von Wave Rock nach Alice Springs 1: Okt. 2006

Am frühen Morgen geht es über die „Norseman“ Road los und vorbei am „Barrier Fence“, der im frühen 19. Jahrhundert gebaut wurde, um der Kaninchenplage Herr zu werden. Der Zaun war nach Fertigstellung im Jahre 1905 leider nicht erfolgreich, aber 1822 Kilometer lang. Dank der Koordinaten aus einem Offroadbuch finden wir die Einfahrt zum „Holland Track“ und hinein geht es ins Vergnügen. Der 530 Kilometer lange Track wurde im April 1893 von John Holland erkundet, als dieser zusammen mit einer Handvoll Männer nach einem kürzeren Weg zwischen dem Hafen von „Albany“ und den Goldfeldern von „Coolgardie“ suchte. Während wir immer weiter vordringen, tun sich gewaltige Unterschiede zwischen unserer Vorstellung von einem Track und den Tatsachen auf. Der Weg wird immer schmaler und Monster trägt erste Blessuren davon, die überhängenden Äste kratzen dermaßen an seiner Oberfläche, dass uns die Ohren klingeln.

Eine Stunde kämpfen wir uns vorwärts bis wir einsehen müssen, dass Monster einfach zu breit für diesen Pfad ist. Wir stoppen, ziehen Bilanz und haben den Verlust unserer Deutschlandflagge und beider Markisenhalterungen zu beklagen.

Die neue Beule am rechten Kotflügel hat sich gnädigerweise zu der bereits vorhandenen gesellt und über die vielen Kratzer im Lack wollen wir gar nicht erst reden. Es reißt uns fast das Herz aus der Brust, was ist mit „Beauty“ geschehen? Wir können ihn doch nicht ganz zu Schanden fahren!!

 

Schweren Herzens geben wir auf, drehen auf abenteuerliche Weise das ganze Gefährt kurzerhand um und treten den Rückzug an. Immerhin stoßen wir dabei auf unsere Flagge, die sich nur einen Stielbruch zugezogen hat. Nach genau 2,5 Stunden ist das Abenteuer „Holland Track“ bereits vorüber und gezwungenermaßen schmieden wir neue Pläne.

 

Ein Stück weiter östlich in Richtung „Norseman“ gibt es einen Verbindungsweg, die „Victoria Rock Road“ und auf dieser wollen wir es erneut versuchen. Auf diese Art und Weise befahren wir dann wenigstens noch einen Teil des ursprünglichen Tracks.

Wir haben uns gerade ein wenig an das Gerumpel und Gerappel gewöhnt, da leuchtet die Kontrollleuchte der Lichtmaschine auf. Jupp stoppt sofort Monsters Maschine, die Motorhaube auf und die Suche beginnt. Mehr oder weniger zufällig finden wir ein gebrochenes Kabel an der Lichtmaschine. Ob dieses bereits angebrochen war oder ob es erst jetzt durch das Gerappel passiert ist, können wir nicht feststellen, aber das ändert ja auch nichts an der Tatsache als solches. Der Werkzeugkasten muss heraus und Jupp beginnt in seiner Wunderkiste auf dem Dach zu wühlen und findet, welch Freude, eine große Lüsterklemme, mit der er die beiden Kabelenden wieder wunderbar verbinden kann. Während wir noch mitten auf dem Weg schrauben, kommen gleich 3 Geländewagen (den ganzen Weg über haben wir niemanden gesehen), stoppen und die 3 Fahrer bieten gleich ihre Hilfe an. Da bereits alle Arbeit erledigt ist, nutzen wir die Gunst der Stunde um uns nach dem weiteren Weg und auch nach anderen Tracks zu erkundigen.

Die 3 haben schon alle möglichen Routen befahren, bestätigen, dass der „Holland Track“ für Monster unmöglich zu befahren ist, aber andere kein Problem sein dürften. In der Regel sind die Wege breiter und die Bäume hängen nicht so weit über. Die Auskunft erfreut uns sehr, vielleicht müssen wir unseren Traum vom Outback ja doch nicht begraben.

 

Ohne weitere Probleme stoßen wir wieder auf den eigentlich „Holland Track“ und fahren auf diesem nun breiteren Weg, zwar auch eine „Gravelroad“ also unbefestigt, bis zum „Victoria Rock“. John Holland benannte diesen Granitfelsen nach Queen Victoria und hisste eine Flagge an seinem höchsten Punkt. Dieser Ort soll der erste Übernachtungsplatz mitten im Outback sein, dementsprechend verbringen wir einen zünftigen Abend am Lagerfeuer mit Steaks und kaltem Bier.

 

Über „Coolgardie“, der Ort an dem Arthur Bayley 1892 einen Goldklumpen mit einem Gewicht von 16.839 kg fand und damit den Goldrausch schlechthin auslöste, erreichen wir am Samstagmorgen „Kalgoorlie-Boulder“. Nach den endlosen Straßen, der sengenden Hitze, dem roten Staub und grünem wuchernden Gestrüpp, ungezählten toten Kängerus und ab und an einer Geisterstadt, ist „Kalgoorlie“ fast ein Schock. Breite Straßen, kaum Bäume und jede Menge riesige Kneipen.

Wir fahren zunächst das Visitor Center an um uns mit den neuesten Infos zu versorgen. Leider kann man uns dort nicht schlauer machen als wir bereits waren, die einzig verwertbare Auskunft ist, dass wir nun wissen, wo sich das „Departement of Indigenous Affairs“ befindet. Dort müssen wir am Montagmorgen eine Transitgenehmigung zur Durchfahrt von Aboriginalland beantragen.

 

Caravanparks gibt es hier reichlich und wir suchen den „Prospectors“ aus, da dieser dem Ort am nächsten gelegen ist. Ruckzuck ist alles hergerichtet und Maschine abgeladen, auf der wir nun die Gegend erkunden. Wir besichtigen die „Mining Hall of Fame“, die 2 Kilometer nördlich der Stadt liegt. Hier geht es um das harte Leben in Staub und Schmutz auf den Goldfeldern und in den Lagern. Mit einem Förderkorb fahren wir 36 Meter unter die Erde, wo wir durch einen Minenstollen geführt werden, die Technik des Goldschürfens und die damit verbundenen Schwierigkeiten (z.B. das Arbeiten bei Temperaturen bis 60°C) erklärt bekommen.

Außerdem ist im Eintrittspreis von 20,00 AUD die „Goldbarrenherstellung“ (gold power) und das „Goldwaschen“ (gold panning) enthalten. Das Goldfieber ist auch heute immer noch ansteckend. Will man sich einen Überblick über die moderne Version des Goldtageabbaus verschaffen, sollte man hinauf zum „Super Pit“ Lookout fahren. Selbstverständlich können wir uns das nicht entgehen lassen und wir starten am Sonntagmorgen zum „Boulder Market Day“, der an jedem 3. Sonntag im Monat stattfindet. Von dort gibt es kostenlose Bustouren zum „Super Pit“, die aber leider schon ausverkauft sind als 2 verschlafene Touristen aus „good old Germany“ endlich auflaufen. Wir nehmen also mit „people watching“ (Leute gucken) vorlieb (was deutlich mehr hergibt als der eigentliche Markt) und brausen anschließend auf Maschine zum Lookout. In dem „Super Pit“ Tagebau wird noch Gold abgebaut, ein Gebiet mit dem Aussehen des „Grand Canyon“, von verschiedenen Erdschichten durchzogen.

Wir können die Lastwagen sehen, die in Zickzacklinien bis auf den Grund der Grube fahren und so klein aussehen wie Spielzeugautos.

 

Was noch zwischen den alten Stollen hängt und den Abbau lohnt, wird ausgesprengt. Aufgrund der Windverhältnissen ist heute jedoch keine Sprengung, damit nicht die ganze Stadt von dem Staub überzogen wird.

 

Montagmorgen rüsten wir uns für die 1. längere Outbacktour, die „Great Central Road“. Bei Woolworths frischen wir unsere Vorräte, bei Caltex Monsters Tank auf und nutzen dabei die 4 Cent Rabatt, die man auf den Benzinpreis bekommt, wenn man zuvor für über 30 AUD bei Wooli eingekauft hat.

 

Nun fehlen uns nur noch die Genehmigungen sowohl für den westaustralischen als auch für den Teil der „Great Central Road“ in Northern Territory.

 

Beim „Departement of Indigenours Affairs“ wird uns die westaustralische Genehmigung gleich ausgestellt, die für das Northern Territory muss per Fax beantragt werden und kann bis zu 3 Wochen dauern. Die freundliche Dame am Schalter beruhigt uns sogleich, denn 1. könnten wir sofort losfahren, die Antwort könnte zur Polizeistation in „Laverton“ gefaxt werden und dort von uns abgeholt werden und 2. hätte sie noch nie gehört, dass jemand Probleme gehabt hätte. Außerdem dürfe sowieso nur die Polizei danach fragen und die hätten sicherlich andere Dinge zu tun. Dermaßen gut ausgestattet machen wir uns auf den Weg.

 

Die Strecke nach Norden ist ab „Kalgoorlie“ asphaltiert und wir stolpern in dieser abgelegenen Region immer mal wieder über Geisterstädte, die fast verlassen sind. Eine solche ist „Gwalia“ bei „Leonora“, die 1911 noch über 3000 Einwohner beherbergte. Viele davon waren Menschen aus Italien oder Yugoslavien, die in einfachen Holzhütten wohnten, auf der Suche nach einem besseren Leben. Als am 21.12.1963 die Mine „Sons of Gwalia“ geschlossen wurde, schrumpfte die Bevölkerung innerhalb von 3 Wochen von 1.500 auf 40. Heute wird der Ort von Gemeindemitgliedern liebevoll restauriert.

Wir schlagen unsere Zelte in „Leonora“ (3500 EW) auf und stellen zu unserem Leidwesen fest, dass sich unsere Toilette nicht mehr öffnen lässt. Irgendwie hat sich auch dort etwas losgerappelt und wir müssen das ganze Teil zerlegen, um die Ursache zu erkennen. Wie man sich vorstellen kann, kommt dabei nicht so recht Freude auf, aber wenigstens lässt es sich reparieren und dieses Ding funktioniert anschließend wieder.

 

Am Morgen legen wir die restlichen, asphaltierten Kilometer bis „Laverton“ zurück. Das „Tor zur Wüste“ (500 EW) versteckt sich am Rande der „Great Victoria Desert“. Bei unserer Nachfrage auf der Polizeistation ist das Fax vom „Central Land Council“ natürlich noch nicht da und der Polizist meint, wir sollen besser dort anrufen, dann käme die Genehmigung meistens etwas schneller. Dass wir diese erst gestern beantragt haben, verraten wir ihm selbstverständlich nicht. Wir bedanken uns also artig und fahren, wie könnte es auch anders sein?, ohne Permit los.

 

Die Fahrt landeinwärts führt nur noch durch einsamstes Land und der Staub entlang des Weges ist rotgefärbt – in den unterschiedlichsten Schattierungen, von feuerwehrrot bis rotbraun. Es geht durch eine Gegend mit Spinifexgras, Mulga (Akazienart) und Wüsteneichen wobei der Weg mit wenig Wellblech (darunter muss man sich einen Weg mit dem Aussehen eines alten Waschbretts vorstellen) gut zu befahren ist. Wir vertreiben uns die Zeit bis zum für heute vorgesehenen Übernachtungsplatz am „Tjukayirla Roadhouse“, mit dem Zählen der Autowracks am Wegesrand. Es ist unglaublich, auf einer Strecke von 300 KM erspähen wir sage und schreibe 114 Wracks!

 

Das „Roadhouse“, nicht viel mehr als eine Tankstelle und ein kleiner Laden, liegt verlassen da und, wen wundert es, wir sind die einzigen Gäste für die Nacht.

Die Chefin des Hauses knöpft uns 20 AUD für einen Platz ohne Strom ab und zeigt uns dann den Weg. Dazu öffnet sie ein 2-flügeliges Tor und wir beide laufen vor während Jupp und Monster uns in einigem Abstand folgen. Plötzlich hören wir ein lautes Scheppern. Ich drehe mich um und kann kaum glauben, was ich sehe. Der Wind hat einen Flügel des Tores zugeweht und das just in dem Moment als Monster vorbeifährt. Die Folge: die Spitze des Torschließmechanismus ist vorn unter Monster geraten, genau zwischen Generator und Staukasten eingeschlagen und klemmt nun dort fest. Der Staukasten ist an einer Seite total verbeult, die Generatorhalterung einseitig verbogen und auch das Gehäuse hat eine dicke Beule abbekommen.

 

Mehr oder weniger fassungslos stehen wir mit 4 Leuten darum herum und das Tor bewegt sich keinen Millimeter mehr. Eine Flex wäre nun Gold wert, aber unsere steckt in dem besagten Staukasten und das Roadhouse besitzt keine. Guter Rat ist teuer und Jupp entscheidet mutig, dass dieses Ding eventuell auf dem Weg wieder herauskommt, auf dem es hinein gekommen ist. Also Monster gestartet, Rückwärtsgang eingelegt und los geht es während ich wie wild an dem Torflügel zerre. Wir haben Glück, ohne weitere Blessuren zu verursachen bewegt sich der Übeltäter langsam zurück und wir können den Schaden genauer begutachten. Der Generator hat gottlob keine inneren Verletzungen aufzuweisen und Jupp ist zuversichtlich, dass er den Staukasten wieder einigermaßen richten kann.

Den Rest des Tages hallt das Roadhouse dann auch von Klopfen und Hämmern wider und am Ende des Tages ist sowohl Monster als auch das Tor in einem passablen Zustand. Der einzige, der schlussendlich einen größeren Schaden davongetragen hat, ist Juppi, der arme! In seiner Arbeitswut hat er mit einem Stemmeisen beim Ausbeulen so fest zugedrückt, dass er sich dabei eine Rippe angebrochen hat. Noch halten sich die Schmerzen wohl in Grenzen, schauen wir mal wie es weitergeht. Am Lagerfeuer bei einem Bierchen malen wir uns aus, was noch alles hätte passieren können und konstatieren, dass wir am Ende noch Glück im Unglück gehabt haben.

 

Morgens auf der Piste geht das Gerappel gleich wieder los, das Wellblech wird ständig stärker und wir fragen uns, ob Monster die für heute geplanten 450 KM heil übersteht. Ab „Warburton“ ändert sich das gesamte Bild, das Wellblech lässt nach, dafür gibt es nun immer mehr „Dips“. Wer dabei an Essbares denkt, ist schwer auf dem Holzweg, denn das Einzige, das hier eingetaucht wird, ist Monsters Nase und zwar in eine Talsenke. Auch daran gewöhnen wir uns, doch als wir bei strahlendem Sonnenschein plötzlich Blitze sehen, scheinen wir unter ersten Halluzinationen zu leiden. Die Blitze verziehen sich zunächst noch einmal, doch bei Ankunft am heutigen Rastplatz, dem „Warakurna Roadhouse“, beginnt es zu regnen. Hier im Roadhouse sind wir zwar noch in Westaustralien, aber die Leute leben hier nach Northern Territory Zeit, wir sind dementsprechend auf einen Schlag 1,5 Stunden los, anstatt 14.45 Uhr ist es bereits 16.15 Uhr.

 

Der Regen hört die ganze Nacht nicht mehr auf. Das hat uns gerade noch gefehlt, womöglich für Tage in dieser Einöde festzusitzen weil die Straße unbefahrbar und daher gesperrt ist. Also auf zur Polizeistation und fragen was geht.

Angeblich geht alles und wir setzen unsere Fahrt fort, wollen wir es doch heute bis „Ayers Rock“ bzw. „Yulara“ schaffen. Der Regen hat das Wellblech aufgeweicht, aber dafür schlindern wir herum wie auf Glatteis. Alles hat Vor- und Nachteile, jetzt sind wir zwar langsam unterwegs aber wenigstens schüttelfrei. Gegen 10.00 Uhr, wir sind inzwischen völlig zwanglos in „Northern Territory“ eingereist, hört der Regen endlich auf und wir legen einen Frühstücksstopp ein.

 

Monsters Motor ist kaum aus, da erfüllt ein lautes Zischen die Luft. Soll das unser 1. australischer Plattfuss sein? Weit gefehlt, beim Kontrollgang hören wir die Luft unter dem Auto entweichen und stellen ein Loch in einer der Druckluftleitungen für die Bremse fest. Die Leitung tut uns aber den Gefallen schön lang zu sein und Jupp kann sie wunderbar einkürzen, sodass wir nach einer Stunde bereits weiterfahren können.

Kaum sind die Wege einigermaßen abgetrocknet, da geht das Gerumpel und Geschockel auch schon wieder los. Dieses Mal ist es schier zum Verzweifeln, uns fallen fast die Plomben aus den Zähnen. Hier in „N.T.“ scheinen die Tracks überhaupt nicht gepflegt zu werden, einen Grader (Fahrzeug zum Glätten der Straßenoberfläche) hat diese Route schon ewig nicht mehr gesehen.

Für die Strecke von 300 KM benötigen wir den ganzen Tag und sind nebenbei noch bis unter das Dach eingestaubt. Beim Anblick der Olgas (Kata Tjuta) fällt uns ein Stein vom Herzen, ist dort doch das Ende der „Great Central Road“ und der Asphalt wartet auf uns.

 

Eine Wohltat die noch verbleibenden 50 KM bis „Yulara“ nachdem wir tatsächlich 1500 KM schlimmsten Feldweg hinter uns gebracht haben.

 

„Yulara“ ist ein kleines Dorf mit Serviceeinrichtungen für den „Uluru und Kata Tjuta“ Nationalpark.

 

Die 1984 in Betrieb genommene Siedlung ist zwar teuer und ziemlich nichts sagend, aber die beste Ausgangsbasis für die berühmten Sehenswürdigkeiten. Aber wo sind die 3000 Aborigines geblieben, die früher hier wohnten? Der Alkoholismus wurde vielen zum Verhängnis und die Familien hausen in desolaten Siedlungen, die mit einem Drahtzaun umgeben sind und langsam verfallen. Für die Ureinwohner hat das ganze Spektakel am „Ayers Rock“ nicht viel Positives gebracht, sieht man von einem größeren Geldbetrag ab.

 

... im nächsten Bericht geht es weiter