Mazedonien: August 2005

Unser nächstes Ziel sind die Plitvicer Seen, die wir auch heute gut erreichen. Nach einer kurzen Orientierung am Haupteingang müssen wir enttäuscht feststellen, dass freies Campen nirgendwo erlaubt ist. Nach 21.00 Uhr werden alle Wohnmobile verscheucht. Was hilft es also? Ab auf den unverschämt teuren Campingplatz, wo wir in einer Senke noch ein Plätzchen finden. In der Nacht beginnt es zu regnen bzw. zu gewittern und in den frühen Morgenstunden fürchten wir aus unserer Senke nicht mehr herauszukommen. Also raus aus den Federn und somit stehen wir schon um 7.00 Uhr vor dem Haupteingang. Nur leider schüttet es immer noch, wir frühstücken und beschließen ein kleines Nickerchen zu machen. Um 12.00 Uhr gießt es immer noch, aber frei nach dem Motto: es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung, hüllen wir uns in Plastik und wandern los.

 

Das Gebiet der Plitvicer Seen, im Jahre 1949 zum Nationalpark erklärt, ist ein Talkessel umgeben von hohen bewaldeten Bergen, in dem stufenweise 16 größere und kleinere Seen mit kristallklarem, blaugrünen Wasser aneinandergereiht sind. Das Wasser fließt aus zahlreichen Flüsschen und Bächen zu und stürzt sich als Wasserfälle bis zu 78 m in die Tiefe.

Die Kulisse ist schon gigantisch, vielen bestimmt aus den zahlreichen Karl May Verfilmungen bekannt. Wir erwandern heute die oberen Seen, Winnetou lässt grüßen, und dank des schlechten Wetters ist es nicht ganz so voll.

Das ist am nächsten Tag ganz anders, das Wetter ist schön und bereits am frühen Morgen wälzen wir uns zusammen mit 3 Millionen Italienern um die unteren Seen herum. Irgendwie macht das nicht so richtig Spaß und nachdem wir am frühen Nachmittag auch noch unsere Schuhe zerwandert haben, geben wir auf. Frage an die Firma Meindl: „ Dürfen Wanderschuhe bereits nach 14 Jahren und wenigem Einsatz so aussehen?“

Wir fahren durch’s Landesinnere zurück an die Küste, nach Zadar, in der Hoffnung Infos über eine Fährverbindung nach Griechenland zu bekommen. In Zadar gibt es jedoch nur eine Fährgesellschaft, Jadrolinija, die uns relativ unfreundlich erklärt, dass es nur eine Verbindung nach Ancona, Italien, und von dort nach Igoumenitsa, Griechenland, gibt. Das wäre ja nun Unsinn, wenn wir das Mittelmeer hin und zurück kreuzen und so machen wir uns auf die Suche nach einem lauschigen Plätzchen für die Nacht.

In Biograd na Maru werden wir in einer Seitenstraße direkt am Strand fündig. Jupp macht sich auf den Weg um ein paar Polen, die ebenfalls mit ihren Wohnmobilen dort stehen, zu befragen. Sie kommen auch gleich ins Gespräch und was auf den Tisch?? Na logo, Wodka!!

Dieser kostet Juppi fast das Leben, es handelt sich um selbstgebrautes Zeug mit ca 80%. Noch Stunden später verweigert er selbst die Bieraufnahme. Welch Wunder, selten gesehen!!

Wir verbringen 2 Nächte in Biograd und laufen dann unversehrt in Dubrovnik ein. Dort schlagen wir unser Lager auf dem stadtnächsten Campingplatz auf und der nächste Vormittag vergeht mal wieder mit Putz- und Reparaturarbeiten. Vermeintlich ist unser GPS defekt und wir versuchen auch dieses zu reparieren. Bis auf eine kleine Unterlegscheibe finden alle Teile ihren Platz wieder, nur das Ding macht immer noch keinen Mucks. Voller Trauer hoffen wir in Istanbul eine Garmin- Vertretung ausfindig zu machen. Überhaupt scheint uns dieser Tag nicht wohl gesonnen, denn als wir unsere „Maschine“ abladen und endlich nach Dubrovnik hineinfahren wollen, reißt die Kupplung. Jetzt heißt es suchen, es ist Samstag und wo ist eine Werkstatt? Wir werden von „hü“ nach „hott“ geschickt, aber schließlich erbarmt sich ein junger Motorradfahrer und fährt mit uns zu einer Hinterhofwerkstatt. Der Schrauber dort ist genau was wir suchen, es wird ein bisschen improvisiert und nach kurzer Zeit geht es in die Altstadt. (Die Kupplung hat noch nie so gut funktioniert.)

Dubrovnik ist nun wirklich ein Traum, sie gilt als die „Perle der Adria“. Mächtige, fast 2 km lange, begehbare Mauern umschließen die Altstadt. Sie wird von der „Placa“, der Hauptstraße Dubrovniks, durchzogen. Mit der Zeit haben Millionen von Schuhsohlen, so auch unsere, die Bodenplatten dieser auch Stradun genannten Straße in spiegelglatte Marmortafeln verwandelt. Am östlichen Ende bildet das Ensemble aus Sponza- und Rektorenplatz, Kathedrale, Sv.-Vlaho-Kirche und Marktplatz den Mittelpunkt des öffentlichen Lebens. Leider wurde auch Dubrovnik Opfer der Granatbeschüsse 1991/92 durch serbische und montenegrinische Truppen. Der Großteil der Schäden ist mittlerweile behoben, man kann es an den neuen Dachziegeln erkennen.

Früh am nächsten Morgen brechen wir unsere Zelte ab, nun wollen wir uns nach Griechenland bewegen. Entgegen ursprünglicher Pläne nicht mit der Fähre, mangels Angebot, sondern über Montenegro, Serbien, Kosovo und Mazedonien. Ein bisschen ein mulmiges Gefühl haben wir schon, aber alles entpuppt sich als ganz harmlos, mit Ausnahme der Straßen.

Die sind wirklich heftig, in manchen Schlaglöchern könnten ganze Autos verschwinden, wir werden gut durch geschüttelt.

Montenegro sieht Küsten mäßig genau so aus wie Kroatien, halt nur wesentlich schmutziger. Wir bekommen den Eindruck, alles schaut irgendwie aus wie Ostblock, die Leute sehen slawischer aus, die Wohnblocks gettoartiger. Kurz hinter Budva biegen wir ab in die Berge, die Landschaft ist einfach atemberaubend, wir bezwingen unseren nächsten 1700er. Mal wieder unverhofft, die ADAC-Karten sind vielleicht doch nicht so der Hit.

Wir erledigen die serbische Grenze ohne besondere Vorkommnisse, aber dann geht’s auch schon los. Man stelle sich vor, einsame Gebirgsstraßen, ab und an Kreuzungspunkte, an denen man sich für die öst- oder westliche Richtung entscheiden kann. Dort gibt es: 1 Tankstelle, 1 Gaststätte, 1 Brunnen und 1 Polizeikontrolle. Tja, und jetzt kommt Monster und jedes Mal das gleiche Ritual: Polizist sieht Monster und springt vor, Monster hält an, wir diskutieren…..Führerschein o.k., Fahrzeugschein o.k., Campingcar…? Erst der Blick in Monster’s Innenleben zaubert ein Lächeln auf die Gesichter der Polizisten und für uns freie Fahrt. Bis zur nächsten Wegeskreuzung… das gleiche Gehabe von vorne, vage Schätzungen liegen heute bei 10 Besichtigungen. Nichts desto trotz schaffen wir unser heutiges Etappenziel, Bijelo Polje. Auf der Suche nach einer Übernachtungsstelle finden wir ein Restaurant mit Parkplatz. Ratz fatz, Monster abgestellt, Betten gebaut und ab zum Essen fassen. Es gibt standardmäßig Cevapcici mit Salat, Ayvar und Brot und schwupps liegen wir um 20.30 Uhr in der Kiste. Ruhig und sicher wie in Abrahams Schoß schlafen wir…bis um 23.00 Uhr, dann finden wir uns plötzlich auf einer Raststätte mitten auf der Autobahn wieder. Der friedliche Parkplatz entpuppt sich als Bushaltestelle für Überlandbusse. Ein Bus nach dem anderen läuft ein, Generatoren dröhnen, hunderte Reisende steigen aus und ein, schwatzen und rauchen. Manche bestaunen Monster, andere pinkeln gegen seine Reifen und wir mittendrin mit offenen Fenstern auf dem Logenplatz. Ganz reizend, aber irgendwie habe ich mir die Nacht anders vorgestellt. Auch dieser Alptraum geht vorüber und morgens wappnen wir uns dann für den Kosovo. Es geht weiterhin bergauf und bergab, aber mit einer Motordrehzahl von 2100 im 2.Gang schafft Monster zwar alles langsam, aber mühelos. Wir durchfahren Schluchten mit Gebirgsflüssen, die Landschaft ist der Hammer schlechthin und keine Menschenseele interessiert sich dafür.

In Deutschland oder Frankreich gäbe es Canoeing oder Rafting, unzählige Ausflugsgaststätten oder welche Art von Tourismus auch immer. Hier ist rein gar nichts außer Gegend. Der gemeine Niederrheiner würde sagen: Bah Gegend. (man verzeihe mir die Schreibweise, vielleicht kann Nöll mich auf den richtigen Pfad bringen.)

Nach 2-3 Stunden erreichen wir die Grenze zum Kosovo und das altbekannte Spiel geht weiter. Pässe abgeben, Fahrzeugschein, Campingcar….?, Aufbautüre auf, Leiter herunter und … staunen, dieses Mal fragt die Zollbeamtin, ob sie Fotos machen darf. Natürlich darf sie und währenddessen lernen wir einen sehr freundlichen, dort stationierten, deutschen UN-Soldaten kennen. An dieser Stelle, vielen Dank für die Tipps und viele Grüße, Herr Fuchs.

Kaum haben wir die Grenze passiert, beginnt es zu regnen, regnen, regnen, auf gut deutsch, es schüttet wie aus Eimern und das bei diesen Straßen. Wir müssen unsere Durchschnittsgeschwindigkeit von 40 auf 20 km/h reduzieren, kommen aber noch voran. Irgendwann ist auch das vorüber und wir haben nur noch Mazedonien zwischen Griechenland und uns.

Die Grenze macht, bis auf’s übliche Türen öffnen, keine Probleme und die Straßen werden deutlich besser. Dafür fängt jetzt, wohlgemerkt nicht mehr im Kosovo, die Abzocke an. In Mazedonien gibt es alle naselang eine Mautstelle und man muss zahlen. Entweder in Denar, wer hat schon Denar?, oder in Euro. Eingeteilt in Gruppen, je nach Größe des Fahrzeuges. An der ersten Mautstelle sollen wir 5 Euro zahlen, das würde aber bedeuten, dass Monster so ungefähr 9,00 m lang ist. Sollte es unbemerkt gewachsen sein? Nach einiger Diskussion zahlen wir dann 3 Euro = 115 Denar. An der nächsten Mautstelle entsprechen 110 Denar nur noch 2 Euro (wahnsinnige Inflation hier) und an der 3. und letzten Station findet das Ganze dann seinen Höhepunkt. Alle Diskussionen helfen nichts, wir sollen 5 Euro zahlen, also machen wir Monster’s Motor aus, gießen uns ein Tässchen Kaffee ein und harren der Dinge, die da kommen. Es dauert gar nicht lange und es bildet sich eine ordentliche Schlange. Die Dame? am Schalter wird sichtlich nervös und beginnt mit uns zu handeln. Als wir bei 2 Euro angekommen sind, zahlen wir, starten den Motor und fahren frohgelaunt weiter. Geht doch!!

Kurze Zeit später erreichen wir die griechische Grenze und weiter geht es dann mit dem Thema Griechenland.