von Broome nach Darwin: Mai 2007

Am Montag, dem 07.05. reißen wir uns endlich vom „Cable Beach“ los und fahren zunächst zum Einkaufen in die Stadt. Die nächsten 10 bis 14 Tage auf der „Gibb River Road“ und somit im Outback erfordern doch einige Vorräte, wollen wir nicht an Hunger und Durst dahinsiechen.

 

Bis wir endlich soweit sind, zeigt die Uhr schon 11.00 Uhr und wir sausen nur noch kurz zur Bäckerei. Dabei treffen wir auf Sonja, die eigentlich auch heute wieder los wollen, aber momentan von einem platten Reifen aufgehalten werden. Klaro bieten wir unsere Hilfe an und holen Monster. Wir kurven zu Michis Standplatz und treffen dort auf eine wahre Menschenansammlung. Neben Sonja, Michi, Susi und Manfred, haben sich Cordula und Jochen eingefunden. Die 2, (www.ziguin.de), sind mit ihrem Gespann, Landrover mit Aufbaukabine und Anhänger samt 2 Motorrädern, bereits seit 5 Jahren unterwegs und gehören zu den wenigen Overlandern, die es tatsächlich geschafft haben durch Burma bzw. Myanmar zu reisen.

 

Wir ärgern uns ein wenig, dass es bereits so spät ist, wir ja sozusagen auf dem Weg sind und so bleibt uns nur wenig Zeit mit den beiden ein bisschen zu plaudern. Dabei stellen wir fest, dass wir in einiger Zeit den gleichen Weg nach Cape York einschlagen wollen, vielleicht bietet sich ja dann noch eine Gelegenheit für ein Treffen. Schweren Herzens verabschieden wir uns von allen und machen uns auf den Weg nach „Derby“.

 

Kurz vor dem Ort steht der „Boab Prison Tree“, ein Affenbrotbaum, der seine traurige Berühmtheit als Gefängnis erlangte. Siedler lochten in dem hohlen Stamm Aboriginals ein, die sie dann in der Perlenindustrie arbeiten ließen. Der Baum ist ca. 1000 Jahre alt und hat einen Umfang von 14 Metern.

Für die Nacht suchen wir einen Campingplatz auf, wo wir noch einmal die Kühle der Klimaanlage genießen. Morgens treffen wir auf Wolfgang, einen Menschen aus Eschweiler, der bereits vor 40 Jahren nach Australien ausgewandert ist. Dieser gibt uns den wertvollen Tipp, beim „Mainroads Office“ (Hauptstraßen Verwaltung) nach einer Sondergenehmigung für die Befahrung der „Gibb“ zu fragen, die ansonsten immer noch für Fahrzeuge über 3 Tonnen gesperrt ist. Das lassen wir uns nicht zwei Mal sagen und schon sind wir unterwegs dorthin.

 

Die für die Genehmigung zuständige Dame wirft einen kurzen Blick auf Monster, wir schummeln ein wenig beim Gewicht (man kann sich ja schon mal vertun, oder?) und schon steht unserer „Special Permit“ nichts mehr im Wege.

 

Wir brechen auf nach „Fitzroy Crossing“, einem 1500 Einwohner zählenden Ort am Highway Nummer 1. Mit einer Kneipe unter freiem Himmel, einer Polizei- und Krankenstation und Tankstellen eine wichtige Versorgungsstelle für die umliegenden Viehfarmen. Wir interessieren uns am nächsten Morgen mehr für die farbenprächtige „Geiki Gorge“ und nehmen an einer, von Rangern geführten, Flussfahrt durch die 14 km lange Schlucht teil. Die Felswände ragen bis zu 30 m auf, schimmern in den verschiedenen Rottönen und wir sehen unsere 1. Süßwasserkrokodile, die auch „Freshies“ genannt werden.

Anschließend fahren wir die 40 Kilometer auf dem Highway zurück und biegen auf den Zubringer zur „Gibb River Road“ ab. Die Gravelroad (Schotterweg) ist in einem recht passablen Zustand und auch die zahlreichen Flußdurchfahrten stellen kein Hindernis dar. Schon bald erreichen wir unser Etappenziel, den „Tunnel Creek“ Nationalpark. Die beharrliche Arbeit eines Flusses hat einen 750 m langen, 2 bis 12 m hohen und bis zu 14 m breiten Höhlentunnel geschaffen. Mit unseren Tauchlampen bewaffnet machen wir uns auf den Weg durch das etwa knietiefe Wasser, sind aber am Ende fast ein wenig enttäuscht. Da haben wir doch etwas mehr Abenteuer erwartet.

 

Unser heutiges Tagesziel, die „Windjana“ Schlucht samt Buschcamp erreichen wir am späten Nachmittag. Wir haben es uns gerade gemütlich gemacht, bewundern den Sonnenuntergang und wer kommt? Genau, Susi, Manfred, Sonja und Michi, da sind wir ja wieder komplett für das abendliche Geplauder.

 

Morgens nehmen wir die 7 km lange Wanderung durch die Schlucht hin und zurück in Angriff. Die Felswände der „Windjana Gorge“ heben sich über 100 m über dem Lennard Fluss empor, der hier wohl in der Regenzeit tost, zur Zeit aber mehr eine Ansammlung von Wasserlöchern ist. Baden ist trotzdem nicht angesagt, es sei denn man wollte sich als Bezwinger der ca. 70 „Freshies“ betätigen. Uns liegt solch ein Ansinnen völlig fern, nach der Wanderung machen wir uns lieber daran, die „Gibb“ zu erobern.

Diese entpuppt sich zunächst als autobahnartige Schotterpiste, erst ab dem Abzweig zum „Silent Grove“ Campingplatz und der „Bell Gorge“ wird es anspruchsvoller und ganz schön rumpelig.

 

Der schöne Wasserfall samt seinem Pool, der zum Schwimmen einlädt, ist die Fahrt aber allemal wert, wir hätten uns höchstens die Übernachtung auf dem wenig einladenden „Silent Grove“ Campground sparen können. Zum Ausgleich ersparen wir uns am nächsten Morgen den Abstecher zur „Mornington Station“. Wir biegen zwar kurz in die Abfahrt ein, als wir aber am Infoschild lesen, dass wir für einen halben Tag Kanumiete 60 AUD zahlen sollen, ist die Entscheidung ohne viele Worte gefallen. Wir kehren um und weiter geht es Richtung Osten.

Unterwegs nutzen wir das Badeloch in der „Galvans“ Schlucht für eine Abkühlung bevor wir uns am Wasserloch des „Mount Barnett“ Roadhouse zur Nacht niederlassen. Dort treffen wir auch Susi und Manni wieder.

 

Am nächsten Morgen wollen wir die „Manning“ Schlucht und Wasserfälle erwandern, jedoch hindert Monster uns am Abmarsch. Der in Vietnam eingebaute Kühler ist an einer Stelle undicht und verliert Wasser. Jupp versucht das, gottlob nicht so große Leck mit Kühlerdichtungsmittel abzudichten und wir wandern doch noch los.

Kaum losgelaufen, treffen wir bereits auf das nächste Hindernis. Aufgrund der in diesem Jahr recht langen Regenzeit, ist der eigentliche Weg noch überschwemmt und wir müssen stattdessen ein Wasserloch durchqueren.

 

Wir schnappen uns eine der am Ufer liegenden Styroporkisten, ziehen uns aus und packen unsere gesamten Klamotten in die Kiste. Einmal zu Wasser gelassen, ist tatsächlich schwimmen angesagt, denn der „Billabong“ ist zum Laufen zu tief. Jupp macht auch beim einarmigen Schwimmen eine gute Figur und unversehrt erreichen wir das andere Ufer. Die heiße Sonne trocknet uns sehr schnell und weiter geht es. Über Stock und Stein, durch ehemalige Flussbetten, hoch und runter, also insgesamt eine ziemliche Kraxelei, aber nach 1 Stunde werden wir von den schönen Wasserfällen und mit einem Bad im eiskalten Wasser belohnt.

 

Wir beschließen am Nachmittag noch weiterzufahren und schlagen uns für die Nacht zusammen mit Susi und Manni in die Büsche. Voller Erwartung fahren wir am Montagmorgen bis zur „Kalumburu“ Kreuzung, denn wir wissen noch nicht, wie es von dort weitergeht. Unterwegs waren die verschiedensten Gerüchte im Umlauf, ob der Weg zum Mitchell Plateau nun geöffnet und in welchem Zustand er ist. Schon von weitem sehen wir das Schild: „Kalumburu Road open“, befragen noch flugs einige dort rastenden Reisenden über den Straßenzustand und brechen zunächst in Freudengeheul und dann in Richtung Norden auf.

 

An der „Drysdale River Station“ holen wir nochmals einige Infos ein und erfahren, dass der „King Edward“ Fluss momentan ziemlich tief, aber durchaus überquerbar ist. 2.5 Stunden quälen wir unser Monsterchen wieder über Wellblechpisten und durch steinige Flussbetten, biegen um eine Kurve und bremsen abrupt. Vor uns fließt der „Kind Edward“ und uns wird ganz schön mulmig. Wir beratschlagen und der Rallye-erfahrene Manfred mit seinem Toyota Geländewagen mit hochgelegtem Luftfilteransaugstutzen muss die Vorhut machen. Ich tausche mit Susi die Plätze um im Anschluss Monster bei seinen ersten Schwimmübungen zu filmen. In Manfreds Toyota wird mir schon ganz komisch als das Wasser durch die Türen hereinläuft, aber als ich danach unser Baby durchs Wasser pflügen sehe, bleibt mir bald die Luft weg. Huch, war das aufregend!

Nicht weit entfernt schlagen wir in einem Buschcamp unsere Zelte auf und planen die restlichen 70 km bis zum „Mitchell Plateau“ am nächsten Morgen nur mit Mannis und Susis Auto zu fahren. Zum einen wollen wir Monsters, trotz Dichtungsmittel, immer noch undichten Kühler schonen, zum anderen werden wir sowieso hierher zurückkehren.

Es ist unglaublich, für diese „nur 70 km“ benötigen wir am nächsten Morgen 3.5 Stunden, müssen dabei 2 recht haarige Flussdurchfahrten hinter uns bringen, erreichen unser Ziel aber völlig unversehrt. Jetzt heißt es wandern, aber nicht ohne uns zuvor für den Rückweg einen Helikoptertransfer zu sichern.

Wir orientieren uns an den ausgelegten Wanderkarten und erspähen zu unserem Erstaunen 2 Wasserfälle, die den Namen Mertens tragen. Sofort geht die Phantasie mit uns durch und wir mutmaßen, dass wohl Jupps Ur-Ur-Großvater ehemals mit seinem Segelboot hier gestrandet, von Aboriginals gefunden und wieder aufgepäppelt worden ist. Bei einem seiner Streifzüge hat er dann diese Wasserfälle entdeckt und mit den Namen „Little“ und „Big Mertens“ bedacht. Unglaublich, oder???

 

Nach einer guten Stunde Wanderns unter erschwerten Bedingungen, der Weg führt mitten durch einen Fluss, erreichen wir die „Mitchell“ Fälle und können uns gar nicht satt sehen. Ein phantastischer Anblick!

 

Nach einer kleinen Brotzeit müssen wir bereits zu unserem Helikopter eilen, der dann einige Schleifen über den Fällen zieht und bereits 10 Minuten später zur Landung ansetzt. Schade, ich hätte schon noch 1 Stündchen fliegen mögen.

 

Nach unserer Rückkehr zum Campground ziehen einige bedrohliche Wolken am Himmel auf, es beginnt zu donnern und kurze Zeit später zu regnen. Das kann ja heiter werden, vorsichtshalber fahren wir zum Fluss und markieren den Wasserstand, damit wir morgen keine böse Überraschung erleben.

 

Morgens stellen wir mit Erleichterung fest, dass alle Aufregung umsonst war, die Flussdurchfahrt läuft wie am Schnürchen. Zurück auf der „Gibb River Road“ erwartet uns noch die Durchfahrt durch den „Durack“ Fluss, der mit 70 cm Wassertiefe angeblich seine Tücken hat. Auch diese Überquerung stellt kein Hindernis dar und wir wählen für die Nacht ein Buschcamp mit Aussicht auf den Fluss.

 

Am Mittwochmorgen meistern wir auch den „Pentecoast River“ bevor ein weiteres Highlight, der „El Questro Wilderness Park“, auf dem Programm steht. Die zuvor sandige Oberfläche der „Gibb“ wechselt unterwegs zu recht steinigem Untergrund und einer dieser Steine erwischt unseren linken Hinterreifen. Es tut einen lauten Knall, die Luft entweicht in einer affenartigen Geschwindigkeit und Plattfuß Nummer 8 ist perfekt. Des Travellers Los in Australien, ein weiterer Reifenwechsel ist fällig. Wir haben uns gerade an die mühevolle Arbeit gemacht, da trudeln Susi und Manni ein, die uns eine große Hilfe bei der Bewältigung unserer 120 Kilo schweren Reifen sind.

Wir bestaunen noch kurz das riesige Loch, das nun unseren Reifen ziert und weiter geht es. Bei unserer Ankunft auf „El Questro“ sitzen Susi und Manfred bereits mit bedröppelten Mienen da und auch unsere Gesichter werden immer länger. Nicht nur, dass wir uns fühlen wie im Phantasialand in Brühl, nein, wir sollen für einen Tag campen und den Eintritt in den „Wilderness Park“ 30 AUD pro Person berappen. Wenn es wenigstens noch ruhig und beschaulich wäre, aber die pausenlos zu Rundflügen startenden und landenden Helikopter, die langen Reihen Hungriger, die vor dem Mittagsbüffet herumstehen und die nicht gerade vor Freundlichkeiten strotzenden Angestellten, tragen dazu einfach nicht bei. Fazit? Hier hält uns nichts und so erreichen wir „Kununurra“ bereits etwas früher als geplant.

 

Unser erstes Ziel, eine Werkstatt zwecks Kühler- und Reifenreparatur. Wir müssen mehrere Stationen abklappern bevor jemand bereit ist sich unseres Problems anzunehmen. Vielmehr gewinnen wir den Eindruck, dass die angesprochenen Australier einzig und allein überlegen, warum sie die Reparatur nicht ausführen können. Anscheinend gehen diese lieber fischen als zu arbeiten.

 

Beim „Kununurra Diesel Service“ werden wir endlich fündig, der recht nette Chef scheint nicht nur willig, sondern auch kompetent zu sein und wir bekommen einen Termin für den nächsten Morgen. Anschließend kurven wir etwas planlos durch den Ort, als ein heftig winkender Mann auf uns zuläuft. Wir glauben es kaum als wir schließlich Sabine und Heinz, mit denen wir im März eine Woche auf „Tamala Station“ verbracht haben, erkennen. Die Frage nach dem von uns gesuchten Campingplatz erübrigt sich, wir suchen den „Hidden Valley“ Platz auf, auf dem auch Sabine und Heinz stehen.

 

Am nächsten Morgen um 8.00 Uhr in der Werkstatt das übliche Theater, “Safety first“, was bedeutet, dass wir weder die Werkstatt betreten noch uns in Monster aufhalten dürfen. Nach einiger Diskussion gestattet man uns wenigstens das Letztere, damit wir nicht durch den Regen irren müssen. Ich nutze die Zeit für meine schriftstellerische Tätigkeit während Jupp draußen herumscharwenzelt. Während einer Arbeitspause steht er mit den Händen in den Hosentaschen vor Monsters Motorraum und starrt in eben diesen hinein. Das ruft sogleich den Werkstattmeister auf den Plan, der Jupp kurz und bündig des Platzes verweist. Auf Juppis Gesicht macht sich relative Verständnislosigkeit breit, die jedoch noch größer wird als er den Grund für seinen Verweis erfährt. Es sei zu gefährlich und er könnte sich verletzen!! Häh???? Wobei denn nur, beim Gucken oder was? Die spinnen, die Aussies!

 

Die Reparatur jedenfalls dauert und dauert und bis wir schließlich zum Campingplatz zurückkehren ist es bereits Nachmittag. Susi und Manni kommen uns schon entgegen um uns zu suchen, da ihnen mittlerweile einiges recht langwierig erscheint.

Es regnet und regnet und Susi überrascht uns mit der Nachricht, dass der „Purnululu“ oder auch „Bungle Bungle“ Nationalpark momentan geschlossen ist. Da werden wir unseren geplanten Abstecher dorthin wohl bis auf weiteres verschieben müssen. Wir nutzen die Zeit, um Monster einer Generalüberholung zu unterziehen. Der rote Staub sitzt mal wieder in jeder Ecke und 2 Tage lang wird geputzt, gewienert und gewaschen was das Zeug hält. Lediglich der Besuch eines Rodeos reißt uns aus unserem Putzwahn. Beim Rodeo strömen zahlreiche Menschen aus der ganzen Umgebung zusammen, für sie scheint es auch eine echte Attraktion mit volksfestartigen Zügen zu sein, uns aber haut es nicht so recht vom Hocker.

 

Montagmorgen soll es so oder so weiter gehen, entweder in den „Bungle Bungle“ Nationalpark oder Richtung Osten nach „Katherine“. Also fahren wir als erstes zum Besucherzentrum und erfahren zu unserer Freude, dass der Nationalpark wieder geöffnet ist. Schnell wird noch der Kühlschrank gefüllt und los geht es. Es gibt nur eine Zufahrt zu dem von den Aboriginals „Purnululu“ genannten Massiv, eine ziemliche beschwerliche Schotterpiste. Nach dem Abzweig vom „Great Northern Highway“ benötigen wir für die restlichen 53 km bis zur „Three-Ways“ Kreuzung 2.5 Stunden, und das obschon wir mittlerweile bei der Durchquerung der Flüsse einige Übung haben. Dort treffen wir uns mit Susi und Manfred und haben noch 20 Minuten bis zum einfachen „Kurrajong“ Campingplatz vor uns. Auf dem Platz kurven wir ein wenig herum und landen mal wieder neben einem großen, weißen Truck mit Schweizer Kreuz. Mit Sonja und Michi haben wir hier ja nun gar nicht gerechnet.

 

Eine Hauptanlaufstelle im Park, die „Echidna Chasm“ nehmen wir am nächsten Morgen in Angriff. Zu dieser mehrere hundert Meter langen Klamm führt ein schöner Wanderweg, doch als landschaftlich schönstes Wandergebiet gilt der Südteil des Parks. Diesen sparen wir uns jedoch für morgen auf, heute sind wir ein wenig faul und betten Monster nur noch auf den 2. Campground des Parkes, Walardi, um.

Hinter dem Namen „Bungle Bungle“ verbirgt sich eine Wunderwelt aus steilen Felsdomen, bizarren Sandsteinkuppeln und wie Bienenkörbe wirkende Natursteinskulpturen, die wir morgens auf dem Weg zur „Picaninny“ Schlucht sehen. Bis zum Nachmittag ist wieder wandern angesagt und wir schaffen es gerade noch vor dem Dunkelwerden aus dem Park hinaus auf einen freien Übernachtungsplatz am Highway.

 

Am Donnerstag wollen wir zurück nach „Kununurra“, dort einkaufen und dann noch fahren soweit wir lustig sind. Aber wie es immer so ist, dieses Mal werden wir abermals von unserer Tachowelle ausgebremst. Das mühevoll nach „Broome“ gelieferte Ding hat bereits nach nur 2600 Kilometern die Arbeit wieder eingestellt und macht keinen Mucks mehr. Es ist zum Mäusemelken! Wir fahren ein weiteres Mal den „Hidden Valley“ Campingplatz an, dort hat es so schöne Rasenflächen auf den denen man wunderbar unter Monster herumkriechen kann, und suchen nach des Übels Kern. Ergebnis: Die Welle ist definitiv kaputt, Ursache: Fragezeichen! Die Teilenummer ist sowohl bei Sohn Dennis als auch bei Mercedes noch in guter Erinnerung, lediglich die Versandanschrift ist eine andere und so steht einer weiteren Lieferung nichts im Wege.

 

Nachdem wir am Samstag die Bundesstaaten und somit auch mal wieder die Uhrzeit gewechselt haben (im Northern Territory ist es 1.5 Stunden später als in Westaustralien), treffen wir am Nachmittag in „Katherine“ ein. Unser 1. Weg führt uns zu Woolworth, wir parken, öffnen die Türen und wer schaut uns an? Sabine und Heinz! Ist denn Australien wirklich so klein?

 

Das übliche Prozedere, der gleiche Campingplatz, also alles wie immer und darum wundern wir uns fast gar nicht mehr, als am Sonntag auch Susi und Manfred dort eintreffen. Wundern tun wir uns eigentlich nur darüber, dass wir schon wieder einen Plattfuß haben, zur Abwechslung mal vorne links. Langsam gewinne ich den Eindruck, dass wir in jedem australischen Ort mindestens einen Reifendienst kennen. Aber was hilft’s? Bevor es also am Montag weiter in Richtung Norden gehen kann, ist wieder ein neuer Schlauch fällig. Der 1. Reifendienst scheut wohl die Arbeit und meint, er habe keinen Schlauch in unserer Größe, aber beim 2. klappt es dann doch und wir können heute noch bis zu den „Edith Falls“ fahren.

 

Von dem recht nett gelegenen Campingplatz am Fuße der Wasserfälle führt uns eine kurze Wanderung zu einem Aussichtspunkt oberhalb der Kaskaden, die mehrere Lagunen bilden, in denen man herrlich schwimmen kann. Mitunter soll man hier auch Süßwasserkrokodile sehen, was wir aber erst nach dem Bad erfahren.

Recht erfrischt geht es zum „Kakadu“ Nationalpark. Dort haben wir uns einen Buschcampingplatz an den “Gunlom“ Wasserfällen ausgeguckt, doch die Schotterpiste dorthin ist in einem derart desolaten Zustand, dass wir die Tour nach nur wenigen Kilometern entnervt abbrechen und umkehren. Derzeit steht uns der Sinn nicht nach Gerumpel und Gerüttel, also zurück zum Asphalt.

 

Wir rollen recht entspannt über die Straße in Richtung „Jim Jim Falls“ als in einiger Entfernung ein Mann aus dem Busch heraus auf eine Brücke klettert und mitten auf der Straße stehen bleibt. Wir reiben uns die Augen und ich bleibe eine Antwort schuldig, als Jupp die Frage „Ist das Heinz?“ stellt. Was sollen wir sagen, es ist Heinz, der just in dem Moment als wir vorbeifahren nach einer Angelstelle Ausschau hält. Ist das nun Schicksal?

 

Wir bleiben die restlichen Tage im Kakadu der Einfachheithalber gleich zusammen, lassen uns auf einer Bootstour auf der seichten Lagune „Yellow Water“ von den ungezählten Moskitos zerstechen und bewundern die Aboriginal-Galerien am „Nourlangie Rock“. Die Nacht verbringen wir auf dem Merl Campground und besichtigen morgens die bedeutenden Felsenmalereien am „Ubirr Rock“, eine Felsnase des Arnhem-Land-Plateaus. Vom dortigen „Nardab Lookout“ hat man einen herrlichen Rundumblick, es ist einfach ein tolles Erlebnis hier oben auf den Felsen zu hocken und auf die Sumpfgebiete herunterzuschauen.

Am frühen Nachmittag treibt es uns nach „Darwin“ und wir schaffen es gerade vor Toresschluss noch zur Post. Leider ist unser Paket samt Tachowelle noch nicht eingetroffen und wir suchen Quartier auf dem „Shady Glen“ Campingplatz. Es ist mal wieder feucht- heiß und der Luxus einer Klimaanlage einfach nicht zu verachten.

 

Die Tage in Darwin vergehen im Internetcafe und im „Flightcenter“ Reisebüro auf der Suche nach günstigen Flügen zuerst nach Neuseeland und anschließend nach Deutschland. Die Sache gestaltet sich etwas schwierig, da wir zum einen überhaupt noch kein Datum wissen (der Verschiffungstermin schwebt noch in den Wolken) und zum anderen auch immer einen Weiterflug von Neuseeland benötigen (Visabestimmungen). Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht, gell?

 

Zwischendurch versucht Jupp sich an der Reparatur unserer Tachowelle, indem er das defekte Stück einfach herausschneidet und die beiden Enden mit Flüssigmetall und einer Klammer wieder verbindet. Wir geben uns der Hoffnung hin, dass diese Operation erfolgreich ist und warten gespannt auf die nächste Ausfahrt. Am Montagmorgen ist es soweit, wir sind des Wartens überdrüssig, „Darwin“ gibt wirklich nicht soviel her, dass wir uns noch länger aufhalten möchten und so machen wir zusammen mit Sabine und Heinz einen Angelausflug.

 

Mit funktionierendem Tacho, man lese und staune, geht es halbwegs in den „Kakadu“ Nationalpark zurück, bevor wir wieder Richtung Norden zu einem Platz namens „Shady camp“ abbiegen. Selten war ein Name unzutreffender, wie wir am Abend sehr schnell feststellen, bezeichnenderweise müsste dieser Ort „Moskitovalley“ heißen. Wir haben in unserem ganzen bisherigen Leben noch niemals so große und vor allen Dingen solche Massen von Mücken gesehen. Bei Einbruch der Dunkelheit kann man sich nur noch panikartig in seine Gemächer zurückziehen und sämtliche Öffnungen verbarrikadieren. Einfach unglaublich!!

 

Trotz alledem ist das Angeln am nächsten Tag einfach phantastisch. Wir haben ein Böötchen mit einem Außenbordmotor gemietet und damit schippern wir nun über den Creek, mit unseren Angeln im Schlepp. Die Ausbeute von 2 Barramundis ist zwar recht mager, aber wir sehen zum einen ungezählte „Salties“ in unmittelbarer Nähe und zum anderen schmecken die Fische wunderbar.

 

Als wir am Mittwoch nach „Darwin“ zurückkehren, haben wir zwar leichte Ähnlichkeit mit Beulenpestkranken, sind aber dennoch gleich happy unser Paket endlich in Empfang nehmen zu können. Jetzt hält uns wirklich nichts mehr im hohen Norden und wir verbringen lediglich einen wohl endgültigen Abschiedsabend mit Sabine und Heinz bevor wir am nächsten Morgen in die grobe Richtung „Cairns“ aufbrechen.