblick in den Häusern verschwinden. Sie scheinen tatsächlich an das Gerücht zu glauben, dass reiche Amerikaner nach Guatemala kommen um die Kinder der armen Landbevölkerung zu entführen. Bevor wir noch in ernsthafte Schwierigkeiten geraten, lassen wir lieber etwas Vorsicht walten und halten uns auch mit dem Fotografieren zurück.

In der Hoffnung andere Reisende zu treffen, steuern wir die Finca Ixobel an. Diese ist tatsächlich ein Kleinod in wunderschöner Landschaft, aber leider ist niemand mit eigenem Fahrzeug hier und so hält es uns nur 2 Tage.

Nach knapp 14-tägigem Aufenthalte ist unser letztes Ziel in Guatemala die archäologische Maya-Stätte Tikal, die wir am Nachmittag erreichen. Nach 16 Uhr kann man ein Ticket für den nächsten Tag erwerben, mit dem auch heute schon Eintritt gewährt wird. Eine Gelegenheit, die wir uns nicht entgehen lassen, denn am frühen Abend erwacht der Regenwald so richtig zum Leben. Oben auf dem 64 m hohen Tempel Nummer 4 lässt sich die Szenerie wunderbar genießen und noch lange hören wir den seltsamen Geräuschen der Brüllaffen zu.