Türkei, Teil 2: September 2005

Wir wollen endlich mal wieder ein paar Tage Urlaub machen. Nach einer Zwischenübernachtung an einer Raststätte erreichen wir Izmir. Juppi beunruhigen die selbst eingestellten Bremsen doch ein wenig und so halten wir an einer DAF-Werkstatt um uns nach einem Bremsenprüfstand zu erkundigen. Wir werden ca. 5 km weiter zu einer Firma Lassa geschickt. Jupp geht los, um dort nachzufragen und kommt und kommt nicht mehr zurück. Als ich bereits anfange mir Sorgen zu machen, taucht er mit einer jungen, hübschen Türkin (Na klar!!) an seiner Seite wieder auf. Bei seiner Nachfrage ist er ausgerechnet an den Seniorchef geraten, der aber leider kein englisch spricht. Dieser schleppt ihn in seinem Marmorpalast in die 3.Etage zu Sohn und englisch sprechenden Sekretärin. Kurz erklärt Jupp sein Anliegen mit der Bemerkung, er sei aber wohl falsch. Jetzt tritt mal wieder die türkische Gastfreundschaft in Aktion, es wird eine Mercedes Werkstatt angerufen, die sich gefälligst zügig in Bewegung setzen sollen, ein deutscher Gast habe Probleme mit der Bremse. Während wir bei Tee und Toblerone warten, werden wir über einen großen Flachbildschirm an der Bürowand mit türkischem NTV und CNN berieselt und diskutieren anschließend doch tatsächlich über die anstehenden Wahlen in Deutschland. Wir werden nach 30 Minuten abgeholt und Monster lernt die nächste Mercedes Werkstatt kennen. Leider hat aber auch diese keinen Bremsenprüfstand, aber zum Ausgleich einen Dolmetscher.

Ein junger Türke, der in Deutschland lebt und sein Auto nach einer Reparatur bei der Werkstatt abholen will, ist gleich dort geblieben um zu übersetzen. Wir schildern abermals unser Problem und dieses Mal werden die Bremsen richtig eingestellt. Der Monteur weiß was er tut, er arbeitet mit einer Schieblehre, und wir können endlich unserer Wege ziehen.

 

Heute geht es noch nach Selcuk, in der Nähe von Ephesus, und landen dort an einem Strand namens Pamucak. (Einfach die Straße von Selcuk nach Ephesus geradeaus weiterfahren, N 37°56.702’ E27°16.444’) Hier verbringen wir 3 Nächte mit Nichtstun, einem Frisör- und einem Ephesusbesuch.

Bier und Bibel treffen sich im Ortsnamen: Efes heißt die gängigste Biermarke des Landes, der griechische Name Ephesos ist manchem noch aus der Apostelgeschichte bekannt, als sich Paulus hier aufhielt und predigte. Von dem Artemis-Tempel, einem Weltwunder der Antike, ist nur noch eine sumpfige Ruinenstätte übrig, der Hafen ist längst verlandet, doch der Ort gibt auch für das archäologisch ungeübte Auge wie unseres ein sehr deutliches Bild einer antiken Großstadt. Es gibt eine marmorgepflasterte, in der Antike bereits nachts beleuchtete Hafenstraße, ein Theater, Tempel, ein Fassadentorso der zweistöckigen Celsus-Bibliothek (Bild oben) und, nicht zu vergessen, ein Bordell. Zu diesem befindet sich ein Hinweisschild im Boden der Hafenstraße.

Die Erklärung: an der linken Seite (linker Fuß), an der nächsten Kreuzung (Kreuz), ist eine Dame (Frauenkopf), die Liebe (Herz) für Geld (Punkte im Herz)macht. Die zufällig mitgehörte Erklärung eines Touristen: Dessen Füße kleiner sind als der Abdruck, darf nicht in den Puff.

 

Am Freitag, 09.09. geht es weiter. Wir wollen nach Bodrum bzw. zu dem Zipfel der Halbinsel, Turgutreis. In Kusadasi fahren wir eine Tankstelle an, um nach Wasser zu fragen. Dass Wasser dort hat aber leider keine Trinkwasserqualität, aber wie es so ist in der Türkei, ein freundlicher Passant will mit uns zu einer Quelle fahren. Der Weg dorthin ist schon Abenteuer pur, die Pfade werden immer enger. Monster trägt die ersten kleinen Kratzspuren davon und wir sind gut durchgeschüttelt, aber immerhin, wie kommen an der Quelle an. Hier wohnen zwei Familien, eine türkische und eine kurdische, in absoluter Armut.

 

Ob die Armut dadurch verursacht wird, dass der Kurde mit 2 Frauen lebt, lässt sich nicht zweifelsfrei klären.

Um den Brunnen wimmelt es von Kindern und Bienen, das Wasser läuft zwar sehr langsam, aber irgendwann sind dann die Tanks voll. Auf der Rückfahrt müssen wir noch das Sommerhaus unseres Begleiters, mitten in einem Olivenhain liegend, besichtigen. Nach 3 Stunden kann die Fahrt dann endlich weitergehen. (Soviel zu der Frage, was wir den ganzen Tag machen).

Zwischendurch erreicht uns ein Anruf von Monster-Karosseriebauer Walter. Wir haben bereits 2 Tauchurlaube mit ihm in Kas verbracht und Walter meint, das sollten wir doch noch mal auffrischen. Kommt gerade sehr günstig für uns, denn Dalaman liegt auf unserer Strecke und 3-4 Tage sollen wir sowieso in dieser Gegend bleiben.

 

Wir erreichen Bodrum am frühen Nachmittag und fahren mitten in den Ort. Dort holt uns sehr schnell die Realität ein. Ein unbeschreibliches Touristengewimmel schiebt sich durch die Gassen. Bodrum ist zwar einer der schönsten türkischen Badeorte, das malerische Doppel-Hufeisen der beiden blauen Meeresbuchten, weiße Häuser die Hügel hinauf, viel Grün und die mächtige Burg, aber auch das kann den Schock nicht mildern. Nix wie weg hier, auf in ruhigere Gefilde stellen wir uns vor. Aber wie so oft, zwischen Traum und Wirklichkeit tun sich riesige Lücken auf. Wir grasen die ganze Halbinsel ab, aber nirgends gibt es ein freies Stückchen Strand für uns. Kurz hinter Turgutreis lernen wir den bisher unfreundlichsten Türken kennen, der uns trotz Aussicht auf den Verkauf von 2 Abendessen nicht auf „seinem“ öffentlichen Parkplatz haben will und so landen wir schlussendlich in Ortakent. Wir parken auf einem Busparkplatz und gehen in dem ebenfalls voll auf Touris ausgelegten Ort etwas essen. Nachdem wir in einem I-netcafé noch unsere Pflichten erledigt haben, fallen wir ermattet ins Bett.

 

Am frühen Morgen fahren wir in Richtung Marmaris, nach dem letzten Erlebnis wollen wir aber einen Standort außerhalb suchen. In einer Bucht biegen wir von der Küstenstraße nach Gökova ab, immer Ausschau haltend nach einem Plätzchen, an dem wir bis zu Walters Ankunft verweilen können. Der Ort ist ein Fischerdorf mit kleinem Strand und wenigen Touristen. Auf unserer Suche verfranzen wir uns auf einem Feldweg, hier geht es ganz bestimmt nicht weiter. Eine Bäuerin mit ein paar Deutschkenntnissen erklärt und schreibt auf, wo ein sehr schöner Platz sein soll. Derart gut ausgestattet, finden selbst wir ihn, wobei uns unterwegs angesichts der Wege manche Zweifel kommen. Die Koordinaten zu dem Picknickplatz unter Bäumen direkt am Strand mitsamt WC und Dusche lauten: N37°02.89’ E28°17.730’.

Wir verbringen 2 Tage mit Wäsche waschen, Schreiben und den allgegenwärtigen Bienen, die picknickenden Türken versorgen uns mit Essen und Trinken. Kurz gesagt, es geht uns gut.

 

Am Sonntagmorgen sehen wir die örtliche Fischfangflotte einlaufen und schon sind die Gelüste nach frischem Fisch zum Abendessen geweckt. Jupp wirft seine „Maschine“ an und braust ins Dorf. Nach zähen Verhandlungen, Jupps Naturell schlägt durch, kauft er uns 3 Fische für 11 TL =ca. 7,5 €.

Voller Stolz kehrt er mit seiner Beute zurück, aber was nun? Die Tiere müssen ausgenommen werden!! Tapfer zückt Jupp sein Messer und das Chaos beginnt. Innerhalb von 1 Minute stürzen sich hunderte von Bienen auf Jupp und seine Opfer, sehr zur Erheiterung unserer türkischen Nachbarn. Alle vier ergreifen die Flucht und retten sich in Monster, also so geht es jedenfalls nicht. Nach kurzer Überlegung heißt es für die Fische „ back to the roots“, ab ins Wasser um sauber gemacht zu werden. Jetzt muss Juppi zwar mit den Wellen kämpfen, aber die stechen wenigstens nicht und so ist unser Abendessen doch noch gesichert.

Den Dienstagvormittag verbringen wir mit Großreinemachen, es kommt schließlich Besuch, und nachmittags machen wir uns dann auf nach Dalaman. Unterwegs erledigen wir unsere Einkäufe und die Emailpost und sind dann pünktlich um 20.15 Uhr am Flughafen um Walter abzuholen. Die Wiedersehensfreude ist groß und die 3-stündige Fahrt nach Kas vergeht mit dem ganzen Gequatsche wie im Fluge. Für die Nacht quartieren wir uns am neuen Hafengelände ein und Walter darf das Gästebett einweihen.

Am nächsten Morgen führt unser erster Weg zur Barakuda Tauchbasis. (Für Unterwasserverseuchte gibt es Infos unter: www.barakuda-kas.de) Theresa empfängt uns wie immer sehr herzlich und auf ihre Empfehlung ergattern wir für Walter ein günstiges Zimmer mit Frühstück. Mit Monster fahren wir zum alten Hafen, der praktischerweise direkt im Ort liegt und nachdem wir mit dem Hafenmeister einen Preis (37,00 €) für 1 Woche inklusive Strom ausgehandelt haben, kann der Urlaub beginnen.

Das aufstrebende Städtchen Kas, das antike Antiphellos, besitzt ein gut erhaltenes antikes Theater - ohne Bühnenwand, um den herrlichen Blick auf das Meer nicht zu verstellen – und mehrere lykische Gräber. Wir bummeln lieber durch die Gassen mit den vielen Geschäften, in denen es Lederwaren, Handarbeiten, Kupfer- und Silbersachen zu kaufen gibt. Unsere Tage sind ausgefüllt mit Tauchen und so können wir uns nur wundern, als es schon wieder Abschiednehmen heißt. Walter fliegt heim ins kalte Deutschland und auch wir nehmen den weiteren Weg in Angriff.

 

Wir wollen nach Kappadokien. Bis Manavgat geht es an der Küste entlang bevor wir wieder ins Landesinnere vordringen. Nach einer Zwischenübernachtung in der Pampas erreichen wir mit einem Stopp in Sultanhani die Ihlara Schlucht. Sultanhani ist eine aufgelassene, teils restaurierte Karavanserei und, außer vielleicht von außen, einfach nicht der Rede wert. Man ist von bettelnden Kindern umgeben und nach 15 Minuten hat man alles gesehen, was es zu sehen gibt.

Wir übernachten, nach Absprache mit den Jandarma direkt auf dem Parkplatz am Eingang zur Schlucht und früh am nächsten Morgen sind wir auf Schusters Rappen unterwegs. Die Schlucht ist 10 km lang und man kann an den Hängen zahllose schwarze Öffnungen ausmachen, hinter denen der Tuffstein ausgehöhlt und ausgeschnitten ist. Erste Wohnstätten wurden schon 4000 v. Chr. aus den Felsen gemeißelt. Eremiten suchten sich in den frühen Jahrhunderten des Christentums ihre verborgenen Plätze frommer Meditation. Nach dem Vorbild freistehender, gemauerter Gotteshäuser wurden sogar ganze Kirchenhöhlen aus dem Fels geschnitten.

 

Wir wandern ca. 4 Stunden, auf dem Hinweg wählen wir die rechte, etwas schwierigere Seite (Aussage des Jandarma: „You have to climb a little bit“) auf der wir 2.5 Stunden recht abenteuerlich über Stock und Stein klettern. Nach einem stärkenden Tee in einem Rasthaus wird der Rückweg dann weniger beschwerlich.

Wir fahren weiter bis Derinkuyu, dort gibt es eine „Underground City“ zu besichtigen. 55 Meter über vier, fünf Stockwerke geht es in die Tiefe, Vorsichtige nehmen eine Taschenlampe oder eine Kerze mit hinab. Zwar gibt es elektrische Beleuchtung, aber wie sollte man je wieder hinaus finden, wenn diese ausfiele? Die labyrinthischen Gänge und Schächte sind heute zwar ausgeräumt wie Stollen eines aufgegebenen Bergwerkes, aber unsere Phantasie erfüllt sie trotzdem mit Leben. Während wir so durch die Gänge schleichen, hören wir plötzlich vertraute Töne aus der untersten Etage. Siehe da, eine Pilgergruppe aus Münster, die Monster bereits auf dem Parkplatz gesichtet hat. Frau Swertz aus Bedburg-Hau begrüßt uns mit den Worten: „Klever sind clever“ und wir haben dem eigentlich nichts hinzuzufügen.

Heute fahren wir noch bis Göreme und landen auf dem Kaya Campingplatz (an der Straße von Göreme nach Ürgüp), der mit seiner wunderbaren Aussicht besticht. Man überschaut das Tal, aus dem bei Sonnenaufgang (an Heiko: das ist Zeigerstellung 6.00 Uhr) so an die 15 Heißluftballone aufsteigen. Ein phantastisches Bild.

Die Landschaft selbst sieht aus wie von einem fremden Planeten: So weit das Auge reicht türmt sich schroffes, weißes Gestein in den bizarrsten Formationen auf- in hohen Kegeln, kaminähnlich oder an riesige fächerförmige Pilze erinnernd, oft durchlöchert wie Schweizer Käse.

Der Campingplatzbesitzer lädt uns auf ein Begrüßungsgetränk ein und während wir dort sitzen, spricht uns ein deutscher Herr aus Delmenhorst an. Seine Frau und er haben mit ihrem Wohnmobil leider einen Unfall gehabt, sich jedoch entschlossen die nötige Reparatur an Ort und Stelle ausführen zu lassen. Die beiden werden vom Campingplatz- und Hotelbesitzer liebevoll umsorgt, haben jedoch viel Zeit übrig. Monster haben sie auch bereits gesehen und so kommt die Frage, woher aus dem Kreis Kleve wir denn kommen. Sie seien vor ihrer Abreise noch in Kevelaer gewesen, um ihre Tante zum 90-jährigen Geburtstag zu besuchen, die aber leider an dem Tag verstorben sei. Als sie uns dann noch ihren Namen nennen, nämlich Raem, bleibt uns vor Staunen der Mund offen stehen. Unerwarteter Familienzuwachs und das mitten in der Türkei!!! Zur Erklärung: Jupp’s Mutter hieß mit Mädchennamen Raem. Wie sich nach weiterer Ahnenforschung herausstellt, waren die jeweiligen Großväter, Wilhelm und Gerhard, Brüder. Die Welt ist ein Dorf!

 

Am Freitagvormittag absolvieren wir das übliche Programm nach den Reisetagen, Wäsche waschen, Monster checken und reinigen etc. pp. Gegen Mittag wandern wir dann los zum Freilichtmuseum (angeblich ist es dann nicht so überfüllt). Dort findet man eine Ansammlung der bizarren Felsenkirchen, jedoch in einem besseren Zustand als in der Ihlara Schlucht.

Von dort traben wir anschließend in den Ort Göreme, erledigen unsere Emailpost und freuen uns riesig über einen Anruf unseres Freundes Rainer. So unterwegs ist es einfach schön, etwas aus der Heimat zu hören.

 

Zurück auf dem Campingplatz erwartet uns schon die neu gefundene Verwandtschaft, ein wenig reden wir noch über die Zufälle im Leben und schon heißt es wieder Abschiednehmen, da wir beschlossen haben am nächsten Tag zügig in Richtung Iran zu fahren. So zügig klappt es dann mal wieder nicht, bis wir schlussendlich unterwegs sind ist es Mittag geworden. Wassertanken, Infos von einem Tourguide über Pakistan einholen, einkaufen und Geldwechsel braucht halt seine Zeit.

Aber dann geht es los und wir fahren und fahren und fahren, die Straßen sind in einem desolaten Zustand, doch wie heißt es so schön, die Hoffnung stirbt zuletzt und so träumen wir, dass die Hauptverkehrsstraße nach Erzurum besser ist. Schade, wäre schön gewesen, aber es kommt noch schlimmer, es tauchen Schilder auf, die auf 43 KM!!! lange Baustellen hinweisen. Das bedeutet: Staub, rumpeln und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h.

Bei Dunkelheit geben wir erschöpft auf und übernachten an einer Tankstelle. Morgens um 6.00 Uhr geht die Katastrophe weiter, außer einem Einkaufsstopp in Erzurum, verbringen wir auch diesen Tag bis zur Nacht mit Monster on the road (Was heißt hier road??) Zwischendurch versuchen wir eine Abkürzung zu nehmen, laut Karte eine stabilisierte Straße. Wir haben zwar keine Ahnung, was das bedeutet, aber Monster ist ja schließlich ein Allradfahrzeug, also keine Feigheit vortäuschen. Die Straße bzw. der Weg wiegt uns noch kurz in Sicherheit, aber nur wenig später wissen wir, wenn man stabilisierte Straßen mit mehr als 3 km/h befährt, läuft man Gefahr von ihnen verschlungen zu werden. Kleinlaut treten wir den Rückweg an und meiden fortan Abkürzungen.

Bei Bingöl schlafen wir dieses Mal unter der Aufsicht eines ehemaligen Kellners aus Hamburg. Leider hat er uns nicht gesagt, dass sein Lokal die ganze Nacht geöffnet ist und er mit lauten Durchsagen darauf aufmerksam macht. Irgendwie geht auch diese Nacht vorüber, es kann eigentlich nur noch besser werden.

Die Ankunft am Kratersee auf dem Berg Nemrut am nächsten Nachmittag entschädigt für alles. Die Auffahrt ist zwar etwas heikel, es geht anfangs über Asphalt, dann über Schotter und zum Schluss über festgefahrenen Sand und das bei satten 10-12% Steigung, aber immerhin, wir kommen auf 2500 m an. Ein überwältigender Anblick.

Wir sammeln Brennholz für ein Lagerfeuer und freuen uns auf einen romantischen Abend. Mitten in den Vorbereitungen für’s Abendessen vernehmen wir plötzlich deutsche Worte: „ Bitte nicht erschrecken“ und es erscheint Uli mit seinem Fahrrad. Ich denk’, jetzt hat dich die Höhenkrankheit erwischt und du hast Erscheinungen, aber die Halluzination verschwindet nicht und so sitzen wir zu dritt am Lagerfeuer. Uli ist bereits seit 3 Monaten mit seinem Rad unterwegs, er hat als Lehrer ein Sabbatjahr genommen. Seine heutige Tagesetappe beträgt 125 km und dann noch den Berg hoch, für uns sehr erstaunlich, für Uli normal, denn er radelt sich so durch die ganze Welt. Nebenbei eine nette Geschichte, die er uns am Feuer erzählt: Uli radelt durch die Mongolei und trifft auf ein Basislager einer deutschen Reisegruppe, die Gruppe ist gerade ausgeflogen, aber ein Guide ist noch im Lager und begrüßt ihn mit den Worten: „Hallo Uli, schön dass Du da bist, alle erwarten Dich schon“. Uli ist natürlich leicht irritiert, doch als die Gruppe erscheint, klärt sich schnell der Sachverhalt. Seine Mutter hatte einem Teilnehmer erzählt, dass ihr Sohn auch in der Mongolei, aber mit dem Fahrrad unterwegs sei. Dieses hatte der Teilnehmer dann allen und jedem erzählt. Trotzdem ist es ja immer noch mehr als Zufall sich dann dort zu treffen, doch die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Ein Jahr später sitzt ein Journalist aus Ulis Heimatort in einem Zug in Finnland, ihm gegenüber eine Mongolin. Die beiden kommen ins Gespräch und der Journalist erzählt, dass er vor einiger Zeit einen Artikel über jemanden geschrieben hat, der mit dem Fahrrad durch die Mongolei geradelt sei, woraufhin die Mongolin wie selbstverständlich antwortet: „Ach, der Uli“! Soviel noch mal zu der Sache mit der Welt und dem Dorf.

Am nächsten Morgen fahren wir am Van-See entlang nach Dogubayazit, dem letzten größeren Ort vor der türkisch-iranischen Grenze. In vielen Reiseberichten haben wir gelesen, dass der Campingplatz, der sich unterhalb des Ishak Pasa Serayis befindet, als Globetrottertreffpunkt gilt. Auch wir wollen die Möglichkeit nutzen, Traveller zu treffen, die gerade aus dem Iran kommen und uns mit den neuesten Nachrichten und Informationen versorgen können. Das Serayi finden wir auch relativ schnell, nur keinen einzigen Globetrotter. Weit und breit sind wir die Einzigen, unsere Enttäuschung ist groß. Es bleibt uns nichts anderes übrig als unsere alkoholischen und Schweinefleisch-Restbestände alleine zu vernichten. Das Schweinefleisch ist kein Problem, aber trotz vollem Einsatz schaffen wir den Alkohol nicht ganz.