Tasmanien: Januar 2007

Die Nacht vor der Fährüberfahrt nach Tasmanien wird kurz und relativ schlaflos. Vor lauter Aufregung und Sorge, dass wir uns verschlafen, wühlen wir die halbe Nacht in den Kissen und sind beim Aufstehen um 5.30 Uhr dementsprechend gerädert. Den Weg zum Fährhafen finden wir dennoch sehr gut, sind aber trotz der frühen Stunde beileibe nicht die ersten dort.

Das Einchecken auf der „Spirit of Tasmania“ geht relativ zügig vonstatten, vorsichtshalber verschweigen wir jedoch, dass wir 2 europäische Gasflaschen mitführen, da diese ansonsten nicht transportiert würden. Selbst die australischen Gasbehälter müssen abgegeben werden, um gesondert befördert zu werden. Die nächste Auflage betrifft die Reservekanister. Diese müssen nicht nur einfach leer, sondern auch noch zur Hälfte mit Wasser gefüllt sein. Eine Erklärung dafür, warum nur zur Hälfte, fällt so recht niemandem ein.

Die anschließende 10stündige Überfahrt verläuft glücklicherweise nur wenig kabbelig, entgegen sonstiger Gepflogenheiten zeigt sich die Bass Strait heute sehr ruhig. Nach der Ankunft in „Devenport“ quartieren wir uns nur noch auf einem Campground ein, füllen unsere Mägen und verschwinden in den Federn.

 

Morgens lacht zunächst noch die Sonne, doch die ersten bedrohlichen Wolken warten bereits im Hintergrund. Hoffentlich kein schlechtes Zeichen, denn wir wollen die Weihnachtstage in „St. Helens“ bzw. der „Bay of fire“ am Strand verbringen. Zunächst aber brechen wir in Richtung „Launceston“ auf, mit 67000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Tasmaniens.

 

Unterwegs machen wir uns so unsere Gedanken über Jupps Gesundheitszustand. Seit einigen Wochen hat er immer wieder krampfartige Schmerzen in den Händen, Füßen und Beinen, die zusätzlich von Stichen wie von kleinen Stromstößen begleitet werden. Unsere Hoffnung, dass diese Sache, die von selbst gekommen ist, auch auf diesem Wege wieder verschwindet, hat sich bisher nicht erfüllt und so scheint es an der Zeit ärztlichen Rat einzuholen. Doch gewusst wie? Wir sind zwar kein Notfall, aber wir versuchen es trotzdem mit der Emergency, der Rettungswache also. Nach kurzer Wartezeit kümmert sich auch gleich ein Arzt um Jupp, der nach Schilderung der Symptome eine Blutuntersuchung veranlasst. Das Ergebnis zeigt, dass es sich nicht um Arthritis handelt und auch alle sonstigen Werte in Ordnung sind. Der Befund des Doktors lautet dann wie folgt: Jupp kann doch gut laufen und sich ansonsten frei bewegen, was er denn eigentlich sonst noch will? Wir sind ziemlich konsterniert und verlassen etwas verwirrt das Krankenhaus. Muss man hier erst den Kopf unter dem Arm tragen bevor man eine weitere Behandlung erfährt? Na wenigstens ist eine Behandlung in der Notfallaufnahme kostenlos. Wir beschließen die Weihnachtstage abzuwarten und einen weiteren Versuch in „Hobart“ zu starten.

 

Mittlerweile hat sich das Wetter unserer Stimmung angepasst, es regnet. Wir fahren den Tamar River entlang auf der Suche nach einem Stellplatz, doch irgendwie ist heute der Wurm drin. An den einigermaßen schönen Orten, arbeitet Vodafone mal wieder nicht, wir aber wollen den möglichen Geburtstagsgratulanten die Chance geben uns zu erreichen und so kurven wir ziellos durch die Gegend, um dann am Ende doch auf einem hässlichen Platz ohne Funkverbindung zu landen. Wie sagen wir da immer so schön? Shit happens!

Morgens ist alles, auch das Wetter, wieder gut. Nach einer Rundfahrt durch das Tamar Valley und einem überflüssigen Abstecher nach „Grindelwald“, fahren wir zurück nach „Launceston“ um die Cataract Gorge zu erwandern.

Die 6 KM lange Wanderung bergauf- bergab tut uns richtig gut, Körper und Geist werden tüchtig gelüftet und voller Tatendrang schockeln wir anschließend in Richtung Küste. Die Strecke wird immer bergiger, die Straßen immer schmaler und rumpeliger. Monster benimmt sich ungewohnt wie ein störrischer Esel und die Insassen hüpfen in ihren Sitzen. Ziemlich durchgeschüttelt legen wir in „Scottsdale“ einen Stopp ein und grillen über einem Holzkohlefeuer ein Hähnchen. Wie schon so oft, erregt der dazu verwendete Grillmotor einiges Aufsehen, so ein Ding scheint bei den campierfreudigen Aussies völlig unbekannt zu sein.

 

Der Morgen des Heiligen Abends zeigt sich gar nicht weihnachtlich, es regnet wie aus Eimern, höchstens die Temperaturen erinnern uns mit 12 Grad irgendwie an Deutschland. Später hören wir, dass es im Landesinnern auf dem Mount William geschneit hat. Verrückte Welt!

 

Nach einer kurzen Wanderung zu den St. Columba Falls erreichen wir im Laufe des Tages „St. Helens“ und hier lässt sich endlich die Sonne wieder blicken. „St. Helens“ ist eine alte Walfängerstadt und inzwischen Tassies größter Fischereihafen. Etwas oberhalb, in der „Bay of fire“ finden wir einen schönen Platz direkt am schneeweißen Strand und wir treffen „Opa“ Ron und seine Frau Daphne wieder. Die beiden freuen sich sichtlich uns zu sehen und es gibt gleich viel zu erzählen. In dieser Stimmung kommen nicht so recht weihnachtliche Gefühle auf, da hilft auch das ganztägige Abspielen unserer Weihnachts-CD und das Tragen von Nikolausmützen nichts.

 

Leider lässt auch in den nächsten Tagen das Wetter zu wünschen übrig und wir entschließen uns früher als geplant nach „Hobart“ zu fahren. Auf dem Weg dorthin sehen wir die Auswirkungen der großen Buschfeuer, die rund um „St. Marys“ getobt haben. Es ist bizarr anzusehen, wie inmitten zahlloser verbrannter Bäume einige unversehrte Häuser stehen wohingegen ca. 40 Gebäude bis auf die Grundmauern zerstört sind. Wir überqueren den „Elephant Pass“ (396 m) mit einer beeindruckenden Bergszenerie und phantastischer Aussicht auf die Küste und machen einen Abstecher nach „Coles Bay“, das an einem der schönsten und bekanntesten Küstenareale Tassies liegt. Ausgedehnte Sandstrände und bizarre Küstenlandschaften, malerische Buchten und Lagunen laden zu Wassersport jeglicher Art ein. Angesichts der Temperaturen entscheiden wir uns für eine Wanderung im Freycinet Nationalpark, so wie zahlreiche anderer Besucher nehmen wir den populärsten Weg zur berühmten „Wineglass Bay“.

Gottlob treibt es die meisten jedoch nur bis zum Lookout mit seinen 600 Stufen und so können wir die restlichen 3 Stunden fast völlig alleine marschieren. Anschließend fahren wir weiter in Richtung „Hobart“ und kurz hinter „Swansea“ kommt uns doch tatsächlich der VW Bus von Lore und Horst entgegen. Gemeinsam versuchen wir auf einem nahe gelegenen Campingplatz unterzukommen, da die beiden nicht über den Luxus von Toilette und Dusche verfügen. An der Küste ist unsere Suche leider vergeblich, wir werden erst auf einer Art Abenteuerspielplatz in einem kleinen Wäldchen bei „Little Swanport“ fündig, verbringen aber einen gemütlichen Abend am Lagerfeuer auf der Suche nach dem tasmanischen Teufel. Es lassen sich auch einige nette Tierchen blicken, aber leider wissen wir bis heute noch nicht, ob es sich um Teufel handelt oder etwas anderes.

 

Morgens trennen sich unsere Wege, wir legen die restlichen Kilometer bis „Hobart“ zurück und quartieren uns auf dem Messegelände in „Glenorchy“ ein. Auf dem Showground geht es zu wie auf einem Campingplatz, es gibt selbst Duschen, Toiletten und Strom und wir treffen ein weiteres Mal auf Ron und Daphne.

Am Samstagmorgen treibt es uns in die Stadt, eigentlich zum Salamanca Market, eine Art Wochenmarkt. Wir haben Glück, nicht nur die Teilnehmer der jährlich stattfindenden „Sydney-Hobart“ Segelregatta laufen langsam ein auch das Gourmetfestival „Taste of Tasmania“ öffnet seine Tore.

Also jede Menge Rämmidämmi und wir mitten drin. Ganz wie die waschechten „Taswegians“ nehmen wir unser Frühstück bei „Jackman & McRoss“ ein. Jeder der nach „Hobart“ kommt, muss einfach dieses perfekte, super gemütliche Cafe´ samt Bäckerei besuchen- und sei es nur, um die riesige Auswahl an köstlichen Pasteten, Kuchen, Brot und anderen Backwaren zu bewundern.

 

Die restlichen Tage des Jahres vergehen wie im Fluge und am 2. Tag des neuen können wir uns den Arztbesuchen der verschiedenen Reiseteilnehmer widmen. Nicht nur Jupp benötigt einen Termin, inzwischen hört sich auch Monster ein wenig verschnupft an. Dieses Problem ist recht schnell beseitigt, Monster scheint einfach nur einen neuen Schalldämpfer zu benötigen. Wir lassen unseren treuen Gefährten in der Obhut einer Werkstatt zurück und kümmern uns um das größere Sorgenkind. Nach reiflicher Überlegung und um uns weitere „Launceston“ Erfahrungen zu ersparen, haben wir uns dieses Mal für ein privates Krankenhaus entschieden.

Wie sich recht schnell herausstellt der richtige Weg, denn nach der Untersuchung durch eine Ärztin diagnostiziert diese eine Nervenentzündung und beschafft uns einen Termin bei einem Neurologen für den heutigen Nachmittag. Glück braucht der Mensch! Wir holen den inzwischen genesen 1. Patienten in der Werkstatt ab, trödeln ein wenig durch die Stadt und finden uns rechtzeitig in der neurologischen Praxis ein. Jupp wird eingehend untersucht, die Nervenentzündung bestätigt und eine weitere Blutuntersuchung empfohlen. Die Ursache für diese Entzündung zu finden scheint ein größeres Problem zu sein. Zu a. könnte ein Vitamin B12 Mangel, b. aber ebenso der Stich eines Insektes der Auslöser sein. Was es auch sein mag, die ganze Geschichte scheint ein langwieriger Prozess zu sein, sollte sich aber in Laufe der Zeit von selbst auflösen. Es wird halt immer gute und schlechte Tage geben. Hoffen wir, dass die guten überwiegen. Wir verabreden eine telefonische Besprechung der Blutergebnisse in der nächsten Woche und kehren nochmals zum Showground zurück.

 

Mittwochmorgen kann die Fahrt endlich wieder losgehen. Über „Fern Tree“ fahren wir nach „Huonville“ und lassen uns dort bei „Geeveston“ auf einem schönen Platz am westlichen Ufer des Huon River nieder. Der Wettergott meint es ausnahmsweise einmal gut mit uns und Jupp versucht sich ein weiteres Mal in der hohen Kunst des Angelns.

 

Im Laufe des Tages gesellen sich Carl und Sohn Troy dazu und Jupp erhält kostenlosen Unterricht. Die Folge? Er fängt seinen 1. Fisch, juchhe, einen Flathead, den er mir voller Stolz präsentiert. Jetzt gibt es kein Halten mehr, es wird geangelt was das Zeug hält und am Ende des Tages haben zahlreiche Fische ihren Weg in Juppis Eimer gefunden. Nachdem wir an den Steinen am Ufer auch noch Austern finden, lässt sich ein Fischmenü nicht mehr vermeiden. Die Austern in einer leichten Käsesauce zur Vorspeise und eine Variation von Seelachs und Flatheads munden uns ausgezeichnet. Weiter so Jupp, der Mann in seinen Ursprüngen ist schließlich ein Jäger und Sammler!

 

In der Gesellschaft von Alison und Carl samt Kindern Emma und Troy und den inzwischen ebenfalls eingetrudelten Ron und Daphne, vergehen die Tage wie im Flug, erst der wieder einsetzende Regen reißt die muntere Truppe auseinander. Uns treibt es nach einigen Abstechern in die nähere Umgebung nach „Port Arthur“. In unsere Regenjacken gehüllt besichtigen wir die ehemalige Sträflingskolonie. „Port Arthur“ entstand im Jahre 1890 zunächst als Holzfällerlager, wurde nach 1833 in ein Straflager für wieder straffällig gewordene Täter umgewandelt und zu dem Zweck angelegt die „Schurken ehrlich zu machen“.

Die Halbinsel war ein ideales Gefängnis, denn sie ist mit dem Festland nur durch einen 100 m breiten Landstreifen – dem „Eaglehawk Neck“- verbunden. Um Fluchtpläne im Keim zu ersticken, wurden furchterregende Wachhunde entlang einer Linie quer zur Landenge angekettet.

 

Die regelmäßig stattfindenden, geführten Touren sind recht lohnenswert, man kann alle restaurierten Gebäude einschließlich der Irrenanstalt anschauen. Wir verbringen mehr Zeit als geplant auf dem Gelände, fahren anschließend nur noch kurz von der tasmanischen Halbinsel herunter und quartieren uns auf dem Rasen am „Dunalley Hotel“ ein. Da wir dort schon kostenlos übernachten können, gönnen wir uns ein auswärtiges Abendessen in Form einer Seafoodplatte, die mit Austern, Shrimps und Muscheln genau unseren Geschmack trifft. Hmm, ganz schön lecker!

 

Dienstagmorgen geht es zurück nach „Hobart“, da wir sowieso die Blutergebnisse erfragen wollen, können wir der Versuchung nicht widerstehen, uns bei Jackman & McRoss nochmals mit frischem Grau- und Rosinenbrot einzudecken. Schade, dass unser Gefrierfach nicht größer und bereits mit Fleisch gefüllt ist. Nach telefonischer Rücksprache mit dem Arzt, wissen wir, dass wir nichts wissen. Juppis Blut ist völlig in Ordnung, weder ein „Ross-River-Fever“ Erreger noch irgendein anderer kann nachgewiesen werden. Es bleibt uns also nur abzuwarten, dass sich der nervenaufreibende Zustand in Luft auflöst. Kein angenehmer Gedanke, doch was hilft’s?

 

Da wir nun schon mal in „Hobart“ sind und das Wetter sich von seiner besten Seite zeigt, fahren wir auf den 1279 m hohen Mt. Wellington. Wir fahren über kurvige Straßen hinauf, werden aber mit einem phantastischen Blick über „Hobart“ belohnt. Auf dem Boden der Tatsachen zurückgekehrt, geht es über „Glenorchy“ und „New Norfolk“ in Richtung Norden.

 

Wir übernachten auf einem entzückenden Platz direkt an einem kleinen Flüsschen in „Hamilton“ und machen uns morgens zeitig wieder auf die Socken. Über „Derwent Bridge“, dem Tor zum berühmten „Cradle Mountain/Lake St. Clair“ Nationalpark, fahren wir durch Landschaft pur. Unterwegs schauen wir uns etliche Freecamps an, aber so richtig umhauen tut uns keiner. Mehr halbherzig biegen wir zum Camp am Lake Burbury ein und wer winkt uns schon von weitem? Na klar, Alison, Carl und Kinder, die sich freuen die „green machine“ zu sehen. Keine Frage, wir haben unseren Platz für heute gefunden. Im Laufe des Abends gesellen sich noch 2 weitere Paare zu uns, von denen sich eines in der Kunst des Vodka-brennens auskennt. Carl bringt seine Klampfe zum Einsatz und jeder kann sich denken, wie der Abend endet, nämlich zu vorgerückter Stunde in feuchtfröhlichem Zustand. Dementsprechend ist es am nächsten Morgen etwas später als gewöhnlich bevor wir unterwegs sind. Kurz vor „Queenstown“ fragen wir uns ernsthaft, ob wir in der Nacht auf einem anderen Planeten gelandet sind.

Die Ähnlichkeit mit einer Mondlandschaft ist so verblüffend, dass wir zu der Erkenntnis kommen, dass Armstrong & Co gar nicht auf dem Mond, sondern hier gelandet sind. Die Geschichte war wahrscheinlich einfach nur inszeniert.

 

Während eines Einkaufsstopps in der Stadt, müssen Ally und Carl an uns vorüber gefahren sein, denn nur wenig später haben wir ihren Wohnwagen vor uns. Laut hupend, winkend und lachend überholen wir sie in langsamem Tempo, das Lachen vergeht uns aber prompt. Leider haben wir versäumt in den Rückspiegel zu schauen bevor wir bei durchgezogener weißer Linie überholt haben. Wie das Leben so spielt, fährt just in diesem Moment ein Polizist hinter uns her und bittet uns recht eindringlich links heranzufahren. Jupp kann es kaum fassen, seit fast 1,5 Jahren hat er niemanden mehr überholt und jetzt gleich so etwas.

Tja, auch in Australien gibt es ein Überholverbot und darüber werden wir auch sogleich belehrt bevor die Prozedur des Strafzettel ausfüllen beginnt. Wir rechnen mit etlichen Dollars Strafe, da bereits die Schreibarbeit 5 Minuten in Anspruch nimmt und wundern uns dann aber nicht schlecht. Der Sheriff erklärt uns, dass er uns nur mit einer Verwarnung versieht, da dieses aber für die begangene Straftat nicht zulässig ist, hat er kurzerhand den Tatbestand umgeändert. Angeblich werden wir dafür bestraft, dass wir nicht auf der linken Fahrbahnhälfte gefahren sind und somit kann er uns nur eine Verwarnung geben. Zwar sind wir recht froh, dass wir nicht bezahlen müssen, doch zugleich ziemlich belustigt. Der Gute hätte sich die ganze Prozedur doch besser gleich gespart, oder?

Relativ gesittet setzen wir unseren Weg nach „Strahan“ fort und quartieren uns im Macquarie Heads Reserve ein. Der ganze Ort macht einen etwas verwahrlosten Eindruck und auch die dort lebenden Typen erscheinen so. Während Alison und Carl sich einen etwas weiter entfernten Platz suchen, um uns nicht so auf die Pelle zu rücken, kennt ein kurz darauf eintreffender Vater da gar keine Scheu. Mit seinen 5 Kindern baut er seine Zelte derart um Monster herum, dass wir nicht einmal herausfahren können. Sogleich wird ein Feuer entzündet und der Vater kreist ständig mit seinem Jeep herum um nach einem guten Handyempfang Ausschau zu halten.

Über soviel Dreistigkeit sind selbst die Aussies entsetzt und wir stellen uns auf eine unruhige Nacht ein. Doch zuvor treibt es meinen, inzwischen enthusiastisch angelnden Ehemann nochmals ans Wasser. Angesteckt von soviel Eifer will auch ich heute mein Glück mal versuchen. Es dauert gar nicht lange, da zappelt es wie wild an meiner Rute und ich kann nur noch um Hilfe rufen. Gemeinschaftlich ziehen wir einen Seelachs an Land, o.k. es ist nicht der Größte, aber immerhin ein Fisch. Wow, mit Beute macht das richtig Spaß und heute findet noch so mancher Seelachs seinen Weg in unseren Eimer bzw. anschließend gleich in unsere Mägen.

 

Die Nacht verläuft wider Erwarten doch sehr ruhig und nachdem morgens einige Zelte abgebaut sind, verlassen wir diese gastliche Stätte. Über „Zeehan“ fahren wir in Richtung Norden nach „Corinna“ und entscheiden uns für die kurze Route über Gravelroad. Unterwegs weisen große Schilder auf eine Fähre und deren Betriebszeiten hin- null problemo, es ist früh am Tage und bis um 19.00 Uhr sollten selbst wir angekommen sein. Das gelingt uns auch wirklich innerhalb kürzester Zeit, leider hat uns niemand gesagt, dass diese Fähre maximal 6 Tonnen transportiert. Es folgt dann auch gleich die Frage des Fährmannes nach unserem Gewicht. Jupp flunkert „ein wenig“ und antwortet: „7.5 Tonnen“, woraufhin der Fährmann ein bedenkliches Gesicht macht. Juppi reagiert sofort und bittet den Fährmann, nochmals zu fragen, da sein Englisch sehr schlecht sei und er die Frage nicht so recht verstanden habe. Grinsend fragt der Fährmann ein zweites Mal und Jupp antwortet prompt: „6 Tonnen“. Jetzt ist alles gut und die Tore werden geöffnet. Während wir langsam auf die Fähre rollen und diese zu ächzen und stöhnen beginnt, wird uns doch ganz schön mulmig. Puh, es geht alles gut! Auf der anderen Seite angekommen, kann Jupp es sich nicht verkneifen dem Fährmann zu sagen, dass er absolut sicher wäre, dass die Fähre mindestens 9.5 Tonnen befördern kann. So ein Gesicht wie das des Fährmannes, haben wir lange nicht mehr gesehen und wir machen, dass wir davonkommen.

 

Wir fahren noch bis „Waratah“ und suchen ausnahmsweise einen kleinen Campingplatz auf, den die Gemeinde betreibt. Dieser kostet zwar ganze 5,00 AUD, aber dafür gibt es eine kostenlose Waschmaschine. Ich bin nicht mehr zu halten, alles was mir in die Finger gerät, wird gewaschen. Schade nur, dass es anfängt zu regnen als gerade alle Sachen auf der Leine hängen. Infolgedessen verwandelt sich Monster im Laufe des Nachmittages in ein Trockenstudio und das von Nina und Volker geerbte Heizöfchen kommt zum Einsatz. Wir wundern uns eigentlich kaum, als sowohl der bekannte Caravan von Ally und Carl als auch Frieda und Ray, das Vodka-brauende Ehepaar, auftauchen. Da sind wir ja mal wieder alle komplett und bei diesem Wetter müssen wir unbedingt einer Erkältung vorbeugen, gelle?

 

Morgens hat der Regen zwar aufgehört, aber mit 17° C erfreuen uns die Temperaturen immer noch nicht. Wir versuchen es weiter nordwärts an der Küste und landen zunächst in „Wynyard“. Unser Kühlschrank braucht dringend Nachschub und das leidige Thema Telefon hat uns so zermürbt, dass wir auf den australischen Anbieter Telstra umstellen wollen.

 

Zunächst finden wir einen Woolworth Supermarkt und shoppen nach Herzenslust. Während ich alle Vorräte in Monster verstaue, muss Jupp vor der Türe ein weiteres Mal tausend Fragen beantworten. Die Aussies sind nach wie vor alle völlig begeistert von unserem Baby, nur für uns werden die immer gleichen Fragen allmählich recht langweilig. Doch wie auch immer, heute interessiert sich ein recht wild aussehender Kerl namens Daryll für Beauty und wo er schon mal da ist, drehen wir den Spieß einfach mal um und befragen ihn nach Angelmöglichkeiten und einem Telstrashop.

Allein die Frage nach der Angelei löst Verzückung aus und gibt Anlass zu einem längeren Vortrag, jedoch auch die Frage nach der Telefonkarte kommt nicht zu kurz. Ohne Probleme kann man bei „Wooli“ ein Starterkit kaufen und schon ist man fertig. Wir also zurück in den Supermarkt, doch leider sind dort alle Starterkits ausverkauft. Wir stehen etwas unschlüssig da, was sogleich Daryll wieder auf den Plan ruft, quer durch den Laden schreit er uns den Weg zu einem Zeitungsladen zu, in dem es das Gewünschte auch gibt. Grinsend traben wir los und juchhe, wir werden fündig. Frohgemut kehren wir zu Monster zurück als im gleichen Moment Daryll nochmals vorfährt.

Dieser, mit seinem Vollbart und unzähligen Tatoos, etwas wüst aussehende „Bloke“ scheint ein herzensguter Kerl zu sein. Er ist in Windeseile nach Hause gefahren und hat aus seinem Gefrierschrank eine Forelle geholt, die er in der vorigen Woche gefangen hat. Zusammen mit einigen Angelutensilien bekommen wir diese geschenkt. Wir sind wieder einmal überrascht von der Freundlichkeit der Menschen, die uns hier bisher entgegenschlägt, da können sich in Europa so manche Volksstämme eine große Scheibe abschneiden.

 

Nachdem uns Daryll noch mit weiteren Angeltipps versehen hat, fahren wir weiter in Richtung Westen. Schließlich enden wir an einem Strand namens „Montagu“, der von zahlreichen Aussies bevölkert wird, die ihren Sommerurlaub hier verbringen. Die „Caretakerin“ Eva weist uns aber dennoch einen schönen, durch Bäume vorm Wind geschützten Platz in Strandnähe zu. Zunächst nehmen wir dort den Kampf mit Telstra auf, um unsere neue Simkarte zu installieren und dann warten wir voller Spannung was geschieht. Schau an, schau an, nach 30 Minuten sind wir registriert und unser Handy funktioniert selbst an diesem entlegenen Ort. Auf diesem Weg möchten wir uns bei dem fähigen Telstra-Mitarbeiter in „Batemans Bay“ bedanken, der uns davon abgehalten hat, bereits damals eine neue Karte zu kaufen, in dem er uns erklärte, Vodafone habe die gleiche Netzabdeckung. Wer einen solchen Mitarbeiter hat, braucht keine Feinde mehr.

 

Wir sitzen in dieser Nacht noch lange am Feuer und können doch anschließend nicht so recht in den Schlaf finden. Aufgrund der Sommerferien sind recht viele Kinder und Jugendliche auf dem Gelände und für die scheint heute Partytime zu sein. Uns ist es schlichtweg zu laut und wir ergreifen am nächsten Morgen die Flucht.

 

An der Küste entlang bis an Ende der Teerstraße wieder in Richtung Süden, crossen wir nach „Arthur River“, einem kleinen Anglerparadies. Leider benötigt man hier dazu ein Boot, also wird es nix mit „fishing“. Wir suchen ein ruhiges Plätzchen in einer Camparea, sammeln Feuerholz für den Abend und genießen die Ruhe bei einem Buch. Es dauert gar nicht lange und wer biegt um die Ecke? Nein, nicht Opa Ron, sondern mal wieder Alison und Carl. Ha, ha lange nicht gesehen, allmählich wird es albern, dass wir uns morgens immer für lange voneinander verabschieden, wir treffen uns ja doch alle paar Tage wieder.

 

Nichtsdestotrotz wird es ein gemütlicher Abend mit Gitarrenmusik am Feuer und morgens nehmen wir Abschied wie immer. Ganz zum Schluss versucht Sohn Troy immer noch schnell herauszufinden, wohin es uns treibt, wahrscheinlich um im Laufe des Tages Einfluss auf seine Eltern zu nehmen. Für heute wissen wir es jedenfalls selbst noch nicht so genau, zunächst steuern wir „Stanley“ an und klettern auf „The Nut“, wie der 152 m hohe „Circular Head“ genannt wird. Diese eindrucksvolle Felsformation vulkanischen Ursprungs soll sage und schreibe etwa 13 Millionen Jahre alt sein.

Nach sehr steilem Aufstieg umkreisen wir den Gipfel mit den verschiedenen Lookouts und genießen die herrliche Aussicht. Das Wasser ist dermaßen blau, dass wir mutmaßen, das kann nicht echt sein. Wieder abgestiegen, glauben wir unser Tagewerk getan zu haben und machen uns an die Stellplatzsuche. Heute fühlen wir uns ausnahmsweise mal an Indien und Asien erinnert, denn wir werden nicht fündig. Einige Campareas sind mittlerweile in reine Tagespicknickplätze umgewandelt und so enden wir auf einem einfachen Rastplatz in der Nähe von „Burnie“, jedoch direkt am Wasser, und wie könnte es anders sein, schlussendlich mit Carl und Anhang.

 

Dienstagmorgen zerstreuen wir uns in alle Winde, die Monstertruppe treibt es an der Nordküste entlang Richtung Osten. Wir schauen uns zahlreiche Buschcamps an, sind aber auf keinem richtig glücklich. Uns steht der Sinn nach etwas mehr Sonnenschein, das ewige grau in grau geht uns langsam auf die Nerven. Kurzentschlossen buchen wir unsere Fähre für die Rückfahrt auf das Festland um, der erste mögliche Termin ist Sonntag, also noch 5 Tage zu überbrücken. Wir kommen zu dem Entschluss, nochmals nach „St. Helens“ zurückzukehren, denn dort hat es uns wirklich gut gefallen. Heute reicht die Zeit nicht mehr, wir legen einen Übernachtungsstopp am bereits bekannten Tamar River ein und erreichen am nächsten Tag bei strahlendem Sonnenschein die „Bay of fire".

 

Abermals am „Swimcart Beach“ finden wir eine kleine Parkbucht direkt am Strand und sind happy, so können wir es bis Samstag gut aushalten. Wir angeln leider erfolglos, lesen, schreiben Berichte und lernen ein junges Paar aus Deutschland kennen. Während Jupp sich mit den beiden unterhält und gute Tipps gibt, dass man unbedingt 2 Reservereifen mit sich führen sollte, betrachtet er sinnig unsere eigenen Reifen. Er traut seinen Augen kaum, doch der Reifen links hinten macht eindeutig einen platten Eindruck. Na toll, das kann ja wieder heiter werden.

Nach einigen Überlegungen wollen wir den Reifen aber zunächst einmal auffüllen, bis morgen abwarten und dann zu prüfen wieviel Luft er verliert. Gesagt, getan. Freitagmorgen ist a. der Reifen abermals um einiges platter als zuvor und b. regnet es wie Bindfäden. Was sollen wir also noch lange fackeln, rasch packen wir unsere Siebensachen zusammen und fahren los in Richtung „Launceston“. Das liegt sowieso auf unserem Rückweg nach „Devenport“, ist eine größere Stadt und dort sollte es wohl einen Reifenshop geben.

Wir haben uns nicht geirrt, der Reifenladen ist schnell gefunden und ratzfatz ist der Reifen runter. Wir haben nicht nur einen Übeltäter, sondern gleich 2 Nägel eingefahren und zudem arbeitet sich ein Steinchen langsam durch unser Gummi in Richtung Schlauch. Nochmal Glück gehabt, das hätte auch eine größere Aktion werden können. So sind wir bereits 2 Stunden später wieder auf der Straße und nach einer weiteren Übernachtung treffen wir am Samstag wieder in „Devenport“ ein.

 

Vor 2 Tagen haben wir Ron angerufen, um ihm zu sagen, dass wir früher nach „Melbourne“ zurückkehren und um uns zu verabschieden, daher staunen wir nicht schlecht, als wir auf dem kostenlosen Übernachtungsplatz am Sportplatz seinen Bus stehen sehen. Da sind die beiden doch extra hierher gefahren um sich noch persönlich von uns zu verabschieden! Wir sind echt gerührt!

Sonntagmorgen um 7.00 Uhr finden wir uns am Fährhafen ein, absolvieren die übliche Kontrollprozedur mit Bravour und lachen uns halbtot als es plötzlich hinter uns hupt. Nein, nicht nur Carl und Co, sondern auch Frieda und Ray haben die Fähre umgebucht und fahren heute zurück. Es ist unglaublich, die Freude ist groß und das kann ja nur eine heitere Überfahrt werden.