erste Schritte in Australien: Oktober 2006

Nach den angenehmen 4,5 Stunden im Flieger landen wir pünktlich auf dem internationalen Perth Airport. Zuerst erwartet uns eine lange Schlange vor dem Schalter der Einwanderungsbehörde. Es sind jedoch 4 Schalter geöffnet und so geht es zügig voran, schon sind auch wir an der Reihe.

Die Beamtin scannt unsere Ausweise ein und bei ihrer 1. Frage rutscht mir schon gleich das Herz in die Hose. „Haben Sie ihre Weiterflugtickets?“ Uns trifft bald der Schlag, wir wollen doch mindestens 11 Monate hier bleiben und haben Visa für 1 Jahr, wer denkt denn da an Weiterflug. Relativ zitterlich erklären wir, dass wir noch keine Weiterflüge gebucht haben und harren der Dinge, die da kommen. Die Beamtin stellt noch eine Reihe für uns merkwürdige Fragen, z.B. wo und vor allem wann wir unsere Flüge hierher gebucht haben, scheint aber mit unseren Antworten recht zufrieden zu sein, denn nach einigen für uns bangen Minuten, bekommen wir die begehrten Einreisestempel in unsere Pässe. Wow, die erste Hürde ist genommen. Nach der Gepäckausgabe versuchen wir uns an der zweiten und diese, nämlich die Quarantäneinspektion, verläuft ohne Probleme. Hurra, wir sind drin!

 

Kaum auf australischem Boden legen wir uns noch am Flughafen eine australische Handynummer zu und damit fängt das Theater an. Um diese Nummer zu aktivieren, spreche ich bei Vodafone mit einer Computerstimme, mit dem Erfolg, dass wir nun mit Nachnahmen „Repeat“ heißen und an 1, 2, 3 geboren sind. Ist ja ganz toll, als ob nicht schon alles aufregend genug wäre.

Nur unter zu Hilfenahme der Dame am Vodafoneschalter gelingt uns die Aktivierung dann doch noch und wir Döspaddel haben natürlich nichts besseres zu tun, als sogleich bei ABX anzurufen. Die Dame in der Zentrale erklärt unmissverständlich, dass unser Sachbearbeiter Stephen gestern die Firma verlassen hat. Wir sind wie vor den Kopf gestoßen, haben wir doch vor zwei Tagen noch mit ihm telefoniert und er hat uns erklärt, alles sei wunderbar!

 

Das Chaos nimmt seinen Lauf, nach Rücksprache mit Eric in „Kuala Lumpur“ erfahren wir den Namen des ABX Managers in Perth. Wieder ein Anruf in der Zentrale und wen wundert es eigentlich noch?, der Mann hat ebenfalls die Firma verlassen und der Rest der Truppe ist ein aufgelöster Haufen. Wir verstehen die Welt nicht mehr, wo ist unser armes Monster? Anscheinend schauen wir so verzweifelt drein, dass sich eine ältere Dame vom Besucherzentrum unserer annimmt. Wir erklären die Situation und die freundliche Dame ruft nun ihrerseits noch mal bei ABX an. Es stellt sich heraus, dass tatsächlich vier Mitarbeiter den Laden Hals über Kopf verlassen haben, die angegebene Anschrift nicht stimmt und sowieso bis Dienstag nichts mehr läuft, da am Montag ein Feiertag ist. Prost, Mahlzeit! Läuft denn nur noch alles schief bei uns?

 

Wohl oder übel fügen wir uns in unser Schicksal, lassen uns in den „Fremantle Shuttle“ verfrachten und von dem sehr hilfreichen Fahrer an einem Appartementhaus absetzen. Dort finden wir einen überaus freundlichen Vermieter und ein eben solches Appartement vor. Nachdem wir uns dann ein wenig beruhigt haben, überdenken wir unsere Situation. Was sollen wir uns jetzt aufregen, bis Dienstag können wir eh nichts erreichen, also heißt es abwarten, Tee trinken und das Beste daraus zu machen.

 

Damit wir beweglich sind, mieten wir am Samstagmorgen einen Leihwagen und machen mit diesem die Gegend unsicher. Bis Montagabend kennen wir uns perfekt aus, wir wissen wo sich sämtliche Ämter, Versicherungen und selbstverständlich auch ABX befinden und dementsprechend stehen wir dort am Dienstag um 8.00 Uhr auf der Matte. Der anscheinend nun oberste Chef, Marc Bradfield, lässt uns zunächst mal warten, vermutlich muss er sich selbst erst einmal auf den neuesten Stand bringen, aber dann geht es Schlaf auf Schlag. In Null Komma nichts sind die nötigen Papiere ausgetauscht und die Zollabwicklung soll auch heute noch vonstatten gehen. Doch ehe wir anfangen können uns zu freuen, kommt auch schon gleich der erste Dämpfer. Entgegen unseren Vorstellungen, Monster dann einfach vom Flat Rack herunter und zur Quarantäneinspektion zu fahren, muss wieder das komplette Rack verladen werden und auch so komplett zum Quarantänehof. Monster darf vorher den australischen Boden nicht berühren. Das kann ja wieder heiter werden bzw. teuer und langwierig, doch welche anderen Möglichkeiten haben wir? Nach 15 Minuten sind wir also ein weiteres Mal in unserem Tatendrang gebremst und zum Abwarten verdonnert.

 

Einmal unterwegs, können wir dann auch gleich unsere Checkliste abhandeln. Als 1. besuchen wir eine Bank um ein Konto zu eröffnen, wir möchten nicht ständig Bargeld mit uns herumschleppen und der ständige Einsatz einer Kreditkarte geht ja schließlich auch ins Geld, gelle? Wir versuchen es bei der „Commonwealth“ Bank, scheitern aber an der Ausstellungsdauer der Bankcard, die Bearbeitung dauert bis zu 5 Arbeitstagen und zu diesem Zeitpunkt hoffen wir gar nichts mehr in dieser Gegend zu sein.

Auf zur nächsten, in diesem Falle der „ANZ“ Bank. Dort ist alles gar kein Problem, sie können direkt eine sogenannte „Night and Day“ Karte ausstellen, es bedeutet einfach nur, dass kein Name auf der Karte erscheint. Schlussendlich dauert es doch noch 2 Stunden bis wir stolze Besitzer eines australischen Kontos und der dazugehörigen Karte sind, mit der wir in fast allen Geschäften bezahlen und selbstverständlich auch Geld aus der Wand ziehen können. Wieder auf der Straße erleben wir den Einzug der „Goldcoast Eagles“, dem diesjährigen Gewinner der Footballmeisterschaften.

Einige der anwesenden jungen Damen scheint es fast vom Hocker zu hauen, jedenfalls verdrehen sie ganz verzückt die Augen. Wir dagegen fühlen uns eher wie beim Kirmesumzug in unserer Heimatstadt. Nun denn, jedem das Seine.

 

Unsere zweite Tagesetappe ist die „RAC“ Niederlassung, die australische Variante des deutschen ADAC, dessen Mitglieder hier voll anerkannt werden. Laut Aussage eines Mitarbeiters ist es kein Problem, und bei einem Preis von 120,00 AUD im Jahr auch sehr günstig, hier auch Sachschäden zu versichern, die von Monster verursacht werden. In der gesetzlichen Haftpflichtversicherung, die automatisch bei der Registrierung abgeschlossen wird, sind nur Personenschäden enthalten. Leider muss Monster zuvor registriert sein und wir müssen nun unverrichteter Dinge davon ziehen. Nun denn, immerhin sind wir etwas schlauer geworden.

 

Die nächste Station ist ein „Telstra“ Laden. „Telstra“ ist die staatliche, australische Telefongesellschaft und dort legen wir uns einen „Wireless Broadband Access“ zu. Mit dieser Karte können wir völlig unabhängig mit unserem Läppi online gehen. Die Karte kostet einmalig 299,00 AUD und für einen Basispreis von 29.95 AUD können wir 10 Stunden monatlich surfen. Diesen Tarif kann man jederzeit wechseln, also schauen wir mal wie weit wir damit kommen. Weiter geht es im Konzept, die Touristeninformation. Dort kaufen wir einen Jahrespass für alle westaustralischen Nationalpark und das Pech holt uns ein. Seit heute ist dieser Pass 20,00 AUD teuer geworden, so eine Gemeinheit.

Inzwischen ist es 17.00 Uhr geworden, wir haben immer noch nicht alle Punkte auf unserer Liste abgehakt, doch für heute lassen wir es genug sein. Ein letztes Mal rufen wir ABX an, erfahren jedoch keine Neuigkeiten über Monster und werden auf morgen vertröstet.

 

Selbstverständlich ist auch am Mittwochmorgen unsere 1. Tat bei ABX anzurufen, getreu dem Motto: steter Tropfen höhlt den Stein. Schau an, angeblich hat Monster es durch die Zollabfertigung geschafft und jetzt sei man dabei eine Firma zu finden, die ihn aus der Werft holt und zur Quarantäne bringt. Wann das sein kann, weiß noch niemand so genau. Es geht also wieder nicht voran.

Rein prophylaktisch fahren wir mal zur Zulassungsstelle und wollen uns eigentlich nur erkundigen, wie lange eine temporäre Fahrerlaubnis ausgestellt wird. Diese sind für 48 Stunden gültig und können vordatiert werden. Da wir nun schon einmal dort sind, geben wir uns hoffnungsfroh und lassen uns die Erlaubnis ab morgen Mittag 13.00 Uhr ausstellen. Vielleicht klappt es ja und so können wir auf jeden Fall bis Samstagmittag fahren. Von dort fahren wir gleich durch bis zur „Pitts Inspection“, eine Art TÜV, die auch die nötigen Papiere für die Registrierung fertigmacht. Dort scheint alles kein Problem zu sein, wir sollen nur morgens zeitig da sein, damit wir auch am gleichen Tag noch an die Reihe kommen. Ist ja alles wunderbar, nur ohne Monster hilft es nichts.

 

Ein weiterer Anruf bei ABX bleibt erfolglos. Da wir die Zeit irgendwie überbrücken müssen, fahren wir zu einem Campingausstatter in „Osborne Park“, einem Vorort von „Perth“. Unterwegs kommen wir an einem Männerspielplatz vorbei, Jupp ist nicht mehr zu halten. Nix wie hinein in den Baumarkt und wir schwelgen 1 Stunde zwischen Schrauben und Werkzeugen bis sämtliche Regale gesichtet sind. Die wenigen Errungenschaften, die ab sofort unser eigen sind, verschwinden samt unserem Rucksack und den Jacken im Kofferraum und weiter geht es nun wirklich zum Outdoorladen.

 

Wir parken direkt vor der Eingangstüre und sind die einzigen Kunden in dem recht übersichtlichen Geschäft. Wir fragen nach einem Luftsack (Hydraulik Jack) den man als Wagenheber einsetzen kann und der auch über 8 Tonnen schafft. So einen Sack gibt es hier leider nicht und wir sind nach 2 Minuten wieder draußen. Ich laufe um unseren Leihwagen herum und begreife zunächst gar nicht was passiert ist. Jemand hat unsere Seitenscheibe eingeschlagen, im Innern den Mechanismus zum Öffnen des Kofferraums betätigt und unseren Rucksack gestohlen. Der Schock ist groß, im Rucksack sind sämtliche Verschiffungspapiere, alle Monsterschlüssel, die Kamera, unsere Brillen, mein Notizbuch mit sämtlichen Telefonnummern und zu allem Übel auch noch mein Portemonnaie mit 2 EC-Karten, 1 Kreditkarte, 180,00 €, unsere deutsche Handy-Simkarte und mein Personalausweis. Wir sind fassungslos, noch unter Schock stehend fahren wir zur nächsten Polizeistation.

 

Ein recht einfühlsamer Polizist nimmt unsere Aussage auf, macht uns aber wenig Hoffnungen, dass wir irgendwelche Dinge zurückbekommen. Im Laufe des Gesprächs dämmert uns, dass wir nun keine Chance mehr haben Monster zu öffnen, denn unsere Ersatzschlüssel liegen schlauerweise in seinem Innern im Safe. Sehr deprimiert rufen wir bei ABX an, denn auch die wichtige „Bill of Loading“ ist im Rucksack und ich bin momentan nicht sicher, ob wir bereits eine Kopie abgeben haben. Ob es an meiner Verzweiflung gelegen hat oder woran auch immer, eine halbe Stunde später ruft ein Andrew von ABX zurück, dass wir uns morgen früh bei der Firma „FCD Container Logistics“ in „Fremantle“ an der Port Beach Road einfinden sollen, dorthin würde Monster heute noch gebracht. Immerhin es geschieht etwas, wenngleich wir wohl in unser eigenes Auto werden einbrechen müssen.

Anschließend fahren wir auf dem schnellsten Weg zurück nach „Fremantle“ zur Leihwagenfirma, um dort zu erfahren, dass sie keine Seitenscheibe vorrätig haben und wir außerdem eine Selbstbeteiligung von 200,00 AUD zahlen müssen. Als ob wir nicht schon genug bestraft wären, also noch mehr Geld dahin.

 

Von einer Telefonzelle rufen wir als nächstes unsere Bank an, damit unsere ganzen Karten gesperrt werden und können gerade noch dem Missverständnis vorbeugen, dass auch Jupps Karten gesperrt werden. Das wäre ja noch toller geworden, so ohne jegliche Karte und alle möglichen Rechnungen für Monster müssen noch bezahlt werden. Juppi versucht ein wenig Zuversicht zu verbreiten, doch als wir dann zu allem Überfluss noch erfahren, dass meine Mama einen weiteren Bandscheibenvorfall erlitten und fürchterliche Schmerzen hat, ist das Maß einfach voll. Hat unser Glück uns endgültig verlassen? Tief traurig warten wir, dass dieser Tag endlich vorüber geht als uns um 22.00 Uhr das Klingeln des Handys aus unserer Lethargie reißt. Am Apparat eine Beamtin der „Cannington“ Polizeistation, die mich fröhlich fragt, ob ich einen Rucksack vermisse, in dem sich ein Haufen Papierkram befindet. Ich traue meinen Ohren und Englischkenntnissen kaum, alle gestohlen Sachen mit Ausnahme des Bargeldes und Personalausweises sind noch da. Selbst die EC- und Kreditkarten!! Mir fällt ein Stein vom Herzen, unser Schutzengelchen scheint sich nur kurz verflogen zu haben.

 

Morgens um 7.30 Uhr sind wir bereits nach „Cannington“ zur Polizei unterwegs. Es dauert dort zwar über 1 Stunde bis man den Rucksack unter irgendwelchen anderen Sachen wieder findet, aber dann halte ich ihn überglücklich in den Händen. Die Polizistin kann mir nicht sagen, ob der Rucksack von Jemandem abgegeben oder ob der Dieb gar gefangen wurde, aber letztendlich ist mir das auch ziemlich wurscht.

 

Von der Polizeistation düsen wir gleich durch bis zum Hafen zur Firma „FCD“. Am „North Quai“ biegen wir um eine Ecke und da steht er, ganz in grün und es ist nicht Kermit, der Frosch. Hurra, Monster ist wieder da!! Noch steht er zwar auf dem Flat Rack, aber wenigstens macht er einen guten Eindruck.

Im Büro erwartet uns dann die nächste Hiobsbotschaft, die Quarantäneinspektion sei zwar noch nicht da gewesen, aber es sei mit 99,9%iger Sicherheit damit zu rechnen, dass Monster nochmals eine Dampfstrahlerbehandlung benötigt. Ein kompetenter Mitarbeiter habe ihn sich angeschaut und für nicht sauber genug befunden. Ihre Firma sei aber mit den Nachreinigungen bereits monatelang in Rückstand und könne unsere leider nicht übernehmen. Er habe bereits mit ABX telefoniert, damit die sich nach einer anderen Firma umschauen. Das sind ja rosige Aussichten. Monster darf aufgrund des Carnets sowieso nur bis Ende August hier bleiben und jetzt soll er Monate in der Quarantäne verbringen? Dabei haben wir extra nach „Fremantle“ verschifft, da hier die Verzollung und Quarantäne angeblich am einfachsten ist. Dieser Zustand hat sich jedoch deutlich geändert, laut Aussage Michael ist speziell die Quarantäneabteilung seit 12 Monaten wie ausgewechselt und absolut penibel. Jeder andere Hafen ist inzwischen einfacher als dieser hier.

 

Es ist alles nicht zu glauben, anscheinend hilft jetzt nur noch Daumendrücken. Wieder einmal verbringen wir Stunden mit Warten, dieses Mal auf die Quarantäneinspektion. Wir sehen die Beamten zwar immer mal herumlaufen, aber mit uns will sich anscheinend niemand so recht beschäftigen. Jupp nutzt die Warterei, nimmt Kontakt zu dem für die Reinigung zuständigen Mitarbeiter Michael auf und beginnt diesen ein wenig weich zu klopfen. Es scheint zu helfen, denn nach einigem Hin und Her erklärt Michael sich bereit Monster irgendwo dazwischen zu schieben, falls nur eine Kleinigkeit zu erledigen ist. Immerhin ein kleiner Lichtstreif am Horizont.

 

Mittags um 15.30 Uhr steuert dann endlich eine Beamtin auf uns zu, gottlob diese, denn ihr Kollege macht einen deutlich griesgrämigeren Eindruck. Unterwegs zu Monster bleibt uns genügend Zeit unsere bisherige Geschichte zu erzählen und natürlich auch den Rucksackraub nicht zu vergessen. Ob es nun daran liegt oder an den holländischen Dubbelzoutjes, die den Gaumen der Beamtin erfreuen, werden wir wohl nie erfahren, aber bis auf die Beschlagnahme einer indischen Tütensuppe, werden wir nur zu einer kleinen Unterbodennachreinigung im Bereich der Kardanwelle verdonnert. Jetzt heißt es nur noch Michael davon in Kenntnis zu setzen und zu überzeugen, dann scheint es zu klappen. Michael ziert sich zwar ein wenig, nach einem Gespräch mit der Beamtin gibt er uns jedoch einen Termin am nächsten Morgen um 8.00 Uhr.

 

Juchhu, Monster darf abgeladen werden und ich bin so happy, dass ich tatsächlich ein paar Tränchen verdrücke. Hört jetzt das ganze Theater und vor allem die Ungewissheit endlich auf?

Freitagmorgen machen wir auf Arbeitsteilung, ich setze Jupp bei „FCD“ zur Endreinigung ab und fahre weiter zu ABX um unsere Rechnung zu begleichen. Diese ist natürlich noch nicht fertig, aber ich werde hier nicht unverrichteter Dinge fortgehen, da wir Monster ansonsten heute nicht mehr mitnehmen dürfen. Ich sitze also demonstrativ bei Andrew am Schreibtisch und verbreite eine gewisse Unruhe, die sich auch wie gewollt auf diesen überträgt. Sichtlich nervös sucht er unsere Unterlagen zusammen, versucht noch kurz mehr Geld für eine angebliche Falschberechnung der Verschiffungskosten in Malaysia herauszuschlagen, bringt aber nach einem Wutausbruch meinerseits keinen Ton mehr heraus. Nach diesem nervenzehrenden Theater und dem sowieso schon stolzen Preis sollen wir auch noch mehr bezahlen, ich glaub’ ich spinne.

 

Nun denn, auch das ist vollbracht, jetzt aber schnell zurück zu Jupp und Monster. Während ich noch auf dem Rückweg bin, kommt der erlösende Anruf von Jupp, alles ist gut! Die beiden sind bereits fertig und wir können uns direkt bei der Leihwagenfirma treffen.

Ein tolles Gefühl mal wieder auf den Beifahrersitz zu klettern und endlich loszufahren. Noch vor dem Mietwagenoffice bekommen wir erste Kommentare auf Monster, die Australier scheinen ganz begeistert von ihm zu sein und der Ausdruck „It’s a Beauty“ (er ist eine Schönheit) geht runter wie Öl.

 

Unser 1. Weg führt uns zur „Pitts Inspection“, es ist zwar schon 11.00 Uhr aber vielleicht haben wir ja Glück. Die Anzahl der wartenden Autos hält sich in Grenzen und zunächst müssen wir mal zur Kasse, was auch sonst? 117,40 AUD kostet der Spaß und wir sollen uns in der kürzesten Schlange anstellen. Jetzt zeigt sich, dass wir uns in einem zivilisierten Land befinden, denn es geht strikt nach Reihenfolge, in ganz Asien schlichtweg unvorstellbar. Nach 3 Stunden in eisigem Wind und heißer Sonne sind wir dran, fahren über eine Grube und es folgt…eine Farce.

Der Prüfer kontrolliert das Licht, die Blinker, spaziert einmal unter Monster vor und zurück und möchte zum Abschluss ein Mal um den Block fahren. Ich hege den Verdacht, er möchte einfach nur mal mit Monster fahren, mit Prüfung des Fahrzeuges hat das Ganze wenig zu tun. Aber uns soll es recht sein, je weniger desto besser. Anschließend üben wir uns in Geduld bis auch unsere Papiere fertig sind und werden mit dem Hinweis, dass wir einen Aufkleber „ Left hand drive“ benötigen, entlassen. Dass wir diesen schon hinten drauf haben, scheint seiner Aufmerksamkeit entgangen zu sein.

 

Auf dem schnellsten Weg fahren wir zur Registrierungsstelle, bis zum Ende der Öffnungszeit um 16.30 Uhr bleibt uns gerade noch 1 Stunde, und landen am Schalter einer älteren Dame. Sie scheint sich auszukennen, es geht alles ganz zügig bis der Computer Monster nicht anerkennen will. Sie probiert und trickst, doch es hilft alles nichts, die Chefin muss her. Könnte denn nicht ein Mal alles glatt gehen? Nein, wir sollen warten, warten und warten. Der Schalterraum leert sich, es wird 16.30 Uhr und wir sind die einzigen verbliebenen Besucher. Sichtlich nervös können wir einen Blick ins Büro der Chefin erhaschen, dort wird hektisch telefoniert und auf der Computertastatur herumgehackt, aber anscheinend erfolglos. Inzwischen sind wir die Attraktion bei den übrigen Angestellten in diesem Office, obwohl alle Feierabend haben, geht keiner nach Hause und die Chefin telefoniert immer noch. Nach weiteren 30 Minuten ist es soweit, die Hauptstelle in Perth musste aushelfen, doch am Freitag dem 06.10.2006 um 17.00 Uhr bekommen wir freudestrahlend unsere Registrierung überreicht, zahlen 219,65 AUD und sind damit offiziell drin.

 

Es gibt kein Halten mehr, in Windeseile räumen wir unser Appartement, verabschieden uns von den inzwischen bekannten Nachbarn und nach einem kurzen Einkaufsstopp düsen wir schnurstracks zum „Woodman Point“ Holiday Park unterhalb von „Fremantle“. Gerade noch vor Toresschluss ergattern wir eine „powered site“, einen Stellplatz mit Strom. Eigentlich müsste nun der Champus auf den Tisch, doch mangels Masse muss ein Bierchen reichen. Nach 4 Wochen des Herumvagabundierens haben wir endlich ein bisschen Heimat wiedergefunden.

 

Samstag und Sonntag vergehen mit aufräumen, putzen und kleineren Reparaturen und Montag gehen wir auf Shoppingtour. Der Kühlschrank muss noch gefüllt, Monster noch versichert werden und Juppi möchte ihm (oder etwa sich?) unbedingt einen Steinschlagschutz vor der Windschutzscheibe schenken. Dazu müssen wir zur Firma „Truck Line“ in „Cockburn“, die so etwas aber leider nicht vorrätig hat. Ein Anruf genügt, eine Filiale in „Malaga“ hat mehrere „Stoneguards“ da, vielleicht passt ja einer von diesen Monstren.

Also einmal quer durch „Perth“ auf die andere Seite der Stadt und siehe da, wir haben Glück, eines dieser Teile passt perfekt. Jupp strahlt über alle Backen und weiter geht es zum „RAC“. Wir erklären unser Ansinnen, die Sachbearbeiterin nimmt unsere Daten auf und, wie könnte es auch anders sein, es klappt nicht! Der Computer nimmt Monsters Daten nicht an. Ein Anruf in der Zentrale klärt die Ursache, der „RAC“ versichert grundsätzlich keine Daimler, Monster ist aber nun mal einer. Hier wird das also nichts. Von anderen Travellern kennen wir die „Lumley Insurance“ und dort versuchen wir es jetzt.

Die Versicherung ist kein Problem, wir füllen ein Formular mit unseren Daten aus, diverse Papiere werden fotokopiert und wir bezahlen 345,00 AUD für 1 Jahr. Jetzt müssen nur noch alle Papiere zur Zentrale gefaxt und von dort eine Bestätigung zurückgefaxt werden und was passiert? Genau, es klappt nicht!! Gottlob sind dieses Mal nicht wir, sondern das Faxgerät das Problem, aber trotzdem warten wir mal wieder über eine Stunde. Langsam gewinne ich den Eindruck, ganz Australien besteht nur aus Warten und Bezahlen.

 

Wieder zurück auf dem Camping muss natürlich Monsters Geschenk gleich montiert werden. Die Arbeit geht gut von der Hand und nach Vollendung werden Erinnerungen an die TV-Serie „das A-Team“ wach.

Irgendwie ruft das einen Engländer auf den Plan, der bereits seit 15 Jahren in Neuseeland lebt und den es beruflich nach Australien verschlagen hat. Der Gute ist so begeistert, dass er Jupp spontan sein Lieblings-T-Shirt schenkt und felsenfest behauptet, wenn er (Jupp) dieses in Neuseeland trägt, er gleich Freunde für’s Leben gewinnt. Schau’n wir mal.

 

Dienstag und Mittwoch verbringen wir mit dem Kleben von Walter’s neuen Dichtungen, einerseits um Monster australienmäßig besser gegen Staub und Schmutz zu schützen und andererseits weil sich einige der alten Dichtungen im Auflösungsprozess befinden. Am Donnerstag geht es endlich auf große Fahrt, das Abenteuer kann beginnen.

 

Über den noch asphaltierten Highway No. 40 fahren wir 340 Kilometer östlich bis „Hyden“ bzw. zum „Wave Rock“. Wir richten uns auf dem Caravanpark häuslich ein und machen uns im Visitor Center schlau. Nachdem der Ranger uns versichert hat, dass wir den für morgen geplanten „Holland Track“ mit Monster ohne Probleme befahren können, marschieren wir los. Die Gesteinsformation „Wave Rock“ (versteinerte Welle) wird von Geologen auf 2,7 Millionen Jahre geschätzt, sie ist 110 m lang und 15 m hoch.

Die Welle ist durch Wind- und Wassererosion entstanden. Angesichts einer ganzen Busladung Japaner, die den Felsen belagern, wandern wir zunächst zu einem anderen Gestein, zu „Hippos Yawn“, seinen Namen verdankt es der Ähnlichkeit mit einem Nilpferdmaul. Nach unserer Rückkehr sind die Japaner verschwunden und wir nutzen die Gunst der Stunde zur Besteigung der Welle. Wer in dieser Gegend noch längern herumlungern will, kann sich auch die legendäre, 21 km entfernte „Mulka’s Cave“ anschauen, die vor langer Zeit einem Ausgestoßenen als Unterschlupf diente. Der Kerl konnte nicht richtig jagen und fing deshalb an, kleine Kinder zu verspeisen. Unser Bedarf reicht für diese Attraktion nicht aus, sind wir doch gedanklich bereits mit unserer 1. Offroadstrecke beschäftigt.