von Wave Rock nach Alice Springs 2: Okt. 2006

Wir lassen uns auf dem „Ayers Rock Resort Campground“ nieder und verbringen die nächsten zwei Tage mit großem Hausputz innen und außen, der rote Staub hat sich in jeder Ritze festgesetzt. Während wir so in und um Monster herumwuseln, stellt Jupp fest, dass von diesem ganzen Gerumpel unser Hilfsrahmen hinten angebrochen ist und sich die Halterung für die Ersatzreifen und Maschine nach unten biegt. Oh, oh!! Das E-Schweißgerät wird ausgepackt und Jupp schweißt was das Zeug hält.

Irgendwann wird es selbst dem Gerät zu warm, es schaltet ab und zwingt Jupp zu einer Zwangspause. Diese kann er nun sinnvoll zur erneuten Instandsetzung unserer Toilette (SCHEISSarbeit!) nutzen, die es auch wieder hingerafft hat. Nach einer Stunde ist das Schweißgerät wieder zum Einsatz bereit und es kann weitergehen, aber die Reparaturen nehmen einfach kein Ende, erst gegen Abend des zweiten Tages ist Monster wieder ganz der Alte.

 

Am Sonntagmorgen um 5.00 Uhr ist es endlich soweit, zusammen mit dem unvermeidlichen Konvoi anderer Frühaufsteher, geht es vor dem Sonnenaufgang zum „Ayers Rock“. An der für den Sunrise ausgeschilderten Stelle herrscht schon Trubel, doch ausgestattet mit heißem Kaffee haben wir auf Monsters Dach eindeutig die Logenplätze und ernten manchen neidischen Blick. Die Farbe des Felsens wechselt von fast schwarz über dunklere Rottöne bis zu glänzendem Orange und nimmt am Ende einen ockerbraunen Farbton an.

Nach einer Stunde ist alles vorbei und die Karawane verschiebt sich in Richtung Mala Parkplatz zum „Climb“.

Für viele Besucher ist die Besteigung des Uluru ein Highlight ihres Trips in die Mitte Australiens, für die Ureinwohner ist der Felsen jedoch von großer spiritueller Bedeutung. Deshalb besteigen die „Anangu“ ihn auch nicht und bitten die Besucher, dies ebenfalls nicht zu tun. Der „Climb“ ist heute aufgrund der Windverhältnisse gesperrt und so kommen wir erst gar nicht in Entscheidungszwang.

 

Nach einem ausgiebigen Frühstück sind wir für den 10 KM langen Basewalk gerüstet. Die Wanderung einmal um den Berg herum dauert in gemütlichem Tempo 3-4 Stunden, wer sich sputet schafft es auch in 2 Stunden, aber wer will das schon?

Unterwegs sehen wir „The Rock“ abermals in verschiedenen Farbtönen, je nach Sonneneinfall, und legen einige Stopps bei den verschiedenen Höhlen und Zeichnungen ein. Nach einem Halt am „Uluru-Kata Tjuta“ Nationalpark Kulturzentrum vertrödeln wir den Nachmittag auf dem Campingplatz bevor wir zum Sonnenunterganz nochmals zum Felsen zurückkehren. Während wir wieder gemütlich auf Monsters Dach sitzen, quält sich neben uns ein Paar in einem kleinen Wohnmobil mit einer Flasche Champagner herum.

Die beiden, Maria und David, sind aus „Sydney“ und begießen Marias 40ten Geburtstag. Wir staunen nicht schlecht, als Dave uns sagt, das Foto vom „Ayers Rock“ wäre aber schnell übertragen worden und wir einen Laptop mit einer uns wohl bekannten Website zu sehen bekommen. Wireless Broadband Access ist wirklich eine tolle Sache! Lange nach Einbruch der Dunkelheit sind wir erst auf dem Campingplatz in „Yulara“ zurück, nicht ohne eine Einladung nach „Sydney“ erhalten zu haben.

 

Der nächste Tag gehört den „Olgas“ (Kata Tjuta), einer beeindruckenden Ansammlung von Monolithen. Wir wollen uns gerade auf den Weg in die „Walpa Gorge“ machen, da treffen wir erneut auf Maria und David und so wandern wir dieses Mal gemeinsam. Wie immer verquatschen wir die Hälfte des Tages mit der Folge, dass es für den 7,4 KM langen Hauptwanderweg, dem „valley of the winds“, inzwischen zu spät ist. Wir starten zwar noch den Versuch durch die schöne Schlucht zu laufen, aber es ist einfach zu heiß und die 2 Millionen Fliegen tun ein Übriges. Kapitulation und Rückzug auf den Picknickplatz. Dort verhalten wir uns ganz ruhig und warten auf den Sonnenuntergang. Die 36 einzelnen Kuppen, die bis zu 546 m hoch sind, erstrecken sich über eine Fläche von 36 KM² und leuchten bei Sonnenuntergang ebenfalls rot.

 

Dienstagmorgen sind wir früh auf den Beinen und über gute Asphaltstraßen unterwegs zum „Kings canyon“. Unterwegs auf einem Parkplatz treffen wir auf eine belgische Reisegruppe, die uns während unseres Frühstücks mit ihren Boomerang-Wurfübungen unterhält. Erst eine plötzlich auftauchende Kamelherde beendet das amüsante Vergnügen und wir ziehen unserer Wege.

 

Über den „Luritja“ Highway erreichen wir den „Watarrka“ Nationalpark, der eine der spektakulärsten Sehenswürdigkeiten Zentralaustraliens zu bieten hat, die 100 m hohen Steilwände des „Kings Canyon“. Wir absolvieren zunächst mal den Kings Creek Walk am felsigen Flussbett eines Bachs entlang. Von dort hat man auf die steil aufragenden Ränder des Canyons einen Blick wie im Amphittheater. Den 6 KM langen „Kings Canyon Rim Walk“ bewahren wir uns für die kühleren Morgenstunden auf. Kaum sind wir auf dem „Kings Canyon“ Caravanpark eingetroffen, begrüßen uns auch schon Maria und Dave. Unsere Einladung zu einem Bier müssen die beiden gründlich missverstanden haben, sie bleiben jedenfalls auch gleich zum Abendessen. Die deutschen Bratkartoffeln scheinen auch in Australien Anklang zu finden.

 

Trotz alledem ruft morgens um 6.00 Uhr der Berg, nach einem steilen Anstieg auf die 100 m hohe Klippe werden wir mit herrlichen Ausblicken belohnt.

Während wir nach 2 Stunden Wanderung unser wohl verdientes Lunchpaket vertilgen, tauchen auch Maria und David auf. Die Zwei hatten heute Morgen etwas Anlaufschwierigkeiten, es soll doch wohl nicht an den Kartoffeln gelegen haben? Nun denn, gemeinsam beenden wir die 4 Stunden Wanderung und verabschieden uns dieses Mal endgültig bis zum Wiedersehen in „Sydney“.

 

Zurück auf dem Campingplatz nutzen wir die Gelegenheit mit unserem „Outback“ erfahrenen Nachbarn über den Reifendruck zu fachsimpeln. Ist diese Frage in Deutschland bei „Bridgestone“ noch auf Unverständnis gestoßen, wissen die Australier ganz genau worüber sie reden.

Der gängige Trick, um die Traktion auf Sand zu verbessern, ist Luft abzulassen um die Auflagefläche des Reifens zu vergrößern. Möglicherweise war unser hoher Reifendruck die Ursache für unser fürchterliches Gerappel auf der „Great Central Road“. Da wir für morgen den „Mereenie Loop“, eine weitere „Gravelroad“ geplant haben, senken wir unseren Reifendruck.

 

Nachdem wir morgens an der Rezeption die Genehmigung zur Befahrung des Loops und von Aboriginalland geholt haben, geht es los und siehe da, wir werden nicht mehr sooo schlimm durchgeschüttelt. Liegt es nun am Luftdruck oder ist einfach die Piste besser? Nach einem Halt am „Gosse Bluff“, einem alten Meteoritenkrater mit 5 KM Durchmesser, erreichen wir ohne weitere Ausfälle den „West Mac Donnell“ Nationalpark. Alles wofür das rote Zentrum bekannt ist, befindet sich hier, sensationelle Schluchten und schöne Wanderwege. Da die Bergkette vom 161 km entfernten „Alice Springs“ auch mit normalen Fahrzeugen leicht zu erreichen ist, wird sie oft von Tagesausflüglern überschwemmt, mit Ausnahme der „Redbank Gorge“, einem dauerhaften Wasserloch und unser Übernachtungsplatz für heute. Um dort überhaupt noch etwas Wasser zu finden, müssen wir zwar länger wandern als geplant aber Bewegung hat ja bekanntlich noch niemandem geschadet und unser Abendessen will auch verdient werden, gelle?

 

Morgens tun mir dann alle Knochen weh und ich fühle mich ziemlich erschlagen, was so ein bisschen klettern doch anrichten kann! Sollten wir womöglich an meiner Kondition arbeiten oder ist es einfach nur die Sache mit den guten und den schlechten Tagen? Wie auch immer, nach einem nur kurzen Stopp an der „Glen Helen Gorge“, hier bahnt sich der „Finke River“ seinen Weg durch die „Mac Donnells“, nehmen wir die wenigen Kilometer bis zur „Ormiston Gorge“ in Angriff.

 

Sie ist die mit Abstand beeindruckendste Felsspalte in den westlichen Ranges. Mit Rücksicht auf meinen desolaten Zustand warten wir bis die größte Hitze des Tages vorüber ist bevor wir den Weg zum „Ghost Gum“ Aussichtspunkt bezwingen. Von dort hat man einen phantastischen Blick hinunter in die Schlucht und auf die permanenten Wasserlöcher. Die dort lebenden Fische buddeln sich in den Sand, fallen in eine Art Starre und tauchen erst wieder auf, wenn es kräftig geregnet hat. Trotzdem sehen wir bei Erreichen der Schlucht zahlreiche tote Fische, womöglich haben sie sich zu Tode erschreckt ob der Gestalten die dort ein erfrischendes Bad nehmen.

Am nächsten Morgen ist alles wieder gut, der Muskelkater, oder was immer es war, überwunden und beim Sonnenaufgang um 6.00 Uhr sind wir bereits auf dem 6 KM langen „Pound“ Wanderweg unterwegs.

 

Um diese frühe Stunde schlafen auch die allgegenwärtigen Plagegeister, die Fliegen, noch, erst pünktlich zur Frühstückspause finden sie sich ein und nehmen ungefragt daran teil. Unsere Wanderung endet abermals am Pool, noch ungestört schwimmen wir ein paar Runden und fahren anschließend auf dem „Namatjira Drive“ weiter.

Die „Ochre Pits“ und die „Serpentine Gorge“ lassen wir links liegen und fahren direkt bis zum „Ellery Creek Big Hole“. Dort herrscht Jubel, Trubel, Heiterkeit, aber angesichts des einladenden Gewässers und der Hoffnung, dass es sich nur im Tagesausflügler handelt, schlagen wir unsere Zelte auf. Und tatsächlich, bis auf 3 junge Leute in einem Zelt und 1 Familie in einem Geländewagen verschwinden nach und nach alle Badegäste und es kehrt Ruhe ein.

 

Wir richten uns auf einen gemütlichen Abend ein bis wir den Familienvater mit einem Generator hantieren sehen. Die Hoffnung, das Ding möge nicht anspringen, hält sich nur kurz, bei Anbruch der Dunkelheit werden wir nicht nur von hellen Scheinwerfern bestrahlt, sondern auch noch mit ohrenbetäubender Musik unterhalten. Zu allem Überfluss stößt dieser Irre auch noch ständig laut Schreie aus und beschimpft seine Familie. Der Typ ist entweder total betrunken oder bekifft, jedenfalls scheint er ein ernsthaftes Problem zu haben.

Im Laufe der Nacht hat der liebe Gott ein Einsehen und lässt den Generator sein Leben aushauchen woraufhin endlich Ruhe einkehrt. Jedenfalls bis der Wahnsinnige in den frühen Morgenstunden nochmals einen Rückfall erleidet, er brüllt 15 Minuten in der Gegend herum, aber dann rafft es ihn endgültig dahin. Ich glaube in Juppis Augen leichte Mordlust zu erkennen, doch als wir um 7.00 Uhr aufstehen, sitzt der Irre mitsamt seiner Familie bereits im Auto und braust in einem Affenzahn an uns vorbei. Kopfschüttelnd ziehen auch wir weiter, sind aber heute von einer gewissen Lustlosigkeit befallen.

Wir absolvieren noch kurz die „Stanley Chasm“, ärgern uns über die Abzocke in Höhe von 8 AU beim Eintrittspreis, werden jedoch beim Marsch durch den Creek wieder etwas damit versöhnt.

 

Die üppige Vegetation, immer wieder durchsetzt von abgestorbenem Holz zwischen grünen Bäumen, Büschen und Palmen und roten Sandstein-Brocken weckt leicht karibische Gedanken. Nach einigen Minuten erreichen wir den eigentlichen Chasm mit 80 m hohen Felswänden und einem nur 9 m breiten Zwischenraum.

 

Wir sind früh dran und verpassen daher die zahlreichen, mit Kameras behangenen Touristen, die in der Regel zur Mittagszeit einfallen, wenn die Sonne in den Felsspalt fällt und die roten Wände ins helle Licht taucht. Wir klettern unbehelligt ein wenig auf den großen Felsen herum und düsen anschließend schnurstracks nach „Alice Springs“.