von Innamincka nach Sydney: November 2006

Innamincka, in the middle of nowhere, am Nordende des „Strzelecki Track“, verfügt über ganze 10 Einwohner und wir mittendrin. Ein altmodisches Hotel (Kneipe), ein Shop mit Benzin und Proviantverkauf und ein Reifendienst samt Schweißservice und schon haben wir die ganze Pracht gesehen. Beim Reifendienst ist, 1. am Sonntag und 2. beim Betrachten unseres Reifens samt eingefahrenem Moniereisen schon gar niemand willig zu arbeiten. Das Loch sei doch sehr groß und wir sollen besser zu Bridgestone in „Toowoomba“, kaum 1189 KM entfernt und davon 130 KM Offroad, fahren.

Wir bedanken uns recht artig und ziehen unserer Wege. Zurück vor dem Hotel lesen wir das wunderbare Schild: Sunday evening roast = Sonntagsbraten. Wow, hört sich doch gut an. Ob es nun sehr geschickt war ausgerechnet den Besitzer des Hotels nach der Qualität des Essens zu fragen, wird sich heute Abend herausstellen, aber wir konnten es dem Guten ja schließlich nicht ansehen. Seine Bemerkung, wir müssten uns dazu anmelden, ist wahrscheinlich die Retourkutsche.

 

Entlang des „Cooper Creek“, ein weiterer wasserloser Fluss, liegen zahlreiche Buschcampingplätze, aber auch ein Gemeindeplatz, auf dem wir unsere Zelte aufschlagen. Wir sind weit und breit die einzigen Gäste und suchen uns ein schattiges Plätzchen, denn heute ist es mal wieder brüllend heiß. Kein Windchen regt sich, wir uns infolgedessen auch nicht und warten lesend aufs Abendessen. Auch bei der Ankunft in der Kneipe sind wir die einzigen Gäste, soviel zur Reservierung, müssen uns aber noch kurz gedulden bis der Braten samt „gravy“ , also Soße, auf den Tisch kommt. Die Portionen sind auch für große Esser eine echte Herausforderung, hier wird auf alle Fälle jeder satt. Warum die wenigen Einheimischen lieber dem Bier, und das auch noch reichlich, zusprechen, bleibt uns ein Rätsel.

 

Nach einer sehr heißen Nacht, der Ventilator läuft zur Höchstform auf, stellt Jupp beim Kontrollgang fest, dass unser Hilfsrahmen erneut gebrochen ist. Nun ist guter Rat teuer, wir hier mitten in der Pampa, auf Straßen, die diese Bezeichnung in keiner Weise verdienen, können wir das Risiko eingehen in diesem Zustand weiterzufahren oder machen wir damit noch mehr kaputt? Wir beschließen zum Reifendienst zu fahren und mal zu sehen, was geht. Einer der Trunkenbolde von gestern Abend erbarmt sich unser, die Bruchstellen sollen geschweißt und zur Verstärkung zwei Stützen an den Hilfsrahmen angeschweißt werden. Auch Jupp hüllt sich in seinen Blaumann und die zwei werkeln einträchtig 2 Stunden an Monster herum.

Die ausgeführten Schweißarbeiten können sicherlich an keinem Schönheitswettbewerb teilnehmen, ob das am Restalkohol oder an der Unfähigkeit des Schweißers liegt, lässt sich nicht zweifelsfrei feststellen, aber wenigstens erscheint Jupp das Ganze stabil.

Der Schock ereilt uns erst als es ans Bezahlen geht, dieser Wahnsinnige will doch sage und schreibe 400,00 AUD für sein Gefrickel haben. Wir sind derart sprachlos, dass wir ohne einen weiteren Ton bezahlen und das Weite suchen. Bloß weg hier bevor noch mehr passiert!

 

Wir nehmen die letzten und bis dato schlimmsten 130 KM Gravelroad unter die Räder. Härtetest für Mensch und Maschine und es kommt, wie es kommen musste, seltsame Geräusche von Monster lassen uns anhalten. Das Horrorszenario schlechthin baut sich vor unseren Augen auf, Monsters Dieseltank mit 300 Litern = 300 KG Inhalt ist abgerissen, hängt gerade noch an einem Halter und hat sich an einer Staukiste verkantet. Nachdem die erste Bestürzung überwunden ist, packen wir ein weiteres Mal den Blaumann und das Schweißgerät aus. Unter Zuhilfenahme des Wagenhebers und einiger Spanngurte gelingt es uns den Tank wieder in seine ursprüngliche Position zu bringen.

Jupp verschwindet samt Schweißgerät im Untergrund, schweißt was das Zeug hält und nach zwei Stunden sind wir soweit, dass wir uns wieder auf die Straße wagen. Der Tank scheint zu halten und auch das mulmige Gefühl lässt langsam nach.

 

Wir schaffen es vor Einbruch der Dunkelheit gerade noch bis zum Beginn der Asphaltstraße und schlagen uns für die Nacht in die Büsche. Bei der Weiterfahrt am nächsten Tag macht der Tank weiterhin einen so guten Eindruck, dass wir uns entschließen die vollständige Reparatur nicht wieder in einem Kuhdorf machen zu lassen, sondern bis zu einer größeren Stadt damit zu warten.

 

Schwitzend fahren wir den ganzen Tag und quartieren uns für die Nacht auf einem Campingplatz in „St. George“ ein. Kaum angekommen, verdunkelt sich der Himmel, die Temperaturen stürzen von 40° auf 20° und es beginnt doch tatsächlich zu hageln. 10 Minuten später ist der ganze Spuk vorüber und die Sonne taut die weiße Pracht in Windeseile auf. Das Wetter scheint Kapriolen zu schlagen.

Am nächsten Vormittag kommen wir durch „Dalby“ und beim Anblick mehrerer Werkstätten gibt es kein Halten mehr. Wir landen bei der Firma „Centrepoint Machining“ in der Loudoun Road und können unser Anliegen schnell verständlich machen. Jupp und der Schweißer sind zwar noch unterschiedlicher Meinung über die Ausführung der Arbeiten, doch der letztere lässt sich nicht beirren und so wird der Tank ausgebaut.

Gottlob, wie sich schnell herausstellt, denn nicht nur dass der zweite Halter ebenfalls angerissen ist, auch zwischen den Bohrlöchern beider Halter tun sich schon Risse auf. Bei der Wahl der Werkstatt haben wir heute mal ein glückliches Händchen, die Reparaturen werden zu unserer vollen Zufriedenheit ausgeführt und kosten nach 6 Stunden 200,00 AUD. Das sind ganz andere Preise als im Outback!!

 

Wir verbringen die Nacht auf einem Campingplatz im Ort und fahren morgens zunächst mal zum Bridgestone Reifendienst um endlich unseren Reifen flicken zu lassen. Dort klappt alles wie am Schnürchen, eine Stunde später sind wir bereits wieder unterwegs. Beim nächsten „Woolworth“ werden Tank und Kühlschrank aufgefüllt und weiter treibt es uns in Richtung Küste. Wir wollen der Hitze entfliehen und uns am Strand in der Sonne aalen, denken wir, doch weit gefehlt. Es wird ständig kühler und bei unserer Ankunft in „Surfers Paradies“ beginnt es gar zu regnen.

Doch nicht nur das Wetter, sondern auch der Ort selbst schockiert uns. Der Kontrast zum Outback könnte nicht größer sein, ein Wolkenkratzer höher als der andere, wo soll denn hier das Paradies sein? In strömendem Regen essen wir in einem schlechten chinesischen Restaurant und ergreifen am nächsten Morgen sogleich die Flucht.

 

Unser nächstes Ziel heißt „Byron Bay“, wir sind mal wieder reif für ein wenig Zivilisation. Bekannt als Surf-Mekka gibt es aufgrund des überwiegend jungen Publikums zahlreiche Kneipen und Restaurants. Wir schlagen unsere Zelte auf einem zentralen Campingplatz direkt am Strand auf und verfallen zunächst in eine wahre Putz- und Waschorgie. Der rote Sand des Outbacks hat sich ein weiteres Mal in jeder kleinsten Ritze festgesetzt und ist nicht willig diese wieder zu verlassen.

Jupp hat unterdessen beschlossen, dass es an der Zeit sei Monsters Ventile einzustellen und nach dem Motto: selbst ist der Mann, begibt er sich frohen Mutes an diese Aufgabe. Die Frage, ob er so etwas schon einmal gemacht hat, scheint dabei eine völlig untergeordnete Rolle zu spielen. Schon recht bald vernehme ich, neben dem Geklapper von Werkzeug auch einige deftige Flüche aus dem Motorraum, dicht gefolgt von purer Verzweiflung. Irgendwie scheint die ganze Unternehmung in die falsche Richtung zu laufen und der fachliche Rat von Sohn Dennis ist gefragt.

 

Ungeachtet der Tatsache, dass es in Deutschland gerade nachts 2.00 Uhr ist, wird das Telefon bemüht. Es dauert gar nicht lange, da meldet sich ein keineswegs verschlafener, sonder eher ein feuchtfröhlicher Junior. Was soll man mit 21 Jahren auch an einem Samstagabend im Bett? In diesem Falle sind wir hocherfreut darüber und auch die Frage nach dem Ventilspiel kann noch einwandfrei geklärt werden. Dermaßen gut gebrieft, klappt die Einstellung nun auf Anhieb und hochzufrieden registriert Jupp, dass Monsters Motor nun deutlich sanfter läuft. Hut ab, Operation gelungen!

 

Am Dienstag nehmen wir die Fahrt in Richtung Süden wieder auf und entdecken dabei die Nationalparks für uns. In der Regel gibt es dort einen Campground, ein Plumsklo, mehrere Feuerstellen und oftmals sogar Feuerholz. Im Laufe des Tages kreuzt meistens ein Ranger auf, der die Campgebühren, die sich auf 5,00 bis 7,00 AUD pro Person belaufen, kassiert. Man steht also nicht nur wunderschön inmitten der Natur, sondern das auch noch viel günstiger als auf einem Campingplatz. Der Wettergott ist uns einigermaßen hold, obwohl wir uns immer noch nicht ins Meer trauen, und so bleiben wir gleich 2 Tage im „Yuraygir“ Nationalpark.

Die Idylle pur bietet sich uns, die Kängeruhs hopsen in Scharen um uns herum und abends am Lagerfeuer hören wir so manche unbekannten Töne. Wer weiß, was sich alles hinter unserem Rücken abspielt.

 

Am 16.11. halten wir zum Einkaufen in „Coffs Harbour“ und glauben zunächst an eine Fata Morgana als wir einen Aldi-Laden erblicken. Doch dann gibt es kein Halten mehr, wir fühlen uns wie zuhause zwischen Spekulatius und Haribos und endlich finden wir ein herzhaftes, dunkles Brot. Solchermaßen gut gerüstet landen wir am „Warrell Creek“, endlich mal ein Fluss mit Wasser und mitten im Busch lernen wir „Opa“ kennen.

 

Dieser ist 78 Jahre alt und mitsamt seiner Gattin im Wohnmobil auf dem Weg nach Tasmanien. Es erstaunt uns immer wieder, wie umtriebig die australischen Rentner im Allgemeinen noch sind, ein himmelweiter Unterschied zu unserer Heimat. Da auch wir für den 21.12. die Tagesfähre nach „Tassie“ (wie die Aussies sagen) gebucht haben, bekommen wir jede Menge nützlicher Ratschläge und Stellplatzdaten.

 

Im Laufe des Abends wird es immer kühler und es lässt sich einfach nicht mehr vermeiden, zum 1. Mal auf unserer Reise müssen wir die Heizung einschalten. Und das in Australien, wer hätte das gedacht? Morgens erwachen wir bei charmanten 6° Außentemperatur und wie Opa sogleich mitteilt, nach der kältesten Novembernacht seit 100 Jahren. In der Nähe von Brisbane soll es selbst geschneit haben!! Verrückte Welt!

 

Nach dem Besuch von „Port Macquarie“ klappern wir leider vergeblich mehrere Campingshops ab. Wir müssen immer noch die auf dem „Hollandtrack“ abgefahrenen Markisenhalter ersetzen, doch die Marke „Omnistor“ scheint in Australien nicht stark vertreten zu sein. Immerhin bekommen wir die Telefonnummer eines Importeurs, Fa. Aussie Traveller (www.aussietraveller.com.au) in Brisbane.

 

Bei einem Telefonat mit einem der sehr freundlichen Mitarbeiter lernen wir einmal mehr die australische Unkompliziertheit kennen. Nachdem erstmal klar ist, von welchen Haltern ich spreche, ist alles weitere kein Problem mehr. Ich gebe unsere Kreditkartennummer durch und die Firma schickt die Halter postlagernd in einen Ort namens „Narrabeen“. Wir einigen uns auf diesen, da wir uns bei unserem Sydneybesuch dort auf dem Campingplatz einquartieren werden.

 

 

Die nächsten 6 Tage tingeln wir recht gemütlich durch die verschiedenen Nationalparks, eine Nacht hier, eine Nacht dort, alles ohne besondere Vorkommnisse. Abwechslung bringt erst der 22.11. Wir gurken durch das Nest „Tea Gardens“ und als wir uns eingestehen müssen, dass wir uns verfahren haben und anhalten, stoppt neben uns ein Fahrzeug, dessen Fahrer uns mit den Worten:“ Ihr habt das Lenkrad ja auch auf der falschen Seite“ begrüßt.

 

Uschi und Bruno aus Österreich haben ihr selbst gebautes Iveco-Wohnmobil ebenfalls hierher verschifft und sind insgesamt für 6 Monate unterwegs. Wir verabreden uns völlig zwanglos für den Abend im „Munmorah Park“ und freuen uns, als die beiden tatsächlich auftauchen. Wir vier sind die einzigen Besucher des Campgrounds und denken, der Ranger sei gekommen, um die Gebühren zu kassieren. Weit gefehlt, dieser erzählt uns, dass in der näheren Umgebung einige Waldbrände sind und wir sollen im Falle einer Gefahr den Platz verlassen. Nein, nicht etwa aus dem Park heraus, diesen würde er jetzt abschließen, aber wir sollen einfach zum Strand hinunter gehen, von dort würden wir dann evakuiert. Das sind ja tolle Aussichten, wie stellt der Gute sich das vor, erst schließt er uns hier ein und dann sollen wir unser armes Monster den Flammen überlassen?

 

Im Laufe des Abends witzeln wir zwar noch über das Aufstellen von Brandwachen, Bruno wird die erste übernehmen, aber als sich langsam leichter Brandgeruch bemerkbar macht, überfällt mich doch ein leicht mulmiges Gefühl. Anyway, wir verbringen trotzdem einen sehr amüsanten Abend, Juppi gibt mal wieder einige unserer Indienerlebnisse zum Besten, und die Zeit vergeht wie im Fluge.

Morgens muss natürlich noch die beiderseitige Neugierde befriedigt werden, es ist doch immer wieder schön die Wohnmobile anderer Leute zu besichtigen. Auch die beiden haben einen guten Job abgeliefert und wir geraten wieder ins Quatschen, es ist schon fast Mittag bis wir uns endlich auf die Socken machen.

Die heutige Strecke bis „Narrabeen“ ist zwar nicht sehr lang, aber wir wollen ja auch noch das voller Spannung erwartete Päckchen abholen. Leider scheitert der Versuch daran, dass wir zunächst das richtige Postamt nicht finden können und dieses dann schlussendlich vor unserer Nase schließt. Schade, jetzt müssen wir unsere Ungeduld noch einen Tag zügeln.

 

Wir haben uns den „Sydney Lakeside Holiday Park“ ausgesucht, da direkt vor seinen Toren ein Bus nach „Manly“ abfährt und man von dort wunderbar mit der Fähre nach „Sydney“ hineinschippern kann. Auf dem Campingplatz sticht uns sogleich ein großer, rot-schwarzer Bus ins Auge. Die kennen wir doch, ja klar, die Firma „Rollotours“ aus Deutschland, die mit ihren Bussen auf der ganzen Welt unterwegs ist. Natürlich entgeht den Mitreisenden auch unser grünes Monster nicht und schon sind wir mit einigen Leuten im Gespräch. Die Truppe hat doch tatsächlich ganz Australien besucht, in 50 Tagen 19000 Kilometer, der reine Wahnsinn und da meint unser lieber Heiko wir seien schnell…!

 

Am Freitag machen wir die Gegend um „Narrabeen“ unsicher, holen endlich das heißbegehrte Päckchen ab (ja, es ist wirklich angekommen) und fahren gegen Abend nach „Manly“. Maria und Dave (Ayers Rock) haben uns zum Barbeque eingeladen. Die beiden wohnen mit einer traumhaften Aussicht auf die Strände über den Dächern von „Manly“, einzig das Grillen artet mehr zu einer Art Fleischverbrennung aus. Mehrfach haben wir schon beobachtet, dass die Aussies zwar begeisterte „Griller“ sind, nach unseren Maßstäben aber (sorry) keine Ahnung davon haben. Das Fleisch wird auf den Grill geworfen, alles zugleich ohne Rücksicht auf die Sorte und dann wird gewartet bis das arme Zeug ganz schwarz ist. So auch heute, da hilft auch der fantastische Gasgrill von Aldi, wie Dave stolz anpreist, nichts. Nichtsdestotrotz wird es ein lustiger Abend und wir erreichen im Laufschritt gerade noch den letzten Bus zurück.

 

Der Samstag gehört „Sydney“ und wir schaukeln gemütlich mit der Fähre zum „Circular Quay“, einer der wichtigsten Knotenpunkte der Stadt. Gleichzeitig Verkehrsdrehkreuz und Erholungsraum: Bahnhof, Fähranleger und Overseas Passenger Terminal (Anleger für riesige Kreuzfahrschiffe) treffen auf Hafenpromenaden, Parks, Restaurants, Straßenmusikanten und jede Menge Touris.

„Sydney“ ist eine protzige Stadt und ein großartiger Aussichtspunkt ist die „Harbour Bridge“. Wer ein bisschen Taschengeld übrig hat, sollte sich die einmalige „Bridge Climb Tour“ nicht entgehen lassen, bei der man auf den Gipfel der Brücke heraufklettert. Wir haben dieses Spektakel vor 5 Jahren bereits erlebt und genießen bei unserem heutigen Besuch ganz einfach die Atmosphäre der Stadt. Wir schlendern durch das historische Viertel „The Rocks“, fotografieren das Wahrzeichen schlechthin, das „Opera House“ und geben uns dem „People Watching“ (Leute gucken!!) hin. Beim Sonnenuntergang in „Manly“ und einem feinen Thai-Menue lassen wir den Tag ausklingen.