Costa Rica: Dezember 2009

Spricht man von Costa Rica, denkt so mancher an das Paradies. In der Tat verfügt das Land über eine sehr artenreiche Tierwelt, angefangen bei Affen, Jaguaren und Pumas bis hin zu 900 verschiedenen Sorten von Vögeln, die zahlreich vertreten und relativ einfach zu sehen sind.

Die Wellen sind gigantisch, die Landschaft wunderschön und die Menschen gemütlich. Das Lebensmotto der Ticos, wie sich die Costa Ricaner nennen, lautet „pura vida“ = pures Leben. Alles in allem eine friedliche Oase in einer turbulenten Umgebung, die mittlerweile 1,5 Millionen Besucher jährlich anlockt. Costa Rica ist das reichste Land Zentralamerikas, was auf den ersten Blick und bei der Überquerung der Grenzbrücke nicht wirklich den Eindruck macht.

Die Brücke schaffen wir ja noch, aber direkt dahinter ist zunächst erst einmal Schluss, denn der Grenzbeamte verriegelt genau vor meiner Nase sein Fensterchen und ist auch durch gutes Zureden nicht davon zu überzeugen, seine Mittagspause etwas später zu beginnen.

Vor mich hin maulend kehre ich zu Monster zurück, wo sich 1 Mensch in blauem Kostüm und 1 Mensch in ziviler Kleidung eingefunden haben, die sogleich beginnen auf mich einzureden und Einlass in Monster begehren. Hach, Ihr kommt mir gerade recht, ich bin eh noch geladen! Womöglich wollen die auch noch in unseren Kühlschrank gucken und das darin befindliche Steak konfiszieren. Oh nein, ganz gewiss nicht und so spielen Juppi und ich das allseits beliebte Spielchen guter Junge, böses Mädchen. Ich keife die Jungs an, die ganz offensichtlich vom Zoll sind, wo denn ihre Dienstmarken und -kleidung wäre, in ihrer Montur könnte ja schließlich jeder kommen. Überhaupt wäre schließlich Mittagspause und ich weigere mich schlicht weg Monsters Türe zu öffnen.

Die Zöllner zanken solange mit mir herum bis mein Gemahl ganz charmant dem Auto entsteigt und mich in meine Grenzen weist, was mir nun wiederum die Gelegenheit gibt, in Monster zu verschwinden und unseren Kühlschrank leer zu räumen. Die Zöllner zeigen sich sehr davon beeindruckt, wie deutsche Männer ihre renitenten Ehefrauen offenbar im Griff haben. Als Jupp dann schließlich ganz kumpelhaft unsere Aufbautüre öffnet, sind alle kulinarischen Schätze sicher im Bett verstaut und die Herren könnten theoretisch zur Kontrolle hereinkommen.

Aber heute scheint auch Jupp der Teufel zu reiten, denn er öffnet zwar die Aufbautüre, lässt aber die verriegelte Leiter im Eingangsbereich stehen, wodurch die Zöllner lediglich einen kurzen Blick ins Innere werfen können. Anscheinend sind die 2 von solchem Gebaren ziemlich baff, denn sie diskutieren zwar noch über die, in Panama günstig gebunkerten, Biervorräte, nehmen aber gerne ein gekühltes Döschen an und somit ist die Kontrolle erledigt.

Fröhlich vor mich hingrinsend räume ich unseren Kühlschrank wieder ein und gebärde mich fortan ganz zahm und überaus freundlich. Nach 45 Minuten kehrt der zuständige Beamte für die Fahrzeugeinfuhr zurück, der zwar seinen Dienst noch nicht aufnimmt, aber mir immerhin das Antragsformular in die Hand drückt und den weiteren Werdegang beschreibt.

Als 1. laufen wir zu einem kleinen Büro neben den Zollgebäuden um für Monster eine Haftpflichtversicherung abzuschließen, dann zurück zur Immigration - Beantragung der Einreisestempel, nächstes Büro - Beantragung der temporären Einfuhr, Kopien der Reisepässe sind nötig - zurück zum Versicherungsbüro, mit Kopien zurück zum Zoll, Kopien der Einreisestempel sind nötig – zurück zum Versicherungsbüro, mit Kopien zurück zum Zoll, Kopien des Antrages sind nötig – zurück zum Versicherungsbüro, mit Kopien zurück zum Zoll, Kopie der Genehmigung ist nötig – zurück zum Versicherungsbüro, mit Kopien zurück zum Zoll, Kopien … nein, tatsächlich schon fertig!

Unser heutiges Ziel ist die südliche Karibikküste. Stellt euch einen sandigen Strandort vor, an dem die Affen die Hunde aufwecken, der Elektriker seine Dienstfahrten per Fahrrad erledigt und jeder Einheimische uns nach 2 Tagen persönlich begrüßt. Neben dem Sound von Reggae schwillt auch der Geruch von Marihuana aus den offenen Türen und viele Menschen tragen Rastalocken, Bob Marley lebt!!! Uns ist selbst das kleine Puerto Viejo noch zu aufregend und wir ziehen uns nach Punta Uva, an einen typischen Karibikstrand, wo der Urwald bis ans Wasser reicht, zurück.

Nach 5 Tagen des süßen Nichtstun, raffen wir uns endlich auf, den Rest Costa Ricas zu erkunden. Der größte und höchste aktive Vulkan des Landes ist der Irazu, der zwar immer noch aktiv ist, aber dessen letzter großer Ausbruch zur Begrüßung von John F Kennedy im Jahre 1963 stattfand. Bei unserem Besuch am frühen Morgen tut sich rein gar nichts, weder ein leichtes Grummeln noch Rauchschwaden sind zu erkennen, nur der allgegenwärtige Nebel ist schon in Wartestellung, der dann auch prompt die Aussicht auf die beiden Ozeane verhindert, den Atlantik auf der einen Seite und den Pazifik auf der anderen. Etwas enttäuscht treten wir den Rückzug an und beschließen spontan heute noch bis San Jose zu brausen, denn Weihnachten steht vor der Türe und vielleicht treffen wir in Belen, dem einzigen Trailerpark des Landes, den ein oder anderen Reisenden. Doch bis dahin ist noch ein weiter Weg, nicht etwa aufgrund der Entfernung, sondern weil San Jose, die Hauptstadt, sich als ziemlich unübersichtlich entpuppt. Irgendwie schaffen wir es, die Umgehungsstraße zu umgehen und landen mitten, aber auch mitten in der Stadt an der Plaza.

In dichtem Verkehr und im Schritttempo schlängeln wir uns zwischen Gemüse- und anderen Verkaufsständen durch die Straßen, eine geplante Stadtbesichtigung erledigt sich sozusagen von selbst, und nach 2 Stunden treffen wir endlich auf dem Campingplatz ein. Der Platz macht keinen sonderlich einladenden Eindruck und leider sind wir die einzigen Reisenden hier, aber um mal wieder nach Herzenslust im Internet zu surfen und zu telefonieren, reicht es alle mal.

Am Morgen des 23. ist auch das letzte Kleidungsstück gewaschen, die Betten frisch überzogen und wir fragen uns, was wir hier eigentlich machen. Es gibt bestimmt deutlich hübschere Orte um die Weihnachtstage zu verbringen, also nix wie weg.

Wir landen in dem kleinen Nest Dominical an der Pazifikküste, ein Surferparadies mit Monsterwellen, einer staubigen Hauptstraße und einem wunderbaren Stellplatz unter Palmen direkt am Meer. Hier lässt es sich aushalten, erst als am Wochenende zahlreiche Sonnenhungrige mit Zelt, Kind und Kegel anrücken, ziehen wir einen Ort weiter in ein noch kleineres Nest namens Matapalo. Auch hier verbringen einige Ticos das Wochenende und aufgrund des in Argentinien und Chile davongetragenen Schadens, fürchten wir sogleich schlaflose Nächte. Doch weit gefehlt, die Menschen hier sind uns deutlich angenehmer durch ihre zurückhaltende, aber durchweg sehr freundliche Art. Jeder wahrt die Privatsphäre des anderen und niemand käme auf die Idee sein Zelt direkt unter unserem Fenster aufzuschlagen, geschweige denn mit ohrenbetäubender Musik. Bisher fühlen wir uns in Zentralamerika sehr wohl, wozu nicht zuletzt auch die nächtlichen Temperaturen beitragen.

Nach soviel Sonne, Strand und Meer, wird es mal wieder Zeit für einige Aktivitäten und die Berge, also auf zum Vulkan Arenal. Bis zum Juli 1968 war der Ort La Fortuna am Fuße des Berges Arenal eine verschlafene Bauerngemeinde, aber als der Vulkan nach fast 400 jährigem Schlaf wieder ausbrach, begannen Touristen aus aller Welt, wie die Motten zum Licht, hierher zu wandern um einen Blick auf den feuerspeienden Berg zu werfen. So auch wir, aber was uns beim Eintreffen in La Fortuna erwartet, erschreckt uns doch sehr. Die Gegend erinnert uns stark an Disneyland, es gibt Canopytouren, Hängebrücken, Reiten, Wildwasserrafting, Kajakfahren, Schmetterlings- und Schlangenfarmen, Vulkane im Miniformat und Thermalbäder, deren Eintrittspreise uns mit den Ohren schlackern lassen. Dazu kommt, dass an jeder Ecke ein Touranbieter oder ein Souvenirladen vertreten ist und man wird bei seinem Eintreffen auch noch gleich von zahlreichen Verkäufern umlagert und belabert.

Das ist ja schon mal gar nicht unser Ding, der Plan eines romantischen Dinners bei Kerzenschein wird sogleich verworfen und wir brausen durch bis zum Nationalpark. Unser Nachtquartier finden wir in dem winzigen Bergdorf El Castillo auf einer Wiese, eigentlich perfekt um den südwestlichen, rot glühenden Lavastrom gegen den schwarzen Nachthimmel zu sehen, doch leider regnet es wie aus Kübeln und wir können nur ahnen, wo sich der Vulkan überhaupt befindet. Erst am nächsten Morgen gönnt er uns einen kurzen Moment, wir hören sein dunkles Grollen und sehen Rauchwolken, die sich seitlich den Berg hinab bewegen.

Ungefähr 18 km westlich von La Fortuna befahren wir den Damm, mit dem die Laguna de Arenal geschaffen wurde, mit 88 km² der größte See des Landes. Die Straße windet sich anschließend mitten durch den Regenwald, immer wieder erhaschen wir wunderschöne Ausblicke auf den See.

Unsere Fahrt geht heute nur bis Nuevo Arenal und bis zur Bäckerei von Tom, einem Deutschen, der für sein leckeres Brot und Apfelstrudel bekannt ist. Tom begrüßt uns freudig und wir werden sofort mit einem leckeren Brotzeitteller versorgt, hmm, lecker, heimatliche Gefühle werden wach. Einen Stellplatz am See gibt es gratis dazu und wir beschließen zumindest einen Tag zu verweilen. Aus einem Tag werden am Ende gleich 4, denn wir treffen endlich mal auf andere Reisende. Karola und Heiko, die in den USA leben und sich nach 2- jähriger Tour sozusagen auf dem Heimweg befinden und später kommen noch Kathrina und Axel dazu, die mit dem Motorrad in Richtung Südamerika unterwegs sind. Es tut gut, mal wieder nach Herzenslust zu quatschen und Erfahrungen auszutauschen.

Nachdem wir den Rutsch ins neue Jahr traditionell verschlafen haben, starten wir am frühen Neujahrsmorgen in Richtung Nicoya Halbinsel. Über die relativ neue Puente La Amistad, die Freundschaftsbrücke, erreichen wir zunächst Playa Samara, können uns aber mit dem recht touristischen Ort nicht so recht anfreunden und befahren eine kleine Schotterpiste in Richtung Norden. Nach zahlreichen Flussdurchfahrten landen wir an einem kleinen Strand namens Marbella und finden hier die gewünschte Ruhe, lediglich eine handvoll Surfer hat sich hierher verirrt. Die Sonnenuntergänge sind grandios, ein himmlischer Platz um länger zu verweilen, doch nach langer Zeit wollen wir unsere Köpfe endlich mal wieder unter Wasser tauchen und so geht es weiter nach Playa del Coco.

Während das nahe Tamarindo zum Tummelplatz für die reichen Nordamerikaner, die sich in Massen hier herumtreiben, mutiert ist, blieb Playa del Coco ein Ort, an dem lediglich am Wochenende Partytime der Ticos angesagt ist. Sonntagabends ist der Anfall vorüber und lediglich die Sportfischer und Taucher bleiben zurück. So auch wir, zunächst suchen wir vergeblich einen geeigneten Monsterplatz und kehren daher beim Deep Blue Divingcenter ein (www.deepblue-diving.com), wo wir von Franziska und Oliver, die Basisleiter aus Deutschland, willkommen geheißen werden. Schnell sind die Modalitäten besprochen und da wir sowieso mit Monster vor der Türe stehen, packen wir unseren Kofferraum leer und fördern unser Tauchgerödel zu Tage.

Die ganzen Klamotten fristen nun bereits seit 2 Jahren ein trauriges Dasein und bevor es losgehen kann, müssen wir das ganze Equipment durchchecken. Erstaunlicherweise ist alles in einem tadellosen Zustand, den Tauchgängen am nächsten Morgen steht nichts mehr im Wege. Zum guten Schluss parken wir unseren Gefährten nachts in der Nähe einiger Häuser am Strand, morgens ziehen wir um vor die Tauchschule.
Die Tauchgänge hier sind nicht wie in der Karibik, es gibt keine farbenreichen Korallengärten, aber die große Anzahl der Fische macht sie dennoch recht attraktiv. Besonders die kleinen Dinge haben es uns mal wieder angetan und wir freuen uns wie die Schneekönige über den Fund eines Seepferdchens.

Leider ist die Sichtweite an den örtlichen Tauchplätzen momentan mehr als miserabel, die Regel ist so um die 10 m und daher freuen wir uns auf eine Ausfahrt weiter hinaus zur Insel Santa Catalina. Am Mittwochmorgen soll es losgehen und da die Fahrt längere Zeit benötigt, ist die Abfahrt bereits auf 7.30 Uhr festgelegt.

Bereits beim Aufstehen um 5.30 Uhr fühle ich mich nicht sonderlich wohl und dieser Zustand verschlechtert sich ständig, nur wenig später pendele ich zwischen Bett und Toilette hin und her. An einen Tauchgang ist in diesem Fall überhaupt nicht zu denken, schade, doch gottlob bin ich am nächsten Morgen wieder obenauf. Isla Santa Catalina, wir kommen, denken wir jedenfalls solange, bis wir auf der Tauchbasis eintreffen, denn Oliver empfängt uns mit der Nachricht, dass gegen 11.00 Uhr der Wind heftig aufbrisen soll und somit eine so weite Ausfahrt unmöglich macht. Abermals schade, denn für morgen, Freitag haben wir unsere Weiterfahrt geplant und somit bleibt es nur bei einer kurzen Tauchepisode.

Stattdessen versucht Jupp sich mal wieder als Fisherman und tatsächlich gelingt es ihm unser Abendessen an Land zu ziehen. Wir wissen zwar nicht so genau, um welche Spezies es sich handelt, aber das arme Tier mundet einfach vorzüglich.

Das Wochenende verbringen wir in einer einsamen Bucht, in der Bahia Salinas, wo der immer noch gegenwärtige Wind sämtliche Angelversuche zunichte macht. Der Wind ist so stark, dass wir im Bett gesandstrahlt werden und unsere Fenster verrammeln müssen. Da wir aber die Grenzformalitäten nicht an einem Sonntag in Angriff nehmen wollen, heißt es ausharren bis wir am Montagmorgen die wenigen Kilometer bis zur Grenze nach Nicaragua hinter uns bringen.

Die Zollabfertigung funktioniert so einfach wie eigentlich alles in Costa Rica, schauen wir mal was uns auf der anderen Seite erwartet, die angeblich etwas chaotisch sein soll.