Kroatien: August 2005

Am 06.08.05 brechen wir unsere Zelte in Agde ab und machen uns bei KM-Stand 42991 wieder auf den Weg. Heute soll die Fahrt nicht besonders weit gehen, das Tagesziel ist die Provence.

 

Am Fuße des Mont Ventoux, der interessierte Radsportler wird natürlich gleich aufmerksam, liegt das kleine Dörfchen Bedoin. Dorthin hat es Marloes, eine Bekannte aus Kevelaer, samt Eltern und Kindern verschlagen. Ursprünglich wollten wir ihren Freund, Joachim, ebenfalls dort treffen, da uns dieser noch mit Infos über Vietnam, Kambodscha + Bangkok versorgen wollte. Die Infos bekommen wir auch, aber Joachim hat sich kurzfristig mit einem Bandscheibenvorfall ins Kevelaerer Krankenhaus gelegt. Auf diesem Weg nochmals: Gute Besserung und danke für alles.

Wir verbringen einen schönen Abend mit Marloes und ihrer Familie, werden bestens bekocht und versorgt und lernen bei einem Spaziergang durch die Weinberge ein wenig die Schönheit der Provence kennen. Es wachsen wilde Birn-, Mandel- und Nussbäume, es ist wirklich traumhaft. Zu den neuen Erfahrungen zählt auch, dass die meisten Häuser der Franzosen von außen relativ verfallen ausschauen (Jupp meint: Hier hilft nur noch die Abrissbirne), von innen jedoch über einen romantischen Charme verfügen. Welch Überraschung!!!

 

Am nächsten Morgen reißen wir uns schweren Herzens los und machen uns bei KM-Stand 43186 auf den Weg zu einer unerwarteten Bergetappe. Irgendwie muss bei der Besprechung der Strecke was durcheinander geraten sein: Wir wandeln unverhofft auf den Spuren der Tour de France und bezwingen den Mont Ventoux, 1909 m hoch. Besser gesagt, wir wollen ihn bezwingen, denn plötzlich tut es einen lauten Knall und mit lautem Zischen entweicht unsere Druckluft. Gott sei Dank können wir sofort auf einen Parkplatz fahren und schauen was passiert ist.

 

Bei 10% Steigung können wir nur im 2. Gang fahren und dementsprechend heiß wird Monsters Auspuff. Einer unserer, in der Nähe liegenden Luftleitung wird es einfach zu heiß, sie wird weich und mit lautem Getöse tut sich ein Loch in selbiger auf. Nachdem wir das Problem geortet haben, findet sich auch eine Lösung. Bei unseren Ersatzteilen ist unter anderem ein Benzinschlauch, dessen innerer Durchmesser genau dem Umfang der Luftleitung entspricht.

Glück braucht der Mensch!! Jupp schneidet die defekte Luftleitung durch und schiebt den Benzinschlauch darüber. Das Ganze wird mit 2 Schlauchschellen fixiert und so kann die Fahrt nach ca. 2 Stunden weitergehen. Die Verbindung ist zwar nicht ganz dicht, aber Monster produziert immer noch mehr Luft als verloren geht und so kann es genug Druck aufbauen.

Wir quälen uns weiter den Berg hinauf (einige Wahnsinnige machen das mit dem Fahrrad!!), beschließen aber bei ca. 1460 m Höhe die Gelegenheit zur Abfahrt zu nutzen. Die ganze Aktion hat uns sehr erschöpft und so legen wir eine Picknickpause ein um uns zu stärken.

Endlich wieder unten angekommen, nehmen wir entgegen der ursprünglichen Planung die Autobahn Richtung Cote d’Azur um die verlorene Zeit wieder etwas wett zu machen. Wie langweilig!!!

Inzwischen ist es Nachmittag geworden und so verlassen wir die Autobahn bei Antibes in der irrigen Annahme uns einem romantischen Örtchen zu nähern, in dem wir die Nacht verbringen können. Antibes entpuppt sich als eine große Hafenstadt, voll touristisch. Wir schlagen uns also zur Küstenstraße durch und fahren in der Hoffnung auf ein Übernachtungsplätzchen Richtung Nizza. Welch ein schwieriges Unterfangen. Die ganze Küste ist zugepflastert, eine Stadt geht in die andere über. Nachdem wir dann auch noch verbotener Weise mitten durch Nizza gekreuzt sind (für Fahrzeuge über 3,5 t gesperrt), geben wir die Hoffnung auf und steuern hinter der Stadt einen für Zelte und Wohnmobile ausgewiesenen Campingplatz an.

Es geht mal wieder auf einer 3 m breiten Straße steil bergan. Oben angekommen, empfängt uns eine keifende Campingplatzbesitzerin. Die „Elli“ ist mit Monster völlig überfordert, schreit immer nur:“ zu groß, zu groß“ und so müssen wir unverrichteter Dinge von dannen ziehen. Wären wir den gleichen Weg zurück gefahren, hätten die Hinweisschilder zum Campingplatz wohl einen leichten Schaden genommen bzw. wären spurlos verschwunden.

Mittlerweile ist es Abend geworden und jetzt reicht es uns langsam. Mit Wut im Bauch fahren wir zurück auf die Autobahn und wollen den nächsten Rastplatz zur Übernachtung nutzen. Leider haben wir die Rechnung ohne die Italiener gemacht. Die ersten beiden Rastplätze sind gesperrt und so wird es dann 21.00 Uhr bis wir endlich einen Schlafplatz finden. Jetzt noch die Außenküche zum Einsatz bringen und kurze Zeit später gibt es, wie bei Muttern, Bratkartoffeln mit Spiegelei. Hmm, lecker!!

Zwischendurch hält Jupp ein Pläuschen mit einigen türkischen LKW-Fahrern. Die Jungs sind echt nett und geben uns Tipps, wie wir am besten von Kroatien nach Griechenland kommen. Es gibt also doch noch freundliche Menschen.

 

Am nächsten Morgen fahren wir schon früh weiter, Kroatien wir kommen!! Die Reise geht über Savona, Pavia, Cremona, Brescia, vorbei am Gardasee, über Venedig nach Triest.

Unterwegs zieht Monsters Bremse unerwartet stark nach rechts und wir bemerken den Verlust von Bremsflüssigkeit. Wir fahren eine Tankstelle an, können jedoch nicht feststellen, wohin sie entschwindet oder ob sie bereits länger fehlt und wir es einfach nicht bemerkt haben. Leider gibt es sowohl in unserem Reservoir als auch an der Tankstelle keinen Ersatz. Nach kurzer deutsch-italienischer Debatte fahren wir zu einer 20 km entfernten Tankstelle und ergattern dort die letzte Dose mit der begehrten Flüssigkeit. Wir füllen nach, fahren weiter und siehe da: Alles wird gut, kein weiterer Verlust. Ohne weitere Ausfälle erreichen wir Novigrad in Istrien, wo wir von unseren Freunden Anni und Carolus schon erwartet werden.

Gleich am nächsten Tag machen sich Carel und Jupp auf die Suche nach einer LKW-Werkstatt zwecks Ersatzteilbeschaffung. Die beiden werden in Pula bei IVECO fündig und erwerben dort eine neue Luftleitung. Die geflickte hält zwar immer noch, aber sicher ist sicher. Auch unser Bestand an Bremsflüssigkeit wird aufgestockt. Wieder in Novigrad angekommen, wird gleich geschraubt. Jupp zieht die neue Leitung und entlüftet die Bremsen. Ich gewinne mehr den Eindruck, er badet im Öl.

Bei dieser ganzen Aktion bemerkt ein aufmerksamer Nachbar (kann man da auch von neugierig sprechen?), dass Monsters Auspuffkrümmer 2 von 3 Schrauben fehlen. Glücklicherweise ist dieser aber noch dicht, so dass nur die Schrauben ersetzt werden müssen.

Wir verbringen gemeinsam einige unbeschwerte Tage bei mäßigem Wetter, Favoritenbier und Cevapcici, besichtigen Porec und den Limkikanal, legen einen Hausfrauen und Bürotag ein, bevor es dann morgen, Sonntag 14.08. endgültig Abschiednehmen heißt.