El Salvador: Januar 2010

Mit deutlicher Verspätung erreichen wir die „Migracion“ in San Ignacio, wo wir sehr freundlich empfangen und im Schweinsgalopp abgefertigt werden. Fast so, als ob die Jungs hier die Schnitzer ihrer Kollegen auf der anderen Seite wettmachen wollen, jedenfalls bis wir mit Monster bei der Zollabfertigung erscheinen.
Auch hier überaus freundliche Zöllner, die fröhlich auf mich einreden, nur das Wort Geschwindigkeit scheint ein absolutes Fremdwort zu sein. Es dauert und dauert, ständig wartet ein Zöllner auf den anderen, denn alle Schritte zur Ausstellung der temporären Einfuhr müssen schließlich genauestens eingehalten werden.

So kommt es, dass wir den kleinen Ort La Palma erst bei Einbruch der Dunkelheit erreichen, gar nicht mehr lange herumfackeln und uns ohne große Preisdiskussionen auf dem Parkplatz des Hotels La Palma einquartieren. Nachdem wir uns unter diversen Stromleitungen hindurchgehangelt haben und Monster sich endlich in einer halbwegs waagerechten Stellung befindet, treibt uns der Hunger in den Ort.

Der Gastraum des kleinen Restaurants mutet zwar eher wie ein ausgeräumtes Wohnzimmer an und das obligatorische Fernsehgerät plärrt auf voller Lautstärke, aber die Menschen sind unglaublich freundlich. Wir wagen uns an eines der Nationalgerichte heran, die Pupusas. Das sind dickere Maistortillas, die mit allem möglichen gefüllt werden. Neugierig wie wir sind, probieren wir gleich mal verschiedene Variationen und sind positiv überrascht. Hmm, die sind ja richtig lecker!!!

Morgens kommen wir mit dem Hotelbesitzer ins Gespräch, einer der wenigen hier, der ein bisschen englisch spricht. Wir erzählen über Land und Leute, unsere geplante Reiseroute und, wie könnte es anders sein, natürlich auch übers Angeln….Der gute Mann schenkt uns eine wunderbare Dorade, die er selbstverständlich persönlich im Südwesten des Landes, in Playa El Espino, gefangen hat. Dass sich beim Anblick dieses Fisches die Fahrstrecke drastisch verändert, brauche ich wohl nicht eigens zu erwähnen. Doch bevor es dazu kommt, wollen wir uns Suchitoto anschauen, den Ort, bei dessen Erwähnung alle Salvadorianer einen Seufzer ausstoßen und einen verklärten Gesichtsausdruck bekommen.

Und tatsächlich, das malerische Dorf aus der präkolumbischen Zeit ist wirklich eine Reise wert: schöne Plätze, wenig befahrene Kopfsteinpflaster-Strassen, eine beeindruckende, weiß gekalkte katholische Kirche mit bunten Glasfenstern, farbenfrohe Marktstände und ein Bilderbuch-Blick auf den nahe gelegenen Stausee Cerron Grande. Dieser, auch Lago Suchitlan genannte See mit seinem dazu gehörigen Touricentro wird unser heutiger Übernachtungsstopp. Diese Touricentros sind übrigens tolle Erfindung, sie wurden zwischen 1950 und 1970 errichtet und liegen meistens in der Nähe eines Sees oder Waldes. Zwar sind die kleinen Häuschen, die man dort zu einem Einheitspreis mieten kann, nur zur Tagesbenutzung gedacht, aber da wir diese ja eh nicht nutzen, lässt man uns gegen einen kleinen Obolus gerne auf dem Gelände übernachten.

Am nächsten Morgen kehren wir nochmals in den Ort zurück, denn die Pupusas schmecken uns derart gut, dass wir diese bereits zum Frühstück vertilgen. Da wir schon einmal dort sind, suchen wir ein Internetcafe auf und finden beim Checken unserer Emails eine Nachricht des Hotelbesitzers aus La Palma vor. Der gute Mann will doch tatsächlich nach El Espino kommen, wir sollen ihn nur wissen lassen, wann wir dort sein werden. Ob es ihn erstaunen wird, dass wir bereits heute dorthin fahren?

Über die Interamericana, großräumig um San Salvador herum, brettern wir zügig in Richtung Süden des Landes. Auch Monster scheint etwas unbändig und rast mit deutlich höherer Geschwindigkeit herum (oder soll es doch nur der Fahrer gewesen sein?), jedenfalls sind die beiden Polizisten, die uns am Fuße eines Berges erwarten, in keiner Weise begeistert. Einer ist derart erbost, dass er uns gar seine Laserpistole mit gemessenen 100 Stundenkilometern vor die Nase hält. Ja kann das denn angehen??? Wir sollen sooo schnell gewesen sein?

Unmöglich wie Juppi dem Polizisten sogleich klar macht, denn wir haben ausnahmsweise mal eine Tachoscheibe eingelegt. Dieses Ding zeichnet zwar schon seit 4 Tagen unsere Geschwindigkeit auf und dementsprechend kann man darauf nichts mehr erkennen, aber wer wird denn gleich so pingelig sein? Der Polizist starrt ungläubig auf die Scheibe. Auf Juppis Erklärung hin, das polizeiliche Gerät müsse falsch messen, schaut der arme Mann aus als habe er eine Erscheinung, nur noch halbherzig startet er den Versuch sein Gerät zu verteidigen. Schlussendlich muss er sich der deutschen Präzision unterwerfen und schickt uns von dannen.

Puh, das ist ja noch einmal gut gegangen, froh gelaunt erreichen wir Playa El Espino und Rancho Michael, wo wir ein schönes Plätzchen am Strand finden. Unser Hotelbesitzer, Salvador, lässt auch nicht lange auf sich warten, am nächsten Morgen um 8.30 Uhr steht er bereits vor unserer Pforte, was bedeutet, das er nachts um 1.30 Uhr in La Palma weggefahren sein muss. Nach einer kurzen Kaffeepause brechen die beiden Angler auf und ich bereite mich auf einen arbeitsreichen Vormittag beim Berichte schreiben vor. Mein ungläubiges Gesicht möchte ich selbst nicht gesehen haben, als die zwei schon 2 Stunden später ohne Beute wieder vor mir stehen, sollte ich da etwas missverstanden haben? Noch mehr Unglauben breitet sich aus als Juppi die Geschichte seiner Angelausfahrt erzählt.

Zunächst verlief alles wie geplant, mit einem kleinen Fischerboot ging es immer weiter hinaus aufs Meer, bis zu einem alten Seelenverkäufer. Jupp glaubte nun, es handele sich um ein verlassenes Schiff, auf dem er nun gemütlich seine Rute auswerfen könne, wurde aber bei Besteigen des Kutters eines Besseren belehrt. Unter großen Plastikplanen saßen zahlreiche Fischer, die Garnelen und anderes Kleinzeugs sortierten, dass sie zuvor mit Netzen gefangen hatten. Alles was nicht ihren Anforderungen entsprach, wurde kurzerhand wieder über Bord geworfen und lockte nun seinerseits etliches Getier an. Hunderte von Seevögeln, wie Möwen und Pelikane, die sich unter großem Geschrei auf den Segeln und Seilen herumbalgten und unter Wasser eben auch die größeren Fische, die nun ihrerseits von Jupp geangelt werden sollten. Rein theoretisch ein sehr netter Gedanke, nur die Praxis hatte so ihre Tücken. Nicht nur, dass Jupp sich ständig vor irgendwelcher Vogelscheiße in Sicherheit bringen musste, nein auch das Auswerfen der Angel stellt ihn vor einige Schwierigkeiten.

Entweder verhedderte sich der Haken direkt in den Leinen oder ein Pelikan stürzte sich auf den ausgeworfenen Köder, verschluckte diesen und wurde nun selbst zur Beute. Alles in allem eine besondere Erfahrung, die ich aber nicht unbedingt persönlich machen müsste.

Jedenfalls war der ganze Spuk nach 1 Stunde vorüber und ich werde den Eindruck nicht los, dass mein lieber Mann nicht so ganz unfroh darüber war. Aber wie sagen wir in unserer Heimat? Er ist ein taaie beest (zähes Biest) und so startet er am nächsten Morgen eine erneute Ausfahrt, dieses Mal tatsächlich mit einem kleinen Fischerboot, mit dem er in Sichtweite vor dem Strand auf und ab kreuzt. Leider ist auch dieser Versuch recht erfolglos, was aber der allgemein guten Stimmung keinen Abbruch tut.

Um weiteren Unternehmungen dieser Art aus dem Weg zu gehen, treten wir am Donnerstag die Weiterfahrt Richtung Norden auf der Carr del Litoral, einer guten Straße an der Küste entlang, an. Kurz vor der Stadt Usulutan entdecken wir die Werkstatt eines Polsterers und halten kurz entschlossen an, denn Monsters Sitze könnten dringend einen neuen Bezug vertragen. Sehr schnell werden wir uns mit den Jungs handelseinig und nachdem auch der Stoff unseren Vorstellungen entspricht, steht einem Ausbau der Sitze nichts mehr im Wege. Bereits 4 Stunden später sollen beide Sitze fertig sein und wir wollen die Zeit zu einem ausgiebigen Einkauf nutzen.

Während ich bequem hinten auf der Sitzbank Platz nehme, jongliert Jupp während der Fahrt zum Supermarkt auf dem Gestell der Schwingsitze herum und kann gerade über das Armaturenbrett hinausblinzeln. Macht nichts, der Verkehr und das Gewusel auf den Straßen dieser Stadt ist sowieso chaotisch, da fällt ein verrückter Deutscher mehr oder weniger auch nicht auf. Wie auch immer, wir kehren heil zum Polsterer zurück und siehe da, unsere Sitze sind nicht nur fertig, nein, die Arbeiten sind dazu noch perfekt erledigt. Wir können es kaum glauben, für umgerechnet 45,-- € inklusive Material sehen unsere Sitze aus wie neu.

Nach einem 1-tägigen Stopp in El Tunco, einem winzigen Nest am Strand, umfahren wir die Hauptstadt San Salvador ein weiteres Mal und biegen in die Berge zum Lago de Coatepeque, einem Kratersee am Fuße des Cerro Verde ab. Abermals sind wir von der Gastfreundschaft der Salvadorianer begeistert, denn der Verwalter eines Ferienheims für Regierungsangestellte lässt uns völlig kostenlos auf dem Gelände übernachten.

Früh am nächsten Morgen befahren wir bereits die idyllische Route um den See, denn wir wollen zum Los Volcanos Nationalpark um dort an einer geführten Wanderung auf den Vulkan Izalco teilzunehmen. Bereits beim Eintreffen am Kontrollhäuschen werden wir gefragt, ob wir die Nacht auf dem bewachten Parkplatz verbringen möchten und wir entscheiden uns spontan für dieses Angebot. Eine sehr glückliche Entscheidung wie sich Stunden später herausstellt, denn die unter Polizeischutz stattfindende 4-stündige Wanderung entwickelt sich langsam aber sicher zu einem Alptraum.

Zunächst geht es in zivilem Tempo hinunter ins Tal um dann im Schweinsgalopp auf der anderen Seite auf den 2365 m hohen Vulkan Santa Ana hinauf zu rennen, kaum oben angekommen, geht es selbstverständlich sofort wieder hinunter. Wir gehen auf dem Zahnfleisch und dabei haben wir es noch nicht einmal bis ganz oben geschafft! Insgesamt eine völlig verantwortungslose Unternehmung, denn die Leute, die an dieser Wanderung teilnehmen, werden mit keinem Wort darüber informiert was sie erwartet. Uns erwartet jedenfalls ein 3-tägiger Muskelkater, der sich gewaschen hat, da lenkt uns auch die Befahrung der schönen Ruta de las Flores nicht ab.

Die Straße der Blumen, die mitten durch zahlreiche Kaffeeplantagen führt, bringt uns zum Grenzort Las Chinamas und nach einem 1-wöchigen Aufenthalt verlassen wir das kleinste Land Mittelamerikas. Das Land weist zwar die größte Bevölkerungsdichte dieses Kontinents auf, aber die Menschen haben uns super gut gefallen und Land und Leute sind sicherlich einen 2. Besuch wert.