von Darwin nach Cains: Juni 2007

Donnerstagmorgen frischen wir unsere Vorräte auf und steuern den „Litchfield“ Nationalpark an. Wir nehmen die nördliche, unbefestigte Straße und kommen somit gleich an den „Wangi“ Fällen aus. Diese sprudeln das ganze Jahr und fallen in ein großes Wasserloch, das eigentlich zum Baden einlädt. Zurzeit herrscht jedoch Krokodilwarnung und das Schwimmen ist untersagt. Wir lassen uns auf dem Buschcampingground nieder, der genügend Platz hat und suchen uns einen mit Feuerstelle aus.

 

Morgens starten wir den erfolglosen Versuch zu den „Tjaynera“ Fällen vorzudringen. Diese kennen wir von einem Besuch vor 4 Jahren und hoffen auf die damalige himmlische Ruhe. Leider kommen wir nicht zum Ziel, der verschlungene Pfad ist einfach zu schmal für unser grünes Biest und wir treten den Rückzug an. Der Weg zum 4 WD Campingplatz an den „Florence Falls“ ist hingegen breit genug und so wird eben dieser unser Aufenthaltsort für die nächsten 2 Tage.

Wir erkunden die nähere Umgebung und marschieren mitten durch den Monsun-Regenwald zum „Buley Rockhole“, wo das Wasser durch eine Reihe von Wasserlöchern läuft, die natürlichen Badewannen gleichen. Weder die Außen- noch die Wassertemperaturen laden zum Eintauchen des ganzen Körpers ein, wir können uns lediglich zu einem Fußbad überwinden. Leider wird die 2. Nacht furchtbar unruhig, es ist ein langes Wochenende und so ziemlich jeder Aussie scheint einen Ausflug zu machen.

Leicht angefressen räumen wir am Sonntag das Feld und kehren nochmals zu den „Edith Falls“, die wir ja bereits vom Hinweg kennen, zurück. Den Montag verbringen wir ebenfalls in bekanntem Gebiet in „Katherine“ bevor wir den langen Weg nach „Cairns“ an der Ostküste in Angriff nehmen.

 

Die Erinnerung an die Strapazen einer Schotterpiste scheinen verblasst zu sein, denn wir entscheiden uns für den zwar etwas kürzeren, aber unbefestigten „Savannah Way“. Bis „Mataranka“ genießen wir nochmal die Vorzüge eines Highways. Der Ort wurde durch das Buch „We of the never never“ vom Jeannie Gunn bekannt, dessen Geschichte um die Jahrhundertwende auf „Elsey Station“ spielt und auch verfilmt wurde. Den Nachbau der Filmfarm schauen wir uns an und halten die Hütte schlichtweg für einen Scherz, da sind die 34°C warmen, kristallklaren Thermalpools doch schon einladender.

„Bitter Springs“ ist eine weitere wunderbare Thermalquelle im „Elsey“ Nationalpark und wir genießen das Bad im blau-grünen, warmen Wasser.

Für den Rest des Tages und die Nacht wird der ruhige „Jalmurark“ Campingplatz am „Roper River“ unser Heim. Wir schlafen dermaßen tief und fest, dass uns erst die beiden Damen, die bereits um 7.00 Uhr zum Kassieren der Campinggebühren an unsere Türe klopfen, aus dem Schlaf reißen. Juppis Auftritt in Unterhosen trägt sehr zur Erheiterung der lustigen Ladys bei. Einmal wach, gibt es kein Halten mehr, in Null Komma Nix sind wir „on the road again“ und legen erst für die Frühstückspause in „Daly Waters“ einen Stopp ein. Der urige Pub des Ortes ist zugleich einer der schönsten des Landes, die Dekoration besteht größtenteils aus Unterhosen, BH’s, Wimpeln und ausländischen Geldscheinen.

Beim Toilettentrakt scheint es sich eher um ein Tierasyl zu handeln und der Frosch, der mich aus der Kloschüssel heraus anstarrt, hinterlässt eine Spur der Verwirrung in mir. Wir verlassen die gastliche Stätte und biegen weiter südlich auf den asphaltierten „Carpentaria“ Highway in Richtung Osten ab. Für die Nacht verbleiben wir auf einem Rastplatz, wo wir über dem offenen Feuer 2 leckere Putenkeulen grillen. Hm, yummy wie die Aussies sagen.

 

Nach insgesamt 378 Kilometern erreichen wir „Borooloola“, das in einem Reservat der Aborigines liegt. Der Ort soll für Angelfans das reinste Paradies sein, wer aber auf diese Beschäftigung nicht besonders scharf ist, sollte sich über einen Ausflug in diese verlassene Gegend nochmals Gedanken machen.

Wir jedenfalls wissen nun, was der Ausdruck „Outbackpreise“ bedeutet. Beim letzten Einkauf haben wir zu unserem Leidwesen vergessen Kartoffeln zu kaufen und als typischer Niederrheiner sind wir nun der Meinung ohne diese Knolle nicht leben zu können. Flugs steuern wir den örtlichen Supermarkt an, in dem man so ziemlich alles kaufen kann und ebenfalls auch die begehrten Kartoffeln. Wir wundern uns zwar kurz, dass diese Dinger hier im Kühlschrank gelagert werden, machen uns aber weiters keine Gedanken. Erst beim Bezahlen schalten wir unsere grauen Zellen wieder ein und glauben unserer Englischkenntnisse verlustig zu sein. Für 2.5 kg sollen wir 10,00 AUD bezahlen, die Leute hier müssen die Sache mit dem weißen Gold irgendwie verwechselt haben. Als wir dann auch noch einen Zettel erblicken, der darauf hinweist, dass von Freitagmittag bis nach der Beerdigung am Samstag kein Bier verkauft wird, sind wir von der Spleenigkeit der hier lebenden Bevölkerung restlos überzeugt und machen uns schleunigst davon auf die nun beginnende „Dirtroad“.

 

Am nächsten Morgen passieren wir die Grenze zu Queensland und wieder einmal ticken die Uhren anders, dieses Mal jedoch nur um 30 Minuten. Vorüber geht es am „Hell’s Gate“, dem Tor zu Hölle, dorthin wurden in den früheren Jahren die Siedler von der Polizei eskortiert und mussten sich anschließend alleine bis nach „Katherine“ im Northern Territory durchschlagen. Auf uns wartet zwar keine Polizeieskorte, aber ein kurzes asphaltiertes Stück und da hören wir es dann, dieses merkwürdige Klackern. Wir halten an, umrunden Monster, freuen uns irrtümlich, dass wir kein verdächtiges Zischen hören und erspähen zum guten Schluss den Verursacher des Klackerns. Ein ca. 5 cm breites Metallteil ziert unseren Reifen. Nein, bitte nicht schon wieder! Doch das Bitten hilft nicht, wir müssen den Tatsachen ins Auge schauen, Reifenwechsel Nr. 10 ist fällig.

Wie man sich denken kann, haben wir inzwischen einige Übung darin, nur leider machen unsere Reifen mittlerweile einen recht desolaten Eindruck. Mangels Masse bleibt uns nicht anderes übrig als einen bereits angeschlagenen Reifen aufzuziehen.

 

Nach 1 Stunde Zwangspause geht die muntere Fahrt bereits weiter, heute noch bis „Burketown“ und ins dortige Besucherzentrum. In Australien kann der Ort noch so winzig sein, er verfügt mindestens über einen Campingplatz und ein Visitorcenter. Wir haben das Vergnügen mit Frank, der fröhlich aus dem Nähkästchen plaudert und uns zum Schluss einen guten Übernachtungsplatz am Albert Fluss empfiehlt. Das lassen wir uns nicht 2x sagen und schon findet Monster sich an der Bootsrampe wieder, wo wir eine ruhige Nacht verbringen.

 

Die ca. 230 verbleibenden Kilometer bis „Normanton“ verlaufen recht ereignislos, roter Staub, zahlreiche Flussdurchfahrten, langsame Auflösung des gestern aufgezogenen Reifens, also das übliche Programm. Der beginnende Regen am Abend sorgt für etwas Abwechslung, denn unser Standplatz an einem Creek verwandelt sich langsam aber sicher in ein Schlammloch. Aufrichtig bedauern wir einige Mitcamper in ihren Zelten, die dann auch in den frühen Morgenstunden ziemlich nass das Weite suchen.

Monster wühlt sich ohne Probleme durch den Matsch auf den Weg zurück, der Regen begleitet uns jedoch noch bis Mittag. Erst bei der Einfahrt in „Normanton“ lässt sich die Sonne blicken und wir suchen ein ebenes Plätzchen für Reifenwechsel Nr. 11. Der am Donnerstag aufgezogene Reifen ist völlig hinüber, langsam aber sicher löst sich die gesamte Lauffläche und wir sehen bereits handtellergroße Löcher im Profil. Zu unserem Leidwesen ist der einzig verbliebene Ersatzreifen derart schlecht, dass wir diesem das hohe Gewicht der Hinterachse nicht zumuten wollen. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als den guten Reifen von vorne nach hinten und den schlechten dann vorne zu montieren.

 

Zu allem Überfluss werden wir bei der Arbeit von einem zahnlosen Individuum vollgelabert, der auch noch jeden unserer Schritte begleitet. Nach 3 Stunden sind wir reif für die Insel, springen unter die Dusche und verschwinden im „Purple Pub“. Nach dem 1. kalten Bier kommen wir langsam wieder auf den Boden der Tatsachen und schauen uns um. Auf der Veranda dieses Etablissements scheinen sich nur Betrunkene jeglicher Abstammung im fortgeschritten Zustand zu befinden. Zu unserem großen Erstaunen sehen wir, dass immer wieder Aborigines von der Veranda fallen, wieder aufgerichtet und trotzdem weiterhin mit Alkohol versorgt werden. Hier scheinen seltsame Sitten zu herrschen, doch um nicht aus dem Rahmen zu fallen, sprechen auch wir dem Bier mehr zu als uns gut tut und so erfolgt die Weiterfahrt am nächsten Tag zu vorgerückter Stunde und mit dröhnenden Köpfen. Tja, selbst schuld, gell?!

 

Am Montag in „Ravenshoe“ finden wir einen guten Reifendienst mit zivilen Preisen und da es sowieso wie aus Kübeln regnet, bleiben wir gleich am Ort. “Ravenshoe“ liegt 904 m über dem Meeresspiegel und ist damit die höchste Ortschaft in ganz Queensland. Überhaupt ist das Atherton- Hochland eine landschaftlich schöne Gegend mit etlichen Seen und Wasserfällen. Auf dem Weg zum Lake Tinaroo, einem künstlichen See, der Teil eines Konzepts zur Energiegewinnung durch Wasserkraft ist, nutzen wir „Atherton, die heimliche Hauptstadt des Hochlands, zum shoppen. Das Wetter ist zwar immer noch nicht sehr einladend, doch nach dem Motto: es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung, kurven wir am Damm entlang um den Stausee und lassen uns auf einem der einfachen Campingplätze am See nieder.

Hier werden wir erstmalig mit dem in Queensland üblichen System der Campinggenehmigungen konfrontiert. Eigentlich keine große Sache, denn man bekommt sie per Anruf beim Queensland Park & Wildlife Service oder per Online-Buchung, doch haben wir hier weder Telefon- noch Internetempfang.

Nun wie heißt es so schön, der gute Wille ist da und da wir sowieso die einzigen Camper sind, quartieren wir uns sozusagen erst einmal schwarz ein. Am Abend zieht Nebel auf, es fieselt immer wieder und die Nacht wird dementsprechend recht schattig. Auch am nächsten Morgen sind die Aussichten nicht rosig, doch wollen wir Monster ein wenig Zeit widmen und da spielt das Wetter eh keine Rolle. In den letzten Tagen waren seine Motorgeräusche nicht so sanft wie gewohnt, der Ölverbrauch hat sich enorm gesteigert und nun will Jupp es zunächst mal mit dem Einstellen der Ventile versuchen. Die Arbeit geht gut von der Hand und Monsters Motor hört sich nun irgendwie weicher an, schauen wir mal ob es letztendlich hilft.

 

Am Donnerstag legen wir die restlichen Kilometer bis „Cairns“, der ungekrönten Freizeitstadt Australiens, zurück. In früheren Jahren einmal der Umschlagsort für die Goldfelder im Hinterland, ist das natürliche Hafenbecken heute eher ein Treffpunkt der Luxusjachten, Ausflugsdampfern und Sportfischer.

Zur Abwechslung lassen wir uns mal wieder auf einem Campingplatz nieder, auf dem wir hemmungslos dem kostenlosen Wireless-Internet frönen. Es gilt das Angebot an Tauchanbietern zu sichten, denn schließlich liegt der spektakuläre „Great Barrier Reef Marine Park“ direkt vor der Haustüre und wir können hier nicht weg ohne den Kopf unter Wasser gesteckt zu haben. Anbieter gibt es wie Sand am Meer, doch wir verspüren wenig Lust uns mit den Massen Japanern auf einem Tagesausflug zu tummeln und so fällt die Wahl auf die „Explorer Ventures“ (www.explorerventures.com) auf deren Schiff „M/V Nimrod“ wir bereits vor 5 Jahren einmal unterwegs waren.

 

Gemütlich traben wir am Freitag über die sehenswerte „Foreshore-Promenade“ in die Stadt und ins Büro der Explorer Ventures. Die Verhandlungen sind zäh, zwar könnten wir noch kurzfristig für Samstag eine freie Kabine ergattern, doch der Preis entspricht auch nach dem Discount nicht unserer Vorstellung. Wir hinterlassen, sozusagen als Denksportaufgabe, ein Preisangebot und schleichen unverrichteter Dinge von dannen. Tja, und was sollen wir sagen, nach gar nicht allzu langer Zeit klingelt das Handy und schon sind wir stolze Teilnehmer einer 4-tägigen Tauchsafari. Geht doch, warum nicht gleich so?

 

Am Samstag parken wir Monster auf dem Gelände der Tauchschule, lernen unsere Mitreisenden kennen und fliegen am Nachmittag nach „Cooktown“, wo das Schiff bereits auf uns wartet. Das Wetter ist nach wie vor ziemlich durchwachsen und der Kapitän bereitet uns schon mal auf heftigen Seegang vor. So ist es dann auch die ganzen 4 Tage, regnerisch, stürmisch und kabbelig und wir werden niemals richtig warm, selbst im Bett ist es ein wenig klamm. Als wir schon fragen, warum wir uns das eigentlich antun, da kommen sie: die Minkwale!

Ein unvergessliches Erlebnis, als sie uns sowohl beim Schnorcheln als auch beim Tauchen begleiten. Die Meeresriesen scheinen mindestens genauso neugierig zu sein wie wir, denn sie kommen bis auf 1m an uns heran und beäugen uns mit ihren großen Augen. Das entschädigt uns für die schlaflosen Nächte in enger Umarmung mit der Toilettenschüssel und noch Tage später, zurück in „Cairns“ sind wir voller Begeisterung.

 

Wir verbringen noch 3 Tage auf dem bereits bekannten Campingplatz und lernen Nathalie, Heidi und Stephane´ kennen. Die kleine Familie (www.toygra.de) hat in Deutschland alle Zelte abgebrochen und kurvt nun in einem Toyota Landcruiser mit Aufstelldach zunächst durch Australien.

Am Samstag reißen wir uns endlich los, hinauf zum Cape Tribulation. Das soll im Gegensatz zu unserer ursprünglichen Planung unser nördlichstes Ziel im Aussieland sein, wir müssen gestehen, der rote Staub und die Gravelroads haben uns zermürbt. Vorüber an dem malerisch auf einer Landzunge gelegenen „Port Douglas“ fahren wir durch die zahlreichen Zuckerrohrplantangen durch „Mossman“ zur „Daintree River“ Seilfähre. Sie setzt alle 20 Minuten über und braucht knapp 2 Minuten zur Flussüberquerung ins Gebiet von „Cape Tribulation“. Unterwegs versuchen wir telefonisch eine Campinggenehmigung für den „Noah Beach“ Campground zu bekommen, laut Aussage eines Mitarbeiters benötigt man für diesen aber keine. Leider scheint dieser aber keine Ahnung zu haben, wie sich beim Eintreffen dort herausstellt, doch da sowieso alle Plätze belegt sind, spielt es keine Rolle mehr. Es bleibt uns nichts anderes übrig als einen Campingplatz aufzusuchen, auf dem wir gerade noch ein Plätzchen ergattern.

Es gefällt uns dermaßen gut, das wir gleich 3 Tage in der Gegend verbringen, wo der tropische Regenwald ans Meer grenzt und die traumhaften Sandstrände zu langen Wanderungen einladen. Auf dem Rückweg nach „Cairns“ erkunden wir zum Abschluss noch die „Mossmann Gorge“, eine Schlucht am Unterlauf des Mossmann Flusses, die an die größte zusammenhängende Regenwaldregion in nördlichen Australien grenzt.