von Perth nach Exmouth: März 2007

Am Sonntagmorgen entfliehen wir der Großstadt endgültig, wir steuern noch kurz den Vorort „Joondalup“ an, um den Dieseltank möglichst günstig aufzufüllen und lernen dabei einen der recht wenigen unfreundlichen Australier kennen.

 

Zunächst das übliche Prozedere, die Woolworth Discount Quittungen sind immer nur für 150 l gültig, wir benötigen also jedes Mal 3 von diesen. Für uns kein Problem, Thema Jäger und Sammler, nur für die diversen Tankwarte scheint es recht schwierig zu sein. Im heutigen Fall, selbstverständlich auf Nachfrage, entscheidet der Manager, dass wir jeweils nach 150 Litern den Zapfhahn einhängen und erst einmal bezahlen müssen. Anschließend folgen die nächsten 150 l und Doro geht wieder bezahlen. Es folgt der nächste Gang und währenddessen kommt uns der Gedanke, dass wir einen 20 l Kanister, der sich auf dem Dach befindet, auch noch mit günstigem Diesel befüllen könnten.

Wir fackeln nicht lange, Jupp steigt aufs Dach, öffnet den Kanister und ich reiche den Zapfhahn nach oben. Eigentlich läuft alles wunderbar, der einzige, der meckert, ist der Manager der Tanke. Mit leicht gerötetem Gesicht steuert er auf uns zu, murmelt etwas von verboten vor sich hin, mault uns an und was geschieht? Wir verstehen logischerweise rein gar nichts, Jupp oben weiter füllend, schon rein akustisch nichts und ich bin merkwürdigerweise des Englischen nicht mehr mächtig. Einfach ein nettes Szenario, oben Jupp immer rufend: „Was sagt er?“ (fleißig weiter füllend!), unten der Manager, inzwischen mit hochrotem Kopf; schreiend: „ Stop it, it is not allowed!“ und dazwischen ich: „ Sorry, I am a german tourist, I do not understand you!“ (ich bin ein deutscher Tourist, ich kann dich nicht verstehen). Das ganze Theater endet abrupt als die Zapfsäule ihren Betrieb einstellt, der Manager muss einen Verbündeten im Gebäude haben, aber wir sind trotzdem happy, denn sowohl Tank als auch Kanister sind voll. Frechheit siegt!??

 

Wir fahren heute bis „Cervantes“, einem ursprünglich verschlafenen Krabbenfischerkaff, das sich jedoch durch die nahe liegenden Pinnacles etwas herausgemacht hat und lassen uns verbotenerweise auf einem Rastplatz nieder.

 

Ganz dreist parken wir direkt neben dem „No camping“ Schild und beschließen erst einmal zu kochen. Da wir nun mal damit begonnen haben, verbotene Sachen zu tun, ignorieren wir auch gleich noch das totale Feuerverbot und entzünden einige Grillbriketts. In einem Anfall von Heimweh nach deutscher Hausmannkost haben wir einen Schweinebraten gekauft und diesem rücken wir jetzt mit Spieß und Grillmotor zu Leibe. Nach gar nicht allzu langer Zeit brutzelt der Braten und himmlische Düfte erfüllen die Luft, wir können es kaum erwarten.

Gut 1 Stunde müssen wir uns gedulden bis es soweit ist, doch dann avanciert der Sonntagsbraten zusammen mit Kartoffeln, Erbsen und einer selbst kreierten Soße zu einem wahren Festtagsschmaus. Mit vollem Bauch und höchst zufrieden verbringen wir eine absolut ungestörte Nacht und sind bereits früh unterwegs zu der Pinnacles Desert. Eigentümliche Kalksteinkegel von wenigen Zentimetern bis zu 5 m Höhe ragen ähnlich wie Termitennester aus dem sandigen Boden. Die Gesamtfläche von ca. 4 km² bietet ein fremdartiges, fast unheimliches Landschaftsbild. Aufgrund der frühen Stunde sind wir die einzigen Besucher und können die etwas gespenstische Szenerie wunderbar fotografieren.

Anschließend juckeln wir gemütlich über die neue Küstenstraße in die grobe Richtung „Geraldton“, vorbei an den kleinen Orten „Jurien Bay“, „Green Head“ und „Leeman“ bis nach „Dongara-PortDenison“. Die dortige Marina beheimatet die größte Hummerfangflotte Westaustraliens mit über 700 Schiffen und wir können einigen davon beim Ausladen zuschauen. Schade, dass keines der wunderbaren Exemplare zufällig aus den Körben vor unsere Füße fällt.

 

Unser Weg führte nun von der Küste ein wenig ins Landesinnere, zu einem Campground namens „Ellendale Pool“. Wie der Name schon sagt, gibt es dort tatsächlich ein schönes Wasserloch, das direkt zum Baden einlädt. Im letzten Moment stoppt ein Warnschild unseren Sprung in kühle Nass, denn bei Wassertemperaturen von über 24° tummeln sich hier Amöben, die eine Hirnhautentzündung auslösen können. Eine Amöbenmeningitis ist wirklich das Letzte, das wir gebrauchen können, also wird es nichts mit dem Badetag. Stattdessen wollen wir nun unseren neu erworbenen Campofen ausprobieren und ein Brot backen.

 

Flugs mische ich alle Zutaten zusammen und dann heißt es kneten, Teig gehen lassen, abermals kneten und nochmals gehen lassen. Derweil gräbt Jupp ein rundes Loch, in dem er einige Grillbriketts entzündet. Endlich ist es soweit, wir formen einen runden Laib, legen diesen in den Topf, platzieren diesen in dem Loch und drapieren die Kohlen um den Topf und auf dem Deckel. Voller Spannung lüften wir nach 50 Minuten den Deckel und was sehen wir? Tatsächlich ein brotähnliches Gebilde, welches nur leider keinen fertigen Eindruck macht, im Gegenteil, es schaut recht blässlich aus dem Topf. Hm, wir verlängern die Backzeit mit der Folge, dass sich die Oberseite zwar braun färbt, aber gleichzeitig die Unterseite schwarz. Unser 1. Brot ist eindeutig misslungen, wir ziehen Bilanz und beschließen einstimmig, dass die Hitze im Ofen wohl zu gering gewesen sein muss. Das Brot endet als Fischfutter, aber nichtsdestotrotz wollen wir es gleich morgen noch einmal versuchen.

 

Morgens um 8.00 Uhr sind wir schon wieder unterwegs, wollen wir doch in „Geraldton“ unsere Vorräte auffrischen. Aus Erfahrung wissen wir, dass wir mit leerem Magen zu unsinnigen Spontankäufen neigen und so kurven wir zunächst durch die Stadt, um nach einem schönen Frühstücksplatz Ausschau zu halten. Wir wollen uns gerade in Hafennähe niederlassen, als wir einen großen Dampfer der Hapag Loyd Reederei an der Mole liegen sehen.

 

Vergessen ist das Frühstück, wir statten zunächst der „MS Europa“ einen Besuch ab. Leider bekommen wir keine Chance direkt ans Schiff zu gelangen und müssen uns mit einem Blick aus der Ferne begnügen. Dafür finden die Kreuzfahrer dann uns, bei der Rückkehr in die Stadt springt doch tatsächlich die komplette Kundschaft eines Cafes von den Stühlen und beginnt uns wie wild zu winken. Jetzt wissen wir wenigstens, dass sich überwiegend deutsche Gäste auf der „Europa“ befinden. Später treffen wir im Internetcafe’ auf den Kapitän und einen Teil der Crew, die uns bereitwillig darüber Auskunft geben, dass sie sich auf dem Weg von „Melbourne“ nach „Jakarta“ befinden. Mit einiger Verspätung erledigen wir doch noch unsere Einkäufe und fahren die restlichen ? km bis zum „Coronation Beach“.

 

Kaum angekommen, befällt uns das Backfieber erneut, die Schlappe von gestern muss ausgemerzt werden und so knete ich erneut los. Heute sind wir weniger geizig mit den Kohlen und was soll ich sagen, das Brot gelingt! Es sieht nicht nur aus wie ein richtiges Brot, nein, es schmeckt auch noch so und wir freuen uns wie Könige, dass die Zeiten von Schwabbelbrot endgültig vorbei zu sein scheinen. Da wir recht viele Briketts entzündet haben, nutzen wir die Gelegenheit und grillen gleich noch ein Hähnchen, womit die Abendessensfrage dann auch schon geklärt ist.

 

Während wir am nächsten Morgen beim Kaffee noch etwas verschlafen darüber nachsinnen, ob wir den heutigen Tag hier verbringen oder weiterfahren, spricht uns ein deutsches Ehepaar an. Die beiden, Sabine und Heinz, sind schon seit etlichen Jahren immer wieder in Australien unterwegs und haben sich, nun im Rentenalter, hier ein Wohnmobil gekauft, mit dem sie jetzt für 8 Monate umherziehen. Wie es immer so geht, wir quatschen und quatschen. Sowohl Sabine als auch Heinz sind passionierte Angler, was natürlich das Interesse von Jungfischer Josef erregt und die Frage der Weiterfahrt erledigt sich von selbst.

 

Es ist bereits nach Mittag als Sabine und Heinz doch noch aufbrechen und kaum sind die zwei entschwunden, bewaffnet sich Jupp mit seiner Angel und ward ebenfalls nicht mehr gesehen. Die Fische beißen zwar wie verrückt, sind jedoch so Mitleid erregend klein, dass er sie wieder in die Freiheit entlässt und für heute wieder Fleisch auf dm Speiseplan steht. Den Abend verbringen wir in Gesellschaft von Ina und Uwe, zwei Wahlschweizern, und sind am nächsten Morgen bereits früh wieder unterwegs.

 

Zunächst steuern wir den kleinen Küstenort „Horrocks“ an, von dessen Steg sich angeblich wunderbar angeln lässt, doch heute tobt dort einfach nur der Wind und die Wellen. Den Gedanken an eine Fischmahlzeit können wir also getrost vergessen und wir beschließen weiter zu fahren. Bei der Ausfahrt aus dem Ort treffen wir auf Sabine und Heinz, die die Nacht auf dem hiesigen Campingplatz verbracht haben und wir verabreden uns für den Abend in „Kalbarri“. Wir nehmen die Küstenstraße mit einem tollen Panorama, vorbei an „Port Gregory“ mit seinem rosa See und den atemberaubenden Küstenschluchten des südlichen Kalbarri Nationalparks. „Kalbarri“ selbst ist ein kleiner Ferienort an der Mündung des Murchinson River, direkt am türkisfarbenen Wasser. Wir beziehen einen Platz neben Sabine und Heinz auf dem Murchinson Park Caravan Park und haben unser Tagewerk für heute vollbracht.

Sabine und Heinz erzählen uns, dass sie sich mit einem Engländer, Duke, an einem einsamen Strand treffen und dort 4 Wochen stehen bleiben wollen. Duke besitzt ein Motorboot, mit dem, welch Zufall, man wunderbar zum Angeln herausfahren kann. Überhaupt ist das Angeln vom Boot deutlich besser und man fängt viel größere Fische. Was solche Aussagen zur Folge haben, kann sich jeder denken. Jupp lässt sich den Weg zu diesem Strand in allen Einzelheiten erklären und wir verlassen die beiden am nächsten Morgen nicht ohne das Versprechen, sie dort besuchen zu kommen.

Für heute steht jedoch der Nationalpark mit seinen Hauptattraktionen „Z Bend“ und „The Loop“ auf dem Programm. Über eine rumpelige Schotterstrecke fahren wir zunächst „The Loop“ und das „Nature Window“ an.

Das ist eine Gesteinsformation, die einem Fenster gleicht, durch das man hindurch schauen kann. Das „Z Bend“ trägt seinen Namen, da die Schlucht des Murchinson River hier die Form eines „Z“ hat. Wir verbringen einige Stunden in dem Park und bei der Abfahrt am Nachmittag beginnt es doch tatsächlich zu regnen.

in grandioses Schauspiel, innerhalb kürzester Zeit verwandelt sich die ganze Gegend in eine Seenlandschaft und Blitze zucken am Himmel. Zurück auf dem Asphalt sind wir nicht mehr so begeistert, denn auch dort haben sich zahlreiche Pfützen gebildet, die die Kängeruhs nun als Tränke nutzen. Die netten Tiere sitzen leider mitten auf der Straße und lassen sich auch durch eindringliches Hupen nur widerwillig vertreiben. Wir rollen mit Schrittgeschwindigkeit dahin und können trotzdem nicht verhindern, dass ein Exemplar aus den Büschen heraus direkt vor Monsters Stoßstange springt. Der Schock ist groß, doch im Rückspiegel sehen wir den Selbstmordkandidaten noch weghüpfen. Da sind wir wohl alle noch mal mit dem Schrecken davongekommen.

 

Wir fahren nicht mehr sehr weit, verbringen die Nacht auf einem Rastplatz am Murchinson Fluss und zunächst bleibt auch alles ruhig. Mitten in der Nacht werde ich jedoch von einem ungewohnten Kribbeln im Gesicht geweckt, schalte das Licht an und hoffe, dass ich noch träume. Eine ganze Ameisenarmada marschiert in Reih und Glied durch Monster, anscheinend auf der Suche nach einer neuen Heimat. Mit Insektenspray machen wir zuerst den ungebetenen Gästen den Garaus bevor wir den Ort des dreisten Einbruchs lokalisieren. Dummerweise haben wir, entgegen unseren sonstigen Gepflogenheiten, in dieser Nacht unsere Eingangsleiter nicht eingeklappt und das müssen die Ameisen als Einladung aufgefasst haben. Nun denn, Gefahr erkannt, Gefahr gebannt und so finden wir doch noch einige Stunden ruhigen Schlaf.

 

Am Samstagmorgen führt uns die erste Abzweigung hinter dem „Overlander Roadhouse“ vom Highway weg Richtung „Shark Bay“, nicht ohne das Hinweisschild: „Ist Shark Bay nicht paradiesisch?“ zu belächeln. Irgendwie muss man den Leuten ja schließlich den Umweg von 130 km zu dieser abgelegenen Halbinsel schmackhaft machen. 1991 wurde der Marine Park mit seinen spektakulären Stränden, den, für die hier lebenden Dugongs wichtigen, großen Seegras-Wiesen, den uralten Stromatolithen und nicht zuletzt den Delphinen von „Monkey Mia“ in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. In der großen, flachen Bucht von „Hamelin Pool“ ragen eine Vielzahl von braunen, klumpenartigen Gebilden aus dem Meer. Lebende Fossilien, die nachweislich zu den ältesten Lebewesen der Erde zählen, haben diese Stromatolithen aufgebaut.

 

Vorüber am Shell Beach, an dem die Muschelbänke stellenweise 10 m tief sind, fahren wir zu den Klippen am Eagle Bluff. Von dort oben hat man einen phantastischen Blick und sieht unter sich im Wasser die Dugong grasen und die Haie kreisen. Wir haben dort für die Nacht einen kostenlosen Platz reserviert und kurven auf der Suche nach einer besonders schönen Aussicht etwas planlos durch die Gegend. Völlig gedankenverloren fahren wir eine ziemlich steile Uferböschung hinunter und werden dort unten auch nicht fündig. Erst als wir Monster wenden, registrieren wir die sehr steile, sandige Auffahrt, die nun vor uns liegt. Es kommt, wie es kommen musste, Monster fehlt der Schwung, um es ganz bis oben zu schaffen und so graben sich die Reifen immer wieder ein. Wir probieren es mit allen möglichen Anfahrwinkeln, mal mit Vollgas, mal etwas langsamer, aber es hilft alles nichts, wir kommen einfach nicht hoch. Gerade als wir uns entschließen wollen, den Ausweg über den Strand zu probieren, taucht eine Lady mit einem Geländewagen auf. Kurz entschlossen hängt sie das mitgeführte Boot ab und Monster an und schon geht es los. Der 1. Versuch führt leider zu keinem Erfolg, aber bereits beim 2. schafft sie es Monster auch die letzten Meter nach oben zu schleppen. Alle Achtung, unser Baby wiegt immerhin charmante 9 Tonnen! Wir bedanken uns artig und ziehen uns auf sichereres Terrain zurück.

 

Am Sonntagmorgen fahren wir zunächst bis „Denham“, das ist die westlichste Stadt Australiens und informieren uns im Besucherzentrum über den „Francois Peron“ Nationalpark. Der Park ist besonders berühmt für seine unberührten Strände, seine steilen Felsküsten, seine Salzseen und seine seltenen Beuteltierarten. Nach Auskunft des Visitorcenters ist die 70 km lange Straße dorthin zwar sehr sandig und nur mit Allradfahrzeugen zu befahren, aber die Berater dort meinen, das sollte für Monster kein Problem darstellen. Also aufi geht’s, wir überlegen noch, ob wir etwas Luft aus den Reifen lassen sollen, entscheiden uns aber dagegen, da die Wiederbefüllung sehr zeitaufwändig ist. Die ersten Kilometer auf dem unbekannten Terrain muss Monster zwar hart arbeiten, aber wir kommen dennoch recht zügig voran.

ach etwas 40 km passieren wir den 2. der 4 einfachen Campgrounds, fahren über eine Anhöhe und dann geschieht es. Wir nehmen die Anhöhe mit reichlich Schwung, schießen recht flott über die Kuppe und mitten hinein in tiefen, weichen Sand. Jupp versucht es noch schnell mit einem kleineren Gang, doch es ist zu spät. Wir sitzen fest, „get bogged“ wie die Aussies so schön sagen.

 

Bei glühender Hitze steigen wir aus und betrachten das Schlamassel. Recht hoffnungslos lassen wir nun doch noch Luft aus den Reifen, graben die Räder wieder aus, aber es hilft alles nichts, weder vorwärts noch rückwärts bewegt sich Monster, sondern nur tiefer. Wieder müssen wir graben, legen dieses Mal Äste vor die Reifen und siehe da, es kommt Bewegung ins Ganze. Leider nur für 2 Meter, dort versinkt das grüne Biest gleich bis an die Achsen.

 

Inzwischen ist es bereits 16.30 Uhr geworden und wir hegen keinerlei Hoffnung, dass heute noch irgendwelche Ausflügler vorbeikommen. Bevor wir uns jedoch darauf einstellen die Nacht mitten auf dem Weg zu verbringen, laufe ich zu dem nahe gelegenen Campground, vielleicht befinden sich ja irgendwelchen Camper dort, die wir um Hilfe bitten können. Meine Hoffnungen lösen sich jedoch in Luft auf, keine Menschenseele weit und breit und recht entmutigt trete ich den Rückweg an.

Unterwegs finde ich einen dicken Holzbalken und lade mir diesen kurzentschlossen auf die Schultern, wer weiß, vielleicht ist er noch zu gebrauchen. Zurück auf dem Hauptweg winkt Jupp mir schon von Weitem aufgeregt zu und ich kann in der Ferne nicht nur 1 sondern 3 Personen ausmachen. Sollten das unsere Retter sein?

 

Die 3 scheinen guter Dinge zu sein, denn bei meiner Rückkehr finde ich sie fröhlich Bier trinkend und quatschend vor. Erst nach weiteren 20 Minuten fragt der junge Australier, ob er uns herausschleppend soll. Unsere Zweifel angesichts seines Jeeps und Monsters Gewicht lässt er gar nicht erst gelten und ehe wir uns versehen, hängt unser Baby am Abschleppseil. Wir staunen gar nicht schlecht als der Gute dann erst den Allradantrieb einschaltet, er muss ein wahrer Fahrkünstler sein in diesem Tiefsand nur im normalen 2-Radbetrieb herumzufahren. Dementsprechend befreit er uns auch ratzfatz aus unserer Falle und schleppt uns auf etwas festeren Boden. Überschwänglich bedanken wir uns und machen uns daran die restlichen Kilometer zu bezwingen. Ab und an wird es noch ein wenig brenzlig, aber beim Einbruch der Dunkelheit haben wir es bis zum nördlichsten Zipfel geschafft. Dort treffen wir auf ein australisches Paar, die ebenfalls von dem jungen Mann abgeschleppt worden sind und uns erzählen, dass er außerdem noch 2 weitere Fahrzeuge befreit hat. Es macht den Eindruck, dass sich bis auf ihn heute sämtliche Besucher des Parks festgefahren haben.

 

Bei Sonnenaufgang finden wir uns an einer Aussichtsplattform ein, von der wir Haie, Rochen, Schildkröten und Seekühe beobachten, aber leider lässt sich kein einziger Delphin blicken. Da werden wir entgegen unserer ursprünglichen Absicht doch noch nach „Monkey Mia“ müssen, doch zuvor gilt es den Rückweg zu bestehen. Etwas angespannt und mit zusammengebissenen Zähnen nehmen wir die 70 km lange Piste erneut in Angriff, doch dieses Mal läuft alles glatt und wir erreichen ohne weitere Zwischenfälle „Monkey Mia“, das auf der anderen Seite der Peron–Halbinsel liegt.

Wildlebende Delphine kommen seit Jahren in die flache Bucht, um dort mit Besuchern auf Tuchfühlung gehen, wobei Ranger aufpassen, dass niemand zu nahe an die Tiere herankommt. Fragt man nach der Ursache dieses Phänomens, dass seit Anfang der sechziger Jahre bekannt ist, wissen die Ranger darauf keine Antwort. Die ortsansässigen Fischer aber führen die allmorgendlichen Besuche der Delphine darauf zurück, dass die Fischer vor Jahren immer nach einem guten Fang einen Delphin, den sie „Old Charly“ nannten, gefüttert hätten. Das habe sich bei dessen Nachkommen herumgesprochen und diese kommen nun regelmäßig an Strand, um sich ihre Portion abzuholen.

Schön gekühlt, der Klimaanlage sei Dank, bleiben wir gleich 2 Nächte bevor wir unser Versprechen an Sabine und Heinz einlösen. Über „Denham“ fahren wir zunächst Richtung Highway zurück, biegen aber dann auf eine unbefestigte Straße zur Tamala Station ab. Auf der Farm angekommen, werden wir dort bereits erwartet, bekommen einen Schlüssel für ein Viehgatter und die Farmersfrau erklärt uns, wo wir die anderen Camper finden können. Bezahlen, 3.30 AUD pro Person für Rentner, sollen wir erst, wenn wir wieder zurückkommen, denn es weiß ja keiner, wie lange wir bleiben. Entweder haben wir einen so ehrlichen Eindruck oder die gute Frau ist sehr vertrauensselig. Wie auch immer, noch einer weiteren Stunde Fahrt über Stock und Stein, werden wir mit großem Hallo begrüßt und fühlen uns an dem einsamen Strand gleich wohl.

 

Die Tage vergehen beim Angeln, Kochen und Backen wie im Fluge und ehe wir uns versehen, ist schon fast eine Woche vorüber. Leider lassen der Wind und die Wellen nur eine einmalige Angelausfahrt mit Dukes Boot zu, aber Jupp ist völlig begeistert, obwohl er an diesem Tag nur der König im Angeln von Haien ist, die er selbstverständlich lebend wieder ins Wasser entlässt. Ein Highlight stellt der spanische Abend dar, an dem Paellakoch Jupp sein Können mal wieder unter Beweis stellt.

 

Schweren Herzens verkünden wir am Montag, dass wir am nächsten Tage weiterfahren werden, was irgendwie hektische Betriebsamkeit auslöst. Duke und Jupp gehen nochmals angeln und Sabine und Heinz verfallen ins Backfieber. Zum Abschied beglücken die beiden uns mit einem ihrer leckeren Sauerteigbrote und die beiden Angler sind so erfolgreich, dass unser gesamtes Gefrierfach mit frisch filetiertem Fisch gefüllt ist.

 

Nach einer Zwischenübernachtung erreichen wir am Mittwoch „Carnarvon“, eine verschlafenen Stadt, deren Hauptattraktion der absolute Mangel an Attraktionen ist. Wir beabsichtigen uns auch gar nicht lange aufhalten, sondern nur einige Einkäufe und Anrufe zu tätigen und dann weiter zufahren. Aber wie das Leben so spielt, 1. kommt es anders und 2. als man denkt. Als wir um 15.00 Uhr endlich alles erledigt haben, wollen wir nur noch kurz unsere Emails abfragen. Flugs ist der Läppi hochgefahren, doch beim Einloggen ins Internet geschieht nichts. Ich versuche es ein ums andere Mal, aber es tut keinen Mucks. Was ist das nun wieder?

 

Wir suchen das nächste Internetcafe auf und versuchen uns dort auf unserem Konto bei „Bigpond“ einzuloggen, bekommen aber dort nur die Antwort, dass unser Account für 24 Stunden gesperrt ist. Die ganze Sache ist doch sehr merkwürdig und so rufen wir die Servicehotline an. Wer das schon einmal versucht hat, weiß nun wovon ich spreche. Lange Rede, kurzer Sinn, nach 2 Stunden immer wieder in verschiedenen Warteschleifen, geben wir erfolglos auf und quartieren uns ungeplant auf einem Campingplatz ein. Morgens um 7.00 Uhr hänge ich bereits wieder an der Strippe und siehe da, es gelingt. Ein freundlicher junger Mann erklärt nach einigem Hin und Her, dass wir seit 6 Monaten unsere Rechnung nicht bezahlt haben und aus diesem Grunde unser Zugang gesperrt ist. Wir sind total perplex, waren wir doch der Meinung, die monatliche Grundgebühr würde von unserem Konto abgebucht. Unglaublich, dass das erst nach 6 Monaten bemerkt wird, in Deutschland wären wir bereits nach einer Woche gesperrt worden.

 

Nun denn, nachdem die Firma zweifelsohne im Recht mit der Sperrung ist, wollen wir unsere Rechnung sogleich bezahlen und werden zu diesem Zweck weiterverbunden. Was jetzt passiert, lässt mich vermuten im Hänschentheater gelandet zu sein. Ich erkläre meinem Gesprächspartner, dass ich unsere Kreditkartendaten durchgeben möchte, um unsere Rechnung zu begleichen und er erklärt, dass ich mich dazu einloggen müsse. Tja und damit beginnt es, ich benötige eine geschlagene halbe Stunde, in immer lauterem Ton, um ihm klar zu machen, dass ich mich nicht einloggen kann, da mein Account erst freigeschaltet wird, wenn ich die Rechnung bezahlt habe. Als ich schon völlig verzweifelt denke, ich steh’ im Wald, scheint mein Gesprächspartner eine Erleuchtung zu haben und endlich, endlich dämmert ihm, dass er sich ja mit unseren Daten einloggen kann. Dennoch scheint es ihn sehr zu erstaunen, als er schlussendlich unseren Zugang wieder freischalten kann. Dem Himmel sei Dank, es ist gelungen, von heute an werde ich peinlich genau darauf achten unsere Rechnung zu bezahlen.

 

Mit eintägiger Verspätung erreichen wir die 49 km entfernten „Blowholes“, hier können bei starkem Fontänen bis zu 20 m aus den Felsenspalten schießen und man sollte sich auch vor den riesigen Wellen (king waves) in Acht nehmen.

Diesen Strandabschnitt kennen wir von einem früheren Aufenthalt und so richten wir uns gemütlich zwischen den Dünen ein. Schon am nächsten Morgen treibt es uns weiter nach „Coral Bay“ und zur ortsansässigen Tauchbasis. Zwischen März und Juni tummeln sich mit ziemlicher Sicherheit jede Menge Walhaie am Ningaloo Riff und da wir ein solches Exemplar noch niemals gesehen haben, freuen wir uns schon riesig auf einen Tauchgang.

 

Der Walhai ist der größte Fisch der Welt, kann ein Gewicht bis zu 21 Tonnen erreichen, frisst aber nur Plankton und kleine Fische. In „Coral Bay“ angekommen, ist die Enttäuschung groß, denn die nächste Tauchausfahrt findet erst am Montag statt. Zusätzlich ist es in Australien nicht gestattet mit den Walhaien zu tauchen, da, wie man uns sagt, die Tiere angeblich von den Luftblasen der Taucher gestört werden. Wir sind sprachlos anbetracht so eines Unsinns, weltweit kann man mit den friedlichen Meeresriesen tauchen, nur hier in Aussieland sollen sie sich gestört fühlen? Nahe liegender ist da wohl die Erklärung, dass sich deutlich mehr Geld mit reinen Schnorcheltouren verdienen lässt, die ein jeder Schwimmer für 350 AUD buchen kann. Angesichts solcher Wucherpreise verlassen wir tief traurig die Tauchbasis unverrichteter Dinge und beratschlagen später auf dem Campingplatz wie es weitergehen soll.

 

Zunächst verhindert Monster am Sonntagmorgen die Weiterfahrt, denn nach dem Reinigen der Dieselfilter scheint eine Dichtung das Leben verloren zu haben und so tropft der teuere Brennstoff stetig auf den Boden. Einmal das Problem erkannt, bastelt Jupp flugs eine neue Dichtung und es kann losgehen. Eigentlich wollen wir eine schmale Sandpiste am Meer entlang in den Cape Range Nationalpark nahe „Exmouth“, doch bereits nach wenigen Kilometern müssen wir diesen Plan aufgeben. Der Track wird so schmal, dass die Büsche und deren kräftige Äste ständig Monsters Reifen bedrohen. Zusätzlich kratzen sie am Lack und verursachen hässliche Streifen, wir drehen, leicht frustriert, auf recht abenteuerliche Weise um und fahren zurück. Für heute quartieren wir uns am 14 Mile Strand ein und planen für morgen unsere Weiterfahrt nach Exmouth.