von Cains nach Brisbane: Juli 2007

Nach der Wanderung durch die Schlucht setzen wir unseren Weg in Richtung „Cairns“ fort, wobei wir einen kurzen Fotostopp an einem Aussichtspunkt einlegen, der einen herrlichen Blick über die Küste gewährt.

Auf dem Weg zurück zu Monster sehen wir einen weißen Landcruiser auf uns zufahren und trauen unseren Augen kaum, als wir die Insassen erkennen. Es sind wieder einmal Susi und Manfred, die wir eigentlich auf dem Weg nach „Cape York“ wähnten. Wir tauschen schnell unsere Erlebnisse aus und verabreden für den Abend ein Treffen auf einem freien Stellplatz in „Babinda“, etwas außerhalb von „Cairns“.

 

In der Stadt kehren wir in unserer Lieblings-Fressmeile zur obligatorischen „Tom Yum“ Suppe ein, die seit unserem Thailandaufenthalt zu unserem Leib- und Magengericht gehört. Beim Einkaufen vergeht der restliche Tag in Windeseile, sodass wir vom Einbruch der Dunkelheit überrascht werden. Vorsichtig, um nur ja keinem Kängeruh zu nahe zu kommen, suchen wir den Weg zum Stellplatz wo bereits die „Möhre“ von Susi und Manfred auf uns wartet.

 

Am nächsten Morgen trennen sich unsere Wege, wir fahren entlang der Küste, vorbei an zahllosen Zuckerrohrfeldern und landen schlussendlich in einem Kaff namens „Kurrimine“. Dort betreibt die Gemeinde einen kleinen Campingplatz und wir ergattern einen wunderschönen Stellplatz direkt am Meer.

Die Nächte sind zwar ziemlich kalt, aber tagsüber meint es die Sonne doch recht gut mit uns und so genießen wir die Wärme gleich 2 Tage lang. Am Freitagmorgen brechen wir nach „Townsville“ auf, wo wir Cordula und Jochen, die gerade bei ihrer Tochter Lydia eine Pause einlegen (www.ziguin.de), besuchen wollen.

Wir melden uns telefonisch an und sausen los. Als wir am Stadtrand von „Townsville“ an einer roten Ampel anhalten müssen, bleibt unser Blick doch tatsächlich an einem Mercedes 911 hängen, der auf dem Gelände einer Werkstatt steht. Monster freut sich über das Brüderchen vom Militär und auch wir sind ziemlich begeistert, denn dort können wir zumindest mal nachfragen, wo wir eventuell gebrauchte Reifen bekommen können. Bei der Firma RGM ist der Chef Greg direkt unheimlich nett und fachsimpelt dann auch gleich mit Jupp über Monster und Konsorten. Irgendwann kommt die Sprache auch auf unsere Reifenfrage und Greg erklärt ganz einfach, er habe hinten noch einige Reifen herumliegen, die wir gerne haben könnten.

 

Es ist unglaublich, dort liegen neue Reifen, die lediglich an einer Stelle leichte Brandspuren aufweisen und wir freuen uns wie die Schneekönige. Sind wir doch so unser Ersatzreifenproblem los und das auch noch ohne einen Pfennig dafür zu bezahlen. Mit einem Gabelstapler bugsieren wir die Teile aufs Dach, bedanken uns bei Greg noch mit einer Spende für die Kaffeekasse und setzen unsere Fahrt zur Stadtmitte fort.

 

Unser nächstes Ziel ist die Hauptpost, wo hoffentlich das neue Carnet de Passage vom ADAC auf uns wartet. So ist es dann auch, das hat ja mal super geklappt. Nicht so super klappt unsere Suche nach dem Domizil von Cordula und Jochen, wir fahren die Straßen auf und ab und trotz der Nummerierung finden wir die angegebene Adresse einfach nicht. Zu unserer Schande müssen wir das Telefon bemühen um von Jochen die Koordinaten zu bekommen, damit wir schlussendlich zum Ziel kommen. Nichtsdestotrotz ist die Freude auf beiden Seiten groß und auch von Wachhund Arthur werden wir gleich willkommen geheißen.

Wir verbringen 2 vergnügliche und vor allem informative Tage und abends kommt mal wieder unsere Paellapfanne zum Einsatz. Der Abschied fällt nicht so leicht, werden wir uns doch voraussichtlich in den nächsten Jahren nicht so schnell über den Weg laufen, denn die beiden Zigeuner wollen versuchen mit ihrem Gespann in China einzureisen. Wir drücken die Daumen für dieses Unterfangen.

 

Bevor wir „Townsville“ verlassen, wollen wir uns die sonnige und entspannte Stadt wenigstens noch ein wenig anschauen. Also promenieren wir mit den Einheimischen über „the Strand“, eine Zone mit Yachthafen, Cafes, Parks, Kinderspielplätzen und abgegrenzter Schwimmzone und fühlen uns bei strahlendem Sonnenschein absolut wohl. Einmal gemütlich eingestimmt, tuckern wir heute nur noch 22 Kilometer bis zu einem gebührenfreien Stellplatz und verbringen den Spätnachmittag lesend.

 

Auch morgens hält sich unsere Reisefreude in Grenzen, schon im 66 Kilometer entfernten „Ayr“ stoppen wir. Das erste Ziel ist ein Reifendienst, denn die frisch gewonnenen Reifen auf dem Dach warten darauf auf die Felgen gezogen zu werden. Wir finden eine freundliche Firma, die sich für nur kleines Geld an die Arbeit macht, einzig die Entsorgung unserer Altreifen soll mit 30 AUD zu Buche schlagen. Das geht uns nun wirklich zu weit, da bringen wir die Teile doch lieber selbst zur Müllkippe und so werden sie solange wieder auf Monsters Dach platziert.

Anschließend kurven wir durch das kleine Städtchen, deren Einwohner überwiegend vom Zuckerrohranbau leben und finden einen netten Gemeindecampingplatz, der nebenbei bemerkt, nach unserer Abreise über 2 neue Blumenbecken aus großen Lkw-Reifen verfügt. Dort quartieren wir uns zunächst einmal für heute ein, beschließen aber am nächsten Morgen dem sporadisch auftretenden, knackenden Geräusch aus Richtung Dachträger auf den Grund zu gehen und verlängern somit unseren Aufenthalt.

 

Die Arbeit beginnt, der Dachträger muss komplett leer geräumt und sämtliche Schrauben der Bodenplatte gelöst werden und dann sehen wir die Bescherung auch schon. Monster ist bekanntlich ein altes Polizeifahrzeug und verfügt somit über eine Ausstiegsluke im Führerhaus, die wir beim Umbau aber nicht nur zugebaut, sondern an deren Halter wir auch noch den Dachträger verschweißt haben. Diese 30 Jahre alten Halter haben dem Gerüttel auf Australiens Wegen einfach nicht standgehalten und sind ganz einfach durchgebrochen, daher das merkwürdige Klappern von oben.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt, während ich die Gelegenheit nutze um dem Dachträger ein neues Outfit anzumalen, flext, schweißt und feilt Jupp so manche Stunde in mühevoller Kleinarbeit. Das Ergebnis ist grandios, die neuen Halter sehen einfach klasse aus. Jetzt müssen die Teile nur noch passen! Wie sollte es anders sein, beim Einbau zeigt sich, dass tatsächlich alles perfekt ist. Gut gemacht, Juppi!!

 

Zwischendurch macht uns Monsters stetig steigender Ölverbrauch einige Sorgen, doch so wirklich wissen wir nicht, was wir machen sollen. Es scheint festzustehen, dass der Motor eindeutig Probleme hat, die Frage ist eigentlich nur, wie schlimm ist es und wo können wir die Maschine überholen lassen. Wir überlegen hin und her, korrespondieren sowohl mit Cordula und Jochen, die ihre Kontakte in Neuseeland aktivieren, als auch mit Sonja und Michi, die inzwischen ein Angebot zur Verschiffung ihres Möcklis nach Europa vorliegen haben. Der Gedanke, Monster nach Deutschland zu verschiffen ist insofern ganz reizvoll, da wir einerseits in unserer Heimat etliche Motorenbauer kennen, andererseits, könnten wir bei der anschließenden Verschiffung nach Südamerika auf dem gleichen Schiff mitreisen.

 

Als wir jedoch die Preise zum Europatransport vernehmen, erledigt sich diese Idee von selbst. Der RoRo-Transport schlägt tatsächlich mit ca. 9.000,00 € zu Buche und die Reparaturkosten kämen dann ja auch noch dazu. Ein recht abschreckender Gedanke, also verschwenden wir keine weiteren Gedanken daran, sondern suchen weiter nach Alternativen. Während wir mit Jochens Kiwi-Freunden mailen, taucht die Idee auf, nach „Townsville“ zurückzukehren und unser Problem bei der Firma RGM zu schildern.

Gesagt, getan, am Donnerstagmorgen fahren wir den bekannten Weg mitten durch die zahlreichen Zuckerrohrfelder wieder zurück und der Empfang bei Greg ist einfach toll. Der Gute sagt zwar, er sei nicht der richtige für solche Dinge, aber ist trotzdem unwahrscheinlich bemüht und stellt den Kontakt zu seiner Niederlassung in „Brisbane“ her. Dort arbeitet sein Kollege Peter und der habe schon zahlreiche OM 352 Motoren überholt. Das hört sich ja alles toll an, führt uns unser Weg doch sowieso dorthin. Um einiges glücklicher, überraschen wir ganz spontan die Zigeuner, werden mit Kaffee und Kuchen fürstlich bewirtet, wollen aber wegen unseres plötzlichen Überfalls nicht Übernacht bleiben und schaffen es heute noch wieder zurück bis nach „Home Hill“. Dort gibt es einen wunderbaren freien Stellplatz am alten Bahnhof und wir verbringen eine ruhige Nacht.

 

Morgens bei der obligatorischen Ölkontrolle ist der Schreck groß, unser Supermonster hat doch tatsächlich 4 l auf 1000 km verbraten. Das ist nun doch entschieden zuviel.

 

Für Freitag melden wir uns bei Sonja und Michi (www.sabana.ch) an, die bis zu ihrer Abreise bei ihren Verwandten in „Eungella“ eine Unterkunft gefunden haben, die dort ein Restaurant betreiben. „Eungella“ ist der älteste und längste Streifen subtropischen Regenwalds in Australien und hier leben so seltsame Viecher wie der Eungella-Frosch, der seine Eier im Magen ausbrütet und die Kaulquappen dann ausspuckt. Der Name Eungella =Land der Wolken kommt nicht von ungefähr, die letzten Meter geht es heftig bergauf, von unten haben wir den Eindruck, als ob wir senkrecht hochfahren müssten, doch auch die serpentinenartige Auffahrt ist nicht von schlechten Eltern. Dafür entschädigt wird man mit einer tollen Aussicht und fühlt sich fast wie in der Schweiz. Kein Wunder also, dass es Michis Familie hierher verschlagen hat.

Wir verbringen mit den beiden einen unterhaltsamen Nachmittag und schlemmen abends schweizerischen Spezialitäten im Restaurant. Am späten Samstagnachmittag machen wir uns wieder auf den Weg, denn zum Einen wollen wir am Montag in „Brisbane“ sein und zum Anderen sind Sonja und Michi zum Restaurantdienst eingeteilt, da dort momentan sehr viel Betrieb ist. In Australien bzw. zumindest in dieser Gegend gibt es das merkwürdige Fest des „Christmas in July“, einfach aus dem Grunde erfunden, da auch die Aussies mal in der kalten Jahreszeit, und dann womöglich auch noch weiße Weihnacht feiern möchten.

 

Der Abschied fällt nicht ganz so schwer, da wir uns vermutlich in „Brisbane“ nochmals treffen werden.

 

Unterwegs macht uns unser Monsterchen doch einige Sorgen, stößt er doch plötzlich große Wolken aus und wir sind froh, dass wir am Montagvormittag ganz wie geplant Brisbane erreichen. Der erste Weg führt gleich zur Firma RGM (www.rgmmaintenance.com.au) und deren Mitarbeiter Peter. Dieser macht auf den ersten Blick einen kompetenten Eindruck und kümmert sich auch gleich noch um die Frage unserer Unterkunft. In einem Caravanpark im Ortsteil Rochedale werden wir fündig und mieten uns dort in einem kleinen Ferienhäuschen für eine Woche ein. Wir packen unsere Taschen, laden Maschine ab und überlassen Monster schweren Herzens Peters Obhut.

 

Bereits am nächsten Morgen treibt es uns zur Werkstatt und Peter wartet mit froher Kunde. Monsters Motor liegt schon in Einzelteile zerlegt und es hat sich herausgestellt, dass die Ölabstreifringe die Übeltäter waren. Die neuen Teile sind bereits bestellt und Peter ist voller Hoffnung, dass er den Motor am Donnerstag wieder zusammenbauen kann. Das ist ja wirklich toll und wir freuen uns wie die Schneekönige. Schnell bringen wir Maschine nach Hause und fahren mit dem Bus in die Innenstadt, um uns endlich um die Verschiffung nach Neuseeland zu kümmern.

 

Brisbane ist die drittgrößte Stadt Australiens und beheimatet ca. 1,5 Millionen Einwohner. Im Gegensatz zu den anderen Hauptstädten wirkt die Innenstadt auf uns jedoch total gemächlich, es gibt den Brisbane River, eine gemütliche Fußgängerzone auf der sich die Straßenmusiker tummeln und dazu durchschnittlich 7,9 Stunden subtropischen Sonnenschein, Hektik und Arroganz suchen wir hier vergeblich.

 

Unser erster Weg führt uns zu ANL, deren Adresse wir von Cordula und Jochen bekommen haben und zudem noch einer der ganz großen Spediteure Australiens. Der Branchmanager ist ein wahnsinnig netter Kerl, kann uns aber leider nicht weiterhelfen, da ANL die von uns gewünschte Sparte inzwischen zu ANL Logistics ausgelagert hat, die aber praktischerweise im gleichen Büro sitzen. Wir unterhalten uns daraufhin mit Andrew, für den, wie im Aussieland üblich, alles kein Problem darstellt. Er will uns den Preis und alle weiteren Infos in den nächsten Stunden per Email schicken, also schauen wir mal.

 

Das nächste Objekt der Begierde ist ein Telstra-Shop, vergleichbar mit der deutschen Telekom und was das bedeutet, das weiß so ziemlich jeder Telefonkandidat in Deutschland. Dort treffen wir einen total engagierten, indischen Studenten, der nebenbei für die Telefongesellschaft jobbt. Wir schildern unser Problem, dass es uns seit unserer Ankunft in Queensland nicht mehr gelingt, eine Verbindung zum Server herzustellen und somit im Internet zu surfen. Der nette junge Mann bringt uns auf den neuesten Stand, Telstra hat derweil das komplette System vom alten CDMA Signal auf das neue EVDO gewechselt und darin scheint der Grund allen Übels zu liegen. Hier im höher entwickelten Queensland wurde bereits überwiegend umgestellt und wir mit unserer 1 Jahr (!) alten Technik sind einfach nicht mehr auf dem neuesten Stand.

 

Der gute Inder telefoniert und telefoniert um für uns etwas zu retten, aber im Endeffekt muss er einfach passen und gibt uns den guten Rat, einfach die ausstehende Grundgebühr nicht zu zahlen, da wir ja auch nicht surfen können. Wir grinsen über die typisch indische Lösung, beschließen aber, uns an seinen Rat zu halten.

 

Der Rest der Woche fliegt einfach so dahin, der tägliche Monsterbesuch, die Flugfrage und auch das Verschiffungstheater hält uns ziemlich auf Trapp. Für Andrew von ANL ist immer noch alles kein Problem, das Schiff für den 06.08.gebucht und wir sollen erst am Mittwoch, dem 01.08. wieder ins Office kommen, um den Schriftverkehr zu regeln. Das klingt ja zu schön um wahr zu sein.

 

Wir wundern uns also nicht schlecht als es urplötzlich schon Freitag ist und wir unser Schätzchen wieder abholen können, der Motor schnurrt wie ein Kätzchen und alle Beteiligten sind happy.

 

Da wir unser Häuschen im Caravanpark nur für 1 ganze Woche mieten konnten, kehren wir samt Monster dorthin zurück und fallen über das große Reinemachen her. Die Quarantänebestimmungen in Neuseeland sollen noch drastischer sein als die australischen, also räumen, putzen und rödeln wir das ganze Wochenende wie losgelöst und sind recht froh, dass wir am Montagmorgen das Feld räumen können.

 

Wir wollen nach „Canungra“ am Rande des Lamington N.P. wo die Firma EST, von der wir unser Victron Energy Gerät bekommen haben, ihre Zelte aufgeschlagen hat. Vater und Sohn v.d.Veen sind einfach nette Menschen, die auch noch über unheimliches Fachwissen verfügen und so kommen wir zu der Erkenntnis, dass ein größeres Gerät erforderlich ist um auch die Klimaanlage darüber betreiben zu können.

 

Ohne großes Federlesen wird unser kleines gegen ein größeres Vorführgerät umgetauscht und schon läuft die ganze Sache. Das ist ja wunderbar!! Wir kehren nochmals nach Brisbane zurück und leisten uns zwei zusätzliche Solarpaneele. Es hat sich herausgestellt, dass unsere 120 Watt bei 24 V im Winter, also bei niedrigem Sonnenstand, nicht genügend Leistung bringen und so gönnen wir uns 2 weitere a 80 W.

 

Anschließend telefonieren wir mit „Opa“ wie Daphne und Ron seit dem Tasmanien Aufenthalt heißen und wie nicht anders zu erwarten, sollen wir sogleich zu ihnen kommen. Die beiden wohnen in „Southport“ in wunderbarer Umgebung und wir fühlen uns gleich wohl. Die neuen Solarpaneele werden direkt montiert bevor Jupp Ron beim Rollrasen verlegen unter die Arme greift. Wir haben zwar nicht damit gerechnet, dass dieses gleich 2 Tage dauert, aber der schöne Anblick des Gartens entschädigt dann auch für die müden Knochen.

Am Sonntag heißt es einmal mehr Abschied nehmen, wir wollen uns noch einige Tage in „Surfers Paradies“ ins Getümmel stürzen bevor wir nach Brisbane zurückkehren.

Dienstagmorgen ist es dann soweit, zwar sollen wir erst am Mittwoch wieder bei ANL auflaufen, aber wie heißt es so schön? Gebranntes Kind scheut das Feuer und vorsichtshalber schauen wir bereits heute bei Andrew herein. Anscheinend ist alles in Ordnung, doch beim Verlassen des Gebäudes fragt mich Jupp, ob mir der rote Kopf von Andrew angesichts unseres Erscheinen auch aufgefallen sei. Upps!!? Wenigstens gelingt es uns endlich bei „Emirates“ die Heimatflüge von „Auckland“ zu buchen, zwar ist der Termin relativ ins Blaue ausgesucht, aber mit etwas Glück könnte der Heimflug am 21.08. klappen.

 

Am Mittwoch finden wir uns wieder bei RGM ein, nein, keine Sorge, nicht etwa weil wir motorische Probleme hätten, sondern weil Peter uns gestattet hat den Hochdruckreiniger zu benutzen um Monsters Unterboden zu dampfstrahlen. Dieser, die Radkästen, die Stoßstangeninnenräume und sämtliche kleinen Ritzen müssen sauber sein.

Juppi bewaffnet sich mit seinem Tauchanzug und Blaumann und taucht, im wahrsten Sinne des Wortes, im Untergrund ab. Stunde um Stunde vernehme ich nur noch stöhnende und fluchende Töne von unten, es ist aber auch wahrlich kein Vergnügen im nassen Dreck zu liegen während einem der Schmutz ins Gesicht tropft. Nach 4 Stunden geben wir körperlich und geistig geschafft auf, irgendwann ist es genug und ein 30 Jahre altes Auto kann man nun mal nicht porentief reinigen.

 

In dem ganzen Getöse haben wir leider unser Telefon nicht gehört und haben dann auch gleich ein komisches Gefühl als die Nummer von ANL auf dem Display angezeigt wird. Das Gefühl wird leider bestätigt, denn Andrew offenbart uns die Nachricht, dass das von uns eigentlich gebuchte Schiff ausgebucht sei und er damit beschäftigt sei, ein anderes zu finden. Vermutlich sei aber der nächste Termin in 14 Tagen. Na das ist ja toll, uns trifft fast der Schlag. Noch 14 Tage in dieser Gegend, das kann ja heiter werden.

 

Am nächsten Morgen sind wir schon um 8.00 Uhr bei Seaways, einer weiteren Schiffsagentur in Brisbane. Dort treffen wir Matthew, der sich unseres Problems annimmt und einen Termin bereits in der nächsten Woche anbieten kann. Die Verschiffung mit dieser Agentur hat den Vorteil, dass diese a.) Alleinvertrieb für „Kiwi Carrier“ sind, b.) die Route andersherum fahren, was bedeutet, das zuletzt in Brisbane ent- bzw. geladen wird und somit nur 4 Tage für die gesamte Strecke benötigt werden. Alles in allem hätten wir also nicht soviel Zeit verloren, da die Verschiffung mit ANL 10 Tage gedauert hätte. Wir sind zwar immer noch etwas skeptisch, aber dennoch ist das Bauchgefühl bei Matthew deutlich besser und so sagen wir die Buchung zu, jedoch nicht ohne eine schriftliche Bestätigung. Heute in 1 Woche sollen wir uns wieder treffen und dann gemeinsam unser Baby im Hafen abliefern.

 

Wir kehren nach „Southport“ zum Mainbeach Campingplatz zurück und tragen dort zur Erheiterung bei. So ziemlich jeder Bewohner, da überwiegend Langzeitcamper, hatte uns zuvor gesehen und wusste, dass wir eigentlich nach Neuseeland unterwegs sein wollten. Tja, so kann`s gehen, aber nichtsdestotrotz fühlen wir uns recht wohl. Wir verstehen uns gut mit Barbara und Herbert, einem deutschen Ehepaar, die bereits seit etlichen Jahren in Australien leben, und so verbringen wir einige Zeit miteinander. Dazwischen schrubben wir immer noch innen und außen an Monster herum, es scheint nicht aufzuhören und wenn wir nicht langsam zum Ende finden, dann werden auch wir zur Wasserknappheit in Queensland beitragen. Die Wasserreservoire sind inzwischen nur noch zu 17% gefüllt und es stehen noch einige trockene Monate bevor.

 

Am Dienstag gerät die ganze Putzkolonne in Bewegung, schließlich soll morgen der Tag der Tage sein und typisch deutsch, fahren wir lieber heute noch mal bei Matthew von Seaways vorbei. Der ist etwas erstaunt uns heute schon zu sehen, aber bestätigt ganz zuversichtlich alle Verabredungen für morgen. Uff, das scheint ja zu klappen. Ganz nach dem Motto, Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, traben wir zum „Emirates“ Office und buchen unseren Flug vom 21.08. auf den 22.08. um. Die ganze Aktion ist kostenlos und vor dem Hintergrund, dass ansonsten bis Anfang September keine freien Sitze mehr zu bekommen sind, ist uns ein Tag Luft zusätzlich irgendwie angenehmer. Sicher ist sicher, gell?

 

Das nächste Ziel ist die ANZ Bank zur Kontoauflösung. Dort stellen sich uns wieder einige Probleme, zwar hatten wir bereits vor 2 Wochen nachgefragt, ob Fristen einzuhalten seien, was wie immer verneint wurde, aber nun gibt es natürlich doch welche. Es scheint unmöglich, unser Geld direkt mitzunehmen. Wen wundert es, dass solche Aussagen sogleich Jupp auf den Plan rufen, der keinerlei Verständnis dafür zeigt, dass wir mit unserem Geld nicht machen können, was wir möchten. Der Ausbruch führt zu roten Ohren unserer Sachbearbeiterin, aber im Endeffekt findet sie zusammen mit der Filialleiterin eine Lösung. Plötzlich können wir bis auf einen kleinen Restbetrag doch das ganze Guthaben mitnehmen und müssen lediglich morgen früh nochmals hereinkommen, um eventuell aufgelaufene Restabbuchungen zu begleichen. Geht doch, warum nicht gleich so?

 

Am Abend haben wir uns mit Sonja und Michi verabredet, die bei einigen Freunden in „Sandgate“, einem Vorort von „Brisbane“, zu Besuch sind und wo auch unser Gefährt einen Platz vor dem Haus findet. Wir verbringen einen vergnüglichen Abend mit der ganzen Familie, und bei etlichen Pizzen trägt Jupp mal wieder zu Erheiterung vor allem der beiden Jungs bei.

 

Der Mittwoch, der Tag der Entscheidung, wir sind schon früh auf den Beinen und packen recht zuversichtlich unsere Taschen, auch unsere Tauchklamotten sollen dieses Mal mit, da wir noch nicht wissen, wohin der Wind uns ohne Monster treibt.

Wir verabschieden uns von Sonja und Michi und fahren zunächst zu Seaways. Dort klappt alles wie erhofft, wir bekommen zwar die „Bill of Loading“ noch nicht (da das Schiff noch nicht beladen ist, aber zumindest ein offizielles Dokument mit dem wir beim Zoll auftreten können.

 

Gleich 3 Straßen weiter ist ein Büro des Zolls und wir benötigen ganze 10 Minuten um das Carnet de Passage abgestempelt zu bekommen und somit alle Zollformalitäten erledigt zu haben. Wow, das klappt ja super, also auf ins Internetcafe um entweder ein Hotel in „Brisbane“ oder aber einen Flug nach „Auckland“ zu buchen. Die Hotelzimmerbuchung entpuppt sich als schwierig, wir wissen nicht was heute und morgen hier los ist, aber jedenfalls ist weit und breit kein akzeptables Zimmer zu bekommen.

Hm, dann eben nicht, versuchen wir doch unser Glück mit einem Flug und siehe da, null problemo, wir könnten selbst am Mittag noch fliegen, was uns dann aber doch etwas zu knapp ist. Wir buchen lieber den Abendflug um 17.35 Uhr und gleich noch ein deutlich günstigeres Zimmer in Flughafennähe von „Auckland“. Puh, jetzt müssen wir nur noch den Rest des Bankkontos bei der ANZ Bank auflösen und sämtliche Bande zu Australien scheinen durchschnitten.

 

Wir kehren zu Matthew zurück und fahren mit diesem gemeinsam zum Hafen, auf Fisherman Island. Dort folgt der Moment des Abschieds, wieder einmal müssen wir unser Baby in fremde Hände abgeben, dieses Mal bereits vor dem Tor und nicht ohne ausführliche Erklärungen, wie er zu behandeln, sprich zu starten und zu stoppen ist. Zur Sicherheit lassen wir unsere 3 Wackeldackel, nämlich Heather, Brad und Wachhund im offenen Handschuhfach zurück und hoffen auf deren Loyalität.

Matthew fährt uns freundlicherweise direkt bis zum Flughafen, wo wir ganz nach holländischer Manier (der gemeine Niederrheiner weiß bescheid), unsere restlichen Kühlschrankbestände auffuttern und auf den Air New Zealand Flug warten.